Athen, die Wiege der Demokratie und eine Stadt von unvergleichlicher historischer Bedeutung, zieht seit Jahrtausenden Menschen in ihren Bann. Doch haben Sie sich je gefragt, wie diese berühmte Metropole zu ihrem Namen kam? Die Antwort liegt tief verwurzelt in der antiken griechischen Mythologie, einem epischen Wettstreit zwischen zwei mächtigen Göttern und einer Entscheidung, die das Schicksal einer ganzen Stadt besiegelte.

Die Geschichte, die den Namen Athens erklärt, ist eine der bekanntesten Legenden über die Gründung oder Benennung einer Stadt. Sie erzählt vom Konflikt zwischen der Göttin Athena, der Göttin der Weisheit, des Kampfes und der Handwerkskunst, und dem Gott Poseidon, dem Herrscher der Meere, Erdbeben und Pferde. Beide beanspruchten das Patronat über die aufstrebende Stadt auf dem Burgberg, der später als Akropolis bekannt werden sollte. Um den Streit beizulegen, beschlossen die anderen Götter des Olymps, dass jeder der beiden Kontrahenten der Stadt ein Geschenk machen sollte. Das nützlichere Geschenk würde den Sieger bestimmen und damit den Namensgeber der Stadt.
Poseidon, der mächtige Gott des Meeres, schlug mit seinem Dreizack auf den Felsen der Akropolis. Sofort entsprang dem Felsen eine Quelle. Dieses Geschenk war zweifellos beeindruckend, da Wasser für eine Siedlung lebensnotwendig ist. Doch die Freude währte nicht lange, denn das Wasser der Quelle war salzig und somit für die Bewohner unbrauchbar. In einigen Versionen des Mythos bot Poseidon auch das Pferd an, ein Tier von großer Bedeutung für Krieg und Transport.
Als Nächstes war Athena an der Reihe. Sie pflanzte etwas in die Erde, das zu einem Baum heranwuchs – dem ersten Olivenbaum. Dieser Baum war nicht nur schön anzusehen, sondern bot auch vielfältigen Nutzen: Nahrung (die Oliven), Öl für Licht, Kochen und Salbung sowie Holz zum Bauen. Die weisen Bürger der Stadt, oder in manchen Erzählungen ein Rat der Götter, wogen die Gaben ab. Sie erkannten den überlegenen Wert des Olivenbaums im Vergleich zum salzigen Wasser oder dem Pferd für eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinschaft. Folglich wurde Athena zur Schutzgöttin der Stadt gewählt, und die Stadt erhielt ihren Namen zu Ehren der Göttin: Ἀθῆναι – Athen. Der heilige Ölbaum auf der Akropolis soll viele Jahre gestanden haben und sogar nach der Zerstörung durch die Perser unter Xerxes wieder ausgeschlagen sein, was als gutes Omen galt.
Die Göttin Athena: Mehr als nur Namensgeberin
Wer war diese Göttin, die einer der berühmtesten Städte der Welt ihren Namen gab? Athena war eine der prominentesten Gottheiten im griechischen Pantheon. Sie wurde als Tochter des Zeus und der Metis geboren, aber nicht auf gewöhnliche Weise. Zeus verschlang die schwangere Metis, da ihm prophezeit wurde, dass ihr Sohn ihn stürzen würde. Später litt Zeus unter entsetzlichen Kopfschmerzen. Hephaistos spaltete daraufhin Zeus' Kopf, woraus Athena in voller Rüstung und kampfbereit entsprang. Aufgrund dieser ungewöhnlichen Geburt aus dem Kopf des Zeus wurde sie oft als Verkörperung des Geistes, der Weisheit und der Intelligenz angesehen.
Ihre Zuständigkeitsbereiche waren vielfältig. Sie galt als Göttin der Städte (Poliás), der Weisheit, der Strategie und Taktik im Krieg (Prómachos), aber auch als Schutzherrin der Künste, Wissenschaften und des Handwerks, insbesondere des Spinnens und Webens. Als Hüterin des Wissens unterstützte sie Handwerker aller Art. Sie war eine Palast- und Schutzgöttin der mykenischen Herrscher und wurde nicht nur in Athen, sondern auch in anderen Städten wie dem pamphylischen Side verehrt.

In Homers großen Epen, der Ilias und der Odyssee, spielt Athena eine entscheidende Rolle. Sie steht auf der Seite der Griechen im Trojanischen Krieg und ist die treue Schutzgöttin und Weggefährtin des Odysseus auf seiner langen und gefahrvollen Heimreise.
Athena war auch bekannt für ihren Charakter. Sie war eine jungfräuliche Göttin (Parthénos) und ging niemals eine Liebesbeziehung ein, im Gegensatz zu vielen anderen olympischen Gottheiten. Allerdings konnte sie auch leicht gekränkt sein, wie das Schicksal der Arachne zeigt, die es wagte, Athenas Webkünste herauszufordern und daraufhin in eine Spinne verwandelt wurde. Dennoch war sie den Menschen wohlgesonnen, insbesondere ihrem Freund Prometheus, dem Titanen, dem sie Wissen und Weisheit einhauchte.
Die Ursprünge des Namens Athena: Ein Rätsel
Interessanterweise ist der Name der Göttin selbst, und damit indirekt der Name der Stadt, nicht eindeutig geklärt. Sprachwissenschaftler konnten den Namen Athena bisher nicht auf eine indogermanische Wurzel zurückführen. Dies deutet darauf hin, dass der Name möglicherweise vorgriechisch ist, also aus einer Zeit stammt, bevor griechischsprachige Völker in das Gebiet kamen. Die genaue Bedeutung des Namens bleibt unklar.
Ein wichtiger Hinweis stammt von einem Tontäfelchen mit Linearschrift B aus Knossos auf Kreta, das aus mykenischer Zeit (nach 1500 v. Chr.) stammt. Auf diesem Täfelchen erscheint die Inschrift (a-ta-na-po-ti-ni-ja). Der Wortbestandteil po-ti-ni-ja wird als das altgriechische πότνια (pótnia) identifiziert, was „Herrin, Gebieterin“ oder „Beherrscherin“ bedeutet. Die Interpretation von a-ta-na ist jedoch unsicher. Es könnte sich um ein Theonym (Name einer Gottheit) oder ein Toponym (Name eines Ortes) handeln. Lange Zeit wurde a-ta-na-po-ti-ni-ja als „Herrin Atana“ übersetzt, was darauf hindeutete, dass „Atana“ eine an vielen Orten verehrte Burggöttin war. Eine alternative und faszinierendere Übersetzung ist jedoch „Herrin von Athen“. Dies würde bedeuten, dass die Stadt Athen der ursprüngliche Herkunftsort der Göttin war und sie schon in mykenischer Zeit eng mit dieser spezifischen Siedlung verbunden war. Diese Verbindung würde die spätere Benennung der Stadt nach ihr noch plausibler machen, auch wenn die genaue Herkunft und Bedeutung des Namens Athena ein Stück weit im Dunkeln der Vorgeschichte verbleibt.
Athenas Beinamen und Symbole: Eule und Olivenbaum
Athena hatte viele Beinamen, die verschiedene Aspekte ihrer Persönlichkeit und ihrer Rolle hervorhoben. Neben Παλλὰς (Pallàs), einem Namen, den sie angeblich von ihrer Ziehschwester Pallas übernahm, die sie versehentlich tötete, gab es Παρθένος (Parthénos), „die Jungfrau“, Πρόμαχος (Prómachos), „die Vorauskämpfende“ oder „Verteidigerin“, Πολιάς (Poliás), „die Stadtgöttin“, und Πατροίη (Patroíē), „die Beschützerin“. Auch Αρεία (Areía) als Verteidigerin des Orestes und Ἀθηνᾶ Εργάνη (Athēná Ergánē) sowie Ἀτρυτώνη (Atrytṓnē), „die Unermüdliche, Unüberwindliche“, zählten zu ihren Beinamen.
Einer ihrer bekanntesten Beinamen ist jedoch Γλαυκῶπις (Glaukṓpis), was oft mit „die eulenäugige Athena“ übersetzt wird. Dieses Epitheton ist eng mit einem ihrer wichtigsten Symbole verbunden: der Eule. Die Eule, insbesondere der Steinkauz (dessen wissenschaftlicher Name Athene noctua „nächtliche Athene“ lautet), galt als Athenas heiliger Vogel und als Symbol der Weisheit. Auf den berühmten antiken athenischen Münzen, den Tetradrachmen, war auf der Vorderseite der Kopf der Athena und auf der Rückseite eine Eule mit einem Olivenzweig abgebildet.

Die genaue Bedeutung von γλαυκῶπις ist Gegenstand von Diskussionen. Die gängigste Übersetzung „eulenäugig“ könnte bedeuten, dass Athena wie die Eule scharf und möglicherweise auch im Dunkeln sehen konnte, was ihre Weisheit und ihr strategisches Geschick unterstreichen würde. Eine andere Interpretation leitet sich von der Vorstellung ab, dass Eulen große Augen haben, und große Augen galten in der Antike als Schönheitsideal. Vergleichbar ist hier der Beiname „die Kuhäugige“ für Hera, der ebenfalls auf große Augen verweist und nicht abwertend gemeint ist. Eine dritte Deutung leitet γλαυκῶπις von γλαυκός (glaukós) ab, was „hell, leuchtend, glänzend“ bedeutet. Demnach könnte der Beiname „helläugig“ bedeuten, was ebenfalls als Schönheitsmerkmal galt. Die Tatsache, dass Homer Hera immer „kuhäugig“ und Athena immer „eulenäugig“ nennt, wenn er auf große Augen abzielen würde, stützt eher die Interpretationen „scharfsichtig“ oder „helläugig“.
Die enge Verbindung zwischen Athena, der Eule und der Stadt Athen führte auch zur bekannten Redewendung „Eulen nach Athen tragen“. Da Eulen symbolisch für Athena und die Weisheit standen und auf den athenischen Münzen abgebildet waren, waren sie in Athen im übertragenen Sinne bereits reichlich vorhanden. Eulen nach Athen zu tragen, bedeutete also, etwas Überflüssiges zu tun, etwas an einen Ort zu bringen, wo es bereits im Überfluss vorhanden ist. Ein Teil der Eulen-Münze findet sich übrigens auch heute noch auf der griechischen 1-Euro-Münze.
Die Akropolis: Hochstadt und Heiligtum
Die Stadt Athen entwickelte sich um einen markanten Burgberg herum, der als Akropolis bekannt ist. Der Name selbst erklärt seine Funktion und Lage. Das Wort stammt aus dem Altgriechischen: ἀκρόπολις (akrópolis) setzt sich zusammen aus ἄκρος (áktos), was „höchster“ oder „oberster“ bedeutet, und πόλις (pólis), „Stadt“. Akropolis bedeutet also wörtlich „Hochstadt“ oder „Oberstadt“. Im ursprünglichen Sinn bezeichnete es den befestigten Burgberg, der zu einer antiken griechischen Stadt gehörte und zumeist auf der höchsten Erhebung nahe der Stadt erbaut wurde. Aus Verteidigungsgründen wählten frühe Siedler Erhöhungen mit steilen Hängen.
Im Laufe der Geschichte entwickelte sich die Akropolis von einer reinen Wehranlage zu einem zentralen Kultplatz mit den wichtigsten Heiligtümern der Stadt. Die bekannteste Akropolis der Welt ist zweifellos die von Athen, die die berühmten Tempel wie den Parthenon beherbergt, der Athena Parthenos geweiht war. Die frühen Siedlungen in den Tälern entwickelten sich zu den Zentren großer Städte, während die Akropolis ihre Funktion als geistiges und zeremonielles Herz beibehielt.
Obwohl der Begriff Akropolis ursprünglich auf den antiken griechischen Kulturraum beschränkt war, wird er heute auch für ähnliche Bauwerke anderer antiker Kulturen verwendet, wie zum Beispiel bei den Etruskern, Kelten oder Maya. Auch das römische Kapitol könnte mit einigem Recht als Akropolis bezeichnet werden, ebenso wie mittelalterliche oder frühneuzeitliche Bergforts oder Kasbahs, wie die Alhambra in Granada.

Häufig gestellte Fragen zur Benennung Athens
Wie entstand der Name Athen?
Der Name Athen entstand der Legende nach aus einem Wettstreit zwischen der Göttin Athena und dem Gott Poseidon um das Patronat der Stadt. Athena gewann, indem sie der Stadt den nützlicheren Olivenbaum schenkte, während Poseidons Geschenk, eine salzige Quelle oder ein Pferd, als weniger wertvoll erachtet wurde. Die Stadt wurde daraufhin nach Athena benannt.
Warum wurde Athen nach Athena benannt?
Athen wurde nach der Göttin Athena benannt, weil sie in einem mythischen Wettstreit als Siegerin hervorging. Sie bot der Stadt den Olivenbaum als Geschenk an, der als nützlicher für die Bewohner angesehen wurde als das Geschenk von Poseidon (eine salzige Quelle oder ein Pferd). Die Bürger wählten Athena zu ihrer Schutzgöttin, und die Stadt erhielt ihren Namen zu ihren Ehren.
Was ist der Ursprung des Wortes Athen?
Der Name der Stadt Athen leitet sich direkt vom Namen der Göttin Athena ab. Der Ursprung des Namens Athena selbst ist jedoch unklar und wird als möglicherweise vorgriechisch angesehen. Es gibt Hinweise auf eine Verbindung zu mykenischen Texten und der Bezeichnung "Atana Potinija", was "Herrin Atana" oder "Herrin von Athen" bedeuten könnte.
Was bedeutet der griechische Name Akropolis?
Der Name Akropolis stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet wörtlich „Hochstadt“ oder „Oberstadt“. Er setzt sich aus den Wörtern ἄκρος (áktos), „höchster, oberster“, und πόλις (pólis), „Stadt“, zusammen. Er bezeichnete ursprünglich den befestigten Burgberg, der zu einer antiken griechischen Stadt gehörte und später zum zentralen Kultplatz wurde.
Die Geschichte des Namens Athen ist somit untrennbar mit dem Mythos der Göttin Athena und ihrem Geschenk, dem Olivenbaum, verbunden. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Mythologie und Geschichte in der antiken Welt miteinander verwoben waren und das kulturelle Erbe einer Stadt bis heute prägen.
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