Ist Voigtländer eine gute Marke?

Voigtländer Objektive: Ein tiefer Einblick

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In der Welt der Fotografie, in der der Markt von automatischen und oft standardisierten Objektiven dominiert wird, suchen viele Fotografen nach Alternativen, die einen besonderen Charakter oder ein einzigartiges Benutzererlebnis bieten. Während Objektive von chinesischen Herstellern in den letzten Jahren durch interessante Eigenschaften zu oft niedrigen Preisen auf sich aufmerksam gemacht haben, gibt es auch Marken, die ein höheres Preissegment bedienen, aber möglicherweise ein überzeugenderes Gesamtpaket liefern. Hier kommt Voigtländer ins Spiel, eine Marke, die für ihre manuellen Festbrennweiten bekannt ist.

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Voigtländer ist ein Name mit langer Geschichte in der Optik, doch heute werden die Objektive unter Lizenz von Cosina hergestellt. Cosina ist ein japanischer Hersteller mit einer ausgezeichneten Reputation für die Produktion präziser und hochwertiger Optiken. Sie fertigen seit Langem Objektive für eine Vielzahl von Kamerasystemen, darunter Messsucher-, Spiegelreflex- und spiegellose Kameras.

Ist Voigtländer eine gute Marke?
Voigtländer-Objektive liegen gut in der Hand . Am wichtigsten ist, dass beide Objektive vollständige EXIF-Daten an die Kameras und damit an die Bilder übertragen. Ich konnte den Namen des Objektivs, die gewählte Blende, die Brennweite und all die anderen guten Dinge sehen, die wir bei modernen Objektiven für selbstverständlich halten.

Um herauszufinden, ob Voigtländer eine gute Marke ist, haben wir uns zwei der lichtstärksten Festbrennweiten von Cosina genauer angesehen: das Nokton 50mm f/1 für Sony E-Mount und das Nokton 40mm f/1.2 für Canon RF-Mount. Die Tatsache, dass Cosina manuelle Objektive für das Canon RF-System anbieten kann, ist bemerkenswert, da Canon die Unterstützung von Drittanbietern in diesem Bereich lange Zeit eingeschränkt hat. Ein Objektiv wie das Nokton 40mm, das nahtlos mit einer Kamera wie der Canon R5 kommuniziert und volle Datenübertragung ermöglicht, ist beeindruckend. Diese Objektive sind zwar teurer als viele Alternativen, aber wir waren gespannt, ob sie ihren Preis wert sind. Wir haben sie mit den entsprechenden Kameras ausgiebig getestet.

Haptik und Verarbeitungsqualität: Ein Genuss für die Sinne

Fairerweise muss man sagen, dass viele erschwingliche Objektive heutzutage gut verarbeitet sind, mit sanftgängigen Fokusringen und präzisen Blendeneinstellungen. Doch die Voigtländer Nokton-Objektive heben die Verarbeitung auf ein neues Niveau. Beide getesteten Nokton-Objektive sind mit beeindruckender Präzision gefertigt. Der Fokusring läuft butterweich, die Blendeneinstellung rastet sauber ein, und die Gravuren auf dem Metallgehäuse sind fein ausgeführt. Die Schärfentiefeskalen auf den Objektiven sind klar und gut ablesbar.

Das 50mm f/1 ist mit 480 Gramm etwas schwerer und verfügt über ein größeres 67mm Filtergewinde. Das 40mm f/1.2 ist mit 420 Gramm etwas leichter und nimmt 58mm Filter auf. An der Verarbeitung gibt es absolut nichts auszusetzen. Man spürt die Qualität in jeder Berührung. Bei hellem Sonnenlicht werden ND-Filter unerlässlich sein, um die sehr großen Blendenöffnungen nutzen und dennoch eine korrekte Belichtung erzielen zu können.

Obwohl die Verarbeitung erstklassig ist und an die Qualität hochwertiger Objektive aus der analogen Fotografie erinnert, sollte man wissen, dass diese Objektive nicht explizit als wetterfest deklariert sind. Man sollte sie also nicht übermäßigem Regen oder Staub aussetzen. Dennoch vermittelt die solide Bauweise ein Gefühl von Langlebigkeit und Zuverlässigkeit.

Der entscheidende Vorteil: Volle elektronische Kommunikation

Ein herausragendes Merkmal dieser Voigtländer-Objektive, das sie von vielen günstigeren manuellen Alternativen, insbesondere aus chinesischer Produktion, unterscheidet, ist die volle elektronische Kommunikation mit der Kamera. Beide Objektive übertragen vollständige EXIF-Daten an die Kamera und somit an die Bilddateien. Das bedeutet, dass Informationen wie Objektivname, gewählte Blende und Brennweite in den Metadaten der Fotos gespeichert werden – etwas, das wir bei modernen Objektiven oft als selbstverständlich ansehen.

Noch wichtiger ist, dass die Kameragehäuse (wie die Sony und Canon Modelle, mit denen wir getestet haben) die im Gehäuse integrierte Bildstabilisierung (IBIS) automatisch an die jeweilige Brennweite anpassen. Auch die manuellen Fokus-Assistenzfunktionen der Kamera arbeiten nahtlos mit diesen Objektiven zusammen. Die mangelnde Kommunikation ist oft ein Hauptkritikpunkt bei erschwinglicheren manuellen Objektiven. Allein diese Funktionalität kann den höheren Preis der Voigtländer-Objektive rechtfertigen, da sie das Benutzererlebnis erheblich verbessert.

Optischer Charakter und Leistung: Nicht ohne Ecken und Kanten

Beide Nokton-Objektive haben Charakter, und interessanterweise teilen sie einen sehr ähnlichen Charakter. Die Ergebnisse beider Objektive ähneln sich stark, weshalb wir sie weitgehend gemeinsam betrachten werden, wobei wir auf signifikante Unterschiede hinweisen, wo nötig. Die geringe Schärfentiefe ist mit beiden Objektiven sehr einfach zu erreichen. Beginnen wir also mit dem Bokeh.

Abgeblendet zeigen die Blendenlamellen des 50mm f/1 eine merklich rundere Form als beim 40mm, was theoretisch zu einem etwas sanfteren Aussehen des Hintergrunds und der Übergänge führen sollte. In der Praxis fanden wir die Ergebnisse jedoch bei beiden Objektiven nahezu identisch. In den Ecken zeigen beide Objektive bei größeren Blendenöffnungen ein leicht wirbelndes Rendering, und beide haben einen starken Cat's-Eye-Effekt (katzenaugenförmige Unschärfekreise in den Ecken). Das Bokeh hat einen klassischen Look, der an Petzval-Objektive erinnert und sowohl für Landschafts- als auch für Porträtaufnahmen Spaß macht. Spekulare Highlights (Lichtreflexe) sind sauber und frei von Zwiebelringen oder Seifenblasen-Effekten, weshalb beide Objektive insgesamt ein schönes Bokeh liefern. Ein leichtes Abblenden reduziert den Cat's-Eye-Effekt erheblich und führt zu glatten Hintergründen, die sich in eine weiche Fläche aus Farbe und Ton auflösen.

Das Streulichtverhalten war ein Punkt, der uns Sorgen bereitete, da viele Objektive, insbesondere aus China, anfällig für ausgewaschene Töne und starke Geisterbilder sind, wenn sie auf helle Lichtquellen gerichtet werden. Die Voigtländer-Objektive zeigen hier das Gegenteil: eine exzellente Kontrolle über Streulicht. Bei den größten Blendenöffnungen kommt es zu einem gewissen Kontrastverlust, aber Geisterbilder werden gut kontrolliert, selbst bei starkem Abblenden. Sonnensterne sind bei beiden Objektiven eher schwach ausgeprägt, daher sind sie nicht die erste Wahl, wenn dies eine Priorität für Sie ist.

Sehr lichtstarke Objektive neigen dazu, viel longitudinale chromatische Aberration (LoCA) zu zeigen. Dies ist bei beiden Nokton-Objektiven definitiv der Fall. Beide Objektive weisen starke grüne oder magentafarbene Farbsäume in allen unscharfen Bereichen auf. Tatsächlich haben wir uns oft manuell fokussiert, indem wir die LoCA nutzten: Wenn das Bild grün oder magenta aussah, haben wir nachfokussiert, bis es neutral war. Dies ist ein klares Manko und kann bei manchen Fotos ein störendes Problem darstellen. LoCA ist in der Nachbearbeitung sehr schwer zu entfernen. Man muss also entweder bereit sein, in Schwarz-Weiß zu konvertieren, oder es als Teil des „Charakters“ akzeptieren.

Die Schärfeleistung ist bei unseren beiden Voigtländer-Objektiven ziemlich ähnlich, aber es gibt einige Unterschiede. Das 50mm f/1 ist das schärfere Objektiv bei Offenblende. Obwohl der Kontrast bei f/1 noch gering ist, behält das 50mm passable Details bei und wird schon beim leichten Abblenden sehr schnell scharf. Die Ecken sind bei beiden Objektiven bei Offenblende ziemlich schwach und weisen auch eine starke Vignettierung auf, aber das 50mm f/1 schneidet bei Offenblende sowohl in der Mitte als auch in den Ecken deutlich besser ab. Unabhängig davon sollten Motive bei Offenblende ziemlich zentral platziert oder die Blende um ein paar Klicks geschlossen werden, wenn möglich.

Das 40mm bei f/1.2 ist recht kontrastarm und wirkt auch etwas unscharf, was störend sein kann, wenn man klare Motive vor einem weit entfernten Hintergrund fotografiert. Bei f/2 ist das Objektiv sehr gut und der Unschärfeeffekt ist verschwunden, aber die Ecken leiden mehr als beim 50mm Objektiv. Wir würden diese Objektive definitiv bei Offenblende für Porträts und Street-Fotos verwenden, aber trotz der großen Blenden sind sie keine Objektive für die Astrofotografie.

Für wen sind diese Objektive gemacht?

Wir glauben, dass die hier getesteten Voigtländer-Objektive ihren höheren Preis rechtfertigen, indem sie wichtige optische Leistungen wie atemberaubendes Bokeh und Streulichtresistenz bieten, während sie gleichzeitig die Eigenheiten und Besonderheiten beibehalten, die solche Objektive interessant machen. Wir stellen oft fest, dass viele der verfügbaren chinesischen Objektive in ihrem Anwendungsbereich begrenzt sind und Bildeffekte haben können, die entweder großartig funktionieren oder das Foto ruinieren. Natürlich ist die Auswahl an chinesischen Objektiven riesig, und es gibt absolute Juwelen darunter.

Dennoch scheinen diese Voigtländer-Objektive ein Weg zu sein, um spaßige Optiken ohne die großen Kopfschmerzen zu bekommen, die bei manchen günstigeren Alternativen auftreten können. Das 40mm beeindruckte uns mit seinem exzellenten Bokeh und seiner kompakten Größe, und es ist deutlich günstiger als das 50mm. Allerdings ist die Unschärfe bei f/1.2 einschränkend, besonders da dies ein Hauptverkaufsargument des Objektivs ist. Das 50mm f/1 bietet einen größeren Blendenbereich und eine bessere Leistung bei Offenblende, während es dennoch den Spaß-Charakter beider Objektive beibehält. Es kostet mehr, aber es könnte sich lohnen.

Vergleich: Nokton 50mm f/1 vs. 40mm f/1.2

MerkmalVoigtländer Nokton 50mm f/1Voigtländer Nokton 40mm f/1.2
Brennweite50mm40mm
Maximale Blendef/1f/1.2
Gewicht (ca.)480g420g
Filtergewinde67mm58mm
Schärfe bei Offenblende (Mitte)Gut (besser als 40mm)Mittel (etwas unscharf/low contrast)
Schärfe bei Offenblende (Ecken)Schwach (besser als 40mm)Sehr schwach
Chromatische Aberration (LoCA)StarkStark
BokehKlassisch, leicht wirbelnd, Cat's Eye (ähnlich 40mm)Klassisch, leicht wirbelnd, Cat's Eye (ähnlich 50mm)
StreulichtresistenzExzellentExzellent
PreisHöherNiedriger

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Sind Voigtländer Nokton Objektive Autofokus-Objektive?
Nein, die hier besprochenen Voigtländer Nokton Objektive sind rein manuelle Fokusobjektive. Sie erfordern, dass der Fotograf die Schärfe selbst einstellt.

Sind Voigtländer Objektive wetterfest?
Die getesteten Nokton Objektive verfügen über eine sehr robuste Metallkonstruktion, sind aber nicht explizit als wetterfest oder staubdicht deklariert. Vorsicht bei widrigen Bedingungen ist ratsam.

Lohnt sich der höhere Preis im Vergleich zu günstigeren manuellen Objektiven?
Das hängt stark von Ihren Prioritäten ab. Voigtländer bietet eine überragende Verarbeitungsqualität und, was besonders wichtig ist, volle elektronische Kommunikation mit der Kamera (EXIF, IBIS-Unterstützung), was bei vielen günstigeren Alternativen fehlt. Wenn diese Punkte für Sie wichtig sind und Sie den charakteristischen Look schätzen, kann sich der Preis lohnen.

Was bedeutet LoCA bei diesen Objektiven?
LoCA steht für longitudinale chromatische Aberration. Bei den Nokton Objektiven äußert sie sich in Form von Farbsäumen (grün vor dem Fokuspunkt, magenta hinter dem Fokuspunkt) in unscharfen Bildbereichen. Es ist ein optisches Phänomen, das bei sehr lichtstarken Objektiven häufiger auftritt und bei diesen Objektiven recht ausgeprägt ist.

Sind diese Objektive gut für Porträts?
Ja, absolut. Ihr charakteristisches Bokeh und die Möglichkeit, mit sehr geringer Schärfentiefe zu arbeiten, machen sie zu einer ausgezeichneten Wahl für Porträts. Die Schärfe in der Bildmitte ist bei Offenblende gut genug für die meisten Porträtzwecke.

Kann ich sie für Astrofotografie verwenden?
Trotz ihrer hohen Lichtstärke eignen sich diese Objektive aufgrund der ausgeprägten LoCA und der schwachen Leistung in den Ecken bei Offenblende weniger gut für die Astrofotografie, bei der es auf Schärfe über das gesamte Bildfeld ankommt.

Fazit: Voigtländer – Eine gute Wahl für den anspruchsvollen Fotografen?

Basierend auf unseren Erfahrungen mit dem Nokton 50mm f/1 und dem Nokton 40mm f/1.2 lässt sich sagen: Ja, Voigtländer ist eine gute Marke, aber nicht unbedingt für jeden. Sie sind eine ausgezeichnete Wahl für Fotografen, die eine herausragende mechanische Verarbeitungsqualität schätzen, gerne manuell fokussieren und einen Objektiv-Charakter suchen, der sich von den klinisch perfekten modernen Optiken abhebt. Das beeindruckende Bokeh, die exzellente Streulichtkontrolle und vor allem die nahtlose Integration mit der Kamera durch die EXIF-Daten und IBIS-Unterstützung sind klare Pluspunkte, die den höheren Preis rechtfertigen können.

Man muss jedoch bereit sein, mit Eigenheiten wie der starken chromatischen Aberration und der schwächeren Eckenschärfe bei Offenblende zu leben. Diese sind Teil des Charakters, können aber je nach Motiv und gewünschtem Ergebnis auch Nachteile sein. Für Fotografen, die Wert auf maximale Schärfe über das gesamte Bildfeld oder perfekte Korrektur aller optischen Fehler legen, sind andere Objektive möglicherweise besser geeignet.

Voigtländer bietet eine Premium-Erfahrung im Bereich der manuellen Objektive, die eine Brücke zwischen klassischer Optik und moderner Kameratechnologie schlägt. Sie sind Werkzeuge für Fotografen, die bewusst und entschleunigt arbeiten wollen und einen unverwechselbaren Look in ihren Bildern suchen.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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