Wie heißen Olympus-Kameras jetzt?

Olympus Kameras: Was wurde aus der Fotolegende?

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Die Marke Olympus hat in der Welt der Fotografie über Jahrzehnte hinweg einen legendären Ruf aufgebaut. Von kompakten Kleinbildkameras wie der ikonischen PEN-Serie und der beliebten Trip bis hin zu den innovativen Spiegelreflexkameras des OM-Systems und später den digitalen E-Systemen – Olympus stand oft für kompaktes Design, optische Qualität und technische Innovation. Doch in den letzten Jahren gab es bedeutende Veränderungen, die viele Fotografen verunsichert haben. Die häufigsten Fragen lauten: Wie heißen Olympus-Kameras jetzt? Und stellt Olympus überhaupt noch Kameras her?

Von Olympus K.K. zu OM Digital Solutions: Ein neues Kapitel

Die Antwort auf diese Fragen ist vielschichtig und spiegelt einen strategischen Wandel innerhalb des japanischen Konzerns wider. Die Olympus Corporation (Olympus K.K.) hat eine lange und bewegte Geschichte, die weit über die Fotografie hinausgeht. Das Unternehmen, gegründet 1919, machte sich ursprünglich einen Namen mit Mikroskopen und expandierte später in Bereiche wie medizinische Endoskope, industrielle Inspektionssysteme und natürlich Kameras. Tatsächlich ist die Medizintechnik heute der bei weitem größte und profitabelste Geschäftsbereich von Olympus K.K.

Die Kameradivision, obwohl für die Öffentlichkeit am bekanntesten, sah sich in den letzten Jahren zunehmend wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber. Über drei aufeinanderfolgende Geschäftsjahre hinweg verzeichnete sie Verluste und trug zuletzt nur noch etwa 5 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns bei. Angesichts dieser Entwicklung traf Olympus K.K. eine einschneidende Entscheidung: sich von seiner Kamerasparte zu trennen und sich fast ausschließlich auf das Kerngeschäft, insbesondere die Medizintechnik, zu konzentrieren.

Stellt Olympus noch Kameras her?
Die Produktsparten Kameras, Audio-Recorder und Ferngläser wurden im Januar 2021 als eigenständiges Unternehmen OM Digital Solutions ausgegliedert.

Diese Trennung wurde am 1. Januar 2021 vollzogen. Die Produktsparten Kameras, Audio-Recorder und Ferngläser wurden in ein eigenständiges Unternehmen ausgegliedert: die OM Digital Solutions Corporation. Dieses neue Unternehmen wurde mehrheitlich (zu 95 Prozent) von der Investmentgesellschaft Japan Industrial Partners (JIP) übernommen, während Olympus K.K. eine Minderheitsbeteiligung von 5 Prozent behielt. Damit ist die Produktion und Entwicklung von Kameras, die einst unter der Marke Olympus lief, nun die Hauptaufgabe von OM Digital Solutions.

Die Geburt des OM System: Der neue Name für Olympus Kameras

Mit der Ausgliederung und der Gründung von OM Digital Solutions war auch eine Neuausrichtung der Produktmarken notwendig. Während das „Olympus“ Logo noch auf einigen Kameras zu finden war, die kurz nach der Umstrukturierung auf den Markt kamen oder noch in der Entwicklung waren, hat OM Digital Solutions schrittweise eine neue, eigene Marke eingeführt: OM System. Die Kameras, die heute von OM Digital Solutions entwickelt und hergestellt werden, tragen nun diesen Namen.

Diese Namenswahl ist eine bewusste Hommage an die ruhmreiche Vergangenheit der Olympus OM-Serie, einer Reihe von kompakten und leistungsstarken Spiegelreflexkameras, die in den 1970er und 80er Jahren sehr populär waren und maßgeblich von dem legendären Designer Yoshihisa Maitani geprägt wurden. Der Name „OM System“ soll die Kontinuität, die Designphilosophie der Kompaktheit und die Systemfähigkeit – also die Verfügbarkeit von Objektiven und Zubehör – unterstreichen, die schon das ursprüngliche OM-System auszeichneten.

Das Herzstück: Das Micro Four Thirds System

Die Kameras von OM Digital Solutions unter der Marke OM System basieren weiterhin auf dem von Olympus und Panasonic gemeinsam entwickelten Micro Four Thirds (MFT) Standard. Dies ist ein spiegelloses Kamerasystem, das sich durch eine Besonderheit auszeichnet: die Größe des Bildsensors. Der MFT-Sensor ist mit 17,3 mm × 13 mm kleiner als die in vielen anderen spiegellosen Kameras verbreiteten APS-C-Sensoren oder die größeren Vollformatsensoren (ca. 36 mm × 24 mm). Dies bringt spezifische Vor- und Nachteile mit sich.

Vorteile des Micro Four Thirds Systems:

  • Kompaktheit und Gewicht: Der kleinere Sensor ermöglicht es, sowohl die Kameragehäuse als auch die Objektive deutlich kleiner und leichter zu bauen als bei Systemen mit größeren Sensoren. Dies ist ein entscheidender Vorteil für Fotografen, die viel unterwegs sind, reisen oder unauffällig fotografieren möchten. Das gesamte System – Kamera plus Objektive – ist einfach zu transportieren.
  • Größere Schärfentiefe: Bei gleicher Blende und gleichem Bildwinkel (der durch das Objektiv und den Crop-Faktor des Sensors bestimmt wird) bietet das MFT-System eine größere Schärfentiefe als Systeme mit größeren Sensoren. Dies kann in bestimmten Situationen vorteilhaft sein, z. B. in der Landschaftsfotografie oder Makrofotografie, wo man oft einen größeren Bereich im Bild scharf abbilden möchte.
  • Tele-Reichweite: Der Crop-Faktor des MFT-Sensors (der Faktor, um den die Brennweite eines Objektivs multipliziert werden muss, um den effektiven Bildwinkel im Vergleich zum Kleinbildformat zu erhalten) beträgt 2x. Ein 100mm Objektiv am MFT-System bietet den Bildwinkel eines 200mm Objektivs an einer Kleinbildkamera. Dies ist besonders für die Tier- und Sportfotografie nützlich, da man mit kleineren, leichteren Teleobjektiven eine große Reichweite erzielt.
  • Objektivvielfalt: Das MFT-System ist ein offener Standard. Das bedeutet, dass nicht nur OM Digital Solutions (ehemals Olympus) und Panasonic Objektive für dieses System herstellen, sondern auch viele andere Dritthersteller. Dies führt zu einer sehr großen Auswahl an Objektiven für nahezu jeden Anwendungsbereich.

Die aktuelle OM System Kamera-Palette

Unter der Marke OM System bietet das Unternehmen Kameras für verschiedene Zielgruppen an. Die bekanntesten Serien sind:

  • OM-D Serie: Diese Modelle sind spiegellose Systemkameras im Stil einer klassischen SLR, oft mit integriertem elektronischem Sucher. Sie sind in der Regel leistungsstärker und bieten mehr erweiterte Funktionen. Das aktuelle Flaggschiff ist die OM-1, die für ihre Geschwindigkeit, ihren präzisen Autofokus und ihren exzellenten Bildstabilisator gelobt wird.
  • PEN Serie: Diese Kameras orientieren sich am Design der originalen Olympus PEN Kameras und haben oft keinen integrierten Sucher, sondern werden über das Display bedient. Sie sind in der Regel noch kompakter und richten sich an Einsteiger, Vlogger oder Fotografen, die eine stilvolle, sehr portable Kamera suchen. Die Modelle tragen oft Bezeichnungen wie PEN E-P, PEN E-PL oder PEN E-PM (obwohl die PM-Linie eingestellt wurde).
  • TOUGH Serie: Diese Kameras sind für den Einsatz unter extremen Bedingungen konzipiert. Sie sind wasserdicht, stoßfest, bruchsicher und frostsicher. Sie sind ideal für Abenteuer- und Outdoor-Fotografie.

Die Kameras des OM Systems sind, wie schon ihre Olympus Vorgänger im MFT-Segment, besonders bei Content Creators beliebt, die Wert auf geringes Gewicht legen. Ihre Tragbarkeit macht sie ideal für ganztägige Shootings und Reisen mit leichtem Gepäck. Die Top-Modelle wie die OM-1 zeichnen sich durch Technologien aus, die sie für anspruchsvolle Anwendungen prädestinieren, darunter:

  • Extrem schneller und präziser Autofokus, der auch bewegte Motive sicher verfolgt.
  • Sehr hohe Serienbildgeschwindigkeiten, um den entscheidenden Moment einzufangen.
  • Klassenbester integrierter Bildstabilisator (IBIS), der auch bei wenig Licht oder mit langen Brennweiten scharfe Aufnahmen aus der Hand ermöglicht.
  • Leistungsstarke Videofunktionen für Vlogging, Live-Streaming und Filmemachen.
  • Fortschrittliche Computational Photography Features wie High Res Shot (für extrem hochauflösende Bilder), Live Composite (für beeindruckende Lichtspurenaufnahmen) und integrierte ND-Filterfunktionen.

Diese Eigenschaften machen das OM System zu einer attraktiven Wahl für diverse Fotogenres, von der actionreichen Sport- und Wildlifefotografie über Hochzeiten und Porträts bis hin zur Reisefotografie.

Das M.Zuiko Objektivsystem

Ein Kamerasystem ist nur so gut wie seine Objektive. Das OM System profitiert hier vom umfangreichen M.Zuiko Objektivpark, der über Jahre hinweg von Olympus aufgebaut wurde. Die M.Zuiko Digital Objektive sind speziell für das Micro Four Thirds System konzipiert und bieten eine breite Palette von Optionen, von Weitwinkel- bis Superteleobjektiven, von lichtstarken Festbrennweiten bis zu vielseitigen Zoomobjektiven. Viele dieser Objektive sind ebenfalls sehr kompakt und leicht, was das Gesamtkonzept der Handlichkeit des Systems unterstreicht. Es gibt sowohl Objektive für Enthusiasten und Profis mit hoher Lichtstärke und robuster Bauweise als auch preisgünstigere Optionen für Einsteiger.

Was macht die originale Olympus Corporation heute?

Wie bereits erwähnt, konzentriert sich die ursprüngliche Olympus Corporation (Olympus K.K.) nach der Ausgliederung der Imaging-Sparte fast vollständig auf ihre anderen Geschäftsbereiche. Der wichtigste davon ist die Medizintechnik, insbesondere die Entwicklung und Herstellung von Endoskopen und anderen Systemen für die minimalinvasive Chirurgie und Diagnostik. Olympus ist in diesem Bereich weltweit führend. Daneben ist das Unternehmen weiterhin in den Bereichen Mikroskopie und industrielle Inspektionssysteme tätig. Die Fotografie gehört jedoch nicht mehr zum Kerngeschäft von Olympus K.K.

Häufig gestellte Fragen zur Zukunft von Olympus Kameras

Wer stellt jetzt Olympus Kameras her?

Die Kameras, die zuvor unter der Marke Olympus verkauft wurden, werden jetzt von einem neuen, eigenständigen Unternehmen namens OM Digital Solutions Corporation entwickelt und hergestellt.

Werden noch Olympus-Kameras hergestellt?
Kameras. * Die Kameras, Audiorecorder und Ferngläser sind nicht mehr Eigentum der Olympus Corporation und gehören nicht mehr zu ihrem Produktportfolio. Seit Januar 2021 wurden diese Produkte an OM Digital Solutions übertragen und werden von diesem Unternehmen vermarktet, verkauft und vertrieben .

Wie heißen die Kameras jetzt?

Die neuen Kameras von OM Digital Solutions tragen die Marke OM System. Ältere Modelle, die noch unter Olympus entwickelt wurden, können noch das Olympus-Logo tragen.

Bedeutet das, dass Olympus keine Kameras mehr herstellt?

Ja, die ursprüngliche Olympus Corporation (Olympus K.K.) stellt keine Kameras mehr her. Sie hat die entsprechende Geschäftssparte verkauft und konzentriert sich auf andere Bereiche wie Medizintechnik.

Sind OM System Kameras noch Olympus Kameras?

Die Kameras werden nicht mehr von der originalen Olympus Corporation hergestellt, aber sie werden von einem Unternehmen entwickelt und gebaut, das aus der Olympus-Kamerasparte hervorgegangen ist, viele der ehemaligen Mitarbeiter beschäftigt und auf der Technologie und dem Know-how von Olympus aufbaut (insbesondere dem Micro Four Thirds System). Man kann sagen, dass sie den Geist und die Technologie von Olympus weiterführen.

Welche Vorteile bietet das OM System (Micro Four Thirds)?

Hauptvorteile sind die extreme Kompaktheit und das geringe Gewicht der Kameras und Objektive, was sie ideal für Reisen und den täglichen Einsatz macht. Das System bietet auch eine größere Schärfentiefe und eine effektive Tele-Reichweite durch den 2x Crop-Faktor sowie eine große Objektivvielfalt.

Gibt es weiterhin neue Kameras und Objektive?

Ja, OM Digital Solutions entwickelt und bringt weiterhin neue Kameras und Objektive unter der Marke OM System auf den Markt. Das System ist lebendig.

Fazit

Auch wenn die Olympus Corporation als Konzern keine Kameras mehr herstellt, lebt das Erbe und die Technologie in Form des OM Systems unter dem Dach von OM Digital Solutions weiter. Für Fotografen, die Wert auf ein kompaktes, leistungsfähiges und vielseitiges Kamerasystem legen, das sich besonders gut für Reise-, Natur- und Actionfotografie eignet, bleibt das OM System eine sehr relevante und attraktive Option. Die Innovationen, die einst Olympus auszeichneten – von der Kompaktheit der PEN- und OM-Kameras bis zum fortschrittlichen Bildstabilisator und den Computational Photography Features – finden sich auch in den aktuellen Modellen des OM Systems wieder. Die Geschichte der Kameras, die einst Olympus hießen, ist also keineswegs zu Ende, sondern hat gerade erst ein neues Kapitel unter einem neuen Namen aufgeschlagen.

Wer sich für das System interessiert, findet heute eine breite Palette an Kameras – von den leistungsstarken OM-D Modellen wie der OM-1 bis zu den robusten TOUGH-Kameras – sowie ein umfangreiches Angebot an M.Zuiko Objektiven. Auch der Markt für gebrauchte Olympus-Kameras und -Objektive ist weiterhin aktiv und bietet die Möglichkeit, in dieses System einzusteigen oder es zu erweitern.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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