Napoleon Bonaparte, eine der prägendsten Figuren der Weltgeschichte, fand sein Ende weit entfernt von den Schlachtfeldern Europas, auf einer kleinen, isolierten Insel im Südatlantik: St. Helena. Nach seiner Niederlage wurde er von der britischen Regierung an diesen entlegenen Ort verbannt, wo er seine letzten Jahre verbrachte und starb. Die Geschichte seines Exils und seines Grabes auf dieser Insel ist ein faszinierendes Kapitel, das die Umstände seiner Gefangenschaft, das Leben auf dem abgelegenen Eiland und die spätere Überführung seines Leichnams beleuchtet.

Warum wurde Napoleon auf St. Helena verbannt?
Die Wahl der Insel St. Helena als Verbannungsort für den gestürzten Kaiser war kein Zufall. Die britische Regierung suchte einen Ort, der so abgelegen war, dass jegliche Fluchtversuche oder politische Intrigen von vornherein unmöglich wären. Lord Liverpool, der damalige britische Premierminister, soll St. Helena als den idealen Ort bezeichnet haben, um eine solche Persönlichkeit wegzusperren. Er glaubte, dass Napoleon an einem so weit entfernten Ort, fernab von Europa, schnell vergessen werden würde. Diese Einschätzung erwies sich jedoch als falsch. Paradoxerweise wurde die Legende um Napoleon gerade auf St. Helena, dem Ort seines Todes, weiter genährt und verfestigt.
Die Insel ist tatsächlich extrem isoliert, mitten im Südatlantik gelegen, Tausende Kilometer von den nächsten Kontinenten entfernt. Dies machte sie zum perfekten Gefängnis für den Mann, der einst einen Großteil Europas beherrschte. Die britische Kontrolle über die Seewege stellte sicher, dass niemand die Insel unbemerkt erreichen konnte.
Ankunft und erste Unterkünfte auf der Insel
Napoleon traf am 17. Oktober 1815 an Bord der HMS Northumberland auf St. Helena ein. Seine erste Nacht auf der Insel verbrachte er in einem kleinen Gasthof, der heute nicht mehr existiert. Am folgenden Tag wurde er nach Longwood House gebracht, dem Haus, in dem er während seiner Gefangenschaft leben sollte. Zu dieser Zeit war Longwood House jedoch nur ein kleineres Anwesen auf einem trockenen Plateau. Die Briten planten, das Haus und die umliegenden Gebäude zu erweitern und umzugestalten, um den Kaiser und seine Begleiter angemessen unterzubringen.
Während diese Umbauarbeiten liefen, ließ sich Napoleon vorübergehend im grünen Tal von Briars nieder. Dort wohnte er in einem kleineren Haus neben der Kolonialresidenz von William Balcombe. Dieser Aufenthalt in Briars bot ihm möglicherweise eine angenehmere Umgebung als das karge Plateau von Longwood, zumindest in der Anfangszeit.
Das Leben im Exil in Longwood House
Im Dezember 1815 zog Napoleon endgültig in Longwood House ein, wo er den Rest seiner Tage verbrachte. Sein Leben dort war geprägt von Monotonie, obwohl er von einer kleinen Gruppe treuer Begleiter umgeben war. Zu ihnen gehörten Baron Gourgaud, General Montholon, General Bertrand (mit ihren Ehefrauen), Graf de Las Cases, der irische Chirurg O'Meara sowie einige Bedienstete.

Napoleons Tagesablauf teilte sich zwischen Arbeitssitzungen, Besprechungen und Spaziergängen auf. Jeder seiner Schritte stand jedoch unter der ständigen Aufsicht eines britischen Offiziers. Trotz der strengen Überwachung gab es Momente, in denen er Einfluss nehmen konnte. So wurde er 1819 von O'Meara ermutigt, sich mehr zu bewegen, und ließ daraufhin den Garten neu gestalten. Diese Neugestaltung verlieh dem Anwesen das schöne Aussehen, das es heute noch hat.
Das Leben in Longwood war isoliert und entbehrungsreich, weit entfernt vom Glanz und der Macht, die Napoleon einst gewohnt war. Die Spannungen mit dem britischen Gouverneur, Hudson Lowe, verschärften die Situation zusätzlich.
Napoleons Tod und erste Beisetzung auf St. Helena
Napoleon Bonaparte starb am 5. Mai 1821 in Longwood House. In seinem Testament hatte er den Wunsch geäußert, am Ufer der Seine in Frankreich begraben zu werden. Doch der britische Gouverneur, Hudson Lowe, bestand darauf, dass er auf St. Helena beigesetzt werden müsse. Als Begräbnisort wurde das Tal der Weiden gewählt, das heute als Sane Valley oder Tal des Grabmals bekannt ist.
Die Beisetzung fand am 9. Mai 1821 in der Nähe einer Quelle im damaligen Geraniental statt. Dieser Ort wird seither Tal des Grabmals genannt und gilt heute als eine der sieben Sehenswürdigkeiten von St. Helena.
Streit um die Grabinschrift
Nach Napoleons Tod entstand ein Streit über die Inschrift auf seinem Grabstein. Gouverneur Hudson Lowe wollte, dass die Inschrift schlicht „Napoleon Bonaparte“ lautet. Napoleons Freunde und Begleiter, darunter Montholon und Bertrand, bestanden jedoch auf dem kaiserlichen Titel „Napoleon“. Nach damaliger Konvention wurden Könige und Kaiser oft nur mit ihrem Vornamen bezeichnet, was den imperialen Status unterstreichen sollte.
Da keine Einigung erzielt werden konnte, wurde das Grabmal schließlich namenlos gelassen. Der große, weiße Grabstein trägt bis heute keine Inschrift, ein stummes Zeugnis des letzten Konflikts um Napoleons Status.

Die Überführung des Leichnams nach Frankreich
Obwohl Napoleon auf St. Helena begraben wurde, sollte dies nicht seine letzte Ruhestätte bleiben. Im Jahr 1840, fast zwanzig Jahre nach seinem Tod, wurde sein Leichnam auf Initiative von König Louis-Philippe I. nach Frankreich überführt. Prinz de Joinville, der Sohn des Königs, wurde mit dieser Mission betraut.
Der Sarg mit Napoleons sterblichen Überresten wurde auf die französische Fregatte „Belle-Poule“ geladen, die für diesen Anlass schwarz gestrichen worden war. Die Überführung nach Frankreich war ein nationales Ereignis und symbolisierte die Rückkehr des Kaisers ins Herz seines Reiches. Sein Leichnam wurde feierlich nach Paris gebracht und in L’Hôtel des Invalides, einer nationalen Gedenkstätte für französische Militärhelden, wiederbestattet. Dort ruht Napoleon Bonaparte bis heute.
Französische Besitztümer auf St. Helena heute
Auch wenn Napoleons Leichnam nicht mehr auf der Insel ist, bleiben die Orte seines Exils und seiner ersten Beisetzung von großer historischer Bedeutung. Im Jahr 1854 handelte Napoleon III., der Neffe Napoleons I., mit der britischen Regierung den Rückkauf von Longwood House und dem Tal des Grabmals aus. Diese beiden Anwesen wurden 1858 für die Summe von 7.100 Pfund französisches Eigentum.
Verwaltet vom französischen Außenministerium, wurden diese Stätten in ihren Zustand von 1821 zurückversetzt und sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Longwood House beherbergt eine Sammlung von Originalmöbeln, Erinnerungsstücken an den Kaiser und Kunstwerke, die an sein unglaubliches Schicksal erinnern. Die Nebengebäude, in denen Napoleons Begleiter lebten, werden heute vom Honorarkonsul Frankreichs bewohnt, der gleichzeitig Kurator der französischen Besitztümer auf St. Helena ist.
Ein gewundener Fußweg führt Besucher zum Grabmal Napoleons. Das Grab ist von einem Geländer mit Speerspitzen umgeben. Der große, weiße Grabstein ist, wie erwähnt, namenlos. Mehrere Bäume umgeben die Stätte, darunter zwölf Zypressen, die 1840 zum Gedenken an Napoleons zwölf große Siege gepflanzt wurden.

Der Pavillon des Briars, wo Napoleon kurzzeitig lebte, wurde 1959 von der Urenkelin William Balcombes an Frankreich geschenkt. Er wurde anhand von Erinnerungen der Bediensteten neu dekoriert. Dort wurde auch ein kleines Museum eingerichtet, das sowohl der Insel St. Helena als auch den Briten gewidmet ist, die Zeugen von Napoleons Exil waren.
Das Grabmal heute – Ein Ort des Gedenkens
Obwohl das Grab auf St. Helena leer ist, ist es ein beliebter Anziehungspunkt für Besucher. Viele suchen die Ruhe dieses friedlichen Ortes auf, um über das Leben und Schicksal Napoleons nachzudenken. Es ist ein Ort der Kontemplation, der die Isolation und das Ende einer Ära eindrucksvoll widerspiegelt.
Jedes Jahr am 5. Mai, dem Jahrestag von Napoleons Tod, findet am Grabmal eine Gedenkfeier statt. Diese Zeremonie, oft „Moment de Memoire“ genannt, versammelt Vertreter der französischen Regierung, der Inselverwaltung von St. Helena, der Fondation Napoleon und lokale Bürger, darunter Schüler. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Erinnerung an Napoleon auf St. Helena lebendig geblieben ist, entgegen den Hoffnungen der britischen Regierung vor 200 Jahren.
Wem gehört die Insel St. Helena?
Die Insel St. Helena ist Teil des britischen Überseegebiets St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha. Es handelt sich um ein Britische Überseegebiet. Die Bevölkerung der Insel St. Helena selbst beträgt laut Stand 2016 etwa 4500 Menschen. Die meisten Einwohner sind britischer Herkunft, es gibt aber auch Minderheiten, deren Vorfahren unter anderem aus China und Madagaskar stammten. Eine indigene Bevölkerung gab es auf der Insel nie.
Häufig gestellte Fragen
- Warum wurde Napoleon auf St. Helena verbannt?
Er wurde auf die entlegene Insel St. Helena verbannt, weil sie von der britischen Regierung als idealer Ort angesehen wurde, um ihn sicher gefangen zu halten, jegliche Flucht oder politische Aktivitäten zu verhindern und ihn in Vergessenheit geraten zu lassen. - Wo verbrachte Napoleon sein Exil auf St. Helena?
Zuerst kurz in einem Gasthof und dann vorübergehend im Pavillon des Briars. Den größten Teil seines Exils verbrachte er jedoch in Longwood House. - Wer begleitete Napoleon ins Exil?
Eine kleine Gruppe treuer Gefolgsleute, darunter Generäle (Montholon, Bertrand), ein Baron (Gourgaud), ein Graf (de Las Cases), sein Chirurg (O'Meara) und Bedienstete. - Wann starb Napoleon und wo wurde er zuerst begraben?
Napoleon starb am 5. Mai 1821 auf St. Helena. Er wurde am 9. Mai 1821 im Tal der Weiden (heute Tal des Grabmals) auf St. Helena beigesetzt, entgegen seinem Wunsch, an der Seine begraben zu werden. - Warum war Napoleons Grab auf St. Helena namenlos?
Es gab einen Streit zwischen dem britischen Gouverneur (wollte „Napoleon Bonaparte“) und Napoleons Freunden (wollten den kaiserlichen Titel „Napoleon“) über die Inschrift. Da keine Einigung erzielt wurde, blieb der Grabstein leer. - Wurde Napoleons Leichnam später überführt? Wenn ja, wohin?
Ja, sein Leichnam wurde 1840 nach Frankreich überführt und in L’Hôtel des Invalides in Paris wiederbestattet. - Wem gehört die Insel St. Helena heute?
St. Helena ist ein Britische Überseegebiet. - Können Besucher heute Napoleons Exilorte auf St. Helena besichtigen?
Ja, Longwood House, das Tal des Grabmals und der Pavillon des Briars sind französische Besitztümer auf der Insel und für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die Geschichte von Napoleons Exil auf St. Helena ist ein eindringliches Beispiel für das Ende einer beispiellosen Karriere. Die Insel, einst als Ort des Vergessens gewählt, wurde zu einem integralen Bestandteil seiner Legende und zieht bis heute Besucher an, die die Stätten seines letzten Wirkens und seiner ersten Ruhestätte sehen möchten.
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