Was bedeutet Lichtstärke F4?

Warum sind lichtstarke Objektive teuer?

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In der Welt der Fotografie ist das Objektiv oft wichtiger für den endgültigen Bildlook als die Kamera selbst. Es bestimmt maßgeblich, wie scharf ein Motiv abgebildet wird, welche Belichtungszeit bei gegebenen Lichtverhältnissen möglich ist und natürlich, welcher Bildausschnitt auf dem Sensor landet. Fotografen stellen sich diese Fragen ständig, sei es vor einem Porträt-Shooting, einer Landschaftsaufnahme oder einer Reise.

Warum sind Lichtstärke Objektive teuer?
Warum sind lichtstarke Objektive zumeist teurer? Die meisten Objektivhersteller haben in ihrem Repertoire gleiche Brennweiten mit unterschiedlichen Lichtstärken. Dabei fällt auf, dass die lichtstarken Objektive zumeist größer und zugleich teurer sind.

Dieser Artikel widmet sich einer besonderen Art von Objektiv, die in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen hat: Objektive mit einer besonders großen Offenblende, oft als lichtstarke Objektive bezeichnet. Man spricht von hoher Lichtstärke, wenn das Verhältnis zwischen der maximalen Blendenöffnung und der Brennweite eine möglichst kleine Zahl ergibt. Das bedeutet im Klartext: Je kleiner die Blendenzahl (z.B. f/1.4 oder f/1.2), desto größer ist die maximale Blendenöffnung und damit die Lichtstärke.

Vereinfacht ausgedrückt: Ein lichtstarkes Objektiv kann bei gleicher Belichtungszeit mehr Licht auf den Kamerasensor lassen als ein weniger lichtstarkes. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn man bei schlechten Lichtverhältnissen fotografiert.

Was bedeutet Lichtstärke eigentlich?

Der Begriff Lichtstärke beschreibt, wie viel Licht ein Objektiv maximal auf den Kamerasensor leiten kann. Dieser Wert wird durch die größte mögliche Blendenöffnung ausgedrückt und als Blendenzahl (f/Zahl oder 1:Zahl) angegeben. Eine niedrige Blendenzahl (wie f/1.4) bedeutet eine große Blendenöffnung und somit hohe Lichtstärke. Eine hohe Blendenzahl (wie f/16) bedeutet eine kleine Blendenöffnung und geringe Lichtstärke.

Für viele Anfänger ist die Beziehung zwischen der Zahl und der Öffnung verwirrend: Eine *kleine* Blendenzahl entspricht einer *großen* Blendenöffnung, und eine *große* Blendenzahl entspricht einer *kleinen* Blendenöffnung.

  • Kleine Blendenzahl (z.B. f/1.8) = Große Blendenöffnung = Hohe Lichtstärke
  • Große Blendenzahl (z.B. f/11) = Kleine Blendenöffnung = Geringe Lichtstärke

Die maximale Lichtstärke eines Objektivs ist meist auf dem Objektiv selbst oder in seinem Namen angegeben, oft in der Form „f/1.4“ oder „1:1.8“. Objektive mit einer maximalen Offenblende von f/2.8 oder kleiner (also z.B. f/2.0, f/1.8, f/1.4) gelten gemeinhin als lichtstark.

Warum sind lichtstarke Objektive teurer?

Schaut man sich das Sortiment eines Objektivherstellers an, fällt auf: Oft gibt es Objektive mit der gleichen Brennweite, aber unterschiedlicher maximaler Offenblende. Und fast immer sind die lichtstärkeren Modelle deutlich teurer und oft auch größer und schwerer. Doch warum dieser Preisunterschied?

Der Hauptgrund liegt in der komplexeren optischen Konstruktion und den benötigten Materialien. Um eine große Blendenöffnung zu realisieren, müssen die Linsenelemente im Objektiv einen größeren Durchmesser haben. Größere Linsen sind aufwendiger in der Herstellung, erfordern präzisere Schleifverfahren und sind teurer in den Rohmaterialien. Zudem müssen diese großen Linsen so konstruiert und positioniert werden, dass sie trotz der großen Öffnung über das gesamte Bildfeld hinweg eine hohe Schärfe und minimale optische Fehler (wie chromatische Aberrationen oder Verzeichnungen) aufweisen. Dies erfordert den Einsatz spezieller Glassorten (z.B. ED-Glas, FLD-Glas) und aufwendiger Vergütungen, die ebenfalls kostenintensiv sind.

Die Entwicklung und Fertigung eines lichtstarken Objektivs ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Jeder Millimeter der Glasoberfläche muss exakt stimmen, um das Licht perfekt zu bündeln. Die Toleranzen sind extrem gering. All dies führt zu höheren Produktionskosten, die sich im Endpreis niederschlagen.

Der besondere Bildlook: Das Bokeh

Einer der überzeugendsten Gründe, warum Fotografen bereit sind, mehr für lichtstarke Objektive auszugeben, ist der einzigartige Bildlook, den sie ermöglichen – insbesondere das sogenannte Bokeh. Bokeh beschreibt die Qualität und Ästhetik der unscharfen Bildbereiche, insbesondere des Hintergrunds. Mit einer großen Offenblende (kleine f-Zahl) lässt sich eine sehr geringe Schärfentiefe erzielen. Das bedeutet, dass nur ein kleiner Bereich im Bild scharf abgebildet wird, während der Vorder- und Hintergrund in Unschärfe verschwimmen.

Dieser Effekt ist besonders beliebt in der Porträtfotografie, da er es ermöglicht, das Hauptmotiv (die Person) scharf vom Hintergrund abzuheben und störende Elemente im Hintergrund verschwinden zu lassen. Ein weiches, cremiges Bokeh lenkt den Blick des Betrachters direkt auf das Wesentliche und verleiht dem Bild eine dreidimensionale Tiefe. Die Qualität des Bokeh hängt nicht nur von der maximalen Offenblende ab, sondern auch von der Anzahl und Form der Blendenlamellen sowie der gesamten optischen Konstruktion des Objektivs. Hochwertige lichtstarke Objektive sind darauf optimiert, ein besonders ansprechendes Bokeh zu erzeugen.

Mehr Licht, mehr Möglichkeiten: Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen

Ein weiterer entscheidender Vorteil der hohen Lichtstärke ist die Fähigkeit, auch bei wenig Umgebungslicht exzellente Ergebnisse zu erzielen. Wie jeder Fotograf weiß, benötigt man für scharfe Bilder eine ausreichend kurze Belichtungszeit, um Bewegungsunschärfe (durch Motivbewegung oder Verwackeln der Kamera) zu vermeiden, und idealerweise einen niedrigen ISO-Wert, um Bildrauschen zu minimieren.

Bei schlechtem Licht – sei es in Innenräumen, in der Dämmerung oder nachts – muss man normalerweise Kompromisse eingehen: Entweder man verlängert die Belichtungszeit (was ein Stativ erfordert oder zu unscharfen Bildern führt) oder man erhöht den ISO-Wert (was das Bildrauschen verstärkt und die Bildqualität mindert). Ein lichtstarkes Objektiv fängt deutlich mehr Licht ein, was bedeutet, dass man bei gleicher Helligkeit des Bildes eine kürzere Belichtungszeit wählen oder einen niedrigeren ISO-Wert verwenden kann.

Ein Objektiv mit f/1.4 lässt beispielsweise viermal so viel Licht einfallen wie ein Objektiv mit f/2.8 und sogar achtmal so viel wie eines mit f/4.0. Das bedeutet, dass Sie mit einem f/1.4 Objektiv bei gleicher Belichtungszeit und gleichem ISO-Wert in einer Umgebung fotografieren können, die nur ein Achtel des Lichts einer Umgebung hat, in der Sie mit einem f/4.0 Objektiv fotografieren müssten, um ein gleich helles Bild zu erhalten. Alternativ können Sie bei gleichem Licht und gleicher Belichtungszeit den ISO-Wert um drei Stufen senken (z.B. von ISO 3200 auf ISO 400), was das Rauschen dramatisch reduziert. Oder Sie können die Belichtungszeit um drei Stufen verkürzen (z.B. von 1/60 Sekunde auf 1/500 Sekunde), um Bewegungen einzufrieren oder aus der Hand scharf zu fotografieren.

Was ist eine gute Lichtstärke bei Objektiven?
Eine hohe Lichtstärke ist aber nicht gleichbedeutend mit einer hohen Abbildungsqualität. Die meisten Objektive bringen ihre beste Abbildungsqualität bei zweimaligem Abblenden (Schliessen der Blende um zwei Werte: f/2.8 zu f/4 zu f/5.6).21. Apr. 2023

Festbrennweiten vs. Zoomobjektive: Warum Primes oft schneller sind

Die lichtstärksten Objektive auf dem Markt sind fast immer Festbrennweiten. Das liegt daran, dass die optische Konstruktion einer Festbrennweite im Vergleich zu einem Zoomobjektiv einfacher ist. Eine Festbrennweite ist für eine einzige Brennweite optimiert, während ein Zoomobjektiv über einen Bereich von Brennweiten hinweg funktionieren muss. Dies erfordert bei Zoomobjektiven eine komplexere Anordnung von Linsengruppen, die sich beim Zoomen relativ zueinander bewegen.

Um bei einem Zoomobjektiv eine sehr hohe Lichtstärke über den gesamten Brennweitenbereich zu erreichen, müssten alle Linsenelemente entsprechend groß dimensioniert sein. Dies würde zu extrem großen, schweren und unerschwinglich teuren Objektiven führen. Zwar gibt es auch lichtstarke Zoomobjektive, meist mit einer maximalen Offenblende von f/2.8 über den gesamten Zoombereich (z.B. 24-70mm f/2.8 oder 70-200mm f/2.8), aber diese sind bereits deutlich größer und teurer als vergleichbare lichtschwächere Zooms. Objektive mit noch höherer Lichtstärke wie f/1.4 oder f/1.2 sind fast ausschließlich Festbrennweiten.

Wann kommen lichtstarke Objektive zum Einsatz?

Lichtstarke Objektive sind in vielen Bereichen der Fotografie unverzichtbar:

  • Porträtfotografie: Um das Modell mit geringer Schärfentiefe vom Hintergrund abzuheben und ein ansprechendes Bokeh zu erzeugen.
  • Hochzeits- und Eventfotografie: Um in dunklen Kirchen, bei Feiern oder Konzerten ohne störenden Blitz und mit niedrigem ISO-Wert fotografieren zu können.
  • Available Light Fotografie: Überall dort, wo man ausschließlich mit dem vorhandenen Licht arbeiten möchte oder muss.
  • Sportfotografie: Um auch bei weniger gut beleuchteten Sportveranstaltungen (z.B. in Hallen) schnelle Bewegungen einzufrieren.
  • Astrofotografie: Um in kurzer Zeit möglichst viel Licht von Sternen, Nebeln oder der Milchstraße einzufangen.
  • Street Photography: Um unauffällig bei schlechtem Licht zu fotografieren und Motive freizustellen.

Blendenwerte und Lichtmenge

Um die Bedeutung der Blendenwerte für die Lichtmenge zu verstehen, hilft es, die typischen vollen Blendenstufen zu kennen:

f/1.0, f/1.4, f/2.0, f/2.8, f/4.0, f/5.6, f/8.0, f/11, f/16, f/22, f/32

Jeder Schritt zu einer kleineren Zahl verdoppelt die Lichtmenge, die auf den Sensor trifft. Jeder Schritt zu einer größeren Zahl halbiert die Lichtmenge.

Die Werte f/1.0 bis f/2.8 gelten als besonders lichtstark.

Maximale Lichtstärke (f-Zahl)Relative Lichtmenge (im Vergleich zu f/4.0)
f/0.7~32x
f/1.016x
f/1.48x
f/2.04x
f/2.82x
f/4.01x
f/5.60.5x

Diese Tabelle verdeutlicht, wie viel mehr Licht ein Objektiv mit hoher Lichtstärke sammeln kann. Ein Objektiv mit f/1.4 sammelt achtmal so viel Licht wie ein Objektiv mit f/4.0. Das ermöglicht eine um drei Blendenstufen kürzere Belichtungszeit oder einen um drei Stufen niedrigeren ISO-Wert.

Gibt es noch lichtstärkere Objektive als f/1.4?

Ja, es gibt extrem seltene und spezialisierte Objektive mit noch höherer Lichtstärke. Ein berühmtes Beispiel ist das Carl Zeiss Planar 50mm f/0.7, das in den 1960er Jahren für die NASA entwickelt wurde, um die dunkle Seite des Mondes zu fotografieren. Drei Exemplare davon wurden später von Stanley Kubrick für den Film „Barry Lyndon“ verwendet, um Szenen nur bei Kerzenlicht zu filmen. Solche Objektive sind jedoch extreme Ausnahmen, oft nicht für den Massenmarkt gedacht und extrem teuer oder gar unbezahlbar.

Häufig gestellte Fragen zu lichtstarken Objektiven

Was genau versteht man unter der Lichtstärke eines Objektivs?

Die Lichtstärke gibt an, wie viel Licht ein Objektiv bei maximal geöffneter Blende auf den Sensor lassen kann. Sie wird durch die kleinste Blendenzahl (z.B. f/1.4) ausgedrückt. Eine niedrigere Blendenzahl bedeutet höhere Lichtstärke.

Was ist der Vorteil einer hohen Lichtstärke?

Die Hauptvorteile sind: Möglichkeit einer sehr geringen Schärfentiefe für starke Motivfreistellung (Bokeh), besseres Fotografieren bei wenig Licht durch kürzere Belichtungszeiten und/oder niedrigere ISO-Werte (weniger Rauschen, weniger Verwacklungsgefahr) und oft eine sehr hohe Abbildungsqualität.

Sind Objektive mit geringerer Lichtstärke schlechter?

Nein, nicht unbedingt. Objektive mit geringerer Lichtstärke (z.B. f/4 oder f/5.6) können ebenfalls sehr scharf sein, oft sogar am Rand schärfer als ihre lichtstarken Pendants bei Offenblende. Sie eignen sich hervorragend für Landschaftsfotografie, wo eine große Schärfentiefe gewünscht ist, oder wenn ausreichend Licht vorhanden ist. Sie sind in der Regel kompakter und günstiger.

Was bedeutet „schnelles Objektiv“?

Der Begriff „schnelles Objektiv“ ist ein Synonym für „lichtstarkes Objektiv“. Er bezieht sich darauf, dass die hohe Lichtstärke kürzere Belichtungszeiten ermöglicht, was es einfacher macht, schnelle Bewegungen einzufrieren.

Welche Blendenwerte gelten als lichtstark?

Im Allgemeinen gelten Objektive mit einer maximalen Offenblende von f/2.8 oder kleiner (f/2.0, f/1.8, f/1.4, f/1.2 etc.) als lichtstark.

Fazit

Lichtstarke Objektive sind aufgrund ihrer komplexen Konstruktion, der benötigten hochwertigen Materialien und der präzisen Fertigung teurer als Objektive mit geringerer Lichtstärke. Doch der höhere Preis ist für viele Fotografen gerechtfertigt durch die einzigartigen kreativen Möglichkeiten, die sie bieten: das beeindruckende Bokeh zur Hervorhebung des Motivs und die überragende Leistungsfähigkeit bei schlechten Lichtverhältnissen. Sie ermöglichen rauschärmere Bilder, kürzere Belichtungszeiten und damit schärfere Aufnahmen aus der Hand, wo andere Objektive an ihre Grenzen stoßen. Für Fotografen, die Wert auf einen besonderen Bildlook und maximale Flexibilität bei unterschiedlichen Lichtbedingungen legen, ist ein lichtstarkes Objektiv – oft eine Festbrennweite – eine lohnende Investition in ihre Ausrüstung.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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