In der Welt der Smartphone-Fotografie hat sich in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung vollzogen. Was einst mit einer einzigen Linse begann, hat sich schnell zu komplexen Multi-Kamera-Systemen entwickelt. Besonders Telefone mit drei Kameras auf der Rückseite sind zu einem weit verbreiteten Standard geworden. Doch welche Modelle bieten diese Konfiguration, und was genau ermöglichen die zusätzlichen Linsen? Tauchen wir ein in die Evolution der Smartphone-Kamera und beleuchten die Bedeutung des Dreifach-Setups.
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Die Geschichte der Mehrfachkameras im Smartphone reicht weiter zurück, als viele vielleicht denken. Schon 2007 gab es erste Gehversuche mit Dual-Linsen, wie das Samsung B710. Richtig Fahrt nahm die Entwicklung aber erst später auf. Im Jahr 2011 experimentierten Hersteller wie LG mit dem Optimus 3D und HTC mit dem Evo 3D mit zwei Kameras, allerdings mit dem Ziel, 3D-Fotos und -Videos zu erstellen. Eine faszinierende Idee, die jedoch keinen langfristigen Erfolg hatte.

Ein wichtiger Schritt in Richtung moderner Dual-Kameras war das HTC One M8 im Jahr 2014. Dieses Modell nutzte die zweite Linse nicht für 3D, sondern zur Erfassung von Tiefeninformationen. Das ermöglichte Effekte wie Bokeh (Hintergrundunschärfe) und die nachträgliche Anpassung des Fokus. Obwohl die Effekte damals noch als etwas gimmickhaft galten, legte das One M8 den Grundstein für den Einsatz von Tiefensensoren, die heute oft für Porträtmodi genutzt werden.
Die Ära der spezialisierten Linsen beginnt
Die wahre Revolution der Dual-Kamera kam 2016. LG präsentierte mit dem LG G5 eine Dual-Kamera, bei der die zweite Linse einen völlig anderen Zweck erfüllte: Sie war ein Ultraweitwinkelobjektiv. Dies erlaubte es Nutzern, mit einem einfachen Tippen von einer Standardansicht zu einem deutlich breiteren Blickwinkel zu wechseln – ideal für Landschaftsaufnahmen oder das Fotografieren in engen Räumen. Huawei ging im selben Jahr mit dem P9 einen anderen Weg und setzte auf eine Partnerschaft mit Leica. Das P9 hatte eine RGB- und eine Monochrom-Linse, die zusammenarbeiten sollten, um die Bildqualität zu verbessern und beeindruckende Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu ermöglichen. Diese Monochrom-Linsen fanden sich später auch in Modellen von Honor und kurzzeitig sogar bei Nokia (mit Zeiss-Optik) und OnePlus (mit Hasselblad).
Ebenfalls 2016 führte Apple mit dem iPhone 7 Plus eine Dual-Kamera ein, die sich auf das Teleobjektiv konzentrierte. Mit einer zweiten Linse mit längerer Brennweite (56mm im Vergleich zum 23mm Hauptobjektiv) ermöglichte das iPhone 7 Plus einen optischen Zoom, der den Qualitätsverlust beim Heranzoomen reduzierte. Diese Zoom-Funktion wurde schnell zu einem Standard, den viele andere Hersteller übernahmen.
Drei ist die magische Zahl: Der Aufstieg der Triple-Kamera
Der Übergang von Dual- zu Triple-Kamera-Systemen war ein logischer nächster Schritt, um noch mehr fotografische Vielseitigkeit in einem Gerät zu vereinen. Einer der Pioniere in diesem Bereich war Huawei. Mit dem Huawei P20 Pro, das Anfang 2018 vorgestellt wurde, präsentierte das Unternehmen ein bahnbrechendes Triple-Kamera-System, das eine RGB-, eine Monochrom- und eine Tele-Linse kombinierte. Dieses Setup, unterstützt durch fortschrittliche KI und einen beeindruckenden Nachtmodus, setzte neue Maßstäbe in der Smartphone-Fotografie und bewies, dass drei Kameras einen echten Mehrwert bieten können.
Später im Jahr 2018 stellte Huawei mit dem Mate 20 die Konfiguration um und ersetzte die Monochrom-Linse durch ein Ultraweitwinkelobjektiv. Dieses Trio aus Weitwinkel, Ultraweitwinkel und Tele wurde schnell zum Standard für High-End-Smartphones und bot die Flexibilität, die die meisten Nutzer suchten: die Möglichkeit, sowohl weite Landschaften als auch weit entfernte Objekte ohne signifikanten Qualitätsverlust aufzunehmen. Auch Samsung stieg 2018 mit dem Galaxy A7 in den Markt der Dreifach-Kameras ein, allerdings mit einer Konfiguration aus Weitwinkel, Ultraweitwinkel und einem reinen Tiefensensor.
Seitdem ist die Dreifach-Kamera in vielen Smartphone-Segmenten angekommen, nicht mehr nur im High-End-Bereich. Allerdings ist die Qualität und Funktion der dritten (oder vierten) Linse stark vom Preis des Geräts abhängig. Bei günstigeren Modellen wird oft eine Makro- oder Tiefenlinse hinzugefügt, die in der Praxis weniger nützlich ist als ein echtes Tele- oder ein hochwertiges Ultraweitwinkelobjektiv.

Welche iPhones haben drei Kameras?
Apple hat die Dreifach-Kamera mit den Pro-Modellen eingeführt und bietet sie seither konsequent in seinen Top-Smartphones an. Die folgenden iPhone-Modelle verfügen über ein System mit drei Kameras auf der Rückseite:
- iPhone 16 Pro Max
- iPhone 16 Pro
- iPhone 15 Pro Max
- iPhone 15 Pro
- iPhone 14 Pro Max
- iPhone 14 Pro
- iPhone 13 Pro Max
- iPhone 13 Pro
- iPhone 12 Pro Max
- iPhone 12 Pro
- iPhone 11 Pro Max
- iPhone 11 Pro
Diese Modelle bieten in der Regel eine Kombination aus Ultraweitwinkel-, Weitwinkel- (der Hauptkamera) und Teleobjektiv. Zusätzlich verfügen die Pro-Modelle seit dem iPhone 12 Pro über einen LiDAR-Scanner, der zwar keine Kamera im klassischen Sinne ist, aber für Tiefenmessungen und verbesserte AR-Anwendungen eingesetzt wird und somit das Kamerasystem ergänzt.
Welche Samsung Handys haben drei Kameras?
Samsung war ebenfalls ein früher Anwender von Dreifach-Kameras, sowohl im Mittelklasse- als auch im High-End-Segment. Die Galaxy S-Serie, Samsungs Flaggschiff-Reihe, setzt seit einigen Generationen auf Multi-Kamera-Systeme. Die Samsung Galaxy S20-Serie (S20 und S20+) war beispielsweise mit einer Dreifach-Kamera (Ultraweitwinkel, Weitwinkel, Tele) ausgestattet. Auch das Samsung Galaxy S21 verfügt über drei Kameras auf der Rückseite. Selbst in der Mittelklasse finden sich Modelle mit drei oder sogar vier Linsen, wie das bereits erwähnte Galaxy A7 (2018) oder neuere Modelle der Galaxy A-Serie wie das Galaxy A52, das sogar vier Kameras bietet (oft Haupt-, Ultraweitwinkel-, Makro- und Tiefensensor).
Es ist wichtig zu beachten, dass die reine Anzahl der Kameras nicht allein über die Qualität entscheidet. Die Leistung der Sensoren, die Qualität der Linsen, die Bildverarbeitung und die Software-Optimierung spielen eine ebenso große, wenn nicht sogar größere Rolle. Ein hochwertiges Dreifach-System kann deutlich bessere Ergebnisse liefern als ein Vierfach-System mit minderwertigen Komponenten.
Warum drei Kameras? Die Vorteile des Trios
Das typische Dreifach-Kamera-Setup aus Ultraweitwinkel-, Weitwinkel- und Teleobjektiv bietet eine enorme Flexibilität für verschiedene Aufnahmesituationen:
- Ultraweitwinkel: Perfekt für Landschaftsaufnahmen, Architektur oder Gruppenfotos, bei denen man viel auf das Bild bekommen möchte, ohne sich physisch weiter entfernen zu können. Es bietet eine dramatische Perspektive, die mit einer einzelnen Linse nicht möglich wäre.
- Weitwinkel (Hauptkamera): Dies ist die Standardkamera, die für die meisten alltäglichen Aufnahmen verwendet wird. Sie bietet oft die höchste Auflösung und die beste Leistung bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen.
- Teleobjektiv: Ermöglicht das Heranzoomen an entfernte Motive. Statt auf digitalen Zoom angewiesen zu sein (der die Bildqualität verschlechtert), wechselt das Telefon zu einer Linse mit längerer Brennweite. Dies ist ideal für Porträts (oft mit einem 2x oder 3x optischen Zoom) oder um Details aus der Ferne einzufangen.
Diese Kombination deckt einen weiten Bereich an Brennweiten ab und erlaubt es dem Fotografen, kreativer zu sein und sich besser an verschiedene Szenarien anzupassen, ohne auf zusätzliche Ausrüstung angewiesen zu sein.
Vergleich: Typische Kamera-Setups
Um die Vielfalt der Multi-Kamera-Systeme zu verdeutlichen, hier ein kleiner Überblick über typische Konfigurationen:
| Setup | Typische Linsen | Hauptzweck | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Einzelkamera | Weitwinkel | Standardaufnahmen | Ältere Smartphones, iPhone SE Modelle |
| Dual-Kamera | Weitwinkel + Tele ODER Weitwinkel + Ultraweitwinkel ODER Weitwinkel + Tiefensensor | Zoom ODER Weitere Perspektive ODER Porträtmodus/Bokeh | iPhone 7 Plus, Huawei P9, LG G5, iPhone 15/16 |
| Triple-Kamera | Ultraweitwinkel + Weitwinkel + Tele | Maximale Flexibilität (Weit, Standard, Zoom) | iPhone 11 Pro/12 Pro/13 Pro/14 Pro/15 Pro/16 Pro, Samsung Galaxy S20/S21 |
| Quad-Kamera | Ultraweitwinkel + Weitwinkel + Tele + Makro ODER Tiefensensor | Zusätzliche Spezialfunktionen (Nahaufnahmen, verbesserter Bokeh) | Samsung Galaxy A-Serie, einige High-End-Modelle (manchmal mit Periskop-Zoom) |
Es ist offensichtlich, dass die Dreifach-Kamera mit dem Ultraweitwinkel-, Weitwinkel- und Teleobjektiv-Setup als das vielseitigste und leistungsfähigste System für die meisten Anwendungsfälle gilt und deshalb zum Standard in vielen Premium-Smartphones geworden ist.
Entwicklungen jenseits der drei Linsen
Neben den Dreifach-Systemen gab es auch Versuche mit noch mehr Kameras. Samsung stellte 2018 das Galaxy A9 mit vier Kameras vor. Im Jahr 2019 wagte Nokia mit dem Nokia 9 PureView einen radikalen Schritt und integrierte fünf Linsen, die alle darauf ausgelegt waren, mehr Daten für eine höhere Bildqualität zu sammeln. Dieses Experiment zeigte jedoch auch die Grenzen auf. Während mehr Linsen theoretisch mehr Möglichkeiten bieten, wird die Bildverarbeitung – insbesondere durch Künstliche Intelligenz (KI) und Computational Photography – immer wichtiger. Google hat beispielsweise mit seinen Pixel-Telefonen gezeigt, dass herausragende Ergebnisse oft auch mit weniger Linsen, dafür aber mit intelligenter Software, erzielt werden können.
Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung ist die Einführung von Periskop-Linsen, erstmals im Asus Zenfone Zoom (2015) und später prominent im Huawei P30 Pro (2019). Diese Technologie ermöglicht es, durch eine seitliche Anordnung der Linsen und einen Spiegel einen deutlich höheren optischen Zoom (oft 5x oder mehr) in ein relativ dünnes Smartphone-Gehäuse zu integrieren. Periskop-Linsen finden sich heute in einigen High-End-Modellen wie dem Samsung Galaxy S21 Ultra oder dem Google Pixel 6 Pro und ergänzen dort oft ein bestehendes Triple-Setup, was effektiv zu Vierfach-Kameras führt, aber mit einem echten, langen Teleobjektiv.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Frage: Welche iPhones haben genau drei Kameras?
Antwort: Alle iPhone Pro Modelle seit dem iPhone 11 Pro (iPhone 11 Pro, 11 Pro Max, 12 Pro, 12 Pro Max, 13 Pro, 13 Pro Max, 14 Pro, 14 Pro Max, 15 Pro, 15 Pro Max, 16 Pro, 16 Pro Max).
Frage: Haben alle Samsung Handys mit drei Kameras die gleiche Funktion?
Antwort: Nein. Während viele neuere High-End-Modelle (wie die Galaxy S Pro-Varianten) das Trio aus Ultraweitwinkel, Weitwinkel und Tele bieten, gibt es auch Modelle (insbesondere in der Mittelklasse oder ältere Modelle), bei denen die dritte Linse ein reiner Tiefensensor oder eine Makro-Linse ist, die andere Funktionen erfüllen als ein Teleobjektiv.
Frage: Brauche ich wirklich drei Kameras an meinem Handy?
Antwort: Das hängt von Ihren fotografischen Bedürfnissen ab. Wenn Sie gerne Landschaften fotografieren (Ultraweitwinkel) oder oft entfernte Motive heranzoomen möchten (Tele), dann bietet eine Dreifach-Kamera einen klaren Vorteil gegenüber einer Dual- oder Einzelkamera. Für einfache Schnappschüsse im Alltag kann aber auch eine hochwertige Einzel- oder Dual-Kamera ausreichen.
Frage: Sind mehr Kameras immer besser?
Antwort: Nicht unbedingt. Die Qualität der einzelnen Linsen, die Größe und Leistung der Sensoren und vor allem die Software zur Bildverarbeitung sind entscheidend. Ein Telefon mit drei hochwertigen Kameras und exzellenter Software kann deutlich bessere Fotos machen als ein Telefon mit vier oder fünf minderwertigen Kameras.
Fazit
Die Dreifach-Kamera ist heute ein fester Bestandteil vieler moderner Smartphones, insbesondere in den Premium-Segmenten. Sie bietet durch die Kombination von Ultraweitwinkel-, Weitwinkel- und Teleobjektiv eine beispiellose Flexibilität für mobile Fotografen. Modelle wie die iPhone Pro Reihen und viele Samsung Galaxy S Modelle haben diese Konfiguration populär gemacht und weiterentwickelt.
Auch wenn die Entwicklung nicht stehen bleibt und wir vielleicht in Zukunft noch komplexere Systeme oder ganz neue Technologien sehen werden (Periskop-Linsen sind hier ein gutes Beispiel), hat sich das Trio aus UWW, WW und Tele als äußerst praktisches und leistungsfähiges Setup etabliert. Für Nutzer, die das Maximum aus der Smartphone-Fotografie herausholen möchten, ist ein Gerät mit einer gut implementierten Dreifach-Kamera eine ausgezeichnete Wahl.
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