Die Stuarts sind eine der faszinierendsten und turbulentesten Dynastien, die die britische Geschichte geprägt haben. Ursprünglich aus Schottland stammend, bestiegen sie im 17. Jahrhundert den englischen Thron und sahen sich mit Herausforderungen konfrontiert, die das Königreich an den Rand des Abgrunds führten. Ihre Herrschaft war geprägt von religiösen Spannungen, politischen Machtkämpfen zwischen Krone und Parlament sowie einem blutigen Bürgerkrieg. Diese Ära, die von Zeitgenossen als eine „auf den Kopf gestellte Welt“ beschrieben wurde, veränderte die britische Monarchie und Gesellschaft nachhaltig.

Ursprünge in Schottland
Die Geschichte der Stuarts beginnt lange vor ihrer Zeit auf dem englischen Thron. Die Familie, ursprünglich Stewart geschrieben (die Schreibweise änderte sich später durch französischen Einfluss zu Stuart), lässt sich bis ins 11. Jahrhundert in der Bretagne zurückverfolgen. Dort dienten sie als Verwalter ('stewards') der Grafen von Dol. Anfang des 12. Jahrhunderts kamen sie nach England und traten in den Dienst des schottischen Königs David I. Das Amt des königlichen Verwalters wurde der Familie erblich übertragen. Im Jahr 1315 heiratete Walter, der 6. Verwalter, Marjory, die Tochter des berühmten schottischen Königs Robert I., genannt Robert the Bruce. Ihr Sohn, Robert Stewart, bestieg 1371 als Robert II. den schottischen Thron und begründete damit die königliche Linie der Stuarts in Schottland.
Die schottischen Stuarts hatten oft ein schwieriges Schicksal; viele Könige starben früh oder bestiegen den Thron als Minderjährige. Die direkte männliche Linie endete 1542 mit dem Tod von Jakob V. Seine Tochter, Maria Stuart (Mary, Queen of Scots), folgte ihm. Trotz ihres tragischen Lebens und ihrer Hinrichtung im Jahr 1587 in England sicherte ihr Sohn, Jakob VI., die Dynastie.
Der Weg zum englischen Thron: Die Personalunion
Der entscheidende Moment für die Stuarts kam 1603. Königin Elisabeth I. von England, das letzte Mitglied des Hauses Tudor, starb kinderlos. Nach den Regeln der Erbfolge war der nächste Anwärter auf den englischen Thron Jakob VI. von Schottland. Er war ein Ururenkel des englischen Königs Heinrich VII. (des ersten Tudors) durch dessen Tochter Margarete Tudor, die einen schottischen König geheiratet hatte. So erbte Jakob VI. von Schottland den englischen Thron und wurde dort zu König Jakob I. Dies war der Beginn der Personalunion zwischen Schottland und England (später auch Wales und Irland) unter einem gemeinsamen Monarchen. Jakob I. vereinte damit die Kronen, behielt aber die separaten Königreiche und Parlamente bei.
Jakob I. war ein Gelehrter und Theologe, aber auch ein König, der fest an das Gottesgnadentum glaubte. Seine Regierungszeit in England war geprägt von anfänglicher Beliebtheit, aber auch von wachsenden Spannungen, insbesondere in religiösen Fragen und in Bezug auf die Finanzen des Staates. Er erbte erhebliche Schulden von Elisabeth I. und stritt sich häufig mit dem Parlament über die Bewilligung von Geldern und seine Ausgaben.
Karl I. und der Englische Bürgerkrieg
Sein Sohn, Karl I., erbte 1625 den Thron und die Konflikte seines Vaters. Karl I. teilte die Überzeugung seines Vaters vom Gottesgnadentum und geriet noch stärker in Konflikt mit dem Parlament, das mehr Mitspracherecht forderte. Genervt von der parlamentarischen Kontrolle, regierte Karl I. von 1629 bis 1640 ohne Parlament, gestützt auf königliche Dekrete. Diese Periode wird als „Elf Jahre Tyrannei“ von seinen Gegnern bezeichnet. Seine Untertanen wurden zunehmend frustriert durch die von ihm erhobenen Steuern und durch die Unterdrückung des Puritanismus durch Erzbischof William Laud. Laud versuchte, die anglikanische Kirche stärker an katholische Praktiken anzugleichen, was viele Puritaner als Bedrohung ihrer Glaubensfreiheit sahen.
Die Spannungen eskalierten, als Karl I. versuchte, seine religiösen Reformen auch in Schottland durchzusetzen. Dies führte zu den sogenannten Bischofskriegen (1639–1640) gegen die Schotten. Nach dem desaströsen Ausgang dieser Kriege war der König gezwungen, das Parlament wieder einzuberufen, um dringend benötigte Gelder zur Finanzierung der Kriege zu erhalten. Das lange Parlament, das 1640 zusammentrat, nutzte die Gelegenheit, um die Macht des Königs einzuschränken. Die Frustration kochte über, als Karl sich weigerte, dem Parlament echte Macht in Staat und Kirche zu gewähren. Beide Seiten bewaffneten sich. Trotz des weit verbreiteten Wunsches nach einem Kompromiss brach im August 1642 der Englische Bürgerkrieg aus.
Die Bürgerkriege waren eine Katastrophe für alle drei Königreiche (England, Schottland, Irland). Sie forderten einen weit höheren Blutzoll im Verhältnis zur Bevölkerung als der Erste Weltkrieg. Viele historische Stätten, wie Burgen, wurden nach Jahrhunderten wieder in den aktiven Dienst gestellt und erlebten epische Belagerungen. Der Konflikt war tief religiös und politisch aufgeladen. Er endete mit der Niederlage der Royalisten, der Verurteilung von Karl I. wegen Hochverrats und seiner Hinrichtung im Januar 1649. England wurde zur Republik, dem Commonwealth, regiert von Oliver Cromwell als Lordprotektor.

Die Restauration und ihre Herausforderungen
Nach dem Tod Cromwells im Jahr 1658 und der Unfähigkeit seines Sohnes, die Stabilität aufrechtzuerhalten, wuchs der Wunsch nach der Wiederherstellung der Monarchie. 1660 kehrte Karl II., der Sohn des hingerichteten Königs, aus dem Exil zurück und bestieg den Thron. Die Restauration brachte die Stuarts zurück an die Macht. Karl II. präsentierte sich als „König-mit-Parlament“, bemüht um Versöhnung und religiöse Toleranz. Seine Regentschaft war jedoch weiterhin von politischen Kämpfen geprägt, insbesondere zwischen den entstehenden politischen Parteien: den Whigs (die die Macht des Parlaments unterstützten) und den Tories (die die Macht des Königs befürworteten).
Obwohl Karl II. versuchte, einen Mittelweg zu finden, war seine Herrschaft von Unruhen und einer aufgeheizten öffentlichen Meinung begleitet. Die Erinnerung an den Bürgerkrieg war frisch, und Misstrauen zwischen Krone und Parlament sowie religiöse Ängste (insbesondere vor dem Katholizismus) blieben bestehen.
Jakob II. und die Glorious Revolution
Auf Karl II. folgte 1685 sein Bruder, Jakob II. Dies war ein Wendepunkt, denn Jakob II. war offen katholisch. Seine Versuche, Katholiken in hohe Ämter zu berufen und religiöse Toleranz für Katholiken durchzusetzen (was von vielen Protestanten als Bedrohung ihrer Vorherrschaft angesehen wurde), entfremdeten ihn schnell von großen Teilen der politischen Elite. Als Jakob II. einen katholischen Sohn bekam, wuchs die Furcht vor einer dauerhaften katholischen Dynastie in England.
Eine Gruppe protestantischer Adliger lud Wilhelm von Oranien ein, den protestantischen Statthalter der Niederlande und Ehemann von Jakobs protestantischer Tochter Maria, nach England zu kommen, um „die Gesetze und die Religion Englands zu retten“. Wilhelm landete 1688 mit einer Armee in England. Jakob II. floh nach Frankreich. Dieses Ereignis ging als Glorious Revolution in die Geschichte ein, da es relativ unblutig zur Absetzung eines Königs führte.
Das Parlament erklärte, dass Jakob II. durch seine Flucht abgedankt habe. Wilhelm und Maria (als Wilhelm III. und Maria II.) wurden zu gemeinsamen Monarchen erklärt, allerdings unter der Bedingung, dass sie die Bill of Rights (1689) akzeptierten. Dieses Dokument schränkte die Macht des Monarchen erheblich ein und stärkte die Rechte des Parlaments. Es legte auch fest, dass kein Katholik den Thron besteigen dürfe.
Das Ende der Stuart-Herrschaft: Das Act of Settlement
Wilhelm III. und Maria II. hatten keine Kinder. Nach Marias Tod 1694 regierte Wilhelm allein bis zu seinem Tod 1702. Ihm folgte Marias protestantische Schwester Anne. Doch auch Anne hatte keine überlebenden Kinder. Die Frage der Thronfolge wurde damit erneut kritisch.
Um eine katholische Thronfolge endgültig zu verhindern und die protestantische Sukzession sicherzustellen, verabschiedete das Parlament 1701 das Act of Settlement (Gesetz zur Thronfolge). Dieses Gesetz legte fest, dass nach Königin Anne und ihren (nicht existenten) Erben die Krone an die nächste protestantische Linie fallen sollte. Diese Linie führte zu Sophie von Hannover, einer Enkelin König Jakobs I. durch seine Tochter Elisabeth. Dieses Gesetz schloss alle katholischen Stuart-Anwärter endgültig vom Thron aus.
Als Königin Anne 1714 starb, ohne überlebende protestantische Erben, trat das Act of Settlement in Kraft. Sophies Sohn bestieg als Georg I. den Thron und begründete damit das Haus Hannover. Dies markierte das Ende der Herrschaft der Stuarts in Großbritannien.

Spätere Stuart-Anwärter, bekannt als die Jakobiten (vom lateinischen Namen für Jakob, Jacobus), versuchten mehrmals, den Thron zurückzugewinnen, insbesondere während der Aufstände von 1715 und 1745, angeführt von James Edward (dem Old Pretender) und seinem Sohn Charles Edward (Bonnie Prince Charlie, dem Young Pretender). Diese Versuche scheiterten jedoch.
Vergleich: Karl I. vs. Karl II.
| Aspekt | Karl I. | Karl II. |
|---|---|---|
| Regierungszeit | 1625–1649 | 1660–1685 |
| Verhältnis zum Parlament | Konfliktgeladen, regierte zeitweise ohne Parlament, führte zum Bürgerkrieg | Versuchte Kooperation („König-mit-Parlament“), aber weiterhin Spannungen, Aufkommen der Parteien Whigs/Tories |
| Religion | Anglikaner, tendierte zu Hochkirche, setzte religiöse Einheit durch (Laud) | Anglikaner, sympathisierte heimlich mit Katholizismus, versuchte religiöse Toleranz |
| Ende der Regentschaft | Hingerichtet nach dem Bürgerkrieg | Starb eines natürlichen Todes |
| Zeitliche Einordnung | Vor dem Interregnum (Commonwealth) | Nach dem Interregnum (Restauration) |
Fragen und Antworten zu den Stuarts
F: Wie kamen die Stuarts auf den englischen Thron?
A: Jakob VI. von Schottland bestieg 1603 als Jakob I. den englischen Thron, nachdem die kinderlose Elisabeth I. von England gestorben war. Jakob war über seine Urgroßmutter Margarete Tudor mit der englischen Königsfamilie verwandt. Dies führte zur Personalunion zwischen Schottland und England.
F: Warum gab es einen Bürgerkrieg während der Stuart-Herrschaft?
A: Der Konflikt zwischen König Karl I. und dem Parlament über Macht, Finanzen und religiöse Fragen eskalierte. Karl I. regierte zeitweise ohne Parlament und erhob unpopuläre Steuern. Religiöse Spannungen und die Versuche des Königs, seine Autorität durchzusetzen, führten 1642 zum Ausbruch des Englischen Bürgerkriegs.
F: Was war die Glorious Revolution?
A: Die Glorious Revolution von 1688 war die weitgehend unblutige Absetzung des katholischen Königs Jakob II. und seine Ersetzung durch seinen protestantischen Neffen und Schwiegersohn Wilhelm von Oranien und dessen Frau Maria (Jakobs Tochter). Dies geschah aus Angst vor einer katholischen Dynastie und stärkte die Macht des Parlaments durch die Bill of Rights.
F: Warum wurden die Stuarts vom Haus Hannover abgelöst?
A: Das entscheidende Gesetz war das Act of Settlement von 1701, das Katholiken von der Thronfolge ausschloss. Königin Anne, die letzte Stuart-Monarchin, hatte keine überlebenden protestantischen Kinder. Nach ihrem Tod 1714 fiel die Krone gemäß dem Gesetz an die nächste protestantische Erbin, Sophie von Hannover (eine Enkelin Jakobs I.), bzw. an deren Sohn Georg, der als Georg I. den Thron bestieg.
F: Wer war der letzte männliche Stuart-Anwärter der Hauptlinie?
A: Die letzten männlichen Stuart-Anwärter der direkten königlichen Linie waren die Söhne von Jakob II.: James Edward Stuart (der Old Pretender) und dessen Söhne Charles Edward Stuart (der Young Pretender, bekannt als Bonnie Prince Charlie) und Henry Benedict Stuart (ein Kardinal). Mit dem Tod von Kardinal Henry 1807 erlosch die direkte männliche Linie.
Vermächtnis einer Ära
Obwohl die Stuarts schließlich vom Thron verdrängt wurden, hinterließen sie ein tiefes Erbe. Ihre turbulenten Regentschaften, insbesondere der Konflikt zwischen König und Parlament, formten die konstitutionelle Monarchie in Großbritannien maßgeblich. Die Bill of Rights und das Act of Settlement legten Grundsteine für die parlamentarische Souveränität und die protestantische Thronfolge, die bis heute gelten. Die Ära der Stuarts war eine Zeit des Umbruchs, der religiösen Leidenschaften und des Ringens um die politische Zukunft des Landes – eine Zeit, die Großbritannien für immer veränderte und deren Echo in der historischen Erinnerung bis heute nachklingt.
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