Die Frage nach dem „ersten deutschen Film“ ist nicht ganz einfach zu beantworten, da die Anfänge des Kinos international und eng mit der Entwicklung der Vorführtechnik verbunden waren. Bevor es eine etablierte deutsche Filmindustrie gab, waren es oft die Vorführungen selbst, die im Mittelpunkt standen. Die Geschichte des deutschen Films ist eine Reise durch verschiedene Epochen, geprägt von künstlerischer Blüte, politischen Umwälzungen und technischem Fortschritt.

Die Pioniere und die Stummfilmzeit (Vor 1933)
Die allerersten öffentlichen Filmvorführungen in Deutschland fanden im Jahr 1896 statt. Der Kölner Schokoladenfabrikant Ludwig Stollwerck sicherte sich die Rechte am Cinématographe der Gebrüder Lumière und zeigte am 20. April 1896 die ersten „lebenden Bilder“ in Köln. Kurz darauf, am 25. April 1896, eröffnete in Berlin im Haus Unter den Linden 21 das erste feste Kino in Deutschland. Diese frühen Vorführungen zeigten oft kurze Alltagsszenen oder Aktualitätenberichte und waren Teil von Schaubuden, Panoptiken oder Varietéprogrammen.
Eine eigentliche Blütezeit und die Entstehung einer bedeutenden deutschen Filmwirtschaft begann in den 1920er Jahren. Diese Ära, oft als Weimarer Kino bezeichnet, brachte Meisterwerke des Stummfilms hervor und gilt als ein Höhepunkt der deutschen Filmgeschichte. Ein Film, der sehr oft als Beginn des deutschen Expressionismuskinos und damit als wichtiger Meilenstein dieser Zeit genannt wird, ist Das Cabinet des Dr. Caligari von Robert Wiene aus dem Jahr 1920. Dieser Film revolutionierte mit seinen stilisierten Kulissen und verzerrten Perspektiven das Medium und beeinflusste spätere Genres wie den Film Noir oder den Horrorfilm.
Neben dem expressionistischen, oft „romantischen“ Zweig, der sich von fantastischer Literatur inspirieren ließ, entwickelte sich auch ein „moderner“ Zweig, der Großstadtthemen, soziale Unterschiede und technologischen Fortschritt aufgriff. Bedeutende Regisseure dieser Periode waren unter anderem Ernst Lubitsch, F. W. Murnau mit Filmen wie „Faust“ oder „Nosferatu“, und Fritz Lang, dessen Werke wie „Die Nibelungen“ und insbesondere der Monumentalfilm „Metropolis“ bis heute beeindrucken.
Mit dem Aufkommen des Tonfilms Ende der 1920er Jahre passte sich die deutsche Filmindustrie schnell an. Auch hier entstanden prägende Werke wie „Das Testament des Dr. Mabuse“ und „M“ von Fritz Lang oder „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich unter der Regie von Josef von Sternberg. Diese Phase der Entfaltung des deutschen Tonfilms wurde jedoch abrupt durch die Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 beendet.
Filmemachen in der Nazidiktatur (1933-1945)
Die NS-Zeit war eine dunkle Periode für den deutschen Film. Viele Filmschaffende, die sich nicht der NS-Ideologie beugen wollten oder jüdischer Herkunft waren, mussten emigrieren. Der Film wurde zunehmend als Instrument der Propaganda missbraucht. Zwar waren etwa 75% der produzierten Filme Komödien und Melodramen zur Unterhaltung der Massen, doch auch diese dienten oft der Ablenkung oder enthielten unterschwellige Botschaften. Daneben gab es offene Propagandafilme. Die gesamte Filmindustrie wurde unter der Kontrolle der UFA zentralisiert, und die „Deutsche Wochenschau“ wurde zu einem wichtigen Medium zur Beeinflussung der Bevölkerung, insbesondere während des Krieges.
Nachkriegszeit und Teilung (1945-1960er)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lag auch die deutsche Filmindustrie in Trümmern. Kinos waren zerstört, die Infrastruktur fehlte. Der Wiederaufbau begann langsam. In der sowjetischen Besatzungszone wurde die Filmindustrie unter der DEFA (Deutsche Film AG) in Babelsberg wieder zentralisiert und entwickelte sich zum „Volkseigenen Betrieb“ der DDR. Die DEFA produzierte zunächst viele antifaschistische Filme, später auch Werke, die sich mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzten, was teilweise zu Konflikten und Verboten führte.

In den westlichen Besatzungszonen und der späteren BRD begann das Filmemachen ebenfalls unter schwierigen Bedingungen. Der erste deutsche Film, der nach dem Krieg in den Kinos der westlichen Zonen uraufgeführt wurde, war „Die Mörder unter uns“ von Wolfgang Staudte am 15. Oktober 1946. Dieser antifaschistische „Trümmerfilm“ spiegelte die unmittelbare Nachkriegsrealität wider, auch wenn viele der frühen BRD-Filme eher oberflächlich blieben und sich nicht tiefgehend mit der Schuldfrage auseinandersetzten.
Die 1950er Jahre in der BRD waren geprägt von einer personellen Kontinuität zu den 30er/40er Jahren, da viele Emigranten keinen Fuß fassen konnten. Genres wie Heimat-, Heide- und Bergfilme dominierten, die eine heile Welt zeigten, aber auch Kriegs- und Soldatenfilme sowie Musik- und Schlagerfilme waren populär. Trotz steigender Besucherzahlen geriet das Kino Ende der 1950er Jahre in eine Krise, ausgelöst durch die Verbreitung des Fernsehens. Das Publikum verlangte nach anspruchsvolleren Filmen, doch das deutsche Kino konnte oft nicht mithalten. Lediglich Karl-May- und Edgar-Wallace-Verfilmungen hatten noch Erfolg.
Das Oberhausener Manifest und der Junge Deutsche Film (1960er-1982)
Als Reaktion auf die Krise und die als unkreativ empfundene Stagnation des etablierten Kinos („Papas Kino“) proklamierten 1962 junge Nachwuchsfilmer im Oberhausener Manifest: „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen.“ Inspiriert von der französischen „Nouvelle Vague“ forderten sie einen neuen, freien deutschen Spielfilm.
Es war zunächst schwierig, sich gegen das kommerzielle Kino durchzusetzen. Die Gründung des Kuratoriums Junger Deutscher Film 1965 unterstützte jedoch erste Spielfilmdebüts. Ab Mitte der 1960er Jahre entstand eine neue Generation von Filmen, die sich durch künstlerische Experimentierfreude, Realitätsbezug und Sozialkritik auszeichneten. Viele der Regisseure waren Autorenfilmer, die das Drehbuch schrieben, Regie führten und oft auch an Schnitt und Bildgestaltung beteiligt waren. Sie hatten den Anspruch, Künstler zu sein.
Diese Bewegung wurde maßgeblich von Regisseuren wie Alexander Kluge, Volker Schlöndorff, Werner Herzog und insbesondere dem äußerst produktiven Rainer Werner Fassbinder geprägt. Fassbinder schuf in nur 13 Jahren über 40 Filme und gilt als einer der bedeutendsten deutschen Filmemacher. Wim Wenders, ebenfalls ein prägender Autorenfilmer, schaffte den Durchbruch mit „Alice in den Städten“ und feierte später auch internationale Erfolge in Hollywood.
Der „Junge Deutsche Film“ prägte die 1970er Jahre mit anspruchsvollen Werken, Literaturverfilmungen (Schlöndorffs „Die Blechtrommel“ gewann 1980 einen Oscar) und Filmen, die gesellschaftliche Themen aufgriffen. Das Jahr 1982, in dem Rainer Werner Fassbinder starb, wird oft als das Ende dieser Ära betrachtet, obwohl Regisseure wie Herzog, Kluge und Wenders weiterhin international erfolgreich waren.

Der deutsche Film heute (Ab 1980er)
Die 1980er und frühen 1990er Jahre waren erneut eine Zeit der Herausforderung für das deutsche Kino. Die weitere Verbreitung von Privatfernsehen und Videogeräten veränderte die Sehgewohnheiten. Unterhaltung rückte in den Vordergrund, und viele junge Regisseure orientierten sich am amerikanischen Kino. Komödien und Klamaukfilme dominierten, auch wenn es Ausnahmen und Kassenschlager gab, wie Wolfgang Petersens „Das Boot“ oder „Die unendliche Geschichte“. Regisseure wie Wolfgang Petersen und Roland Emmerich schafften den Sprung nach Hollywood, allerdings oft mit kommerziellen Großproduktionen.
Mit Beginn der 1990er Jahre und der Wiedervereinigung gab es neue Themen, aber zunächst weiterhin viele Unterhaltungsfilme. Ende der 1990er Jahre belebte sich der deutsche Film jedoch wieder. Eine geänderte Filmförderungspolitik, das Engagement der Fernsehsender und eine neue Generation von Filmemachern führten zu einer neuen Lust auf deutsches Kino.
Es entstanden Filme, die handwerklich perfekt inszeniert und gedreht waren und ein großes Publikum erreichten, wie Sönke Wortmanns „Der bewegte Mann“ oder „Das Superweib“, Doris Dörries „Keiner liebt mich“ oder Thomas Jahns „Knockin’ on Heaven’s Door“. Diese Filme hatten hohen Unterhaltungswert, auch wenn Kritiker manchmal soziale oder politische Tiefe vermissten.
Gleichzeitig gab es auch weiterhin anspruchsvolle Produktionen, die von der Kritik gelobt wurden, wie Romuald Karmakars „Der Totmacher“, Caroline Links „Jenseits der Stille“ oder Helmut Dietls Mediensatiren. Spätere Filme wie Tom Tykwers Lola rennt oder Volker Schlöndorffs „Der Stille nach dem Schuss“ zeigten, dass das deutsche Kino auch weiterhin künstlerisch relevante Werke hervorbringen konnte.
Ein neues Filmförderungsgesetz trat 1999 in Kraft, um die Wettbewerbschancen zu verbessern. Obwohl der Marktanteil deutscher Filme im eigenen Land oft hinter dem internationaler Produktionen zurückblieb, etablierte sich der deutsche Film im 21. Jahrhundert mit einer Mischung aus erfolgreichen Komödien, Dramen und auch international beachteten Werken.
Vergleich verschiedener Epochen des deutschen Films
| Epoche | Zeitraum (ca.) | Charakteristika | Wichtige Genres/Themen | Prägende Regisseure (Auswahl) |
|---|---|---|---|---|
| Pioniere & Stummfilm | 1896 - 1933 | Aufbau der Industrie, künstlerische Experimente, internationale Bedeutung | Expressionismus, Kammerspielfilm, Monumentalfilm, Großstadtthemen | Fritz Lang, F.W. Murnau, Ernst Lubitsch |
| Nazidiktatur | 1933 - 1945 | Gleichschaltung, Emigration, Propaganda | Unterhaltungsfilme (Komödien, Melodramen), Propagandafilme | Veit Harlan, Leni Riefenstahl (unter NS-Kontrolle) |
| Nachkriegszeit (BRD) | 1945 - ca. 1960 | Wiederaufbau, personelle Kontinuität, Krise durch Fernsehen | Trümmerfilme, Heimatfilme, Komödien, Kriegsfilme | Helmut Käutner, Kurt Hoffmann |
| Nachkriegszeit (DDR) | 1945 - 1990 | Zentrale Produktion (DEFA), staatliche Kontrolle/Förderung | Antifaschistische Filme, Gegenwartsfilme, Kinderfilme | Konrad Wolf, Frank Beyer |
| Junger Deutscher Film | 1965 - 1982 | Aufbruch, Autorenfilm, künstlerische Freiheit, Sozialkritik | Politisches Kino, Literaturverfilmungen, experimentelle Filme | R.W. Fassbinder, W. Herzog, W. Wenders, A. Kluge |
| Gegenwart (ca. 1980er - heute) | Ab ca. 1980 | Kommerzialisierung, Einfluss TV/Video, neue Förderstrukturen | Komödien, Dramen, Event-Filme, international erfolgreiche Produktionen | Sönke Wortmann, Doris Dörrie, Tom Tykwer, Florian Henckel von Donnersmarck |
Häufig gestellte Fragen zur deutschen Filmgeschichte
Was sind die Anfänge der deutschen Filmgeschichte (vor 1933)?
In den 1920er und frühen 1930er Jahren erlebte die deutsche Filmwirtschaft eine Blütezeit, in der Meisterwerke des Stummfilms entstanden. Bedeutende Regisseure dieser Zeit waren Fritz Lang (z.B. "Die Nibelungen", "Metropolis") und F. W. Murnau (Faust, Nosferatu). Mit dem Aufkommen des Tonfilms entstanden Werke wie "Das Testament des Dr. Mabuse" und "M" von Fritz Lang sowie "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich, Regie J. von Sternberg. Die Machtübernahme der NSDAP 1933 beendete jedoch diese kurze Phase.

Wie war das Filmemachen in der Nazidiktatur (1933-1945)?
Viele Filmschaffende emigrierten aufgrund der NS-Propaganda. Der Film wurde zum Propagandainstrument: Etwa 75% der Filme waren Komödien und Melodramen, die restlichen Propagandafilme. Die Deutsche Wochenschau war ein wichtiges Instrument zur Beeinflussung. Die Filmindustrie wurde unter der UFA zentralisiert.
Wie gestaltete sich das Filmemachen in der DDR (1945-1990)?
In der sowjetischen Besatzungszone wurde die Filmindustrie unter der DEFA (Deutsche Film AG) wieder monopolisiert. Potsdam mit den Babelsberger Studios wurde das Zentrum. Die DEFA wurde 1953 zum "Volkseigenen Betrieb". Es gab keine offizielle Zensur, aber Filme benötigten eine staatliche Genehmigung und finanzielle Unterstützung. Anfangs wurden viele antifaschistische Filme produziert. In den 1960er Jahren führten gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme zur Konfrontation mit der SED, was zu 12 Filmverboten führte. Trotzdem entstanden wertvolle Filme. 1990 wurde die DEFA privatisiert, und 1994 verschwand der Name DEFA. 1999 wurde die DEFA Stiftung gegründet, die die Rechte aller DEFA-Filmproduktionen verwaltet und deren Erträge der ostdeutschen Filmkultur zugutekommen sollen.
Wie war die Nachkriegszeit in der BRD (40er, 50er, Anfang 60er)?
Nach dem Krieg gab es nur wenige Kinos, aber die Zahl stieg schnell wieder an. Zuerst liefen vor allem ausländische Filme. In Deutschland entstanden Trümmerfilme, die aber oft oberflächlich blieben. Unpolitische Filmprojekte aus der NS-Zeit wurden fortgesetzt. Ein Neubeginn wurde versäumt, da viele Filmschaffende aus der NS-Zeit im Amt blieben und Emigranten keine Chance hatten. Heimat-, Heide- und Bergfilme waren kennzeichnend für diese Zeit. Es gab auch Neufassungen von Erfolgsproduktionen der 30er. Kriegs- und Soldatenfilme kamen auf. Ende der 50er Jahre gab es eine Krise aufgrund der Verbreitung des Fernsehens. Das Kino musste anspruchsvoller werden. Ausnahmen waren Karl-May- und Edgar-Wallace-Verfilmungen. 1962 forderten Nachwuchsfilmer im "Oberhausener Manifest" einen neuen deutschen Spielfilm.
Was ist der Junge Deutsche Film (1965-1982)?
Jungen Filmemachern fiel es schwer, sich gegen die etablierten Produktionen durchzusetzen. 1965 wurde das Kuratorium Junger Deutscher Film gegründet, um jungen Regisseuren ein Spielfilmdebüt zu ermöglichen. Ab 1965 entstanden viele erfolgreiche Filme der neuen Generation, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Das neue Kino hatte keinen gemeinsamen Stil, sondern zeichnete sich durch künstlerische Experimentierfreude aus. Die Filme waren politisch, realitätsbezogen und sozialkritisch. Viele Regisseure waren Autorenfilmer. Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Wim Wenders, Alexander Kluge, Edgar Reitz und Volker Schlöndorff prägten den neuen deutschen Film der 70er Jahre. 1982 starb Fassbinder, was als das Ende des jungen deutschen Films gilt.
Wie war der Deutsche Film von Heute (80er, 90er)?
Die Verbreitung privater Fernsehsender und Videogeräte entzog dem Kino weiteres Publikum. Die Bedürfnisse veränderten sich, Entertainment wurde wichtiger. Junge Regisseure orientierten sich an amerikanischen Filmemachern. Klamauk und Komödien dominierten. Wolfgang Petersen und Roland Emmerich konnten mit Kassenschlagern in Hollywood Erfolge feiern. Anfang der 90er Jahre gab es neue Stoffe mit Ossis und Trabis. Sönke Wortmanns "Allein unter Frauen" und "Kleine Haie" waren Ausnahmen.
Gibt es Hoffnung für Anspruch und Werte im deutschen Film (Ende 90er)?
Eine geänderte Filmförderungspolitik, das gestiegene Engagement von Fernsehanbietern und eine neue Generation von Regisseuren und Produzenten belebten den deutschen Film wieder. Neue Filme waren nicht so banal wie in den 80er Jahren, aber auch nicht so anspruchsvoll wie in den 60er und 70er Jahren. Sie waren aber perfekt inszeniert und gedreht. Z.B.: "Der bewegte Mann", "Das Superweib" von Sönke Wortmann, "Keiner liebt mich" von Doris Dörrie, "Knockin’ on Heaven’s Door" von Thomas Jahn. Andererseits kamen auch anspruchsvolle Filme heraus: "Der Totmacher", "Jenseits der Stille". Joseph Vismaier drehte 3 historische Filme von hohem Niveau. Neue und vielversprechende Titel sind “Winterschläfer” und “Lola rennt” von Tom Twyker, und “Der Stille nach dem Schuss” von Volker Schlöndorff. 1999 trat ein neues Filmförderungsgesetz in Kraft, um die Wettbewerbschancen deutscher Filme zu verbessern.
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