Das Zweischalenmauerwerk ist eine traditionelle und weit verbreitete Bauweise, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat, um Gebäude vor Witterung zu schützen und Stabilität zu bieten. Ursprünglich diente der Backstein, einer der ältesten Baustoffe der Menschheit, primär als massives Tragelement. Mit der Zeit, insbesondere beeinflusst durch das wachsende Bewusstsein für Wärmedämmung nach Ereignissen wie der Ölkrise von 1973, entwickelte sich das Mauerwerk vom einfachen Verbandmauerwerk hin zu komplexeren Systemen wie dem Zweischalenmauerwerk. Diese Bauweise, die oft als robust und langlebig gilt, birgt jedoch auch bestimmte Nachteile, die bei der Planung, Ausführung und Nutzung eines Gebäudes berücksichtigt werden müssen.

Obwohl das Zweischalenmauerwerk in der Schweiz und anderen Regionen beliebt ist und viele Vorteile wie gute Feuchtigkeitsregulierung und soliden Brand- und Schallschutz bietet, gibt es auch Kehrseiten, die nicht ausser Acht gelassen werden dürfen. Die Entscheidung für oder gegen diese Bauweise sollte wohlüberlegt sein und alle relevanten Aspekte, einschliesslich der potenziellen Nachteile, umfassen.
Was genau ist Zweischalenmauerwerk?
Bevor wir uns den Nachteilen widmen, ist es wichtig zu verstehen, wie ein Zweischalenmauerwerk aufgebaut ist. Es besteht im Wesentlichen aus drei Schichten: einer inneren tragenden Schale, einer äusseren Wetterschutzschale (Vorsatzschale) und einem Hohlraum dazwischen. Die innere Schale ist die tragende Wand des Gebäudes, die Lasten von Decken und Dach aufnimmt. Sie ist in der Regel dicker und massiver ausgeführt, oft aus Backstein oder Beton. Die äussere Schale, die Vorsatzschale, dient primär als Schutz vor Witterungseinflüssen wie Regen, Wind und Sonne sowie vor mechanischen Beschädigungen. Sie bildet die sichtbare Fassade und kann aus verschiedenen Materialien wie Backstein (oft Klinker), Naturstein oder Verblendern bestehen. Beide Schalen sind durch Maueranker miteinander verbunden, die die Vorsatzschale stabilisieren, ohne die tragende Funktion der Innenschale zu beeinträchtigen. Der Hohlraum zwischen den Schalen kann entweder leer bleiben oder, was heute Standard ist, mit Dämmmaterial gefüllt werden. Als Dämmstoffe kommen hier verschiedene Materialien zum Einsatz, darunter Mineralwolleplatten, lose Granulate (wie Polystyrol oder Altglas) oder modernere Materialien wie Aerogel, die oft im Einblasverfahren eingebracht werden.
Die direkten Nachteile der Bauweise
Das Zweischalenmauerwerk bringt aufgrund seiner Konstruktion spezifische Nachteile mit sich, die unabhängig davon bestehen, ob der Hohlraum gedämmt ist oder nicht:
Hoher Materialverbrauch
Einer der offensichtlichsten Nachteile ist der grössere Materialverbrauch. Da im Grunde zwei separate Wände anstelle einer einzigen massiven Wand errichtet werden, wird insgesamt mehr Baustoff benötigt. Dies betrifft nicht nur die Steine oder andere Wandbaustoffe für beide Schalen, sondern auch zusätzliche Elemente wie die Maueranker und gegebenenfalls das Dämmmaterial im Hohlraum. Dieser höhere Materialeinsatz wirkt sich direkt auf die Baukosten aus und kann auch ökologisch relevant sein, je nach Art und Herkunft der verwendeten Materialien.
Anspruchsvolle Details
Die Konstruktion mit zwei separaten Schalen erfordert anspruchsvolle Details bei der Planung und Ausführung. Übergänge, Anschlüsse an Fenster, Türen, Dächer oder Fundamente sind komplexer zu gestalten als bei einschaligen Konstruktionen. Es müssen sichergestellt werden, dass die Maueranker korrekt platziert sind, dass keine Feuchtigkeit in den Hohlraum eindringt und dort Schäden verursacht, und dass Wärmebrücken an den Anschlüssen vermieden werden. Fehler bei der Detaillierung oder Ausführung können schwerwiegende Folgen haben, wie Feuchtigkeitsschäden, Schimmelbildung oder unzureichende Wärmedämmung. Dies erfordert qualifiziertes Fachpersonal und eine sorgfältige Bauüberwachung.
Kostenintensivität
Aufgrund des höheren Materialverbrauchs und der komplexeren Ausführung kann das Zweischalenmauerwerk kostenintensiv sein. Die Errichtung von zwei Mauerschalen erfordert mehr Arbeitszeit und somit höhere Lohnkosten. Auch die Materialien selbst summieren sich. Während die Kerndämmung selbst im Vergleich zu anderen Dämmmethoden als recht kostengünstig gelten kann, sind die Gesamtkosten für die Erstellung der gesamten Zweischalenkonstruktion oft höher als bei alternativen Bauweisen wie einschaligen massiven Wänden mit Aussendämmung. Obwohl sich eine nachträgliche Kerndämmung durch Energieeinsparungen amortisieren kann, sind die initialen Baukosten der Zweischalenwand selbst nicht unerheblich.

Probleme bei ungedämmten Hohlräumen
Ein historisch relevanter Nachteil des Zweischalenmauerwerks, der heute durch die Notwendigkeit der Dämmung seltener wird, ist die Problematik ungedämmter Hohlräume. Viele ältere Gebäude mit dieser Bauweise verfügen über einen leeren Luftspalt zwischen den Schalen. Dieser Zustand bringt erhebliche Nachteile mit sich:
Mangelhafte Wärmedämmung
Ein leerer Luftspalt bietet nur eine sehr begrenzte Wärmedämmung. Die Luft im Hohlraum passt sich schnell der Aussentemperatur an, und es findet eine Luftzirkulation statt, die Wärme von innen nach aussen oder Kälte von aussen nach innen transportiert. Dies führt zu hohen Wärmeverlusten im Winter und einem schnellen Aufheizen des Gebäudes im Sommer. Die Folge sind hohe Heiz- und Kühlkosten sowie ein geringerer Wohnkomfort.
Risiko von Feuchtigkeit und Schimmel
Ungedämmte Hohlräume sind oft nicht vollständig luft- und winddicht. Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf aus dem Innenraum kann in den Hohlraum gelangen und dort kondensieren, insbesondere wenn die Aussenschale kalt ist. Regenwasser kann durch Risse oder undichte Stellen in der Vorsatzschale eindringen und sich im Hohlraum sammeln. Diese Feuchtigkeit kann die Bausubstanz schädigen und ist ein idealer Nährboden für Schimmelpilze, die sich im Hohlraum oder auf der Innenseite der Wände bilden können. Dies stellt ein ernstes Problem für die Gesundheit der Bewohner dar.
Schlechtere Schalldämmung
Ein leerer Hohlraum kann die Schalldämmung verschlechtern. Luftschall von aussen kann sich im Hohlraum ausbreiten und relativ ungehindert durch die Innenschale dringen. Im Vergleich zu einer massiven Wand oder einem voll gedämmten Zweischalenmauerwerk kann die Übertragung von Aussenlärm in den Wohnraum bei ungedämmten Hohlräumen deutlich höher sein.
Beeinträchtigter Brandschutz
Ein leerer Hohlraum kann im Brandfall wie ein Kamin wirken und die schnelle Ausbreitung von Feuer und Rauch begünstigen. Dämmmaterial im Hohlraum kann diese Kaminwirkung unterbrechen und somit den Brandschutz verbessern.
Vergleich mit alternativen Bauweisen
Um die Nachteile des Zweischalenmauerwerks besser einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf alternative Bauweisen, die in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen haben:
Einsteinmauerwerk (Mauerwerk mit Aussendämmung)
Diese Methode verwendet eine einschalige tragende Wand (oft aus Backstein oder Beton), die anschliessend mit einem externen Dämmsystem versehen wird (z.B. einem Wärmedämmverbundsystem – WDVS – mit Dämmplatten aus Polystyrol oder Mineralwolle).
Vorteile: Kostengünstiger in der Erstellung der Wand, einfachere Detaillösungen an Fenstern etc.
Nachteile: Die Aussenhaut (Dämmung und Putz) ist nicht massiv und anfälliger für mechanische Beschädigungen. Die Arbeiten sind stark witterungsabhängig. Viele Dämmmaterialien (wie Polystyrol) basieren auf Erdöl.
Monolithisches Mauerwerk (z.B. Capo-Backstein)
Hierbei handelt es sich um einschalige, aber hoch wärmedämmende Wandbaustoffe. Ein Beispiel ist der Capo-Backstein, dessen Hohlräume bereits werkseitig mit Dämmmaterial (z.B. recycelter Glaswolle) gefüllt sind. Die Wand ist somit tragend und dämmend in einem.
Vorteile: Natürlicher Baustoff, ökologisch, dämmt und speichert ideal, hervorragender Brand- und Schallschutz, preiswert (spart Arbeitsgänge wie separate Dämmung) und spart Zeit bei der Bauausführung, gute Feuchteregulierung.
Nachteile: Grösserer Planungsaufwand für anspruchsvolle Detaillösungen im Vorfeld, Mehraufwand bei Verputz-Arbeiten (spezieller Dämmputz), Mehraufwand für Installateure beim Rohbau (Durchbrüche etc.).

Eine vergleichende Übersicht der Bauweisen:
| Merkmal | Zweischalenmauerwerk | Einsteinmauerwerk | Capo (monolithisch) |
|---|---|---|---|
| Tragende Schale | Innen | Ganze Wand | Ganze Wand |
| Wärmedämmung | Hohlraum (oft nachträglich gedämmt) | Aussendämmung (WDVS) | Integrierte Dämmung |
| Materialverbrauch | Hoch | Mittel (Wand + Dämmung) | Mittel (Wand mit Füllung) |
| Komplexität Details | Hoch | Einfach | Planungsaufwand hoch |
| Kosten (initial) | Hoch | Günstiger | Preiswert (durch Einsparung Arbeitsgänge) |
| Aussenhaut | Massiv (Vorsatzschale) | Dämmung + Putz (nicht massiv) | Massiv (mit Dämmputz) |
| Witterungsabhängigkeit (Ausführung) | Mittel (Vorsatzschale) | Hoch (Aussendämmung/Putz) | Mittel (Putz) |
| Feuchteregulierung | Gut | Abhängig von WDVS | Sehr gut |
Zusammenfassung der Nachteile
Zusammenfassend lassen sich die Hauptnachteile des Zweischalenmauerwerks wie folgt festhalten:
- Hoher Materialverbrauch: Die Errichtung zweier separater Schalen benötigt mehr Baustoffe als einschalige Systeme.
- Anspruchsvolle Detaillösungen: Anschlüsse und Übergänge sind komplexer zu planen und auszuführen, was das Risiko von Fehlern und Wärmebrücken erhöht.
- Potenziell hohe Kosten: Mehr Material und aufwendigere Arbeitsschritte können zu höheren Baukosten führen.
- Risiken bei ungedämmtem Hohlraum: Obwohl heute meist gedämmt, bergen ungedämmte Hohlräume erhebliche Nachteile bei Wärmedämmung, Feuchteschutz, Schalldämmung und Brandschutz.
Es ist wichtig zu betonen, dass viele dieser Nachteile durch sorgfältige Planung, qualifizierte Ausführung und die korrekte Dämmung des Hohlraums minimiert werden können. Dennoch bleiben der höhere Materialaufwand und die inhärente Komplexität der Detaillierung bestehen.
Häufig gestellte Fragen
Wie kann man Zweischalenmauerwerk erkennen?
Zweischalenmauerwerk ist oft daran zu erkennen, dass die Aussenwand (Vorsatzschale) aus Sichtmauerwerk besteht, das optisch von der tragenden Innenwand getrennt zu sein scheint. Manchmal ist ein Fugenbild sichtbar, das nicht direkt mit dem inneren Wandaufbau korreliert. Die Dicke der Aussenwand ist meist geringer als die der Innenwand. Bei genauerer Betrachtung, insbesondere bei Sanierungen oder an unfertigen Baustellen, kann man den Hohlraum zwischen den beiden Schalen und die verbindenden Maueranker erkennen. Die gesamte Wandstärke ist zudem deutlich grösser als bei einschaligen Wänden.
Welche Nachteile bringt ein Hohlraum ohne Dämmung?
Ein leerer Hohlraum im Zweischalenmauerwerk führt zu schlechter Wärmedämmung, da Luft zirkuliert und Wärme leicht übertragen wird. Dies resultiert in hohen Energieverlusten. Weiterhin erhöht ein ungedämmter Hohlraum das Risiko von Feuchtigkeitsproblemen und Schimmelbildung, da Feuchtigkeit eindringen und kondensieren kann. Auch die Schalldämmung ist schlechter, da Luftschall im Hohlraum übertragen wird, und im Brandfall kann der Hohlraum die Ausbreitung von Feuer beschleunigen.
Ist Zweischalenmauerwerk immer teuer?
Zweischalenmauerwerk gilt im Vergleich zu einschaligen Systemen mit Aussendämmung tendenziell als kostenintensiver in der initialen Erstellung. Dies liegt am höheren Materialverbrauch für zwei Mauerschalen und dem grösseren Aufwand für die komplexen Detaillösungen. Die Kosten können jedoch je nach Region, Materialwahl und Ausführungsqualität variieren. Eine nachträgliche Kerndämmung verursacht zusätzliche Kosten, kann sich aber durch Energieeinsparungen langfristig rechnen. Moderne monolithische Systeme wie der Capo-Backstein können initial teurer pro Stein sein, sparen aber durch die Reduzierung von Arbeitsschritten (keine separate Dämmung nötig) oft Gesamtkosten und Bauzeit.
Während das Zweischalenmauerwerk viele bewährte Qualitäten besitzt, ist es essenziell, sich der aufgeführten Nachteile bewusst zu sein. Eine fundierte Planung, die Berücksichtigung moderner Dämmmethoden für den Hohlraum und die sorgfältige Ausführung der Details sind entscheidend, um Probleme zu vermeiden. Alternative Bauweisen bieten ebenfalls spezifische Vor- und Nachteile, die im Einzelfall abgewogen werden sollten.
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