Die Welt der Fotografie wurde im Laufe der Jahrzehnte von zahlreichen Innovationen und wegweisenden Kameras geprägt. Eine Marke, die dabei oft im Schatten größerer Namen steht, aber dennoch eine entscheidende Rolle spielte, ist Topcon. Insbesondere die Modelle aus den 1960er und 70er Jahren setzten Maßstäbe und führten Technologien ein, die heute selbstverständlich sind.

Die Ursprünge: Tokyo Kogaku
Die Geschichte von Topcon beginnt lange vor den berühmten Kameras. Das Unternehmen wurde am 1. September 1932 als Tōkyō Kōgaku Kikai K.K. (Tokyo Optical Company, Ltd.) gegründet. Es entstand aus der Fusion von Teilen der Messinstrumentenabteilung von Seikōsha und Katsuma Kōgaku Kikai Seisakusho. Zunächst war Tokyo Kogaku, ähnlich wie das spätere Nikon (Nippon Kōgaku), ein reines Optikunternehmen und ein wichtiger Lieferant für das japanische Militär – während Nippon Kōgaku die Marine belieferte, war Tokyo Kogaku für die Armee zuständig. Diese militärische Präzision und Qualität flossen später auch in die zivilen Produkte ein.
Die ersten eigenen Objektive wie das 'State' (1933) oder 'Toko' (1934) zeigten das optische Können des Unternehmens. Die Namensgebung 'Toko' leitete sich offensichtlich von 'Tokyo Kogaku' ab. Erst 1937 wagte sich das Unternehmen mit der 'Lord' an die Produktion einer eigenen Kamera, die jedoch kein großer Erfolg wurde. Es folgten weitere Kameratypen wie die 'Minion 35' (erste 35mm Kamera 1948) oder die 'Topcoflex' (erste 6x6 TLR 1950), bei der erstmals der Name 'Topco' auftauchte, wahrscheinlich eine Abkürzung für 'Tokyo Optical Company'. Der heute bekannte Markenname 'Topcon' erschien erstmals 1953 auf der 'Topcon 35', dem Nachfolger der Minion 35, und der Objektivname 'Topcor' 1954. Diese Namen waren offensichtlich an das erfolgreiche Muster 'Nikon' und 'Nikkor' angelehnt.
Der Schritt zur Spiegelreflex und die RE Super Revolution
Tokyo Kogaku begann 1957 mit der Produktion von 35mm Spiegelreflexkameras und konzentrierte sich bald darauf, die Produktion anderer Kameratypen wurde eingestellt. Dies geschah bemerkenswerterweise vor Nikon (1959 mit der Nikon F) und Canon (1959 mit der Canonflex), was Topcon zu einem frühen Innovator im Bereich der 35mm SLRs machte.
Der wahre Durchbruch und der Grund für die heutige Bekanntheit von Topcon in Sammlerkreisen war jedoch die Einführung der Topcon RE Super auf der Photokina 1963 (in den USA als Beseler Topcon Super D verkauft). Diese Kamera sorgte in der gesamten Kameraindustrie für Aufsehen, denn sie verfügte als erste Spiegelreflexkamera der Welt über eine TTL-Belichtungsmessung (Through-the-Lens).
Diese TTL-Messung war revolutionär, da sie eine deutlich verbesserte Belichtungsgenauigkeit ermöglichte, insbesondere bei schwierigen Aufnahmesituationen wie Nahaufnahmen mit Zwischenringen oder Balgengeräten oder bei der Telefotografie mit langen Brennweiten, wo externe Belichtungsmesser durch den Krokusfaktor oder den Filterfaktor verfälscht wurden. Aber die RE Super ging noch einen Schritt weiter: Ihre Belichtungsmessung erfolgte bei offener Blende. Dies war durch einen speziellen Mechanismus in den RE-Objektiven möglich, der dem Belichtungsmesser die vorgewählte Blende übermittelte, während das Sucherbild hell und klar blieb. Der Fotograf musste nicht erst abblenden, um die Messung vorzunehmen (Stop-Down-Metering), was bei den frühen TTL-Systemen anderer Hersteller üblich war.

Die Innovation, die dies ermöglichte, war die Integration der Messzelle (ein CdS-Sensor) direkt im Spiegel der Kamera. Dies wurde erreicht, indem winzige Schlitze in die Spiegeloberfläche gefräst wurden, die einen kleinen Bruchteil des Lichts zu der dahinter platzierten Zelle durchließen. Dieses clevere Design erlaubte es der Messung zudem, unabhängig vom abnehmbaren Prismensucher zu arbeiten, was verschiedene Sucherkonfigurationen ermöglichte.
Die Topcon RE Super war eine professionell ausgerichtete 35mm SLR, gebaut wie ein Panzer und mit einem umfangreichen Zubehörsystem ausgestattet. Sie verfügte über einen abnehmbaren Prismensucher und eine austauschbare Mattscheibe. Das Objektivbajonett war das Exakta-Bajonett, was bedeutete, dass eine große Auswahl an Objektiven, sowohl von Tokyo Kogaku selbst als auch von Drittherstellern, verwendet werden konnte. Die Kamera hatte einen speziellen Zubehörschuh an der Basis des Rückspulknopfs und einen Standard-PC-Blitzanschluss daneben. Der Auslöser befand sich ungewöhnlicherweise an der rechten Vorderseite der Kamera. Eine Spiegelvorauslösung, die bei professionellen Kameras oft gewünscht wird, fehlte bei der ursprünglichen RE Super; diese Funktion wurde erst bei den Nachfolgemodellen integriert.
Modellvarianten und Identifizierung
Die ursprüngliche Topcon RE Super (oder Beseler Topcon Super D in den USA) wurde von 1963 bis 1971 hergestellt. Anschließend wurde das Modell leicht überarbeitet und 1972 als Topcon Super D (ebenfalls Beseler Topcon Super D genannt) auf den Markt gebracht. Nur ein Jahr später, 1973, folgte die Topcon Super DM. Diese späteren Modelle, Super D und Super DM, sind unter anderem an einem Sperrhebel am Auslösering zu erkennen, der den Auslöser blockiert.
Die Modelle können anhand ihrer Typennummer und Seriennummernpräfixe identifiziert werden:
| Modell (International / USA) | Typennummer | Seriennummer Präfix | Produktionszeitraum | Besonderheiten (gegenüber RE Super) |
|---|---|---|---|---|
| Topcon RE Super / Beseler Topcon Super D | 46A | 46 | 1963 - 1971 | Keine Spiegelvorauslösung |
| Topcon Super D / Beseler Topcon Super D | 71A | 71 | Nur 1972 | Auslösesperrhebel, Spiegelvorauslösung |
| Topcon Super DM / Topcon Super DM | 72A | 72 | Nur 1973 | Auslösesperrhebel, Spiegelvorauslösung (und weitere Detailverbesserungen) |
Alle Modelle waren sowohl in Chrom- als auch in Schwarzlackierung erhältlich, was sie optisch sehr ansprechend macht.
Das Linsensystem und weitere Bajonette
Für die RE Super und ihre Nachfolger mit Exakta-Bajonett gab es eine breite Palette hochwertiger Objektive aus eigener Produktion, die sogenannten RE. Auto-Topcor Linsen. Diese Objektive waren für die Offenblendenmessung der Kameras konzipiert und boten eine hervorragende optische Leistung. Die Liste der verfügbaren Brennweiten reichte von Weitwinkel bis Tele. Einige Beispiele sind:
- RE. Auto-Topcor 1:4.0 f=20mm (eingeführt 1969)
- RE. Auto-Topcor 1:3.5 f=25mm (eingeführt 1965)
- RE. Auto-Topcor 1:2.8 f=28mm (eingeführt 1971)
- RE. Auto-Topcor 1:2.8 f=35mm (eingeführt 1963)
- RE. Auto-Topcor 1:1.4 f=58mm (eingeführt 1963, oft das Standardobjektiv)
- RE. Auto-Topcor 1:1.8 f=58mm (eingeführt 1963, oft das Standardobjektiv)
- RE. Auto-Topcor 1:3.5 f=135mm (eingeführt 1963)
- RE. Zoom Auto-Topcor 1:4.7 f=87~205mm (eingeführt 1967)
Einige spezielle Objektive wie das RE. Macro Auto-Topcor 1:3.5 f=58mm hatten kein eigenes Fokussiergewinde und waren für die Verwendung mit Balgengeräten oder Einstellschnecken vorgesehen.

Interessanterweise nutzte Tokyo Kogaku später auch andere Bajonettsysteme. So gab es Topcon SLR-Modelle, die das Pentax K-Bajonett verwendeten (z.B. Topcon RM 300, baugleich mit Kameras wie der Quantaray Delta 2-RZ oder Carena KSM1), sowie eine einzigartige Serie mit dem Topcon UV-Bajonett, die sowohl Zentralverschluss- als auch Schlitzverschluss-SLRs umfasste.
Das Ende der Kamera-Ära
Nach den innovativen Modellen der 60er Jahre ließ die Innovationskraft von Tokyo Kogaku im Bereich der SLRs nach. Man produzierte Varianten der bestehenden Designs bis etwa 1976. Gerüchten zufolge wurden die Modelle nach 1977 nicht mehr intern von Tokyo Kogaku entwickelt. Der Verkauf von 35mm Kameras wurde im Dezember 1980 eingestellt. Das Unternehmen konzentrierte sich fortan auf die Herstellung spezialisierter optischer Geräte, die nicht direkt mit der Fotografie zu tun hatten. 1989 änderte das Unternehmen seinen Namen in K.K. Topcon und existiert noch heute als Hersteller optischer Präzisionsinstrumente (z.B. für Vermessung, Augenheilkunde).
Topcon Kameras heute: Sammlerstücke
Obwohl die Produktion eingestellt wurde, erfreuen sich die besseren Topcon Modelle, insbesondere die RE Super und ihre direkten Nachfolger, heute großer Beliebtheit bei Sammlern, vor allem in Japan. Sie werden für ihre robuste Bauweise, ihre fortschrittlichen Funktionen für ihre Zeit und die hohe Qualität der Topcor Objektive geschätzt. Die Firma Cosina würdigte die Marke 2003 sogar, indem sie ein 'Auto-Topcor' 58mm f/1.4 Objektiv (für Nikon F und M42) herausbrachte, das äußerlich dem Original nachempfunden war, und eine Variante ihrer Bessaflex SLR mit M42-Bajonett, deren Prismengehäuse an das der Topcon RE Super erinnerte.
Wichtige Unterscheidung: Topcon Kameras vs. TOPCon Solarzellen
Es ist wichtig, eine Namensgleichheit zu klären, die zu Verwirrung führen kann. Neben dem historischen Kamerahersteller gibt es heute auch eine Technologie im Bereich der Solarenergie, die als TOPCon Solarzellen bekannt ist. Das Akronym TOPCon steht hier für „Tunnel Oxide Passivated Contact“ und beschreibt einen spezifischen Aufbau von Solarzellen, der von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme entwickelt wurde. Bei dieser Technologie wird eine sehr dünne Schicht Siliziumoxid aufgetragen, durch die Ladungsträger quantenmechanisch „tunneln“ können, um Rekombinationsverluste zu reduzieren. Diese Technologie hat absolut nichts mit dem japanischen Kamerahersteller Tokyo Kogaku oder seinen Kameras zu tun. Es handelt sich lediglich um eine zufällige Namensähnlichkeit bei einem technischen Akronym.
Häufig gestellte Fragen zu Topcon Kameras
Hier beantworten wir einige gängige Fragen:
- Was war das Besondere an der Topcon RE Super? Sie war die erste 35mm Spiegelreflexkamera mit TTL-Belichtungsmessung bei offener Blende, ermöglicht durch eine innovative Messzelle im Spiegel.
- Welches Objektivbajonett verwenden die Topcon RE Super Modelle? Sie nutzen das Exakta-Bajonett.
- Wann wurde die Topcon RE Super hergestellt? Das Originalmodell wurde von 1963 bis 1971 produziert, gefolgt von den Varianten Super D (1972) und Super DM (1973).
- Wer hat Topcon Kameras importiert? In den USA die Charles Beseler Company (oft als Beseler Topcon verkauft) und im Commonwealth Hanimex.
- Stellt Topcon heute noch Kameras her? Nein, das Unternehmen (heute K.K. Topcon) konzentriert sich auf andere optische Präzisionsinstrumente.
- Sind TOPCon Solarzellen mit Topcon Kameras verwandt? Absolut nicht. TOPCon ist ein Akronym für eine Solarzellentechnologie und hat keine Verbindung zum historischen Kamerahersteller Tokyo Kogaku/Topcon.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Topcon, insbesondere mit der revolutionären RE Super, einen wichtigen Platz in der Geschichte der Fotografie einnimmt. Ihre Innovationen, insbesondere im Bereich der Belichtungsmessung, ebneten den Weg für zukünftige Kameragenerationen und machen die Topcon Kameras bis heute zu gesuchten Objekten für Liebhaber und Sammler.
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