Was ist mit Toys R Us passiert?

Toys R Us: Was geschah und wie geht es weiter?

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Toys R Us war einst ein Synonym für Spielzeug. Ein Paradies für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, gefüllt mit endlosen Gängen voller Möglichkeiten und Träume. Doch das Bild des unbesiegbaren Spielzeugriesen bröckelte, und die Realität holte das Unternehmen auf schmerzhafte Weise ein. Viele fragen sich heute: Was genau ist mit Toys R Us passiert, insbesondere in den USA, und wie sieht die Situation in Deutschland aus?

Die Geschichte von Toys R Us ist eine Geschichte von Aufstieg und Fall, geprägt von sich ändernden Märkten, intensiver Konkurrenz und komplexen Finanzmanövern. Um die heutige Situation zu verstehen, müssen wir einen Blick zurückwerfen auf die goldenen Jahre und dann die Herausforderungen analysieren, die schließlich zum Zusammenbruch in einem seiner wichtigsten Märkte führten.

Warum gibt es Toys R Us nicht mehr?
“ Angesichts sinkender Umsätze, des harten Wettbewerbs und eines geringeren Marktanteils haben diese 400 Millionen US-Dollar das Unternehmen schließlich aufgefressen, und im September 2017 meldete Toys R' Us Insolvenz an.

Der Aufstieg eines Giganten

Begonnen als kleines Fahrradgeschäft im Jahr 1948, entwickelte sich Toys R Us schnell zum führenden Spielwarenhändler. Das Konzept der großen Lagerhaus-ähnlichen Geschäfte mit einer riesigen Auswahl an Spielzeug zu wettbewerbsfähigen Preisen war revolutionär. Toys R Us wurde zum sogenannten 'Category Killer', einem Einzelhändler, der in seiner Nische so dominant war, dass er kleinere, spezialisierte Läden verdrängte.

Über Jahrzehnte expandierte das Unternehmen weltweit und etablierte seine ikonische Marke mit der Giraffe Geoffrey als Maskottchen. In vielen Ländern, einschließlich Deutschland, war Toys R Us eine feste Größe im Einzelhandel und ein beliebtes Ziel für Familien, besonders zur Weihnachtszeit. Die schiere Größe der Geschäfte und das umfangreiche Sortiment schufen ein einzigartiges Einkaufserlebnis.

Der Niedergang in den USA: Ein perfekter Sturm

Der Fall von Toys R Us in den Vereinigten Staaten war kein plötzliches Ereignis, sondern das Ergebnis einer Kombination aus externem Druck und internen Schwächen. Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig und miteinander verknüpft. Sie zeigen, wie schnell sich das Blatt im modernen Einzelhandel wenden kann.

Die Herausforderung durch aggressive Konkurrenz

Einer der Hauptfaktoren, die zum Niedergang von Toys R Us in den USA beitrugen, war die zunehmende Konkurrenz. Diese kam aus zwei Hauptrichtungen:

  • Große Discounter: Einzelhändler wie Walmart und Target begannen, ihre Spielzeugabteilungen massiv auszubauen und boten Spielzeug oft als Lockartikel zu sehr niedrigen Preisen an. Für Kunden war es bequem, Spielzeug beim wöchentlichen Einkauf von Lebensmitteln und Haushaltswaren mitzunehmen, anstatt einen separaten Trip zu Toys R Us zu machen.
  • Der Aufstieg des Online-Handels: Amazon veränderte die Spielregeln des Einzelhandels grundlegend. Mit unendlicher Auswahl, bequemer Lieferung und oft aggressiven Preisen untergrub der Online-Handel das Geschäftsmodell von reinen stationären Händlern wie Toys R Us. Toys R Us hatte Schwierigkeiten, mit der Geschwindigkeit und dem Komfort von Online-Shopping mitzuhalten und eine überzeugende eigene digitale Präsenz aufzubauen. Ironischerweise hatte Toys R Us in den frühen Tagen sogar eine Partnerschaft mit Amazon, die es ihnen verbot, bestimmte Spielzeuge selbst online zu verkaufen – ein Fehler, der sich später als fatal erweisen sollte.

Diese Konkurrenz setzte Toys R Us massiv unter Druck, die Preise zu senken, was die Gewinnmargen schmälerte und es schwierig machte, profitabel zu wirtschaften.

Die erdrückende Schuldenlast nach einem Leveraged Buyout

Neben dem harten Wettbewerb war die finanzielle Situation des Unternehmens ein entscheidender Faktor für das Scheitern in den USA. Im Jahr 2005 wurde Toys R Us in einem sogenannten Leveraged Buyout (LBO) von einer Gruppe von Private-Equity-Firmen (Bain Capital, KKR und Vornado Realty Trust) übernommen und von der Börse genommen. Ein LBO ist eine Übernahme, die hauptsächlich mit Fremdkapital finanziert wird. Die Schulden werden dabei auf das übernommene Unternehmen übertragen.

Diese Übernahme hinterließ Toys R Us mit einer schweren Schuldenlast, die sich über die Jahre auf mehrere Milliarden Dollar summierte. Ein erheblicher Teil der Einnahmen musste für Zinszahlungen und die Tilgung dieser Schulden verwendet werden, anstatt in das Geschäft reinvestiert zu werden. Dies war ein Teufelskreis:

  • Weniger Geld für Investitionen in die Modernisierung der Filialen, die Verbesserung des Online-Shops oder die Entwicklung neuer Konzepte.
  • Die veralteten Filialen und der schwache Online-Auftritt machten es noch schwieriger, mit der modernen Konkurrenz (Amazon, Walmart) mitzuhalten.
  • Geringere Umsätze und Gewinne erschwerten wiederum die Bedienung der Schulden.

Die Schuldenlast war so erdrückend, dass das Unternehmen im Jahr 2017 Insolvenz nach Chapter 11 in den USA beantragen musste, um eine Umstrukturierung zu ermöglichen. Trotz der Bemühungen, das Geschäft wieder auf Kurs zu bringen, reichten die Einnahmen nicht aus, um die Schulden zu bedienen und gleichzeitig notwendige Investitionen zu tätigen. Dies führte 2018 zur endgültigen Abwicklung und Schließung aller US-Filialen.

Was wurde aus Toys R Us in Deutschland und Europa?

Während das US-Geschäft abgewickelt wurde, sah die Situation in anderen Teilen der Welt, einschließlich Europa und Deutschland, anders aus. Die europäischen Geschäftsbereiche von Toys R Us wurden separat verkauft und fanden neue Eigentümer.

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz bedeutete dies eine Übernahme durch ein anderes großes Spielzeugunternehmen: Smyths Toys Superstores. Smyths Toys ist ein irisches Familienunternehmen, das in Großbritannien und Irland bereits stark vertreten war. Im Jahr 2018 erwarb Smyths Toys die kontinentaleuropäischen Aktivitäten von Toys R Us, darunter die rund 80 Filialen in Deutschland sowie die Geschäfte in Österreich und der Schweiz.

Das bedeutet, auf die Frage „Wie heißt Toys R Us jetzt in Deutschland?“ gibt es eine klare Antwort: Viele der ehemaligen Toys R Us-Filialen in Deutschland firmieren heute unter dem Namen Smyths Toys Superstores. Das Unternehmen hat die Standorte übernommen, umgebaut und in sein eigenes Filialnetz integriert. Smyths Toys führt das Geschäft als großer Spielwarenhändler weiter und bietet in vielen der ehemaligen Toys R Us-Gebäude weiterhin eine riesige Auswahl an Spielzeug, Babyartikeln und Outdoor-Spielzeug an.

Wie heißt ToysRus jetzt?
Geschichte. Smyths Toys wurde 1986 in Claremorris, Irland gegründet und expandierte in Großbritannien und Irland. 2018 übernahm es von Toys “R” Us das gesamte Filial- und Onlinegeschäft im deutschsprachigen Raum.

Vergleich: Herausforderungen im modernen Spielwaren-Einzelhandel

Der Fall von Toys R Us ist ein warnendes Beispiel für die Herausforderungen im modernen Einzelhandel. Hier ein kurzer Vergleich der alten Welt von Toys R Us und den Anforderungen an heutige Händler:

AspektToys R Us (vor dem Niedergang)Moderne Anforderungen
GeschäftsmodellFokus auf große, stationäre Filialen (Category Killer)Omnichannel-Ansatz (Integration von Online & Offline)
Finanzielle StrukturHohe Schuldenlast (durch LBO)Gesunde Bilanz, Spielraum für Investitionen
WettbewerbHauptsächlich andere SpielzeuglädenDiscounter, Online-Händler, Direktvertrieb der Hersteller
EinkaufserlebnisGroße Auswahl, stationäres ErlebnisBequemlichkeit (online), Erlebnis (stationär), Personalisierung
Technologie & InnovationLangsame Adaption von E-CommerceStändige Investition in Technologie, Datenanalyse, Logistik

Dieser Vergleich zeigt deutlich, dass Toys R Us in mehreren Schlüsselbereichen nicht mit der Entwicklung des Marktes mithalten konnte, was durch die finanzielle Belastung noch verschärft wurde.

Auswirkungen und Vermächtnis

Das Verschwinden von Toys R Us in den USA hatte weitreichende Folgen. Spielzeughersteller verloren einen ihrer größten Abnehmer, was zu Umsatzrückgängen führte. Für viele Konsumenten, insbesondere in den USA, ging mit Toys R Us ein Stück Kindheit verloren. Die riesigen, leerstehenden Filialschließungen waren sichtbare Zeichen der Veränderungen im Einzelhandel.

In Deutschland und Europa wurde die Situation durch die Übernahme durch Smyths Toys abgemildert. Viele Arbeitsplätze konnten erhalten bleiben, und die Standorte blieben dem Spielwarenhandel erhalten. Es zeigt sich, dass der Markt für physische Spielzeuggeschäfte in Europa resilienter war oder dass Smyths Toys ein Geschäftsmodell verfolgt, das besser an die lokalen Gegebenheiten angepasst ist.

Häufig gestellte Fragen

Hier beantworten wir einige der gängigsten Fragen rund um Toys R Us:

F: Warum ist Toys R Us in den USA geschlossen?
A: Die Schließung in den USA hatte zwei Hauptgründe: Erstens der harte Wettbewerb durch große Discounter wie Walmart und Target sowie durch den wachsenden Online-Handel (insbesondere Amazon). Zweitens eine enorme Schuldenlast, die aus einem Leveraged Buyout im Jahr 2005 resultierte. Diese Schulden verhinderten notwendige Investitionen in die Modernisierung der Geschäfte und den Ausbau des Online-Geschäfts, was es dem Unternehmen unmöglich machte, wettbewerbsfähig zu bleiben.

F: Wie heißt Toys R Us jetzt in Deutschland?
A: Die deutschen Filialen von Toys R Us wurden im Jahr 2018 vom irischen Unternehmen Smyths Toys Superstores übernommen. Viele der ehemaligen Toys R Us-Standorte in Deutschland werden heute unter dem Namen Smyths Toys Superstores betrieben.

F: Gibt es Toys R Us noch irgendwo auf der Welt?
A: Ja, die Marke Toys R Us existiert in verschiedenen Ländern außerhalb der USA weiterhin, oft unter Lizenz oder als Teil anderer Unternehmen, die die lokalen Geschäftsbereiche übernommen haben (wie Smyths Toys in Deutschland). In den USA gab es Versuche, die Marke mit kleineren Konzepten wiederzubeleben, aber nicht im Umfang des früheren Geschäfts.

F: Was ist ein Leveraged Buyout (LBO)?
A: Ein Leveraged Buyout ist eine Unternehmensübernahme, die hauptsächlich mit Fremdkapital (Krediten) finanziert wird. Die Schulden werden dabei auf das übernommene Unternehmen übertragen, das dann die Kredite aus seinen zukünftigen Einnahmen zurückzahlen muss. Im Fall von Toys R Us führte dies zu einer hohen Schuldenlast, die dem Unternehmen die finanzielle Flexibilität nahm.

Fazit

Die Geschichte von Toys R Us, insbesondere in den USA, ist eine komplexe Erzählung über die gnadenlose Dynamik des modernen Einzelhandels. Sie zeigt, wie eine Kombination aus externen Marktveränderungen (Wettbewerb, Online-Handel) und internen finanziellen Belastungen (hohe Schulden durch LBO) selbst einen etablierten Marktführer zu Fall bringen kann. Während der schwere Schuldenlast letztlich der Sargnagel war, trugen der verpasste Anschluss an den Online-Handel und die Konkurrenz durch Walmart und Amazon erheblich bei.

Für Deutschland fand die Geschichte eine andere Wendung durch die Übernahme durch Smyths Toys. Dies sicherte die Fortführung vieler Standorte als Spielzeuggeschäfte, wenn auch unter neuem Namen. Die ehemaligen Toys R Us-Filialen leben so in gewisser Weise weiter und bieten weiterhin ein physisches Einkaufserlebnis in einer Welt, die zunehmend digital wird.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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