Haben die Europäer Tomaten nach Amerika gebracht?

Die Reise der Tomate: Ursprung & Geschichte

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Die Tomate (Solanum lycopersicum) ist heute so allgegenwärtig auf unseren Tellern und in unseren Gärten, dass es schwerfällt, sich eine Zeit vorzustellen, in der sie noch wild wuchs. Doch genau das tat sie einst. Allerdings entsprachen die wilden Tomaten keineswegs den saftigen Exemplaren, die wir heute im Supermarkt finden, oder beliebten Züchtungen wie 'Mortgage Lifter' oder 'Big Boy'. Über Jahrhunderte hinweg haben Züchtung und Hybridisierung die Tomate stark verändert. Heute gibt es über 10.000 verschiedene Tomatensorten.

Haben die Europäer Tomaten nach Amerika gebracht?
Vor Hunderten von Jahren, lange bevor die Europäer die Neue Welt betraten, wuchsen Tomaten wild in den Anden im Westen Südamerikas. Die Ureinwohner kultivierten sie und brachten die Pflanze schließlich über Mittelamerika nach Norden und nach Mexiko.

Aber kommen Tomaten wirklich aus Europa? Die Antwort mag viele überraschen. Ihre Geschichte beginnt weit entfernt von den europäischen Küsten.

Der wahre Ursprung in Südamerika

Lange bevor europäische Füße amerikanischen Boden betraten, wuchsen Tomaten wild in den Andenregionen des westlichen Südamerikas. Die indigenen Völker dieser Regionen waren die Ersten, die die Pflanze kultivierten. Durch ihre Wanderungen und ihren Handel verbreiteten sie die Tomate allmählich nach Norden, durch Zentralamerika bis nach Mexiko. Als die Spanier Anfang des 16. Jahrhunderts in Mexiko ankamen, fanden sie dort bereits eine Nutzpflanze vor, die von den Einheimischen in ihrer Sprache als „tomatl“ bezeichnet wurde.

Die Tomate erobert Europa – zunächst als Zierpflanze

Es waren diese frühen spanischen Entdecker, die Tomatensamen von Mexiko nach Spanien brachten. Von dort aus verbreitete sich die Pflanze Mitte des 16. Jahrhunderts nach Italien, wo sie allmählich in die regionale Küche Einzug hielt. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Tomate zwar in ganz Europa kultiviert, doch lange Zeit hauptsächlich als Zierpflanze. Ihr Aussehen, vielleicht die leuchtende Farbe der Früchte, faszinierte die Europäer, aber das Misstrauen gegenüber dem Verzehr war weit verbreitet.

Vergiftungsmythen und kuriose Namen

Auf ihrer Reise durch Europa erhielt die Tomate eine Vielzahl von Namen. Sie war bekannt als „Wolfspfirsich“ oder „Goldapfel“. In Frankreich nannte man sie „Liebesapfel“ (pomme d’amour), da man ihr aphrodisierende Eigenschaften zuschrieb. Gleichzeitig wurde sie von vielen fälschlicherweise für giftig gehalten und deshalb auch als „Giftapfel“ bezeichnet. Dieses Misstrauen hatte einen scheinbaren, aber letztlich falschen Grund.

Es stimmt, dass die Blätter, Stängel und Wurzeln der Tomatenpflanze Solanin enthalten, ein Neurotoxin, und daher nicht gegessen werden sollten. Die Tomate ist botanisch auch mit der hochgiftigen Tollkirsche (Atropa belladonna) verwandt.

Der angebliche Beweis für die Giftigkeit der Tomate basierte jedoch auf einer falschen Annahme. Während es tatsächlich vorkam, dass wohlhabende Europäer nach dem Genuss von Tomaten starben, lag die Ursache nicht in der Frucht selbst, sondern im verwendeten Zinngeschirr. Der hohe Säuregehalt der Tomaten laugte Blei aus dem Zinngeschirr aus. Jene, die reich genug waren, um von solchem Geschirr zu essen, starben an Bleivergiftung nach dem Verzehr von Tomatengerichten. Die Tomate war unschuldig.

Die Rückkehr nach Amerika und der Durchbruch

Anfang des 18. Jahrhunderts kehrte die Tomate mit den europäischen Kolonisten in die Amerikas zurück. Zu dieser Zeit wurde sie in den nördlichen Kolonien immer noch hauptsächlich als Zierpflanze angebaut, während sie in den südlicheren Regionen bereits für ihre Früchte geschätzt wurde. Ihre Beliebtheit wuchs allmählich. Sogar Thomas Jefferson soll Tomaten in seinem Gemüsegarten in Monticello angebaut und die Früchte genossen haben. Doch erst Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich die Tomate in den gesamten Vereinigten Staaten flächendeckend durch.

Heute ist die Tomate eine globale Erfolgsgeschichte. Sie wird weltweit angebaut und ist ein Star der internationalen Küche. Man findet sie in Hobbygärten ebenso wie auf riesigen kommerziellen Farmen. Sie wird roh gegessen, gekocht in unzähligen Gerichten verwendet und zu Produkten verarbeitet, die unsere Supermarktregale füllen. In den USA ist die Tomate sogar das beliebteste selbst angebaute „Gemüse“.

Frucht oder Gemüse? Eine ewige Debatte

Dies führt uns zu einer weiteren häufigen Frage: Ist die Tomate wirklich ein Gemüse? Botanisch gesehen ist die Tomate eine Frucht – genauer gesagt eine Beere. Sie entwickelt sich aus dem Fruchtknoten einer Blüte und enthält Samen. Doch aufgrund ihres vergleichsweise geringen Zuckergehalts im Vergleich zu anderen Früchten wird sie in der Küche wie ein Gemüse verwendet und auch von der breiten Öffentlichkeit meist als solches betrachtet.

Interessanterweise gibt es auch eine rechtliche Definition. Im Fall Nix v. Hedden entschied der Oberste Gerichtshof der USA im Jahr 1893, dass Tomaten im Sinne des Zollgesetzes von 1883 als Gemüse zu behandeln seien. Dieses Urteil basierte auf der allgemeinen kulinarischen Verwendung und nicht auf botanischen Kriterien. Es ging schlicht um Zölle auf importiertes Gemüse.

Die eigentliche Frage, die für Gärtner zählt, ist vielleicht weniger, ob es sich um eine Frucht oder ein Gemüse handelt, sondern angesichts der über 10.000 Sorten, welche Tomatensorte man in diesem Jahr in seinem Garten anbauen möchte.

Vergleich: Botanische vs. Kulinarische/Rechtliche Einordnung

KriteriumBotanische DefinitionKulinarische/Rechtliche Definition
KlassifizierungFrucht (Beere)Gemüse
Basis der EinordnungEntwicklung aus dem Fruchtknoten, enthält SamenVerwendung in der Küche (salzige statt süße Speisen), Zuckergehalt
Beispiele (botanische Früchte, kulinarisch oft Gemüse)Tomate, Gurke, Zucchini, Paprika, AubergineTomate, Gurke, Zucchini, Paprika, Aubergine
Rechtliche Basis (USA)Nicht relevant für ZollrechtNix v. Hedden (1893)

Häufig gestellte Fragen zur Tomate

  • Woher stammt die Tomate ursprünglich?
    Die Tomate stammt ursprünglich aus den Anden in Südamerika und wurde von indigenen Völkern nach Norden, bis nach Mexiko, verbreitet.
  • Haben Europäer die Tomate nach Amerika gebracht?
    Nein, die Tomate stammt aus Amerika. Europäer entdeckten sie dort und brachten sie nach Europa. Später brachten europäische Kolonisten die Tomate von Europa zurück nach Nordamerika.
  • Warum dachte man früher, Tomaten seien giftig?
    Man dachte fälschlicherweise, sie seien giftig, weil einige wohlhabende Europäer nach dem Verzehr starben. Dies lag jedoch an Bleivergiftungen durch die Säure der Tomaten, die Blei aus dem damals verwendeten Zinngeschirr löste. Die Tomatenpflanze selbst enthält Solanin in Blättern und Stängeln, aber die reife Frucht ist sicher.
  • Ist die Tomate eine Frucht oder ein Gemüse?
    Botanisch ist die Tomate eine Frucht (eine Beere). Kulinarisch und rechtlich (in den USA) wird sie jedoch als Gemüse verwendet und eingestuft, hauptsächlich aufgrund ihrer Verwendung in herzhaften Gerichten und ihres Zuckergehalts.
  • Wie viele Tomatensorten gibt es heute?
    Heute gibt es über 10.000 bekannte Tomatensorten weltweit.

Die Geschichte der Tomate ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie eine Pflanze von ihrem wilden Ursprung über kulturelle Missverständnisse und lange Reisen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der globalen Ernährung wurde. Von den Hochebenen der Anden bis in unsere Küchen hat die Tomate eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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