Die Leica M9 ist mehr als nur eine Kamera; sie ist ein Meilenstein in der Geschichte der digitalen Fotografie. Seit der Einführung der Nikon D1 im Jahr 1999, der ersten wirklich praxistauglichen digitalen Spiegelreflexkamera, gab es kaum eine Digitalkamera von vergleichbarer Bedeutung. Die M9, eingeführt im Jahr 2009, markierte den entscheidenden Schritt für Leica in das digitale Zeitalter mit einem Vollformat-CCD-Sensor.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Leica M9 keine Spiegelreflexkamera ist, sondern eine Messsucherkamera. Dieses Designkonzept, das auf einer langen Tradition bei Leica basiert, bietet ein einzigartiges Fotografiererlebnis, das von vielen als puristisch und intuitiv geschätzt wird. Ihre Kompaktheit und die exzellente Bildqualität, insbesondere in Kombination mit den hochwertigen Leica M-Objektiven, machten sie schnell zur bevorzugten Wahl für Reise-, Natur-, Landschafts-, Innenraum- und Outdoor-Fotografie. Doch trotz ihrer Qualitäten wurde die Geschichte der M9 untrennbar mit einem gravierenden Problem verbunden: dem Sensor.
Die Leica M9: Eine Digitale Messsucherkamera
Am 9. September 2009 präsentierte Leica die M9 der Weltöffentlichkeit. Ausgestattet mit einem speziell für diese Kamera entwickelten 18,5-Megapixel-Kodak-CCD-Bildsensor (KAF-18500), war sie die erste digitale M-Kamera mit einem Sensor im Kleinbildformat (Vollformat). Dies ermöglichte es Fotografen, ihre wertvollen M-Objektive ohne Brennweitenverlängerung digital zu nutzen. Die Kamera unterstützte die meisten M-Mount-Objektive, mit wenigen Ausnahmen bei sehr alten Modellen, deren Elemente zu weit in das Gehäuse ragten.
Die M9 bot Leuchtrahmenpaare für die Brennweiten 28/90 mm, 35/135 mm und 50/75 mm im Messsucher, was die Komposition erheblich erleichterte. Ihre Einführung war ein großes Ereignis, das sogar eine Live-Webübertragung und einen Auftritt des Musikers Seal umfasste. Obwohl sie anfangs einige Probleme mit der Kompatibilität bestimmter SanDisk-Speicherkarten hatte, wurde dies später durch ein Firmware-Update im Juli 2012 behoben.
Varianten der M9
Im Laufe der Produktionszeit der M9 brachte Leica verschiedene Varianten auf den Markt:
- Leica M9 Titanium: Im Jahr 2010 in Zusammenarbeit mit Walter de Silva entworfen. Diese exklusive Variante bestand aus massivem Titan, sowohl das Gehäuse als auch das mitgelieferte Summilux-M 35mm f/1.4 ASPH FLE Objektiv.
- Leica M9-P: Angekündigt im Jahr 2011, wurde die M9-P parallel zur Standard-M9 verkauft und war kein direkter Ersatz. Sie verfügte über ein kratzfestes Saphirglas über dem LCD und ersetzte die stahlgraue Lackierung durch eine klassische Chromoberfläche (schwarz war weiterhin verfügbar). Das Gehäuse war mit Vulkanit bezogen, ähnlich früheren M-Kameras. Das rote Leica-Logo auf der Vorderseite fehlte; stattdessen war der Name Leica auf die Oberseite graviert.
- Leica M-E: Diese im September 2012 angekündigte Version war das günstigste Modell im M-System zu dieser Zeit. Sie ähnelte der M9 und M9-P, verzichtete jedoch auf den Leuchtrahmenwähler (mit dem man verschiedene Brennweiten simulieren kann, ohne das Objektiv zu wechseln) und den USB-Anschluss.
Das berüchtigte Sensorproblem: Korrosion und Säure-Gel
Das größte Problem, das die Besitzer der Leica M9 plagte, war die Korrosion des Sensors, oft als „Sensorfäule“ bezeichnet. Dieses Problem wurde durch die Oxidation des Glases des UV/IR-Sperrfilters verursacht, das direkt auf den Sensor aufgebracht war. Normalerweise verwenden Kameras separate Filter, die über dem Sensorglas liegen, was sie dicker macht, aber auch Reparaturen erleichtert.
Leica wählte bei der M9 einen anderen Ansatz, um die bestmögliche Schärfe mit M-Objektiven zu erzielen: Sie verschmolzen den UV/IR-Sperrfilter direkt mit dem Sensor. Dies schuf den dünnsten Filterstapel, machte aber gleichzeitig den Austausch des Filters extrem schwierig. Wenn dieses Glas korrodierte oder beschädigt wurde, musste die gesamte Sensoreinheit ausgetauscht werden.
Das verwendete Glas (angeblich älteres Schott S8612, später BG55) war chemisch anfällig für Oxidation, insbesondere in feuchten Umgebungen. Obwohl es beschichtet war, reichte der Schutz nicht aus, um Korrosion dauerhaft zu verhindern. Besitzer in feuchten Klimazonen bemerkten das Problem oft schnell, während es in trockeneren Gebieten Jahre dauern konnte, bis die Symptome auftraten.
Leica bot zunächst einen Kulanzaustausch der korrodierten Sensoren zwischen 2014 und 2017 an. Danach wurde für den Austausch eine Gebühr von rund 1.600 US-Dollar erhoben. Im August 2020 gab Leica schließlich bekannt, dass sie den Sensor der M9 nicht mehr reparieren können, was viele Besitzer vor ein großes Problem stellte.

Neben der Korrosion des Glases gab es bei früheren Sensorversionen (insbesondere CCD ID 3-8) ein weiteres Problem: die Bildung eines Säure-Gels aus dem Klebstoff, der das Schutzglas mit dem Sensor verband. Dieses Gel konnte auf die Bonddrähte gelangen, die den Sensor mit der Platine verbinden, und diese korrodieren lassen, was zu einem dauerhaften digitalen Sensorausfall führte. Dieses Risiko stieg mit der Zeit.
Reparaturmöglichkeiten durch Drittanbieter
Nachdem Leica die Reparatur eingestellt hatte, sprangen spezialisierte Werkstätten in die Bresche. Anbieter wie Kolari haben Methoden entwickelt, das korrodierte Filterglas vorsichtig vom Sensor zu entfernen und es durch ein neues, korrosionsbeständiges Glas zu ersetzen. Diese Reparatur beginnt bei etwa 999 US-Dollar.
Der Prozess beinhaltet das Delaminieren des alten Filters und das Aufbringen eines neuen. Es werden verschiedene Glasoptionen angeboten:
- Schott BG61: Dieses Glas ist nahezu identisch mit dem Originalfilter der M9 in Dicke und Transmissionseigenschaften. Es ist von Natur aus korrosionsbeständig, auch wenn die Beschichtungen zerkratzt werden, und zusätzlich mit einer Anti-Reflex- und Anti-Schmutz-Beschichtung versiegelt. Es soll auf unbestimmte Zeit halten.
- Schott BG39: Eine günstigere Option mit einer Schutzbeschichtung gegen Korrosion. Dieses Glas kann korrodieren, wenn die Beschichtungen zerkratzt oder abgenutzt werden, bietet aber eine lebenslange Garantie gegen Korrosion, solange die Beschichtung intakt ist. Die Farb- und optische Leistung ist nahezu identisch mit BG61.
- Vollspektrum-Glas: Für spezielle Anwendungen kann das Glas auch durch ein Vollspektrum-Glas ersetzt werden, das UV- und IR-Licht durchlässt.
Die Dauer einer solchen Reparatur beträgt ohne Eilbearbeitung typischerweise etwa 3-4 Wochen, nachdem die Kamera beim Reparaturdienstleister eingegangen ist.
Sensorversionen und ihre spezifischen Probleme
Leica verwendete im Laufe der M9-Produktion verschiedene Sensoren. Die Identifikationsnummer des Sensors (CCD ID) gibt Aufschluss über die Anfälligkeit für bestimmte Probleme:
| Sensor ID | Korrosionsproblem | Säure-Gel Problem | Hot-Pixel-Linien Problem | Besonderheiten bei Reparatur |
|---|---|---|---|---|
| CCD 3-8 | Ja (Korrosion des Filterglases) | Ja (aus Klebstoff, kann Bonddrähte korrodieren) | Gelegentlich | Risiko durch Säure-Gel auf Bonddrähten; Gelentfernung möglich, wenn noch nicht auf Drähten |
| CCD 11+ (später) | Ja (Korrosion des Filterglases) | Nein | Häufig (besonders CCD 11/12) | Härterer Klebstoff, Glasaustausch zeitaufwendiger; hohes Risiko von Glasbruch und Kratzern auf Sensor |
| CCD 15/16 (Produktionsende) | Nein (Probleme behoben) | Nein (Probleme behoben) | Nein (bisher nicht beobachtet) | Kein Glasaustausch notwendig/empfohlen |
Um die CCD ID Ihrer Leica M9 zu überprüfen, können Sie den Debug-Modus der Kamera aufrufen. Navigieren Sie im Menü und drücken Sie die Tastenkombination: Löschen -> Hoch (2x) -> Runter (4x) -> Links (3x) -> Rechts (3x) -> Info. Im Debug-Menü wählen Sie „Hardware ID“. Der erste Eintrag ist Ihr Sensortyp.
Risiken und Garantie bei der Reparatur
Die Reparatur des M9-Sensors birgt inhärente Risiken, insbesondere bei stark korrodierten Einheiten. Das interne Kamerafilter (ICF) kann während des Entfernens brechen, was zu feinen Kratzern auf dem darunter liegenden Sensor führen kann, die unter bestimmten Aufnahmebedingungen sichtbar sein können. Bei den CCD ID 11 Sensoren ist die Wahrscheinlichkeit von Glasbruch und Kratzern besonders hoch.
Bei Sensoren mit Säure-Gel (CCD ID 3-8, insbesondere 5) besteht das Risiko, dass sich das Gel während der Reparatur ausbreitet und weitere Bonddrähte beschädigt. Spezialisierte Werkstätten prüfen den Sensor unter dem Mikroskop auf Gel und korrodierte Drähte. Bei wenigen korrodierten Drähten (z.B. 1-3) wird die Reparatur fortgesetzt, bei mehr als 3 Drähten kann die Reparatur als zu riskant eingestuft und abgebrochen werden.
Es ist wichtig zu wissen, dass nicht jede Kamera repariert werden kann. Ein extrem starker Klebstoff kann die sichere Entfernung des Filters unmöglich machen. Vor der Reparatur wird eine Evaluierung durchgeführt. Wenn die Reparatur nicht durchführbar ist oder als hohes Risiko eingestuft wird (z.B. bei bestehenden Rissen im Glas oder schwerwiegenden Gelproblemen), wird die Kamera zurückgeschickt. In diesem Fall fallen Gebühren für die Evaluierung, Bearbeitung und den Rückversand an.
Ein weiteres Problem, das auftreten kann, ist der digitale oder elektronische Ausfall des Sensors, oft verursacht durch korrodierte Bonddrähte. Die Glasreparatur behebt dieses Problem nicht; hierfür wäre ein vollständiger Sensoraustausch nötig, der nach Leica's Einstellung der Reparaturen nicht mehr von ihnen angeboten wird.

Anbieter wie Kolari bieten eine lebenslange Garantie gegen Korrosion für das von ihnen installierte Schott BG39 oder BG61 Glas. Für Kameras, deren Glas vor einem bestimmten Datum (z.B. 12.12.23) ersetzt wurde oder die gebraucht nach der Reparatur gekauft wurden, kann eine Servicegebühr anfallen, die oft ein Upgrade auf das korrosionssichere BG61-Glas beinhaltet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die Leica M9 eine Digitalkamera?
Ja, die Leica M9 ist eine digitale Messsucherkamera mit einem Vollformat-CCD-Sensor. Sie war Leicas erste digitale Kamera mit einem Sensor in Kleinbildgröße.
Wie viel kostet die Reparatur eines Leica M9-Sensors?
Leica selbst hat die Reparatur im August 2020 eingestellt, nachdem sie zuletzt etwa 1.600 US-Dollar dafür verlangten. Spezialisierte Drittanbieter bieten den Austausch des korrodierten Sensorglases ab etwa 999 US-Dollar an, abhängig von der Art des verwendeten Ersatzglases und eventuell anfallenden zusätzlichen Gebühren für Evaluierung oder erhöhten Aufwand bei bestimmten Sensorversionen.
Wann kam die Leica M9 heraus?
Die Leica M9 wurde am 9. September 2009 vorgestellt und auf den Markt gebracht.
Welche Probleme kann der M9-Sensor haben?
Die Hauptprobleme sind die Korrosion des UV/IR-Sperrfilterglases (Sensorfäule) und bei früheren Sensorversionen (CCD ID 3-8) die Bildung eines Säure-Gels, das Bonddrähte korrodieren kann. Bei bestimmten Sensoren (CCD ID 11/12) können auch Hot-Pixel-Linien auftreten, die nicht direkt mit dem Glas oder Gel zusammenhängen.
Kann man eine Leica M9 mit korrodiertem Sensor noch reparieren lassen?
Ja, obwohl Leica die Reparatur eingestellt hat, bieten spezialisierte Drittanbieter wie Kolari den Austausch des korrodierten Sensorglases an. Es gibt jedoch Risiken und nicht jede Kamera ist reparierbar.
Fazit
Die Leica M9 bleibt eine bemerkenswerte Kamera, die die digitale Fotografie nachhaltig beeinflusst hat. Ihr Sensorproblem war und ist eine Herausforderung für viele Besitzer, aber dank spezialisierter Reparaturdienste gibt es Hoffnung, diese legendären Kameras wieder voll funktionsfähig zu machen. Wer eine M9 besitzt oder erwerben möchte, sollte sich der potenziellen Probleme und der verfügbaren Reparaturmöglichkeiten bewusst sein. Die Investition in eine Reparatur kann sich lohnen, um die einzigartige Bildqualität und das besondere Handling dieser Kamera weiterhin genießen zu können.
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