Das Samsung Galaxy S9+ war zum Zeitpunkt seiner Einführung ein High-End-Smartphone mit beeindruckenden Spezifikationen. Während die Hauptkamera auf der Rückseite für ihre Qualität gelobt wurde, ist auch die Frontkamera, oft als Selfie-Kamera bezeichnet, ein wichtiger Aspekt für viele Nutzer. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Fähigkeiten und die Leistung der Frontkamera des Samsung Galaxy S9+ basierend auf detaillierten Tests.

Ursprünglich als Top-Performer auf dem Markt platziert, bietet das Galaxy S9+ eine Frontkamera, die im Vergleich zu ihrem Vorgänger, dem S8, eine deutliche Verbesserung darstellte. Mit einem 8-Megapixel-Sensor und einer lichtstarken f/1.7-Blende ist sie auf dem Papier gut ausgestattet. Besonders hervorzuheben ist die Integration eines Autofokus-Systems, eine Funktion, die zu dieser Zeit bei Frontkameras noch relativ selten war und theoretisch mehr Flexibilität bei der Entfernung zum Motiv ermöglichen sollte.

Technische Daten der Frontkamera
Die Frontkamera des Samsung Galaxy S9+ verfügt über einen 8-Megapixel-Sensor mit einer Größe von 1/3.6 Zoll. Das Objektiv hat eine Blendenöffnung von f/1.7 und eine äquivalente Brennweite von 25 mm, was es gut geeignet macht für Gruppen-Selfies, auch ohne Selfie-Stick. Bei sehr wenig Licht kann eine Display-Blitz-Funktion aktiviert werden, um das Motiv zusätzlich zu beleuchten. Wie bereits erwähnt, ist das Vorhandensein eines Autofokus-Systems ein bemerkenswertes Merkmal dieser Kamera.
DxOMark Selfie Bewertung: Ein detaillierter Blick
In den Tests erreichte die Frontkamera des Samsung Galaxy S9+ eine Gesamtpunktzahl von 81 Punkten. Dies ist eine solide Leistung, die sie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung zu einem der besten Geräte in dieser Kategorie machte, auch wenn sie später von Modellen wie dem Samsung Galaxy Note 9 übertroffen wurde. Die Punktzahl setzt sich aus der Foto- und der Videoleistung zusammen, die beide mit 81 Punkten bewertet wurden.
Foto-Performance: Stärken und Schwächen
Die Foto-Punktzahl von 81 Punkten ist sehr gut und resultiert aus mehreren positiven Aspekten der Bildqualität. Zu den größten Stärken gehören eine akkurate Belichtung des Hauptmotivs (Gesicht), angenehme und natürliche Hauttöne sowie ein sehr geringes Bildrauschen in den meisten Aufnahmesituationen. Auch das Autofokus-System arbeitet in den meisten Fällen präzise und zuverlässig.
Belichtung und Kontrast
Mit 72 Punkten erzielt die S9+ Frontkamera eine sehr gute Bewertung bei der Belichtung. Das Gesicht wird in fast allen Situationen gut belichtet. Die Haupteinschränkung liegt jedoch im begrenzten Dynamikumfang. In Szenen mit hohem Kontrast führt dies häufig zum Ausbrennen (Clipping) von Lichtern, sowohl auf der Haut als auch im Hintergrund. Vergleiche mit anderen Geräten zeigten, dass das S9+ zwar das Gesicht sehr gut belichtet, aber deutlich mehr Details im Hintergrund verliert als zum Beispiel ein iPhone X oder Pixel 2. Auch in Gegenlichtsituationen kann das Gesicht leicht unterbelichtet wirken, während der Hintergrund stark ausbrennt.
Bei Gruppen-Selfies ist die Belichtung im Allgemeinen gut ausgewogen, obwohl Gesichter, die weiter von der Kamera entfernt sind, bei schwachem Innenlicht gelegentlich überbelichtet sein können. Labortests bestätigen, dass die Belichtung von etwa 20 Lux bis zu hellen 1000 Lux sehr gut ist. In sehr dunklen Bedingungen werden die Bilder zwar etwas dunkler, dies ist jedoch bei Konkurrenzmodellen ähnlich. Die Belichtung ist tendenziell etwas heller als beim iPhone X oder Pixel 2 über alle Lichtverhältnisse hinweg und liefert in sehr schwachen Bedingungen die besten Ergebnisse dieser drei Geräte. Gelegentlich wurden jedoch leichte Belichtungsinstabilitäten zwischen aufeinanderfolgenden Aufnahmen festgestellt.
Farbdarstellung
Die Farbwiedergabe des S9+ ist mit 65 Punkten solide. Die Hauttöne werden in den meisten Situationen als angenehm und natürlich empfunden. Allerdings kann bei Aufnahmen im Freien gelegentlich ein leichter Gelb- oder Grünstich im Hintergrund auftreten. Dies war in Vergleichen mit dem iPhone X und Pixel 2 sichtbar, die einen neutraleren Hintergrund lieferten. Gelegentlich kann es auch zu einem leichten Orangestich auf Gesichtern kommen, und sehr selten wurden leichte Weißabgleich-Instabilitäten beobachtet.
Eine besondere Schwäche zeigt sich bei Porträts vor einem einfarbigen Hintergrund. Hier kann der automatische Weißabgleich komplett daneben liegen, was zu sehr warmen und unnatürlichen Hauttönen führt, während Konkurrenzmodelle wie das iPhone X und Pixel 2 hier keine Probleme hatten. Auch die Farbsättigung ist in einigen Innenräumen und bei schwachem Licht etwas geringer als üblich, was zu einer weniger lebendigen Farbwiedergabe führen kann.
Fokus
Mit 48 Punkten liefert die Frontkamera im Bereich Fokus eine gute Leistung, dank des integrierten AF-Systems, das meist akkurate und konsistente Ergebnisse liefert. Dennoch gibt es Raum für Verbesserungen. Bei kurzen Distanzen (30 cm) ist das Motiv scharf. Bei 55 cm sind die Ergebnisse immer noch gut, aber ein Detailverlust ist bereits erkennbar. Dieser Verlust wird bei längeren Distanzen, wie sie typisch für einen Selfie-Stick sind (120 cm), noch deutlich spürbarer. Tester stellten auch fest, dass der Autofokus manchmal etwas langsam ist und gelegentlich bei Gegenlichtaufnahmen versagt.
Der Detailverlust bei längeren Distanzen macht sich besonders im Hintergrund bemerkbar. Bei einer Motivdistanz von 55 cm ist das Hauptmotiv zwar scharf, aber der Hintergrund verliert merklich an Details, was problematisch sein kann, wenn der Hintergrund wichtig ist. Durch den Autofokus ist dieser Effekt bei 120 cm zwar weniger ausgeprägt als bei Fixed-Focus-Kameras, aber immer noch vorhanden. Der Mangel an Schärfentiefe kann sich auch bei Gruppenporträts bemerkbar machen, wenn nicht alle Personen auf derselben Ebene stehen. Die Personen im Vordergrund sind scharf, während die Gesichter im Hintergrund weicher dargestellt werden.
Textur und Details
Texturen und feine Details sind Bereiche, in denen Frontkameras oft hinter Hauptkameras zurückbleiben. Mit 55 Punkten erzielt das S9+ hier ein respektables Ergebnis, nahe am Pixel 2 und deutlich besser als das iPhone X. Die Ergebnisse könnten jedoch besser sein, insbesondere bei schwachem Licht. In hellem Licht (1000 Lux) werden gute Details erfasst, aber unter 100 Lux sinkt die Schärfe schnell ab, und bei sehr wenig Licht (10 Lux) geht viel feines Detail verloren. Dies liegt oft an der starken Rauschunterdrückung, die feine Details glättet, was zu einer unnatürlich glatten Darstellung des Gesichts führen kann.
Rauschverhalten
Hier glänzt das Galaxy S9+ mit 79 Punkten. Das Rauschen auf dem Gesicht ist in allen Lichtbedingungen sehr gut kontrolliert und liegt auf einem deutlich niedrigeren Niveau als bei der Konkurrenz (iPhone X, Pixel 2). Selbst bei sehr wenig Licht (10 Lux) liefert das S9+ die niedrigsten Rauschwerte auf der Haut des Motivs. Luminanzrauschen ist am ehesten in blauen Himmeln im Hintergrund sichtbar, ist aber nicht zu störend, obwohl ein leichtes Korn erkennbar ist.
Artefakte
Artefakte werden von der S9+ Frontkamera mit 74 Punkten im Allgemeinen gut kontrolliert. Die meisten Punktabzüge gab es für einen spürbaren Schärfeverlust an den Bildrändern. Weitere Probleme sind geringfügig, wie ein gelegentlicher leichter Farbtonverschiebung (z. B. Blau, das zu Cyan wird, kurz bevor Lichter ausbrennen) oder eine sehr unnatürliche Darstellung von Hautpartien, die stark geglättet erscheinen.
Blitz
Das S9+ verfügt über eine Display-Blitz-Funktion, bei der das Display kurz auf maximale Helligkeit gestellt wird. Mit 81 Punkten erzielt es hier ein sehr gutes Ergebnis. Obwohl Lichtabfall zu den Rändern und leichte Farbschattierungen erkennbar sind, ist die Belichtung auf dem Gesicht sehr gut. Die Detailgenauigkeit ist mit Blitz nicht hervorragend, und es gibt etwas Luminanzrauschen, aber im Vergleich zu vielen Konkurrenten schneidet das Samsung hier gut ab, insbesondere bei Aufnahmen in völliger Dunkelheit. Die Farbsättigung kann mit Blitz etwas niedrig sein.
Bokeh-Modus
Der Bokeh-Modus liefert mit 55 Punkten anständige Ergebnisse, es gibt aber Raum für Verbesserungen. Die Artefakte bei der Tiefenschätzung sind meist geringfügig, aber beim Heranzoomen sichtbar, besonders um Haare herum, die oft leicht unscharf sind. Es wurde auch festgestellt, dass Objekte, die sich auf derselben Ebene wie das Hauptmotiv im Vordergrund befinden, unscharf erscheinen, was unnatürlich wirken kann. Positiv ist, dass das Bildrauschen im gesamten Bildbereich gleich aussieht und nicht wie bei manchen Implementierungen im Hintergrund weggeglättet wird.
Video-Performance
Auch bei Videos erreicht die Frontkamera des Galaxy S9+ eine gute Punktzahl von 81 Punkten. Sie ist ein solider Allrounder für Videoaufnahmen mit generell guter Belichtung des Gesichts, gut kontrolliertem Rauschen und effektiver Stabilisierung. Allerdings gibt es auch hier Schwächen, insbesondere bei Farbe und Dynamikumfang.

Video-Belichtung und Kontrast
Die Belichtung des Gesichts ist bei Videos im Freien bei hellem Licht und in Innenräumen bei gedämpftem Licht gut. Nur bei schwachem Licht wurde eine leichte Unterbelichtung festgestellt. Ähnlich wie bei Fotos ist der Dynamikumfang begrenzt, was zu ausbrennenden Lichtern in kontrastreichen Szenen führt. Zudem reagiert die Kamera bei wechselnden Lichtverhältnissen etwas langsam, was zu kurzen Über- oder Unterbelichtungen führen kann.
Video-Farbdarstellung
Die Hauttöne bei Videos wirken meist natürlich, und der automatische Weißabgleich funktioniert bei hellem Außenlicht gut. Bei schwächerem Innenlicht können Farbstiche und leichte Farbschattierungen auftreten. Auch hier ist die Farbsättigung in vielen Situationen eher niedrig.
Video-Fokus
Trotz des Autofokus-Systems bleibt der Fokus bei Videos eine gewisse Schwäche (68 Punkte). Die Kamera fokussiert das Motiv meist präzise, aber es gibt fast immer merkliches Nachfokussieren zu Beginn der Aufnahme und zusätzliches Nachfokussieren ohne ersichtlichen Grund während der Aufnahme. Bei Entfernungsänderungen hat der Autofokus Schwierigkeiten, zu folgen, fokussiert manchmal in die falsche Richtung und zeigt starke Überkompensationseffekte. Das AF-Tracking ist sehr begrenzt. Es ist wahrscheinlich fair zu sagen, dass eine Festbrennweite für Video vielleicht besser gewesen wäre.
Video-Textur und Rauschen
Bei der Detailgenauigkeit (52 Punkte) liegt das Samsung leicht hinter seinen engsten Konkurrenten zurück. Feinere Details werden selbst bei hellem Licht geglättet. Bei Innenaufnahmen bleiben Kanten zwar gut erhalten, aber viele feinere und kontrastarme Details gehen verloren. Auf der anderen Seite ist das Rauschen (79 Punkte) sehr gut unter Kontrolle. Obwohl der robustere Ansatz zur Rauschunterdrückung dazu führt, dass Details leiden, kann die Kamera sauberere Videos mit geringem Rauschen in allen Lichtsituationen liefern.
Video-Artefakte und Stabilisierung
Artefakte (88 Punkte) werden im Allgemeinen gut kontrolliert. Allerdings ist beim Schwenken ein Rolling-Shutter-Effekt mit „kippenden Vertikalen“ sichtbar. Beim Gehen treten leichte geometrische Verformungen auf Gesichtern auf. Weitere Artefakte sind Ringing (Halos um harte Kanten), Kompressionsartefakte und Color Bleeding bei wenig Licht. Die Bildstabilisierung (56 Punkte) ist in den meisten Situationen recht effektiv, trotz der genannten Artefakte.
Fazit: Lohnt sich die S9+ Frontkamera noch?
Mit einer Gesamtpunktzahl von 81 Punkten erreichte die Frontkamera des Samsung Galaxy S9+ zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung eine exzellente Platzierung in den Tests. Sie punktet mit sehr guter Belichtung des Gesichts, angenehmen Hauttönen und sauberen Bildern mit wenig Rauschen bei Fotos. Auch bei Videos sind Belichtung und Hauttöne gut, und die Stabilisierung ist effektiv.
Allerdings erreichen selbst die besten Frontkameras oft nicht ganz das Niveau der Hauptkameras, und auch die S9+ Frontkamera hat ihre Schwächen. Das größte Problem ist der fehlende Dynamikumfang, durch den hellere Hintergründe oder Lichter auf Gesichtern leicht ausbrennen. Die Detailgenauigkeit könnte ebenfalls besser sein, und im Videomodus fokussiert der Autofokus häufig unnötig nach, was zu ruckeligen Aufnahmen führen kann. Zudem sind Gesichtsverzerrungen bei Videos sichtbar, die während des Gehens aufgenommen wurden.
Wenn man sich dieser Einschränkungen bewusst ist, ist die Frontkamera des Samsung Galaxy S9+ für den allgemeinen Gebrauch immer noch gut geeignet und war zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung eine der besten Selfie-Kameras auf dem Markt.
Häufig gestellte Fragen zur Samsung S9+ Frontkamera
Ist die Frontkamera des Samsung S9+ gut für Selfies? Ja, sie liefert generell gute Selfies, insbesondere dank guter Belichtung, natürlicher Hauttöne und geringem Rauschen in den meisten Bedingungen.
Wie gut ist die S9+ Frontkamera bei schlechtem Licht? Bei wenig Licht ist das Rauschverhalten sehr gut kontrolliert. Allerdings lässt die Detailgenauigkeit bei sehr schwachem Licht deutlich nach.
Hat die Frontkamera des S9+ Autofokus? Ja, das S9+ verfügt über ein Autofokus-System für die Frontkamera, was zu dieser Zeit nicht üblich war und mehr Flexibilität bei der Fokussierung bietet, obwohl es im Video-Modus einige Probleme mit unnötigem Nachfokussieren geben kann.
Kann die S9+ Frontkamera den Hintergrund unscharf machen (Bokeh)? Ja, sie bietet einen Bokeh-Modus, der den Hintergrund unscharf machen kann. Allerdings gibt es leichte Artefakte bei der Tiefenschätzung und Objekte auf gleicher Ebene wie das Motiv können ebenfalls unscharf erscheinen.
Ist die S9+ Frontkamera gut für Videoaufnahmen? Sie ist ein solider Allrounder mit guter Belichtung und sehr gutem Rauschverhalten. Schwächen sind der begrenzte Dynamikumfang und das manchmal störende Nachfokussieren des Autofokus.
Was sind die Hauptschwächen der S9+ Frontkamera? Die größten Schwächen sind der begrenzte Dynamikumfang, der zu ausbrennenden Lichtern führt, der Detailverlust bei längeren Distanzen und schwachem Licht sowie das problematische Autofokusverhalten bei Videos.
Hat dich der Artikel Samsung S9+ Frontkamera: Selfie-Qualität interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
