Die Wahl des richtigen Objektivs ist entscheidend dafür, wie Ihre Bilder aussehen. Ein Schlüsselfaktor, der die Wirkung eines Objektivs bestimmt, ist seine Brennweite. Oft stellt sich die Frage, wie die Brennweite mit der Vergrößerung zusammenhängt. Während die Umrechnung nicht so einfach ist wie bei einem Mikroskop oder Teleskop, gibt es in der Fotografie eine gängige Konvention, insbesondere im Zusammenhang mit Vollformatkameras und 35mm-Film, die einen nützlichen Anhaltspunkt bietet, wie viel 'näher' ein Objektiv das Motiv erscheinen lässt.

Diese Konvention basiert auf der Perspektive, die ein 50mm-Objektiv auf einer Vollformatkamera liefert. Es wird oft als das 'Normalobjektiv' betrachtet, da sein Blickwinkel und die resultierende Perspektive dem menschlichen Sehen am nächsten kommen sollen. Ausgehend von dieser Basis können wir einen relativen Vergrößerungsfaktor für andere Brennweiten ableiten.
Was bedeutet Brennweite eigentlich?
Die Brennweite eines Objektivs ist, vereinfacht gesagt, der Abstand zwischen dem optischen Zentrum des Objektivs und dem Sensor (oder Film), wenn das Objektiv auf unendlich fokussiert ist. Sie wird in Millimetern (mm) angegeben und hat zwei Haupteffekte auf Ihr Bild:
- Blickwinkel: Eine kürzere Brennweite (z.B. 24mm) hat einen weiten Blickwinkel, der viel von der Szene erfasst. Eine längere Brennweite (z.B. 200mm) hat einen engen Blickwinkel und erfasst nur einen kleinen Teil der Szene.
- Größe des Motivs im Bild: Mit einer längeren Brennweite erscheint das Motiv im Verhältnis zum Gesamtbild größer, selbst wenn Sie sich nicht bewegen.
Genau dieser zweite Punkt führt zur Frage der Vergrößerung. Wie viel 'größer' macht ein 100mm-Objektiv das Motiv im Vergleich zu einem 50mm-Objektiv?
Die 50mm Konvention bei Vollformat und 35mm Film
Wie bereits erwähnt, dient das 50mm-Objektiv auf einer Vollformat-Kamera (oder einer klassischen 35mm-Filmkamera) in dieser Konvention als Referenzpunkt. Warum gerade 50mm? Es ist eine historische und praktische Wahl, die auf der ungefähren Perspektive des menschlichen Auges basiert. In diesem Kontext wird festgelegt, dass ein 50mm-Objektiv eine 1-fache Vergrößerung ('1x') liefert. Dies ist keine echte optische Vergrößerung im Sinne der Makrofotografie, sondern ein relativer Faktor, der beschreibt, wie viel größer das Motiv *erscheint* im Vergleich zur Darstellung durch ein 50mm-Objektiv aus derselben Entfernung.
Berechnung des relativen Vergrößerungsfaktors
Basierend auf der 50mm-Referenz für Vollformat ist die Berechnung des relativen Vergrößerungsfaktors sehr einfach. Sie teilen einfach die Brennweite des verwendeten Objektivs durch 50 mm.
Die Formel lautet:
Relativer Vergrößerungsfaktor = Brennweite des Objektivs (in mm) / 50 mm
Wichtig: Diese Formel gilt spezifisch für Vollformatkameras (oder 35mm Film). Bei Kameras mit kleineren Sensoren (wie APS-C oder Micro Four Thirds) ändert sich der Referenzpunkt und die resultierende Perspektive, was den sogenannten 'Crop-Faktor' ins Spiel bringt. Die hier beschriebene Konvention bezieht sich jedoch eindeutig auf das Vollformat-Äquivalent.
Beispiele für die Umrechnung
Wenden wir die Formel auf einige gängige Brennweiten an:
- 50mm Objektiv: 50 mm / 50 mm = 1x Vergrößerungsfaktor. Ein 50mm Objektiv liefert die Basisperspektive.
- 100mm Objektiv: 100 mm / 50 mm = 2x Vergrößerungsfaktor. Ein 100mm Objektiv lässt das Motiv doppelt so groß erscheinen wie ein 50mm Objektiv aus derselben Entfernung.
- 200mm Objektiv: 200 mm / 50 mm = 4x Vergrößerungsfaktor. Ein 200mm Objektiv lässt das Motiv viermal so groß erscheinen.
- 35mm Objektiv: 35 mm / 50 mm = 0,7x Vergrößerungsfaktor. Ein Weitwinkelobjektiv mit 35mm lässt das Motiv kleiner erscheinen als ein 50mm.
- 85mm Objektiv: 85 mm / 50 mm = 1,7x Vergrößerungsfaktor. Ein beliebtes Porträtobjektiv lässt das Motiv fast doppelt so groß erscheinen wie ein 50mm.
Tabellarische Übersicht
Hier ist eine kleine Tabelle, die die Beziehung zwischen einigen Brennweiten und ihrem relativen Vergrößerungsfaktor auf Vollformat zeigt:
| Brennweite (mm) | Berechnung | Relativer Vergrößerungsfaktor (x) |
|---|---|---|
| 35 | 35 / 50 | 0,7 |
| 50 | 50 / 50 | 1,0 |
| 85 | 85 / 50 | 1,7 |
| 100 | 100 / 50 | 2,0 |
| 135 | 135 / 50 | 2,7 |
| 200 | 200 / 50 | 4,0 |
| 300 | 300 / 50 | 6,0 |
| 400 | 400 / 50 | 8,0 |
Diese Tabelle macht deutlich, wie stark sich die scheinbare Größe des Motivs mit zunehmender Brennweite erhöht.
Warum ist dieser Faktor wichtig für Fotografen?
Dieser relative Vergrößerungsfaktor hilft Ihnen, die Wirkung verschiedener Brennweiten besser einzuschätzen, insbesondere in Bezug auf die Motivgröße und den Bildausschnitt. Wenn Sie wissen, dass ein 200mm-Objektiv auf Vollformat das Motiv viermal so groß darstellt wie ein 50mm-Objektiv, können Sie besser entscheiden, welches Objektiv für eine bestimmte Aufnahmesituation geeignet ist. Möchten Sie ein weit entferntes Motiv formatfüllend abbilden? Dann benötigen Sie eine längere Brennweite (hoher Faktor). Möchten Sie viel von der Umgebung mit auf das Bild bekommen? Dann ist eine kürzere Brennweite (Faktor kleiner als 1) die richtige Wahl.
Es geht nicht nur um die Größe, sondern auch um die Perspektive. Längere Brennweiten mit höherem Vergrößerungsfaktor neigen dazu, die Perspektive zu komprimieren, während kürzere Brennweiten sie übertreiben. Das Verständnis des Vergrößerungsfaktors im Verhältnis zur Brennweite hilft Ihnen, die visuelle Wirkung Ihrer Aufnahmen besser zu steuern.
Unterscheidung: Relativer Faktor vs. Echte Makro-Vergrößerung
Es ist extrem wichtig zu verstehen, dass der hier berechnete relative Vergrößerungsfaktor NICHT dasselbe ist wie die optische Vergrößerung oder der Abbildungsmaßstab, der in der Makrofotografie verwendet wird. Bei der Makrofotografie spricht man vom Abbildungsmaßstab (oft als Verhältnis wie 1:1 oder 1:2 angegeben). Ein Abbildungsmaßstab von 1:1 bedeutet, dass das Motiv auf dem Sensor (oder Film) die gleiche Größe hat wie in Wirklichkeit. Ein Abbildungsmaßstab von 1:2 bedeutet, dass das Motiv auf dem Sensor halb so groß ist wie in Wirklichkeit.

Der Abbildungsmaßstab hängt von der Brennweite UND dem minimalen Fokusabstand des Objektivs ab. Ein Objektiv mit 200mm Brennweite und einem minimalen Fokusabstand von 5 Metern hat einen viel geringeren Abbildungsmaßstab (echte Vergrößerung) als ein 100mm Makro-Objektiv mit einem minimalen Fokusabstand von 30 Zentimetern, obwohl das 200mm Objektiv gemäß unserer Konvention einen höheren relativen Vergrößerungsfaktor (4x vs. 2x) im Vergleich zu 50mm hat.
Unsere Formel (Brennweite / 50mm) gibt einen Anhaltspunkt für die relative Größe von Motiven in der Ferne im Vergleich zur 50mm-Perspektive auf Vollformat. Sie sagt nichts darüber aus, wie groß ein sehr nahes Motiv auf dem Sensor abgebildet wird, was der Bereich der echten Makro-Vergrößerung ist.
Gilt diese Regel immer? Einschränkungen
Die einfache Formel Brennweite / 50mm ist eine praktische Faustregel, aber sie hat Grenzen:
- Nur für Vollformat/35mm: Sie bezieht sich explizit auf Kameras mit einem Sensor/Film im Kleinbildformat (ca. 36x24mm). Bei Kameras mit kleineren Sensoren (APS-C, Micro Four Thirds etc.) ändert sich der Blickwinkel der Objektive und somit auch das Verhältnis zur 50mm-Perspektive. Man spricht hier vom Crop-Faktor.
- Relative Größe, nicht absolute Vergrößerung: Wie ausführlich erläutert, ist dies ein Vergleich zur 50mm-Perspektive, kein Maß für die absolute optische Vergrößerung (wie bei Makro).
- Fokusentfernung: Die Formel ist am genauesten für Motive in mittlerer bis großer Entfernung. Bei sehr nahen Motiven (nicht im Makrobereich, aber nah genug, dass der Fokusabstand relevant wird) können die tatsächlichen Vergrößerungsverhältnisse komplexer werden.
- Objektivkonstruktion: Obwohl die Brennweite der Hauptfaktor ist, können geringfügige Unterschiede in der optischen Konstruktion von Objektiven gleicher Brennweite zu minimal unterschiedlichen Blickwinkeln führen, was den relativen Faktor leicht beeinflussen könnte, aber für praktische Zwecke ist die Formel sehr zuverlässig.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist ein 50mm Objektiv immer 1-fache Vergrößerung?
Nach der hier beschriebenen Konvention für Vollformatkameras: Ja. Es ist der definierte Referenzpunkt (1x) für den relativen Vergrößerungsfaktor, der auf der Brennweite basiert.
Gilt die Formel Brennweite / 50mm auch für meine APS-C Kamera?
Nein, diese spezifische Formel und die Konvention, dass 50mm 1x ist, gelten nur für Vollformatkameras (und 35mm Film). Bei APS-C Kameras müssten Sie die Brennweite durch einen anderen Wert teilen, der dem 'Normalobjektiv' für diesen Sensor entspricht (oft im Bereich von 30-35mm, je nach Crop-Faktor), um einen ähnlichen relativen Faktor zu erhalten. Es ist jedoch üblicher, bei APS-C vom 'Vollformat-Äquivalent' der Brennweite zu sprechen.
Ist dieser Vergrößerungsfaktor dasselbe wie der Abbildungsmaßstab bei Makroobjektiven?
Absolut nicht. Der hier berechnete Faktor ist ein relatives Maß, das beschreibt, wie viel größer ein Motiv in Standardentfernung im Vergleich zu einem 50mm Objektiv erscheint. Der Abbildungsmaßstab bei Makro beschreibt das tatsächliche Größenverhältnis zwischen dem Motiv in der Realität und seiner Abbildung auf dem Sensor bei minimalem Fokusabstand (z.B. 1:1 oder 1:2).
Warum wird 50mm als Referenz genommen?
Historisch und optisch gesehen liegt die Perspektive eines 50mm-Objektivs auf 35mm-Film (Vollformat) nahe an der Perspektive des menschlichen Auges, was es zum 'Normalobjektiv' macht und somit zu einem praktischen Referenzpunkt für den Vergleich der 'Vergrößerungswirkung' anderer Brennweiten.
Fazit
Die Umrechnung der Brennweite in einen Vergrößerungsfaktor ist, zumindest in der Fotografie, eine nützliche Konvention, die uns hilft, die Wirkung verschiedener Objektive auf einer Vollformat-Kamera zu verstehen. Indem wir die Brennweite durch 50 mm teilen, erhalten wir einen relativen Faktor, der angibt, wie viel größer ein Motiv im Vergleich zur Darstellung durch ein 50mm-Objektiv erscheint. Es ist jedoch entscheidend, diesen Faktor von der echten optischen Vergrößerung oder dem Abbildungsmaßstab in der Makrofotografie zu unterscheiden. Das Verständnis dieses relativen Faktors ist ein wertvolles Werkzeug bei der Wahl des richtigen Objektivs für die gewünschte Bildwirkung.
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