Die Bezeichnung Sony Alpha (α) steht heute für das umfassende System von Digitalkameras mit Wechselobjektiven des Elektronikriesen Sony. Was viele nicht wissen: Die Wurzeln dieses Systems reichen zurück in die reiche Geschichte der Fotografie und verbinden moderne Technologie mit etablierter Tradition. Sony Alpha ist nicht nur eine Kamera, sondern ein komplettes Ökosystem für Fotografen.

Die Geschichte und Entwicklung des Alpha-Systems
Der Startschuss für das Sony Alpha System fiel am 5. Juni 2006, als Sony die α100 vorstellte. Diese Kamera basierte auf Technologien von Konica Minolta, deren Kamerasparte Sony Anfang 2006 übernommen hatte. Damit führte Sony die digitale Spiegelreflexkamera-Linie mit dem etablierten A-Bajonett von Konica Minolta fort. Interessanterweise hatte Konica Minolta (und zuvor Minolta) das α-Branding bereits in Japan für ihre AF-Kamerasysteme verwendet, die in Europa als „Dynax“ und in Nordamerika als „Maxxum“ bekannt waren. Sony entschied sich, das α-Branding global und einheitlich zu nutzen und nannte das Bajonett fortan „A-Mount-System“.

Die erste von Sony eigenentwickelte Spiegelreflexkamera im System war die α700, die ein Jahr nach der α100 folgte. In den Jahren darauf erweiterte Sony das Sortiment um weitere Modelle auf APS-C-Basis. Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung der α900 im September 2008, Sonys erster Vollformat-Kamera im Alpha-System.
Der Sommer 2010 brachte eine weitere bedeutende Entwicklung: Sony stellte die SLT-Kameras (Single Lens Translucent) unter der Marke Alpha vor, beginnend mit der α33 und α55. Diese Kameras nutzten einen feststehenden, teildurchlässigen Spiegel, der einen schnellen Phasen-Autofokus auch während der Videoaufnahme und im Live-View ermöglichte. Die SLT-Serie, ergänzt durch Modelle wie die α77 und α99, fand schnell Anklang, insbesondere bei Fotografen, die ein großes Sortiment an A-Bajonett-Objektiven besaßen.
Fast zeitgleich, im Frühjahr 2010, betrat Sony mit den spiegellosen Systemkameras α NEX-3 und α NEX-5 einen neuen Markt. Diese Kameras verwendeten ein völlig neues Bajonett, das E-Bajonett, mit einem sehr kurzen Auflagemaß (18 mm). Dies ermöglichte nicht nur kompaktere Kameragehäuse, sondern auch die einfache Adaption von Objektiven anderer Hersteller mittels Adapter. A-Bajonett-Objektive konnten ebenfalls adaptiert werden, wobei die volle Funktionalität je nach Adapter variierte. Die NEX-Serie etablierte sich stark, aber Sony entschied sich ab 2014, alle Kameras mit Wechselobjektiven (sowohl A- als auch E-Bajonett) einheitlich unter der Marke Alpha zu führen, um Verwirrung zu vermeiden und das Gesamtsystem zu stärken. Kameras werden seither oft intern mit ILCA (A-Mount) und ILCE (E-Mount) gekennzeichnet.
Die ständige Weiterentwicklung brachte Innovationen wie die Fünf-Achsen-Bildstabilisierung (beginnend mit der α7 II), die erstmals auch adaptierten Objektiven zugutekam, und den weltweit ersten rückwärtig belichteten Vollformatsensor sowie interne 4K-Videoaufzeichnung (mit der α7R II).
Die zwei Bajonette: A-Mount und E-Mount
Das Alpha-System zeichnet sich durch die Koexistenz von zwei unterschiedlichen Objektivbajonetten aus:
Das A-Bajonett ist das ältere der beiden Systeme und stammt ursprünglich von Minolta (eingeführt 1985). Es wurde für Spiegelreflex- (DSLR) und später SLT-Kameras entwickelt. Es hat ein Auflagemaß von 44,5 mm. Ein großer Vorteil des A-Bajonetts ist die Kompatibilität mit nahezu allen Autofokus-Objektiven, die jemals für Minolta AF-Kameras hergestellt wurden. Sony kennzeichnet Objektive für das A-Bajonett, die speziell für APS-C-Sensoren optimiert sind, mit dem Zusatz „DT“.
Das E-Bajonett wurde 2010 mit der Einführung der spiegellosen NEX-Kameras eingeführt. Es hat ein deutlich kürzeres Auflagemaß von nur 18 mm. Dieser geringe Abstand zwischen Bajonett und Sensor ermöglicht die kompakte Bauweise der E-Mount-Kameras (Systemkameras ohne Spiegel) und erleichtert die Adaption von Objektiven mit größeren Auflagemaßen. Objektive für das E-Bajonett, die für Vollformatsensoren ausgelegt sind, werden oft inoffiziell als „FE“-Objektive bezeichnet, während solche für APS-C-Sensoren keine spezielle Kennzeichnung wie „DT“ erhalten, aber der Bildkreis ist entsprechend kleiner. Objektive mit E-Bajonett können aufgrund des kurzen Auflagemaßes nicht ohne Weiteres an A-Mount-Kameras verwendet werden.
Hier eine kurze Übersicht über die Hauptunterschiede:
| Merkmal | A-Bajonett | E-Bajonett |
|---|---|---|
| Einführung | 1985 (Minolta), 2006 (Sony Alpha) | 2010 (Sony Alpha) |
| Kameratypen | DSLR, SLT | Spiegellose Systemkameras (MILC) |
| Auflagemaß | 44,5 mm | 18 mm |
| Besonderheiten | Kompatibel mit alten Minolta AF Objektiven, DT-Objektive für APS-C | Kompakte Kameras, einfache Adaption vieler Fremdobjektive, FE-Objektive (inoffiziell) für Vollformat |
Wichtige Technologien im Alpha-System
Das Alpha-System integriert verschiedene Technologien, die das Fotografieren erleichtern und die Bildqualität verbessern:
Bildstabilisierung (Steady Shot Inside / Super Steady Shot): Sony setzt auf eine Sensor-Shift-Technologie zur Reduzierung von Verwacklungsunschärfe. Dabei wird der Bildsensor mechanisch bewegt, um Kamerabewegungen auszugleichen. Der Vorteil: Diese Stabilisierung funktioniert mit jedem angesetzten Objektiv, nicht nur mit speziell stabilisierten. Bei neueren E-Mount-Modellen wie der α7 II wurde diese Technologie zur Fünf-Achsen-Stabilisierung weiterentwickelt.
Sensorreinigung: Viele Alpha-Kameras verfügen über eine automatische Sensorreinigungsfunktion. Beim Ausschalten der Kamera wird der Sensor durch schnelle Vibrationen von Staubpartikeln befreit. Dies nutzt oft dieselben Aktuatoren wie die Bildstabilisierung.
Eye-Start-Autofokus: Eine von Minolta übernommene Funktion, bei der ein Infrarotsensor am Sucher den Autofokus aktiviert, sobald der Fotograf die Kamera ans Auge nimmt. Dies spart wertvolle Sekunden beim Fotografieren.
Live-View: Einige frühe Alpha-DSLRs (α300, α350) boten einen Live-View über einen dedizierten zweiten Bildsensor (Quick AF LiveView). Dies ermöglichte die Bildkomposition über das Kameradisplay bei weiterhin schnellem Phasen-Autofokus, da der Hauptspiegel nicht hochgeklappt werden musste. Spätere Modelle und insbesondere die spiegellosen Kameras nutzen Live-View direkt über den Hauptsensor, oft ergänzt durch spezielle Modi zur manuellen Scharfstellung (MF Check LiveView).
Das Objektiv-Ökosystem
Ein entscheidender Faktor für die Attraktivität des Alpha-Systems ist das breite Angebot an Objektiven. Dank des A-Bajonetts konnte Sony auf einen großen Pool vorhandener Minolta-Objektive aufbauen und diesen kontinuierlich erweitern. Mit der Einführung des E-Bajonetts wurde das System noch vielfältiger.

Sony selbst bietet eine breite Palette von Objektiven für beide Bajonette an, darunter Standard-Zoomobjektive, Telezooms, Weitwinkel, Festbrennweiten mit hoher Lichtstärke, Makroobjektive und Spezialobjektive wie das 135 mm F2.8 STF mit Apodisationsfilter für besonders weiches Bokeh.
Neben den Sony-eigenen Objektiven gibt es mehrere hochwertige Serien:
- Carl Zeiss Objektive: Entwickelt in Zusammenarbeit mit Carl Zeiss, bieten diese Objektive exzellente Abbildungsleistung und sind für ihre hohe Qualität bekannt (z.B. Vario-Sonnar T*, Planar T*). Es gibt Zeiss-Objektive sowohl für A- als auch für E-Mount, teilweise auch eigenständige Serien wie Batis (AF, E-Mount), Loxia (MF, E-Mount) und Touit (AF, APS-C E-Mount).
- G-Objektive: Diese Objektive stehen für hohe optische und mechanische Qualität innerhalb des Sony-Sortiments. Sie sind oft lichtstark und robust gebaut (z.B. 70–200 mm F2.8 G SSM).
- GM-Objektive (G Master): Die Premium-Serie von Sony, entwickelt für höchste Ansprüche an Auflösung und Bokeh. Diese Objektive repräsentieren die Spitze der optischen Ingenieurskunst von Sony (z.B. 24–70 mm F2.8 GM, 85 mm F1.4 GM).
Darüber hinaus wird das Alpha-System von zahlreichen Drittherstellern unterstützt, die Objektive für beide Bajonette anbieten. Dazu gehören etablierte Marken wie Sigma, Tamron, Tokina, Samyang (auch bekannt als Walimex, Rokinon, Bower), Laowa, Schneider-Kreuznach, Lensbaby, Meyer-Optik Görlitz und Voigtländer. Diese Vielfalt stellt sicher, dass Fotografen für nahezu jede Anwendung und jedes Budget das passende Objektiv finden können.
Weiteres Zubehör im Alpha-System
Neben Kameras und Objektiven umfasst das Alpha-System auch umfangreiches Zubehör:
Blitzsysteme: Sony hat im Laufe der Zeit zwei verschiedene Blitzschuh-Standards verwendet. Zunächst den von Minolta übernommenen 4-Pin Auto-lock Accessory Shoe (iISO), und seit 2012 den standardisierten Multi Interface Shoe (ISO 518-basiert). Adapter ermöglichen die Nutzung älterer Blitze an neueren Kameras und umgekehrt. Das System unterstützt fortgeschrittene Funktionen wie kabellose Blitzsteuerung und Master/Slave-Konfigurationen. Beispiele für Blitze sind der HVL-F60RM oder der HVL-F32M.
Batteriegriffe: Für viele Alpha-Kameramodelle sind optionale Batteriegriffe erhältlich. Diese verbessern die Handhabung bei Hochformataufnahmen und verlängern die Betriebszeit durch Aufnahme zusätzlicher Akkus. Sie bieten oft redundante Bedienelemente wie Auslöser, Einstellräder und Joysticks.
Weiteres Zubehör: Das System wird durch Mikrofone (z.B. ECM-CG50), externe Monitore (z.B. CLM-V55) und Adapter zur Erweiterung der Anschlussmöglichkeiten ergänzt.
Häufig gestellte Fragen zu Sony Alpha
Was bedeutet „Alpha“ bei Sony-Kameras?
„Alpha“ (α) ist der Markenname, den Sony für sein System von Digitalkameras mit Wechselobjektiven verwendet. Er wurde von Konica Minolta übernommen und steht heute für Sonys DSLRs, SLTs und spiegellose Systemkameras.
Was sind die Unterschiede zwischen A-Mount und E-Mount?
Das A-Mount ist das ältere Bajonett für Spiegelreflex- und SLT-Kameras mit einem Auflagemaß von 44,5 mm. Das E-Mount ist das neuere Bajonett für spiegellose Systemkameras mit einem kürzeren Auflagemaß von 18 mm. E-Mount-Kameras sind in der Regel kompakter und erlauben eine einfachere Adaption von Objektiven anderer Systeme.
Kann ich meine alten Minolta AF Objektive an einer Sony Alpha Kamera verwenden?
Ja, Objektive mit Minolta AF A-Bajonett sind mechanisch und elektrisch mit Sony Alpha Kameras mit A-Bajonett kompatibel. Bei neueren Funktionen der Kamera oder sehr alten Objektiven kann es jedoch Einschränkungen geben. Die Verwendung an E-Mount-Kameras ist nur mit einem geeigneten Adapter möglich.
Haben alle Sony Alpha Kameras eine Bildstabilisierung?
Viele, aber nicht alle Alpha-Modelle verfügen über eine integrierte kamerainterne Bildstabilisierung (Steady Shot Inside). Bei E-Mount-Kameras ohne Gehäusestabilisierung findet die Stabilisierung oft im Objektiv statt (Optical Steady Shot - OSS). Neuere E-Mount-Modelle integrieren oft eine Fünf-Achsen-Stabilisierung im Gehäuse.
Welche Objektivmarken gibt es für Sony Alpha?
Neben Sony selbst (mit Standard-, G- und GM-Serien) bieten viele Dritthersteller Objektive für das Alpha-System an, darunter Carl Zeiss, Sigma, Tamron, Samyang, Laowa, Tokina und weitere. Dies sorgt für eine sehr große Auswahl.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sony Alpha ein hochentwickeltes und vielseitiges Kamerasystem ist, das auf einer soliden Grundlage aufbaut und durch kontinuierliche Innovationen und ein breites Objektiv- und Zubehörangebot für Fotografen aller Stufen attraktiv ist.
Hat dich der Artikel Sony Alpha: Mehr als nur eine Kamera-Serie interessiert? Schau auch in die Kategorie Fotografie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
