Die Geschichte von Nikon ist eine Reise durch die Entwicklung der Fototechnik, geprägt von Innovation, legendären Kameras und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse von Fotografen. Alles begann lange bevor der Name Nikon weltberühmt wurde. Im Jahr 1917 schlossen sich drei japanische Optikhersteller zusammen, um die Nippon Kogaku K.K. zu gründen. Zunächst konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Optiken für verschiedene Anwendungen, darunter auch Kameras – interessanterweise belieferte man in dieser frühen Phase sogar den späteren Hauptkonkurrenten Canon mit Linsen. Der heute ikonische Markenname Nikon tauchte erst 1946 auf, und zwei Jahre später, im Jahr 1948, erblickte die erste Kamera unter diesem Namen das Licht der Welt.

Die Anfänge: Messsucherkameras und die Nikon I
Die allererste Kamera, die den Namen Nikon trug, war die Nikon I. Sie war eine Messsucherkamera, ein Kameratyp, der zu dieser Zeit, insbesondere durch Leicas Erfolg, sehr populär war. Die Nikon I nutzte ein eher ungewöhnliches Filmformat von 24 x 32 mm. Dieses Format war etwas kleiner als das damals von Leica etablierte Kleinbildformat von 24 x 36 mm. Die technischen Spezifikationen der Nikon I waren für ihre Zeit solide, mit einer kürzesten Verschlusszeit von 1/500 Sekunde. Heute sind die frühen Modelle der Nikon I äußerst begehrte Sammlerstücke und erzielen auf Auktionen astronomische Preise, was ihre historische Bedeutung und Seltenheit unterstreicht.
Sechs Jahre später, im Jahr 1954, reagierte Nikon auf den Quasi-Standard des Kleinbildformats und stellte die Nikon S2 vor. Dies war die erste Nikon Messsucherkamera, die das nunmehr gängige Format von 24 x 36 mm verwendete. Obwohl dieses breitere Format bedeutete, dass etwas weniger Bilder auf einen Standard-Kleinbildfilm passten als beim 24x32mm Format, war die Umstellung strategisch wichtig, um mit den anderen großen Herstellern, insbesondere Leica, auf Augenhöhe zu agieren und die Kompatibilität mit standardmäßigen Diarahmen und Abzügen zu gewährleisten. Die S-Serie, zu der die S2 gehörte, festigte Nikons Ruf für hochwertige Optiken und präzise gefertigte Kameras.
Die Ära der Spiegelreflexkamera: Die legendäre F-Serie
Ein Wendepunkt in der Geschichte von Nikon und der Fotografie allgemein war das Jahr 1959. Nikon stellte die Nikon F vor, ihre erste Spiegelreflexkamera (SLR). Dies war nicht nur ein neues Kameramodell, sondern der Beginn einer legendären Serie, die die professionelle Fotografie für Jahrzehnte dominieren sollte. Die Nikon F etablierte das F-Bajonett, ein Objektivanschluss, der so durchdacht und robust war, dass Nikon ihn bis heute für seine Spiegelreflexkameras verwendet – ein beeindruckendes Zeugnis für seine Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit. Der Name 'F' soll übrigens für Masahiko Fuketa stehen, den damaligen Chefentwickler von Nikon, was die persönliche Bedeutung dieses Projekts unterstreicht.
Die Nikon F war eine modulare Kamera, die es Fotografen ermöglichte, verschiedene Sucher, Mattscheiben und Motorantriebe zu verwenden. Ihre Robustheit und Zuverlässigkeit machten sie schnell zum Standardwerkzeug für professionelle Fotografen weltweit, insbesondere in der Presse- und Dokumentarfotografie. Sie war auf den Schlachtfeldern, bei Sportveranstaltungen und in Studios zu Hause.
Die Weiterentwicklung der F-Serie führte zu weiteren Meilensteinen. 1971 erschien die Nikon F2, eine Verbesserung der F1, die Nikons führende Position im Bereich der Kleinbild-SLRs weiter festigte. Sie bot unter anderem eine kürzere Belichtungszeit von 1/2000 Sekunde und eine breitere Palette an Zubehör, darunter verschiedene Sucher und eine ansetzbare Blendenautomatik.
1977 brachte Nikon mit der Nikon FM eine rein mechanische Kamera auf den Markt. Die FM war besonders bei Fotografen beliebt, die eine zuverlässige Kamera suchten, die auch unter extremen Bedingungen ohne Batteriestrom (abgesehen vom Belichtungsmesser) funktionierte. Ihre Einfachheit und Robustheit machten sie zu einem Favoriten für Abenteuerfotografie und den Einsatz in entlegenen Gebieten.
Ein weiterer Höhepunkt war die Nikon F3 im Jahr 1980. Diese Kamera war ein echter Meilenstein und blieb bis ins Jahr 2002 in Produktion, was ihre Popularität und Langlebigkeit beweist. Die F3 führte wichtige Neuerungen ein, wie einen elektronisch gesteuerten Schlitzverschluss, Zeitautomatik und die bahnbrechende TTL-Blitzsteuerung (Through The Lens). Das unverwechselbare Design mit der roten Linie am Griffwulst stammte vom berühmten italienischen Designer Giorgio Giugiaro.
Die F-Serie entwickelte sich weiter. 1988 kam die Nikon F4, die erstmals einen zuverlässigen Autofokus in einer professionellen Nikon-Kamera bot, zusammen mit Verbesserungen wie der Mehrfeldmessung und einer kürzeren Verschlusszeit von 1/8000 Sekunde.
Die 1996 erschienene Nikon F5 galt lange Zeit als Nonplusultra der professionellen analogen Fotografie. Sie verfügte über einen Wechselsucher und führte die 3D-Color-Matrix-Messung ein, die einen RGB-CCD mit 1005 Pixeln nutzte, um die Belichtung präziser zu steuern. Mit fünf frei wählbaren AF-Messfeldern setzte sie Maßstäbe in der Autofokus-Leistung.
Die F-Serie fand ihren analogen Höhepunkt in der Nikon F6, die 2004 vorgestellt und bis 2020 produziert wurde. Sie war die letzte professionelle Kamera für Kleinbildfilm und zeichnete sich durch ihren leisen Verschluss und hohe Serienbildgeschwindigkeit aus.

Spezialisierte Kameras und erste digitale Gehversuche
Neben den Hauptserien entwickelte Nikon auch Kameras für spezielle Anwendungen. Die 1963 eingeführte Nikonos I war die erste Unterwasserkamera von Nikon. Basierend auf der Calypso-Kamera, die unter anderem von Jacques-Yves Cousteau entwickelt wurde, ermöglichte sie das Fotografieren unter Wasser ohne separates Gehäuse und begründete eine erfolgreiche Serie von Unterwasserkameras.
Im selben Jahr, 1963, betrat Nikon mit der Nikkorex Zoom 35 den Markt der Kompaktkameras. Sie war die erste Kompaktkamera des Herstellers und verfügte bereits über ein Zoomobjektiv (43-86 mm).
1992 folgte mit der Nikonos RS die erste Unterwasser-SLR mit Autofokus, die Tauchtiefen bis zu 100 Metern ohne zusätzliches Gehäuse meisterte und eine Reihe von Wechselobjektiven bot, was sie zur bevorzugten Kamera für Unterwasserprofis machte.
In den 1990er Jahren gab es auch bemerkenswerte analoge Kompaktkameras, wie die Nikon 35Ti Quartz Date (1993), die als eine der besten ihrer Art galt.
Die ersten Schritte in die Digitalfotografie waren noch zögerlich und oft Kooperationen. Eine der allerersten Digitalkameras überhaupt, die Kodak DCS 100 (1991), basierte auf einer Nikon F3 HP und wurde mit einer digitalen Einheit mit 1,3-Megapixel-CCD kombiniert. Dies war ein früher Vorbote der digitalen Revolution, die bald die gesamte Branche umkrempeln würde.
Der Aufstieg der Digitalfotografie: Coolpix und die D-Serie
Nikons eigene digitale Geschichte begann mit der Nikon Coolpix 100 im Jahr 1997. Mit einer Auflösung von 0,3 Megapixeln war sie eher ein Experiment, das über einen PCMCIA-Slot mit dem Computer verbunden wurde. Ein Jahr später, 1998, begründete die Nikon Coolpix 900 mit ihrer Schwenkoptik eine legendäre Kompaktkamera-Serie. Mit 1,3 Megapixeln lieferte sie erstmals Bilder, die in einer Größe von 10 x 15 cm in brauchbarer Qualität gedruckt werden konnten.
Der entscheidende Schritt in die digitale SLR-Welt erfolgte 1999 mit der Nikon D1. Sie war Nikons erste digitale Spiegelreflexkamera und löste 2,66 Megapixel auf einem Sensor mit APS-C-Abmessungen (bei Nikon DX genannt) auf. Die D1 war ein Meilenstein und setzte neue Standards in der professionellen Digitalfotografie. Später wurde die D1-Serie in die hochauflösende D1X und die schnelle D1H aufgespalten, um unterschiedliche Bedürfnisse professioneller Fotografen zu bedienen.
Im Jahr 2004 demokratisierte Nikon die digitale Spiegelreflexfotografie mit der Nikon D70. Sie war die erste Nikon DSLR für den breiteren Consumer-Markt und konkurrierte direkt mit Canons EOS 300D. Mit einem Preis von rund 1000 Euro und einem 6-Megapixel-CCD-Sensor machte sie die digitale SLR-Technologie für viele erschwinglich.
2007 markierte einen weiteren entscheidenden Punkt: Nikon stellte die Nikon D3 vor, ihre erste DSLR mit Vollformatsensor (bei Nikon FX genannt). Mit 12,1 Megapixeln und einer für damalige Verhältnisse extrem schnellen Seriengeschwindigkeit von 9 Bildern/s war die D3 eine Sensation und ein Favorit für Sport- und Pressefotografen. Sie führte auch den Live-View-Modus ein.
Parallel zur D3 kam die professionelle DX-Kamera D300 auf den Markt, die viele Features der D3 in einem kleineren Gehäuse bot und als erste Nikon DSLR eine Sensorreinigungsfunktion integrierte.

Auch im Amateurbereich hielt die Entwicklung Einzug. Die Nikon D90 (2008) brachte den CMOS-Sensor und erstmals Videofunktion (im HD-Format) in eine Nikon DSLR für Hobbyfotografen.
Der Übergang: Spiegellose Systemkameras
Während Nikon weiterhin erfolgreiche DSLRs wie die hochauflösende D800 (2012) und die professionellen D4 (2012), D5 (2016) und D850 (2017) produzierte, zeichnete sich der nächste Technologiewechsel ab: die spiegellose Systemkamera. Nikons erster Vorstoß in dieses Segment war das Nikon 1-System im Jahr 2011 mit den Modellen V1 und J1. Dieses System setzte auf einen kleineren 1-Zoll-Sensor (CX-Format) und bot hohe Geschwindigkeiten, erwies sich aber mittelfristig als Sackgasse und wurde 2017 eingestellt.
Die eigentliche Revolution im spiegellosen Bereich startete für Nikon im Herbst 2018 (etwas später als bei Konkurrenten wie Sony) mit der Einführung der Vollformat-Systemkameras Nikon Z6 und Z7. Diese Kameras läuteten das Ende der Dominanz der Spiegelreflextechnik ein. Die Z6 bot rund 24 Megapixel, die Z7 etwa 45 Megapixel. Beide nutzten einen Hybrid-Autofokus und erlaubten dank eines Adapters die Nutzung der bestehenden F-Bajonett-Objektive mit Autofokus. Ein wichtiges Feature war der ins Gehäuse integrierte Bildstabilisator.
Mit der Nikon Z50 (2019) folgte die erste spiegellose Kamera mit DX-Sensor und Z-Bajonett, die das spiegellose System auch für Nutzer mit kleinerem Budget und dem Wunsch nach kompakteren Kameras öffnete.
Die Spitze der aktuellen Entwicklung bildet die Nikon Z9 (2021). Sie ist Nikons spiegelloses Flaggschiff für den High-End-Profibereich, insbesondere für Sport- und Naturfotografie. Die Z9 nutzt einen innovativen Stacked-BSI-CMOS-Sensor mit 45,7 Megapixeln und ermöglicht extrem schnelle Serienbildgeschwindigkeiten (bis zu 20 Bilder/s in RAW, 30 Bilder/s in JPEG) dank elektronischem Verschluss. Ihr Autofokus basiert auf künstlicher Intelligenz, die eine beeindruckende Motiverkennung und -verfolgung erlaubt. Mit einem Preis von rund 6000 Euro positioniert sie sich als Top-Werkzeug für professionelle Ansprüche.
Vergleich ausgewählter Nikon Kameras
| Modell | Erscheinungsjahr | Typ | Sensor/Film | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Nikon I | 1948 | Messsucherkamera | 24x32 mm Film | Erste Nikon Kamera |
| Nikon F | 1959 | Spiegelreflexkamera (SLR) | Kleinbildfilm (24x36 mm) | Erste Nikon SLR, Einführung F-Bajonett |
| Nikon D1 | 1999 | Digitale SLR (DSLR) | 2.7 MP DX-Sensor | Erste Nikon DSLR |
| Nikon D3 | 2007 | Digitale SLR (DSLR) | 12.1 MP FX-Sensor | Erste Nikon DSLR mit Vollformatsensor |
| Nikon Z9 | 2021 | Spiegellose Systemkamera | 45.7 MP Stacked FX-Sensor | Flaggschiff Spiegellos, KI-Autofokus, hohe Geschwindigkeit |
Häufig gestellte Fragen
Welche war die erste Nikon-Kamera?
Die allererste Kamera, die unter dem Namen Nikon auf den Markt kam, war die Nikon I im Jahr 1948. Sie war eine Messsucherkamera, die ein Filmformat von 24 x 32 mm nutzte.
Ist die Nikon Coolpix digital?
Ja, die Kameras der Nikon Coolpix Serie sind digitale Kompaktkameras. Die Coolpix Serie war Nikons erste eigene Linie digitaler Kameras und umfasst eine Vielzahl von Modellen, von einfachen Point-and-Shoot-Kameras bis hin zu Modellen mit Superzoom oder robuster Bauweise.
Was kostet die Nikon L22?
Die Nikon Coolpix L22 war eine einfache digitale Point-and-Shoot-Kamera, die bereits vor vielen Jahren auf den Markt kam (ca. 2009). Der Preis zum Verkaufsstart lag typischerweise im Bereich von unter 150 Euro. Der von Ihnen genannte Preis von 5.999 ₹ (Indische Rupien) entspricht zum aktuellen Wechselkurs (Stand Ende 2023/Anfang 2024) etwa 60-70 Euro, was dem damaligen Marktsegment entspricht. Heute ist die Kamera nur noch gebraucht erhältlich, und der Preis hängt stark vom Zustand ab.
Die Geschichte von Nikon zeigt eine beeindruckende Entwicklung von einem Optikhersteller zu einem der weltweit führenden Kamerahersteller, der die Fotografie maßgeblich geprägt hat – von der ersten Messsucherkamera über die legendären SLRs bis hin zur modernen spiegellosen Technologie.
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