Was ist so besonders an Leica-Kameras?

Leica M vs R: Messsucher und SLR erklärt

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Die Marke Leica steht seit Jahrzehnten für höchste Qualität und Präzision in der Fotografie. Zwei der bekanntesten und einflussreichsten Objektivsysteme von Leica sind das M- und das R-System. Beide haben ihre eigene Geschichte, ihre spezifischen Eigenschaften und ihre treue Anhängerschaft. Doch was unterscheidet sie grundlegend, und wofür steht eigentlich das berühmte 'M' bei Leica?

Wofür steht das 'M' bei Leica?

Die Einführung des Leica M-Systems im Jahr 1954 mit der legendären Leica M3 markierte einen Wendepunkt. Das 'M' in Leica M steht für Messsucher. Der Messsucher ist ein spezielles Fokussiersystem, das in Leica M-Kameras verwendet wird. Bei der M3, der ersten Kamera dieses Systems, wurde ein einzelnes Fenster für den Sucher (zur Bildkomposition) und den Messsucher (zur Fokussierung) eingeführt. Dieses System ermöglichte präzises Fokussieren, insbesondere bei weit geöffneten Blenden.

Wofür steht m bei Leica?
Übersicht. Das Leica M-Bajonett wurde 1954 auf der Photokina vorgestellt, mit der Leica M3 als erster Kamera. Das „M“ steht für Messsucher . Diese neue Kamera verzichtete auf das M39-Bajonett zugunsten eines neuen Bajonettanschlusses.

Das Leica M-System: Geschichte und Eigenschaften

Das Leica M-Bajonett wurde, wie erwähnt, 1954 auf der Photokina mit der Leica M3 eingeführt. Es löste das ältere M39 Schraubgewinde ab. Der Umstieg auf ein Bajonett bot deutliche Vorteile: Objektive konnten schneller gewechselt werden, und die Verbindung zwischen Objektiv und Kamera war sicherer und stabiler. Die M3 war ein großer Erfolg, mehr als 220.000 Einheiten wurden verkauft. Sie gilt bis heute als die meistverkaufte M-Kamera aller Zeiten.

Das M-Bajonett wurde seitdem auf allen Leica M-Serienkameras verwendet, von der klassischen Filmkamera Leica M-A bis zu den neuesten Digitalkameras wie der Leica M11. Auch bestimmtes Zubehör, wie der Visoflex (ein Spiegelreflexvorsatz), nutzte dieses Bajonett.

Die Objektive für das M-Bajonett wurden ebenfalls 1954 eingeführt und basierten oft auf früheren M39-Konstruktionen. Leica M-Objektive sind fast ausschließlich Festbrennweiten. Leica unterscheidet seine M-Objektive traditionell anhand ihrer größten Blendenöffnung (Blendenzahl oder f-Zahl). Die Namen der Objektivserien spiegeln diese Blende wider:

Nametypische größte Blende (f-Zahl)
Noctiluxf/0.95, f/1.0, f/1.2, f/1.25
Summiluxf/1.4
Summicronf/2
Summaritf/2.4, f/2.5
Elmaritf/2.8
Elmar, Super Elmarf/2.8, f/3.4, f/3.8, f/4
Summaronf/3.5, f/5.6
Hektorf/4.5

Ein charakteristisches Merkmal vieler Leica M-Objektive, bedingt durch das Messsuchersystem, ist die minimale Fokusdistanz. Diese ist oft etwas größer als bei vergleichbaren SLR-Objektiven. Ein 50mm Summicron-M fokussiert beispielsweise oft nicht näher als 0,7 Meter oder sogar 1 Meter bei älteren Versionen.

Das Leica R-System: Der SLR-Ansatz

Während das M-System für Messsucherkameras entwickelt wurde, entstand das Leica R-System für Spiegelreflexkameras (SLR). Das R-Bajonett wurde in den 1960er Jahren mit der Leicaflex SLR-Kamera eingeführt. Die Produktion von Leica R-Objektiven lief von 1964 bis 2009.

Der Hauptunterschied zwischen Leica R- und Leica M-Objektiven liegt in ihrem Design und Verwendungszweck. R-Objektive sind für SLRs konzipiert und verfügen daher nicht über die Messsucher-Kopplung des M-Systems. Sie sind in der Regel größer und tendenziell günstiger als vergleichbare M-Objektive.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die Fähigkeit zur Nahfokussierung. R-Objektive können oft deutlich näher fokussieren als M-Objektive. Zum Beispiel hat ein 50mm Summicron-R eine minimale Fokusdistanz von 0,5 Metern, verglichen mit 0,7 Metern oder 1 Meter bei einem 50mm Summicron-M. Dieser Unterschied macht sich besonders bei Weitwinkelobjektiven bemerkbar.

Das R-System umfasste sowohl Festbrennweiten als auch Zoomobjektive. Einige R-Objektive, wie das 35-70mm f4 Vario-Elmar-R, genossen einen hervorragenden Ruf für ihre optische Leistung, teils sogar besser als einige Festbrennweiten bei bestimmten Blenden.

Vergleich: Leica M vs. Leica R

Um die Unterschiede klar hervorzuheben, hier eine zusammenfassende Tabelle:

MerkmalLeica M-SystemLeica R-System
KameratypMesssucherkamerasSpiegelreflexkameras (SLR)
FokussystemMesssucher-gekoppeltNicht Messsucher-gekoppelt (SLR-Fokussierung durchs Objektiv)
BajonettM-Bajonett (Bayonett)R-Bajonett (Bayonett)
GrößeKompakterGrößer
Minimale FokusdistanzTypischerweise länger (z.B. 0.7m, 1m bei 50mm)Typischerweise kürzer (z.B. 0.5m bei 50mm)
ObjektivtypenFast ausschließlich FestbrennweitenFestbrennweiten und Zoomobjektive
Preis (historisch & gebraucht)Tendenziell teurerTendenziell günstiger (für vergleichbare Specs)
Eignung für MakroWeniger geeignet (längere Mindestdistanz)Besser geeignet (kürzere Mindestdistanz, spezielle Makro-Objektive wie 60mm)

Kompatibilität und Adaptierung

Die Frage der Kompatibilität ist für viele Fotografen relevant, insbesondere im digitalen Zeitalter. Kann man Leica R-Objektive an Leica M-Kameras verwenden? Ja, das ist über einen Adapter möglich (z.B. Leica M-R Adapter oder Adapter von Drittanbietern wie Novoflex). Wichtig ist jedoch: Die Messsucher-Kopplung funktioniert dabei nicht. Das bedeutet, Sie können nicht über den Messsucher fokussieren. Bei digitalen M-Kameras mit LiveView (wie der M240 oder M11) oder durch die Verwendung eines elektronischen Suchers (EVF) können Sie jedoch präzise fokussieren, da Sie das Bild direkt durch das Objektiv sehen.

Leica R-Objektive sind auch sehr beliebt für die Adaptierung an moderne Digitalkameras mit unterschiedlichen Bajonetten, wie Leica L-Mount (Leica SL, SL2, CL, Panasonic Lumix S5), Fuji X, Sony E, Canon R oder Nikon Z. Für Nikon F-Mount ist sogar ein Umbau des Bajonetts am Objektiv möglich, um die Unendlichkeitsfokussierung zu ermöglichen.

Umgekehrt können Leica M-Objektive nicht ohne Weiteres an Leica R-Kameras verwendet werden.

Was ist der Unterschied zwischen Leica R und M?
Der große Unterschied zwischen Leica R-Objektiven und Leica M-Objektiven besteht darin, dass R-Objektive SLR-Objektive sind und nicht an einen Entfernungsmesser gekoppelt sind . Sie sind in der Regel größer, günstiger und können näher fokussieren.

Die Welt der Leica R-Objektive ist vielfältig. Man unterscheidet oft zwischen 2-CAM, 3-CAM und ROM-Objektiven, was sich auf die Steuerungselemente für die Belichtungsmessung in älteren R-Kameras bezieht. Für die Verwendung an modernen Digitalkameras mit Adaptern spielt die CAM/ROM-Codierung oft eine untergeordnete Rolle, während sie für die Nutzung an klassischen Leica R-Filmkameras wichtig ist.

Objektivvielfalt im R-System

Das Leica R-System bot eine breite Palette an Objektiven. Neben klassischen Festbrennweiten wie dem 50mm Summicron-R (in verschiedenen Versionen), dem 35mm Summicron-R oder dem 90mm Elmarit-R gab es auch spezielle Objektive wie das 60mm Elmarit-R Makro oder das lichtstarke 80mm Summilux-R f1.4, das besonders für Porträts geschätzt wird, auch wenn es bei Offenblende sehr weich sein kann.

Auch Zoomobjektive waren im R-System vertreten, wie das bereits erwähnte 35-70mm f4 Vario-Elmar-R oder das 80-200mm f4 Vario-Elmar-R. Während Zoomobjektive früher oft als optisch weniger leistungsfähig galten als Festbrennweiten, zeigten Leica R-Zooms, dass auch hier hohe Qualität möglich war.

Häufig gestellte Fragen

Hier sind einige häufig gestellte Fragen zu Leica M und R:

Kann ich Leica R-Objektive an einer Leica M-Kamera verwenden?

Ja, mit einem geeigneten Adapter. Allerdings funktioniert die Messsucher-Kopplung nicht. Sie müssen über LiveView (falls vorhanden) oder einen elektronischen Sucher fokussieren.

Was ist der Hauptunterschied zwischen Leica M- und R-Objektiven?

Leica M-Objektive sind für Messsucherkameras konzipiert und Messsucher-gekoppelt, während Leica R-Objektive für Spiegelreflexkameras (SLR) entwickelt wurden und keine Messsucher-Kopplung besitzen. R-Objektive sind tendenziell größer, günstiger und können näher fokussieren.

Steht 'M' bei Leica für manuell?

Nein, das 'M' in Leica M steht für Messsucher.

Sind Leica R-Objektive gut für Porträts?

Ja, viele Leica R-Objektive sind hervorragend für Porträts geeignet. Brennweiten wie das 90mm Elmarit-R oder Summicron-R, das 135mm Elmarit-R oder das begehrte 80mm Summilux-R f1.4 erzeugen oft eine sehr ansprechende Bildcharakteristik (Rendering), die von vielen Fotografen geschätzt wird.

Warum sind Leica R-Objektive oft günstiger als Leica M-Objektive?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Das M-System hat einen legendären Status und ist bis heute in Produktion, was die Nachfrage hoch hält. R-Objektive wurden für ein eingestelltes SLR-System produziert. Zudem sind die Konstruktionen oft weniger komplex (keine Messsucher-Kopplung), und die größere Bauform macht sie für einige weniger attraktiv als die kompakten M-Objektive. Auch die Beliebtheit des M-Systems bei Sammlern spielt eine Rolle.

Was bedeuten 2-CAM, 3-CAM und ROM bei Leica R-Objektiven?

Diese Bezeichnungen beziehen sich auf die Art der mechanischen oder elektronischen Kopplung für die Belichtungsmessung an verschiedenen Generationen von Leica R-Filmkameras. 2-CAM und 3-CAM sind mechanische Steuerkurven, während ROM (Read Only Memory) eine elektronische Codierung ist. Für die Verwendung an modernen Digitalkameras mit Adapter ist diese Unterscheidung meist weniger relevant, da die Belichtungsmessung durch die Kamera selbst erfolgt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl das Leica M- als auch das Leica R-System ihren Platz in der Fotogeschichte haben und nach wie vor von Fotografen weltweit geschätzt werden. Das M-System steht für kompakte Messsucher-Fotografie mit legendären Festbrennweiten, während das R-System die Welt der Leica Spiegelreflexkameras bediente und eine breitere Palette an Objektiven, einschließlich Zooms und Makros, mit oft kürzeren Fokusdistanzen bietet. Die Wahl zwischen beiden hängt stark von der bevorzugten Arbeitsweise, der Kameraausstattung und den fotografischen Zielen ab.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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