Der Anblick der geschlossenen Filialen von Toys R Us war für viele ein Schock. Ein Unternehmen, das Generationen von Kindern mit Spielzeug versorgte und als Synonym für die bunte Welt der Spiele stand, meldete Insolvenz an und verschwand weitgehend aus dem Straßenbild, zumindest in vielen Teilen der Welt, einschließlich der USA und Großbritanniens. Schnell wurde der „Onlinehandel“ oder „Amazon“ als Hauptschuldiger genannt. Doch war das wirklich die ganze Wahrheit? Die Geschichte hinter dem Ende von Toys R Us ist komplexer und zeigt, wie finanzielle Lasten in Verbindung mit veränderten Marktbedingungen selbst etablierte Giganten zu Fall bringen können.

Die Wurzeln des Problems: Ein Leveraged Buyout
Toys R Us wurde 1948 von Charles Lazarus gegründet und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem globalen Player im Spielwarenmarkt. Doch der Wendepunkt, der letztlich den Anfang vom Ende markierte, kam im Jahr 2005. Damals wurde das börsennotierte Unternehmen von einem Konsortium aus Finanzinvestoren – Bain Capital, Vornado Realty Trust und Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) – für rund 7,5 Milliarden US-Dollar übernommen. Diese Übernahme erfolgte als sogenannter *Leveraged Buyout* (LBO).
Was bedeutet ein Leveraged Buyout in diesem Kontext? Im Wesentlichen bedeutet es, dass die Käufer einen großen Teil des Kaufpreises nicht aus eigener Tasche bezahlten, sondern Kredite aufnahmen. Und das Entscheidende: Diese Kredite wurden auf das gekaufte Unternehmen, also Toys R Us, übertragen. Toys R Us war nach dieser Übernahme mit einer gigantischen Schuldenlast von mehreren Milliarden Dollar konfrontiert. Die genauen Zahlen schwanken je nach Quelle und Zeitpunkt, aber Summen von 6 bis 7,5 Milliarden Dollar werden genannt. Diese Schulden wurden zu einem ständigen Ballast, der alle zukünftigen Entscheidungen und Investitionen des Unternehmens beeinflusste.
Die erdrückende Schuldenlast und fehlende Investitionen
Die Hauptkonsequenz der LBO-bedingten Schulden war, dass ein erheblicher Teil der erwirtschafteten Mittel nicht in die Weiterentwicklung des Geschäfts investiert werden konnte, sondern für den Schuldendienst verwendet werden musste. Toys R Us befand sich in einer Phase, in der sich der Einzelhandel dramatisch veränderte. Der Onlinehandel wuchs rasant, das Kaufverhalten der Kunden verlagerte sich, und die Konkurrenz durch große Einzelhändler wie Walmart und Target, die Spielzeug oft als Lockartikel zu niedrigeren Preisen anboten, nahm zu.
Um in diesem neuen Umfeld bestehen zu können, hätte Toys R Us massiv in seine Filialen investieren müssen – sie modernisieren, interaktiver gestalten und zu Erlebniswelten machen. Es hätte eine starke Online-Präsenz aufbauen und ein nahtloses Omnichannel-Modell entwickeln müssen, das Online- und Offline-Shopping miteinander verbindet. All dies erforderte jedoch erhebliche finanzielle Mittel. Aufgrund der immensen *Schuldenlast* fehlten diese Mittel schlichtweg. Während die Konkurrenz investierte und sich anpasste, blieben die Toys R Us-Filialen oft stehen, wirkten veraltet und konnten mit dem Komfort und den Preisen der Wettbewerber, insbesondere im *Onlinehandel*, nicht mithalten.
Der Wandel im Markt und der Preiskampf
Es ist unbestreitbar, dass der Aufstieg des Onlinehandels und die aggressive Preisgestaltung von Großflächenanbietern Druck auf Toys R Us ausübten. Der Markt für Spielzeug war nicht mehr so stark wachsend wie früher, und die Margen wurden durch den Wettbewerb gedrückt. Amazon wurde zu einem dominanten Player, der nicht nur bequem von zu Hause aus bestellt werden konnte, sondern auch durch seine schiere Größe und Effizienz Preispunkte setzen konnte, mit denen ein auf Spielzeug spezialisierter Händler wie Toys R Us kaum mithalten konnte, insbesondere da Spielzeug für die großen Wettbewerber nur ein Teil des Sortiments war und zur Kundenbindung diente, während es für Toys R Us das Kerngeschäft und die Hauptumsatzquelle darstellte.
Doch dieser externe Druck war nicht die alleinige Todesursache. Viele Analysten und Insider sind sich einig: Hätte Toys R Us nicht die erstickende Schuldenlast getragen, hätte das Unternehmen die notwendigen Investitionen tätigen können, um sich dem Wandel anzupassen. Es hätte eine starke Online-Präsenz aufbauen, seine Filialen zu attraktiven Zielen machen und innovative Konzepte entwickeln können, die es ihm ermöglicht hätten, trotz des Wettbewerbs zu überleben und profitabel zu bleiben. Die Schulden nahmen dem Unternehmen jedoch die finanzielle Flexibilität, die für eine solche Transformation unerlässlich war.
Der Weg in die Insolvenz
Die finanzielle Schieflage verschärfte sich über die Jahre. Seit 2013 konnte das Unternehmen keinen jährlichen Gewinn mehr erzielen. Im zweiten Quartal 2017 verzeichnete Toys R Us einen Verlust von 164 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 2,2 Milliarden US-Dollar. Die langfristigen Schulden beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf rund 5 Milliarden US-Dollar, und im Jahr 2018 standen Zahlungen in Höhe von 400 Millionen US-Dollar an, die das Unternehmen nicht aufbringen konnte.
Die Situation wurde unhaltbar. Am 18. September 2017 meldete Toys R Us in den USA und Kanada *Insolvenz* an. Ziel war zunächst eine Umstrukturierung, um das Unternehmen zu retten. Ein Konsortium unter Führung von JP Morgan stellte Kredite zur Verfügung, um den Betrieb während des Insolvenzverfahrens aufrechtzuerhalten. Doch trotz dieser Bemühungen gelang es nicht, einen Käufer für das gesamte Unternehmen zu finden oder einen tragfähigen Restrukturierungsplan zu vereinbaren, der von den Gläubigern akzeptiert wurde.
Globale Schließungen und die Aufteilung
Als Folge des gescheiterten Restrukturierungsversuchs wurden drastische Maßnahmen ergriffen. Im März 2018 wurde bekannt gegeben, dass alle verbleibenden 800 Filialen in den USA geschlossen würden. Wenig später folgten die Schließungen aller 100 Filialen im Vereinigten Königreich und der 44 Filialen in Australien. Die Marke Toys R Us verschwand damit in diesen wichtigen Märkten.

Das globale Geschäft wurde in Teilen verkauft. Das profitable Asien-Geschäft, zusammen mit den Markenrechten für diese Region, wurde an das Hongkonger Unternehmen Fung Retailing veräußert. In Zentraleuropa – Deutschland, Österreich und der Schweiz – waren die Filialen vergleichsweise profitabel. Hier fand sich ein Käufer im irischen Unternehmen Smyths Toys, das 67 der Filialen sowie den Online-Auftritt übernahm und unter eigener Marke weiterführte. Die übrigen europäischen Filialen, die keinen Käufer fanden, wurden ebenfalls geschlossen.
Ein zaghaftes Comeback
Obwohl das ursprüngliche Unternehmen unter seiner Schuldenlast zusammenbrach, verschwand die Marke Toys R Us nicht vollständig. Im Jahr 2019 ging das Unternehmen unter dem Namen Tru Kids aus der Insolvenz hervor und unternahm Versuche, in den USA wieder Fuß zu fassen. Es wurden neue, kleinere Filialen eröffnet, unter anderem in Paramus, New Jersey, und Houston, Texas. Diese Bemühungen wurden jedoch durch die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen behindert, was zur erneuten Schließung dieser Geschäfte im Januar 2021 führte.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch eine neue Strategie für ein Comeback. Im Dezember 2021 wurde rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ein neuer zweistöckiger Flagship-Store im Einkaufszentrum American Dream in East Rutherford, New Jersey, eröffnet. Darüber hinaus plant das Unternehmen die Eröffnung von hunderten weiteren Geschäften, viele davon als Shop-in-Shop-Konzepte innerhalb von Filialen der Kaufhauskette Macy’s. Dies deutet auf einen vorsichtigen Neuanfang hin, der hofft, die Stärke der bekannten Marke zu nutzen, nun aber ohne die erdrückende Schuldenlast, die das alte Unternehmen in den Ruin trieb.
Faktoren, die zum Niedergang beitrugen
| Faktor | Beschreibung | Auswirkung auf Toys R Us |
|---|---|---|
| Leveraged Buyout (2005) | Übernahme durch Finanzinvestoren, bei der ein Großteil des Kaufpreises durch Schulden finanziert wurde, die auf das Unternehmen übertragen wurden. | Schuf eine immense Schuldenlast, die den Großteil der Gewinne für den Schuldendienst aufzehrte. |
| Schuldenlast | Die durch den LBO entstandenen Milliarden-Schulden. | Verhinderte notwendige Investitionen in Filialen, Technologie (Onlinehandel, Omnichannel) und Modernisierung. Nahm dem Unternehmen finanzielle Flexibilität. |
| Wachsender Onlinehandel | Verlagerung des Kaufverhaltens der Kunden hin zum Online-Shopping. | Toys R Us konnte aufgrund fehlender Investitionsmittel seine Online-Präsenz und -Integration nicht schnell genug und effektiv ausbauen, um mit reinen Online-Händlern und großen Wettbewerbern Schritt zu halten. |
| Wettbewerb durch Großflächenanbieter | Walmart, Target und andere große Einzelhändler verkauften Spielzeug oft zu niedrigeren Preisen und nutzten es als Frequenzbringer. | Setzte Toys R Us unter Preisdruck und drückte die Margen im Kerngeschäft. Toys R Us konnte die Preise aufgrund seiner Kostenstruktur (u.a. Schuldendienst) und Abhängigkeit vom Spielzeuggeschäft schwerlich kontern. |
| Veraltete Filialen | Mangelnde Investitionen führten dazu, dass viele Geschäfte nicht mehr zeitgemäß waren und kein modernes Einkaufserlebnis boten. | Machten die physischen Geschäfte weniger attraktiv im Vergleich zur Konkurrenz und zum bequemen Online-Einkauf. |
Häufig gestellte Fragen zum Niedergang von Toys R Us
Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen zum Ende des Spielwarenriesen:
War das Internet allein schuld am Untergang von Toys R Us?
Nein, das ist eine zu einfache Erklärung. Während der wachsende Onlinehandel und der Wettbewerb durch Amazon und andere große Einzelhändler den Druck auf Toys R Us erhöhten, war die Hauptursache für den Zusammenbruch die enorme Schuldenlast aus dem Leveraged Buyout von 2005. Diese Schulden nahmen dem Unternehmen die Möglichkeit, die notwendigen Investitionen zu tätigen, um sich erfolgreich an die veränderten Marktbedingungen anzupassen, einschließlich des Ausbaus des Onlinegeschäfts.
Was genau ist ein Leveraged Buyout (LBO)?
Ein Leveraged Buyout ist eine Übernahmeform, bei der der Käufer (oft eine Private-Equity-Firma) einen großen Teil des Kaufpreises durch Kredite finanziert. Diese Schulden werden dann üblicherweise auf das übernommene Unternehmen übertragen. Das übernommene Unternehmen muss fortan die Schulden bedienen. Dies kann zu Problemen führen, wenn das Unternehmen nicht genügend Cashflow generiert oder wenn hohe Investitionen nötig sind, die durch den Schuldendienst gebunden werden.
Warum konnte Toys R Us nicht einfach seine Schulden abbauen oder sich verkaufen lassen?
Die Schuldenlast war so hoch, dass der Schuldendienst die finanziellen Mittel des Unternehmens aufzehrte und es in eine anhaltende Verlustzone brachte. Dies machte es schwierig, die Schulden aus dem laufenden Geschäft zu bedienen oder signifikant zu reduzieren. Im Insolvenzverfahren wurde versucht, einen Käufer für das gesamte Unternehmen zu finden, der bereit wäre, die Schulden zu übernehmen oder eine Lösung mit den Gläubigern zu finden. Da das Unternehmen jedoch nicht profitabel war und hohe Schulden hatte, fand sich kein Interessent, der bereit war, das Risiko einzugehen. Daher mussten die Vermögenswerte und Geschäftsbereiche einzeln verkauft oder liquidiert werden.
Gibt es heute noch Toys R Us Geschäfte?
Ja, in einigen Regionen und unter neuen Besitzern. In Zentraleuropa (Deutschland, Österreich, Schweiz) wurden die Filialen von Smyths Toys übernommen und umgeflaggt. Das Asien-Geschäft existiert unter einem neuen Eigentümer weiter. In den USA gibt es nach den flächendeckenden Schließungen nun wieder Bemühungen, die Marke wiederzubeleben, unter anderem mit einem Flagship-Store und geplanten Shop-in-Shop-Bereichen in Macy's Filialen.
Was ist die wichtigste Lehre aus dem Fall Toys R Us?
Der Fall Toys R Us zeigt, wie gefährlich eine hohe Schuldenlast sein kann, insbesondere in sich schnell verändernden Märkten. Er verdeutlicht, dass fehlende Investitionsmöglichkeiten aufgrund finanzieller Belastungen ein Unternehmen daran hindern können, sich an neue Wettbewerbsbedingungen und Kundenbedürfnisse anzupassen. Es war nicht allein der Wettbewerb oder das Internet, das Toys R Us tötete, sondern die Unfähigkeit, darauf zu reagieren, weil die finanziellen Mittel durch die Schulden gebunden waren.
Fazit
Das Ende von Toys R Us in seiner einst dominanten Form war kein einfaches Märchen mit einem bösen Internet-Wolf. Es war vielmehr eine Tragödie, die durch eine massive finanzielle Belastung ausgelöst wurde. Der *Leveraged Buyout* von 2005 fesselte das Unternehmen mit Milliarden-Schulden, die es unfähig machten, die notwendigen Investitionen zu tätigen, um mit dem Wandel im Einzelhandel Schritt zu halten. Während der Onlinehandel und der aggressive Wettbewerb durch Großflächenanbieter die Herausforderungen verschärften, war es die erdrückende *Schuldenlast*, die Toys R Us letztlich die Luft zum Atmen nahm und in die *Insolvenz* zwang. Die Geschichte von Toys R Us ist somit ein Lehrstück darüber, wie finanzielle Entscheidungen die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens in einem dynamischen Marktumfeld fundamental beeinträchtigen können.
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