Der syrische Bürgerkrieg, der das Land seit 2011 verwüstete, erreichte im Jahr 2015 einen entscheidenden Wendepunkt. Das Regime von Bashar al-Assad schien zunehmend unter Druck zu geraten und kontrollierte zu Beginn der russischen Intervention nur etwa ein Viertel des syrischen Territoriums. In dieser kritischen Phase entschied sich Russland für einen direkten militärischen Eingriff, der das Kräfteverhältnis am Boden und in der Luft maßgeblich verändern sollte. Die Intervention begann im September 2015 und wurde von Moskau als notwendiger Schritt zur Bekämpfung terroristischer Organisationen wie dem Islamischen Staat (ISIL) dargestellt. Westliche Regierungen und Oppositionsgruppen sahen darin jedoch primär die Stützung des Assad-Regimes und kritisierten die russischen Operationen scharf.

Die Entscheidung Russlands zum Eingreifen basierte auf mehreren strategischen Überlegungen. Ein wesentlicher Treiber war die Verhinderung potenzieller Gaslieferungen nach Europa und in die Türkei, die mit russischen Exporten konkurrieren würden. General Leonid Iwaschow erklärte 2016, dass das russische Engagement im Konflikt es ermöglichen würde, geplante Pipelines zwischen dem Nahen Osten und Europa zu blockieren und so die Dominanz von Gazprom zu sichern. Auch die russische Journalistin Irina Alksnis rechtfertigte die Intervention später unter anderem mit der „Zerstörung westlicher Pläne für antirussische Spiele im Energiesektor“.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war das Bestreben, die politische und diplomatische Isolation zu durchbrechen, die der Westen nach der Annexion der Krim und der Rolle Russlands in der Ukraine über Präsident Putin verhängt hatte. Analysten argumentierten, dass der militärische Aufbau in Syrien dazu dienen sollte, Russlands globale Bedeutung wieder zu unterstreichen und die internationale Gemeinschaft zu zwingen, Moskau als unverzichtbaren Akteur im Nahen Osten anzuerkennen.
Der militärische Aufbau im Jahr 2015
Bereits im August 2015 begann Russland mit der Verlegung von Kampfflugzeugen, T-90-Panzern und Artillerie sowie Kampftruppen zu einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe der Hafenstadt Latakia in Syrien. Am 26. August 2015 wurde ein Abkommen zwischen Russland und Syrien unterzeichnet, das Russland die kostenlose und zeitlich unbegrenzte Nutzung des syrischen Flughafens Hmeimim gestattete. Dieser Vertrag, der im Oktober 2016 vom russischen Parlament ratifiziert wurde, gewährt russischem Personal und deren Familienmitgliedern diplomatische Immunität und andere Privilegien gemäß der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen.
Im September 2015 erreichten russische Kriegsschiffe der Schwarzmeerflotte das östliche Mittelmeer, was die russische militärische Präsenz in der Region weiter verstärkte und die Fähigkeit Moskaus unterstrich, Operationen aus verschiedenen Richtungen zu unterstützen.
Erste Luftangriffe und umstrittene Ziele
Die ersten russischen Luftangriffe fanden am 30. September 2015 in Gebieten um die Städte Homs und Hama statt. Obwohl russische Beamte fälschlicherweise behaupteten, die Angriffe richteten sich ausschließlich gegen ISIL-Basen, lagen die bombardierten Orte in Provinzen, die von Oppositionsmilizen kontrolliert wurden, die gegen den ISIL kämpften. Syrische zivilgesellschaftliche Aktivisten berichteten, dass keiner der Angriffe gegen den ISIL gerichtet war, sondern ausschließlich zivile Gebiete unter Rebellenkontrolle, wobei 36 Zivilisten, darunter viele Kinder, getötet wurden.
Die ersten Luftangriffe zielten auf Stellungen tschetschenischer Kämpfer, der Jaysh al-Islam (Armee des Islam) der Islamischen Front und der Freien Syrischen Armee (FSA). US-Außenminister John Kerry verurteilte das gezielte Vorgehen gegen Oppositionsgebiete während einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates. Verteidigungsminister Ash Carter bezeichnete die russischen Angriffe auf von der Opposition gehaltene Gebiete als „zum Scheitern verurteilt“.
Am 1. Oktober wurden laut einem Medienbericht auch die von Saudi-Arabien und der Türkei unterstützte Armee der Eroberung (Jaysh al-Fath) in der Nähe von Jisr ash-Shughour bombardiert. Gleichzeitig gab es Berichte über Angriffe auf den Flugplatz Tabqa, der unter der Kontrolle der Organisation Islamischer Staat in der Region Raqqa stand.
Eskalation und wichtige Ereignisse im Spätjahr 2015
Am Morgen des 7. Oktober 2015 feuerten vier Kriegsschiffe der russischen Kaspischen Flottille 26 Marschflugkörper vom Typ 3M-14T aus dem Kalibr-NK-System ab. Diese trafen laut russischen Angaben 11 Ziele auf syrischem Territorium. Die Raketen flogen über den iranischen und irakischen Luftraum, um ihre Ziele in einer Entfernung von über 1.500 Kilometern zu erreichen. Am selben Tag wurde berichtet, dass syrische Bodentruppen unter russischer Luftunterstützung eine Offensive durchführten. Es gab jedoch auch Berichte, die von Russland und Iran dementiert wurden, wonach vier der Marschflugkörper im Iran abgestürzt seien.
Ab dem 8. Oktober 2015 nahm die Zahl der Luftangriffe signifikant zu, auf über 60 Einsätze pro Tag, ein Tempo, das für die nächsten zwei Tage beibehalten wurde. Das russische Verteidigungsministerium gab am 9. Oktober an, in den letzten 24 Stunden bis zu sechzig ISIL-Ziele getroffen und dabei angeblich 300 Militante getötet zu haben. Ein Angriff auf eine Basis der Liwa al-Haqq im Gouvernement Raqqa soll zwei hochrangige ISIL-Kommandeure und bis zu 200 Militante getötet haben, obwohl Liwa al-Haqq keine Verbindung zum ISIL hatte. Gleichzeitig machte der ISIL im Raum Aleppo Fortschritte und eroberte mehrere Dörfer in einem „Blitzangriff“, der weder durch russische noch durch US-geführte Koalitionsangriffe behindert wurde.
Mitte Oktober 2015 fand eine gemeinsame russisch-syrisch-iranisch-Hisbollah-Offensive gegen Rebellen in Aleppo statt.

Operationen im November 2015
Nach dem Absturz eines russischen Jets über dem Sinai und den Anschlägen in Paris verstärkte Russland seine Luftangriffe. Am 17. November 2015 setzte Russland erstmals Langstreckenbomber vom Typ Tu-160, Tu-95MSM und Tu-22M3 ein, die luftgestützte Marschflugkörper auf angebliche ISIL-Ziele in Raqqa, Deir ez-Zor sowie in den Provinzen Aleppo und Idlib abfeuerten. Präsident Putin ordnete eine weitere Intensivierung der Kampagne an. Zudem wies Putin den Kreuzer Moskwa, der sich seit Beginn der Operationen im östlichen Mittelmeer befand, an, mit der französischen Marinegruppe unter dem Flaggschiff Charles de Gaulle „wie mit einem Verbündeten“ zusammenzuarbeiten.
Ein schwerwiegender Zwischenfall ereignete sich am 24. November 2015, als ein russisches Kampfflugzeug vom Typ Suchoi Su-24 von einer türkischen F-16 abgeschossen wurde. Die Türkei behauptete, das Flugzeug habe ihren Luftraum verletzt und Warnungen ignoriert. Russland bestritt eine Luftraumverletzung. Der Vorfall führte zu erheblichen Spannungen zwischen Russland und der Türkei. Als Reaktion darauf kündigte Russland die Stationierung zusätzlicher Luftabwehrsysteme, darunter S-300 und S-400, in der Region an und begann, seine Bomber mit Jagdflugzeugen zu begleiten.
Ende November 2015 wurden russische Flugzeuge Berichten zufolge auch gegen Ziele in der syrischen Provinz Idlib eingesetzt, darunter die Stadt Ariha, die von der Armee der Eroberung sechs Monate zuvor eingenommen worden war.
Ende 2015 und Anfang 2016
Im Dezember 2015 wurde berichtet, dass Russland die Erweiterung seiner Militäroperationen in Syrien durch die Nutzung des Luftwaffenstützpunkts al-Shayrat in der Nähe von Homs vorbereitete. Am 8. Dezember gab der russische Verteidigungsminister bekannt, dass ein U-Boot der Kilo-Klasse, die Rostow am Don, Marschflugkörper aus dem Mittelmeer auf ISIL-Ziele im Gouvernement Raqqa abgefeuert hatte – der erste solche Angriff von einem russischen U-Boot.
Präsident Putin ordnete am 11. Dezember an, „so hart wie möglich zu handeln“ und jedes Ziel zu zerstören, das eine Bedrohung für die russische Militärgruppierung oder die Bodeninfrastruktur darstelle. Obwohl Putin zunächst andeutete, die Freie Syrische Armee zu unterstützen, stellte der Kreml-Sprecher später klar, dass Russland nur die syrische Regierung mit Waffen versorge. Bis zum 25. Dezember 2015 hatte die russische Luftwaffe laut eigenen Angaben 5.240 Einsätze in Syrien geflogen.
Ende 2015 und Anfang 2016 unterstützten russische Luftangriffe die syrischen Regierungstruppen bei Offensiven, die zur Rückeroberung strategisch wichtiger Gebiete führten, wie der Khanasser–Ithriya Autobahn und der Hauptrebellenhochburgen Al-Hader und Khan Tuman im Süden Aleppos. Anfang 2016 wurde auch die Einnahme der Stadt Rabia in der westlichen Provinz Latakia, die letzte von Rebellen gehaltene größere Stadt in der Region, mit russischer Hilfe erreicht. Die Rolle Russlands im Süden Syriens überraschte regionale Diplomaten und Rebellen, die davon ausgegangen waren, dass Moskau eine Absprache mit Jordanien und Israel getroffen hatte, sich nicht in deren Einflusssphäre auszudehnen.
Trotz russischer Behauptungen, nur terroristische Ziele anzugreifen, gab es weiterhin Berichte über zivile Opfer durch russische Luftangriffe, wie im Januar 2016 in Maarrat al-Nu'man, wo etwa 60 Menschen getötet wurden.
Kritik und Kontroversen
Die russische Militärintervention in Syrien stieß auf starke internationale Verurteilung. Westliche Regierungen und andere Verbündete der USA denunzierten Russland für seine Rolle im Krieg und seine Mitschuld an Kriegsverbrechen des syrischen Regimes. Human Rights Watch und Amnesty International erklärten, dass Russland Kriegsverbrechen begehe und gezielt Zivilisten angreife. Die US-Regierung verurteilte die Intervention und verhängte Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Beamte der Vereinten Nationen verurteilten die russische Intervention und erklärten, Russland begehe Kriegsverbrechen.
Die russischen Behörden wiesen diese Vorwürfe, einschließlich der Anschuldigungen der „Barbarei“, als falsch und politisch motiviert zurück. Diese Haltung führte zu weiterer Verurteilung durch Regierungen, die die Rebellengruppen unterstützten. Die Diskrepanz zwischen russischen Angaben zu den Zielen (ISIL) und Berichten über Angriffe auf Oppositionsgruppen und zivile Gebiete war ein zentraler Punkt der Kritik.
Die russische Intervention im Jahr 2015 stabilisierte das wankende Regime von Bashar al-Assad und veränderte den Verlauf des syrischen Bürgerkriegs maßgeblich. Sie festigte Russlands Position als wichtiger Akteur im Nahen Osten und demonstrierte seine militärischen Fähigkeiten.
Wichtige militärische Operationen Russlands in Syrien im Jahr 2015
| Operation / Ereignis | Datum (ungefähr) | Ort / Region | Hauptziele (laut Text) |
|---|---|---|---|
| Militärischer Aufbau | August/Sept 2015 | Latakia (Flugplatz), Mittelmeer | Etablierung Präsenz |
| Erste Luftangriffe | 30. Sept 2015 | Homs, Hama, Quneitra, Salamiyah | Oppositionelle Milizen (FSA, Islamische Front, etc.) |
| Marschflugkörper-Angriff | 7. Okt 2015 | Syrisches Territorium (von Kaspischem Meer) | 11 Ziele (Russland: ISIL; andere: unklar/Opposition) |
| Intensivierung Luftangriffe | Ab 8. Okt 2015 | Diverse Regionen (Aleppo, Idlib, Raqqa) | Russland: ISIL; andere: Opposition, Zivilisten |
| Einsatz Langstreckenbomber | Ab 17. Nov 2015 | Raqqa, Deir ez-Zor, Aleppo, Idlib | Russland: ISIL |
| Abschuss Su-24 durch Türkei | 24. Nov 2015 | Türkisch-syrische Grenze | - (Zwischenfall) |
| U-Boot-Marschflugkörper | 8. Dez 2015 | Raqqa (von Mittelmeer) | Russland: ISIL |
Häufig gestellte Fragen zur russischen Intervention 2015
- Wann begann die russische Militärintervention in Syrien?
Die offene Militärintervention Russlands begann im September 2015. - Warum griff Russland in Syrien ein?
Die Gründe waren vielfältig, darunter geopolitische Interessen, die Sicherung von Energieexporten (Verhinderung konkurrierender Pipelines) und das Bestreben, die durch die Ukraine-Krise entstandene internationale Isolation zu durchbrechen. - Wer waren die Ziele der russischen Angriffe?
Offiziell gab Russland an, ausschließlich terroristische Ziele wie den ISIL anzugreifen. Berichte aus Syrien und von westlichen Beobachtern deuteten jedoch darauf hin, dass russische Angriffe auch gezielt moderate und islamistische Oppositionsgruppen sowie zivile Gebiete trafen. - Welche militärischen Mittel setzte Russland 2015 ein?
Russland verlegte Kampfflugzeuge, Bomber, Panzer, Artillerie und Bodentruppen nach Syrien. Es setzte auch Kriegsschiffe und U-Boote im Mittelmeer sowie im Kaspischen Meer ein, um Marschflugkörper abzufeuern. - Gab es Kontroversen um die russische Intervention?
Ja, die Intervention war international sehr umstritten. Russland wurde von westlichen Regierungen und Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert und mit Vorwürfen von Kriegsverbrechen konfrontiert, die gezielte Angriffe auf Zivilisten und humanitäre Einrichtungen beinhalteten.
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