Michael Werner, geboren am 8. Mai 1939 in Nauen, ist eine herausragende Persönlichkeit in der Welt der Kunst. Als Kunsthändler und Galerist hat er über Jahrzehnte hinweg maßgeblich die Karrieren einiger der bedeutendsten deutschen Nachkriegskünstler geprägt und ihren Werken internationale Anerkennung verschafft. Seine Laufbahn ist gekennzeichnet von Mut, strategischem Geschick und einem unerschütterlichen Glauben an die Künstler, die er vertrat.

Seine Reise in die Kunstwelt begann früh. Michael Werner erhielt seinen ersten Kunstunterricht von Johannes Geccelli, was vielleicht den Grundstein für seine spätere Passion legte. Im Jahr 1958 sammelte er erste professionelle Erfahrungen als Assistent in der renommierten Galerie von Rudolf Springer am Kurfürstendamm in Berlin. Diese Zeit ermöglichte ihm wertvolle Einblicke in den Kunsthandel und den Aufbau von Beziehungen in der Szene.
Die Anfänge und der frühe Paukenschlag
Ein entscheidender Moment in seiner frühen Karriere war die Gründung der „Galerie Werner & Katz“ in Berlin im Jahr 1963 zusammen mit Benjamin Katz. Hier wagte er einen ersten großen Schritt, der sofort für Aufsehen sorgte: eine Ausstellung mit Werken von Georg Baselitz. Baselitz war zu dieser Zeit noch kein etablierter Name, doch Werner erkannte früh das Potenzial und die radikale Kraft seiner Kunst. Die Ausstellung machte sowohl den Künstler als auch den Galeristen schnell bekannt, auch wenn sich dieser Ruhm nicht unmittelbar in Verkäufen niederschlug. Werner verfolgte eine Strategie, die auf Provokation setzte. Er sorgte gezielt dafür, dass Baselitz’ Bilder wie „Die große Nacht im Eimer“ und „Der nackte Mann“ von der Presse skandalisiert wurden. Diese bewusste Inszenierung führte tatsächlich dazu, dass die Staatsanwaltschaft die Werke beschlagnahmte. Obwohl das Verfahren später eingestellt wurde, hatte die Aktion die gewünschte öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt. Dieser frühe Skandal demonstrierte Werners Bereitschaft, für seine Künstler Risiken einzugehen und unkonventionelle Wege zu beschreiten, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen.
Aufbau eines einzigartigen Künstlerstalls
Nach dieser prägenden Berliner Zeit zog Michael Werner 1969 nach Köln um. In den folgenden Jahren widmete er sich dem Aufbau eines einzigartigen Portfolios von deutschen Künstlern, die heute als zentrale Figuren der Nachkriegskunst gelten. Dazu gehörten Georg Baselitz, A.R. Penck, Markus Lüpertz und Per Kirkeby, aber auch Jörg Immendorff, Antonius Höckelmann und Sigmar Polke. Diese Künstler repräsentierten oft eine neue, kraftvolle und manchmal auch unbequeme deutsche Kunst nach dem Krieg. Der Kunstmarkt in den 1970er Jahren war jedoch nicht immer bereit für diese Art von Werken, und Werner musste bis Anfang der 1980er Jahre mit vergleichsweise wenigen Umsätzen durchhalten. Doch Michael Werner gab nicht auf. Sein Ansatz war geprägt von „purem Insistieren“ auf die Qualität und Bedeutung seiner Künstler. Er glaubte fest an ihr Schaffen und arbeitete unermüdlich daran, ihre Werke im Bewusstsein der Sammler, Museen und Kritiker zu verankern. Diese Phase erforderte immense Geduld und Überzeugungskraft, legte aber den Grundstein für die spätere internationale Anerkennung.
Der Sprung auf die internationale Bühne
Die Wende kam mit der Internationalisierung seiner Kontakte. Michael Werner erkannte, dass der deutsche Markt allein nicht ausreichte, um das volle Potenzial seiner Künstler auszuschöpfen. Er knüpfte entscheidende Verbindungen zu führenden New Yorker Galerien, darunter die Galerie von Ileana Sonnabend, die Pace Gallery, Xavier Fourcade und Marian Goodman. Diese Kooperationen öffneten seinen Künstlern die Tür zum amerikanischen Kunstmarkt und verschafften ihnen eine neue Ebene der Sichtbarkeit und des Prestiges. Ein besonders wichtiger Schritt war seine Beteiligung an der Galerie seiner späteren Lebenspartnerin Mary Boone in New York. Mary Boone war in den 1980er Jahren eine der einflussreichsten Galeristinnen in den USA und vertrat aufstrebende Künstler der damaligen Zeit. Die Zusammenarbeit und die spätere Ehe mit Mary Boone im Jahr 1984 (sie haben einen gemeinsamen Sohn und sind inzwischen geschieden) katapultierten Michael Werner und seine Künstler endgültig in die erste Liga des internationalen Kunsthandels. Diese Phase brachte ihm die lang ersehnte Anerkennung und vor allem auch die notwendigen Umsätze, um seine Arbeit auf einem größeren Fundament fortzusetzen.
Kontroversen und Solidarität in der Kunstwelt
Michael Werner scheute nie die Konfrontation, wenn es um seine Künstler ging. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ereignete sich auf der documenta 6 im Jahr 1977. Die Kuratoren Manfred Schneckenburger und Evelyn Weiss verhinderten die Präsentation von Bildern des von Werner vertretenen DDR-Dissidenten A. R. Penck. Die Begründung war, dass dies die Annäherung an die DDR-Kulturpolitik hätte stören können. Diese Entscheidung löste eine Welle der Solidarität aus. Jörg Immendorff und Georg Baselitz, ebenfalls von Werner vertreten, zogen daraufhin ihre eigenen Beiträge von der Ausstellung zurück. Auch Gerhard Richter solidarisierte sich mit ihnen, obwohl er nicht von Werner vertreten wurde. Dieser Vorfall unterstrich nicht nur Werners starke Bindung zu seinen Künstlern, sondern auch seinen Einfluss und die Bereitschaft anderer wichtiger Akteure, sich mit ihm und seinen Positionen zu verbünden. Es war ein klares Statement gegen politische Einflussnahme auf die Kunstfreiheit.
Eine weitere Kontroverse betraf die enge Zusammenarbeit zwischen Michael Werner und Siegfried Gohr, dem damaligen Leiter des Museum Ludwig in Köln. Gohr wurden eine zu große Nähe und mögliche Begünstigung Werners vorgeworfen, was letztlich zu seiner Entlassung aus dem Museum führte. Gohr setzte seine Karriere später als Hochschullehrer in Düsseldorf fort. Dieser Vorfall zeigte die komplexen Beziehungen zwischen Kunsthandel und öffentlichen Institutionen und die Herausforderungen, Transparenz und Unabhängigkeit zu wahren.
Spätere Jahre, Anerkennung und Vermächtnis
Auch in seinen späteren Jahren blieb Michael Werner aktiv und einflussreich. Im Jahr 2009 etablierte er sich mit einer Galerie in Märkisch Wilmersdorf bei Berlin und kehrte damit gewissermaßen in die Nähe seiner Wurzeln zurück. Seine Verdienste als Kunstvermittler und Förderer wurden 2011 mit dem Art-Cologne-Preis gewürdigt, eine bedeutende Auszeichnung in der deutschen Kunstszene. Ein besonders großzügiger Akt war seine Schenkung an das Musée d’art moderne de la Ville de Paris im Jahr 2012. Er vermachte dem Museum 127 Objekte, deren Auswahl Direktor Fabrice Hergott frei aus dem Galeriebestand treffen konnte. Diese Schenkung umfasste bedeutende Konvolute von Künstlern, die er lange vertreten hatte, wie Penck, Immendorff, Lüpertz, Per Kirkeby und James Lee Byars. Interessanterweise enthielt die Schenkung aber auch Werke von Vertretern der deutschen klassischen Moderne, die Werner neuerdings gesammelt hatte, darunter Wilhelm Lehmbruck und Otto Freundlich. Diese Schenkung unterstreicht nicht nur seine Philanthropie, sondern auch seinen breiteren Blick auf die Kunstgeschichte und seinen Wunsch, bedeutende Werke dauerhaft in öffentlichen Sammlungen zu verankern.
Michael Werners Karriere ist ein Beispiel für die Leidenschaft, den Weitblick und die Beharrlichkeit, die nötig sind, um im Kunsthandel erfolgreich zu sein und gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zur Kunstgeschichte zu leisten. Er war nicht nur ein Händler, sondern ein Visionär und Förderer, der das Potenzial in Künstlern sah, bevor es andere taten, und bereit war, für sie zu kämpfen. Seine Galerie bleibt eine wichtige Institution, die das Erbe der von ihm vertretenen Künstler pflegt und neue Positionen entdeckt. Sein Einfluss auf die Karrieren von Künstlern wie Georg Baselitz, A.R. Penck und Markus Lüpertz ist unbestreitbar. Als er am 8. Mai 2024 seinen 85. Geburtstag feierte, konnte Michael Werner auf ein Leben zurückblicken, das untrennbar mit der Entwicklung der modernen und zeitgenössischen Kunst verbunden ist. Seine Geschichte ist die Geschichte eines Mannes, der die Kunstwelt nicht nur beobachtete, sondern aktiv gestaltete.

Häufig gestellte Fragen zu Michael Werner
Wer ist Michael Werner?
Michael Werner ist ein bekannter deutscher Kunsthändler und Galerist, der eine entscheidende Rolle bei der internationalen Etablierung deutscher Nachkriegskünstler spielte.
Wann wurde Michael Werner geboren?
Er wurde am 8. Mai 1939 geboren.
Welche berühmten Künstler hat Michael Werner vertreten?
Zu den von ihm vertretenen Künstlern gehören unter anderem Georg Baselitz, A.R. Penck, Markus Lüpertz, Per Kirkeby, Jörg Immendorff, Sigmar Polke und Don Van Vliet (Captain Beefheart).
Was war die Kontroverse um Georg Baselitz' Bilder?
In den frühen 1960er Jahren sorgte Michael Werner bewusst für einen Skandal um Baselitz' Gemälde „Die große Nacht im Eimer“ und „Der nackte Mann“, was zur Beschlagnahmung der Werke führte, aber auch enorme öffentliche Aufmerksamkeit generierte.
Welche Rolle spielte Michael Werner bei der documenta 6?
Als die Werke von A.R. Penck auf der documenta 6 blockiert wurden, zeigten Michael Werner und mehrere seiner Künstler (Baselitz, Immendorff) Solidarität, indem sie ihre eigenen Beiträge zurückzogen.
Hat Michael Werner Kunst gespendet?
Ja, im Jahr 2012 schenkte er dem Musée d’art moderne de la Ville de Paris 127 Kunstobjekte.
Wie alt ist Michael Werner?
Michael Werner wurde am 8. Mai 1939 geboren. Im Mai 2024 wurde er 85 Jahre alt.
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