Die Welt von Karl May, insbesondere die durch die berühmten Filme der 1960er Jahre zum Leben erweckten Geschichten, ist reich an unvergesslichen Charakteren. Neben den heroischen Figuren wie Winnetou und Old Shatterhand und den schillernden Bösewichten gibt es auch jene, die für den komödiantischen Einschlag sorgen und eine Brücke zwischen der Zivilisation und der rauen Prärie schlagen. Eine solche Figur, die dem Publikum besonders in Erinnerung geblieben ist, ist der stets etwas glücklose britische Reporter und Fotograf Agnus Tuff-Tuff aus dem ersten Winnetou-Film.

Wer ist Agnus Tuff-Tuff?
Agnus Tuff-Tuff ist ein fiktiver Charakter, der exklusiv im Film „Winnetou I“ von 1963 auftritt. Dargestellt wird er vom bekannten britischen Entertainer und Schauspieler Chris Howland, der sich in der deutschen Fassung auch selbst synchronisierte, was der Figur eine zusätzliche, unverwechselbare Note verlieh. Tuff-Tuff stammt aus Oxford, Großbritannien, und arbeitet als Journalist und Fotograf für die renommierte „Oxford Times“. Seine Mission führt ihn in den amerikanischen Westen, eine Umgebung, die so gar nicht zu seinem eher behüteten britischen Hintergrund passen will.
Seine Mission im Wilden Westen: Indianerbilder für die "Oxford Times"
Das Hauptziel von Agnus Tuff-Tuff im Wilden Westen ist es, authentische Indianerbilder für seine Zeitung zu schießen. In einer Zeit, in der die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte und das Bild des amerikanischen Ureinwohners in Europa oft von Klischees geprägt war, sah die „Oxford Times“ offenbar eine Chance, mit exklusiven Aufnahmen zu glänzen. Doch Agnus Tuff-Tuff muss schnell feststellen, dass die Realität des Westens nicht mit seinen Vorstellungen übereinstimmt.
Sein Pech scheint ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Jedes Mal, wenn er auf Indianer trifft, befinden diese sich gerade auf der Flucht. Sei es nach einem misslungenen Überfall oder auf der Hast vor Verfolgern. Sie jagen im vollen Galopp an ihm vorbei, viel zu schnell und zu aufgewühlt, um sich für ein gestelltes Foto in Pose zu werfen. Agnus Tuff-Tuff ruft ihnen in seiner britischen Art hinterher und wundert sich, warum sie offenbar etwas gegen seinen Arbeitgeber, die „Oxford Times“, haben müssen.
Abenteuer, Missgeschicke und der Regenschirm als Fallschirm
Agnus Tuff-Tuff kommt um das Jahr 1863 in die Vereinigten Staaten. Sein erster Versuch, die fliehenden Kiowas nach ihrem Angriff auf den Eisenbahntreck abzulichten, scheitert kläglich an deren Geschwindigkeit. Später verschlägt es ihn nach Roswell. Schon seine Ankunft dort ist kurios: Er reitet unter einem aufgespannten Regenschirm in den Ort. Dem verwunderten Wirt Hicks erklärt er, dass sein Kamerastativ ihn beim Absteigen behindere, weshalb er den Schirm quasi als Fallschirm benutze. Eine Erklärung, die nur in der Welt von Agnus Tuff-Tuff Sinn ergibt und seine exzentrische Natur unterstreicht.
Im Saloon von Roswell nimmt Tuff-Tuff ein Zimmer. Als er den Gastraum betritt, wird er sofort in das raue Leben des Wilden Westens hineingezogen. Er versucht, höflich an einem Spieltisch Platz zu nehmen, stellt sich mit vollem Namen vor, nur um dann auf dem Schoß eines anderen Gastes zu landen. Sein Versuch, an der Theke Unterschlupf zu finden, wird von Harveys, einem Handlanger von Frederick Santer, rüde unterbunden. Tuff-Tuff stolpert und landet direkt auf dem Schoß der Barsängerin Belle, die er daraufhin galant zum nächsten Tanz auffordert.

Frederick Santer, der gefährliche Antagonist des Films, kehrt in den Saloon zurück und gerät sofort mit Tuff-Tuff aneinander. Er packt den Briten am Kragen und zieht ihn von Belle weg. Santers Vorstellung eines Tanzes besteht darin, Kugeln vor Tuff-Tuffs Füße zu schießen, was den Fotografen zu panischen Sprüngen zwingt, bis er schließlich die Treppe hinauflüchtet. Dabei droht er Santer noch an, dessen unmögliches Verhalten der Presse zu melden – eine leere Drohung im Angesicht der Brutalität Santers, aber typisch für Tuff-Tuffs Weltfremdheit. Er ist für Großbritannien erledigt, wenn er so weitermacht, meint Tuff-Tuff.
Aus seinem Zimmer hört Tuff-Tuff später eine handfeste Schlägerei zwischen Old Shatterhand und Santers Bande mit. Gerettet wird Old Shatterhand schließlich von Sam Hawkens und seinen Gefährten. Sam zwingt die Banditen in eine unbequeme Haltung an der Wand. Agnus Tuff-Tuff kommt aus seinem Zimmer, sieht die Szene und wittert die perfekte Fotogelegenheit. Er will die Situation mit seinem Magnesiumblitz festhalten. Doch der helle Blitz und das Zischen lassen die Banditen an einen Schuss glauben, woraufhin sie zu Boden fallen und die einmalige Aufnahme zunichte machen. Tuff-Tuff und Belle amüsieren sich, doch der Fotograf zieht sich schnell zurück, um nicht von Santer für den Lärm zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Seine zweite Fototour führt ihn erneut zu fliehenden Kiowas, diesmal auf der Flucht vor den Apachen. Wieder kein Erfolg, wieder sein Unverständnis. Er kehrt nach Roswell zurück, gerade als dort eine Schlacht zwischen Bahnarbeitern und Santers Bande sowie den Apachen tobt. Inmitten des Kugelhagels bemerkt er eine Rauchwolke und fragt einen verschanzten Bahnarbeiter, ob das der Zug nach Indianapolis sei. Der Bahnarbeiter rät ihm dringend, den Kopf einzuziehen, doch der hartnäckige Tuff-Tuff wiederholt seine Frage nach dem Zug. Er erhält als Antwort einen Kinnhaken, der ihn gegen ein Gerüst schleudert und außer Gefecht setzt. So verschläft er buchstäblich den Rest der Kämpfe.
Nachdem er wieder erwacht ist, macht er sich erneut auf in die Prärie. Während einer Pause begegnet ihm ein Postreiter. Tuff-Tuff nutzt die Gelegenheit und gibt ihm eine Depesche für die „Oxford Times“ mit. Darin teilt er mit, dass Indianergruppenbilder uninteressant seien und er stattdessen ein Exklusivfoto von „Häuptling Hustender Büffel“ liefern werde. Der Postreiter ist sichtlich erstaunt, einen Überlebenden des Roswell-Kampfes in dieser gottverlassenen Gegend zu treffen, nimmt die Depesche aber gegen Bezahlung an.
Nachdem der Postreiter weg ist, schreitet Agnus Tuff-Tuff zur Tat. Er verkleidet sich selbst als Indianerhäuptling mit voller Montur und beeindruckender Federhaube, um das versprochene Exklusivfoto zu inszenieren – ein Selbstporträt. Doch auch dieser Versuch endet in einem spektakulären Missgeschick. Er verschätzt sich grandios mit dem Magnesiumpulver. Die darauf folgende, deftige Explosion lässt nicht nur seine Verkleidung in Fetzen fliegen, sondern hinterlässt auch einen sichtlich gerupften und rauchenden Fotografen mitten in der Prärie.

Das Schicksal des komischen Fotografen
Nach dem explosiven Selbstporträt-Versuch tritt Agnus Tuff-Tuff nicht mehr in Erscheinung. Es ist anzunehmen, dass er nach all seinen erfolglosen und gefährlichen Abenteuern im Wilden Westen die Heimreise nach England angetreten hat, möglicherweise mit leeren Fotoplatten, aber sicherlich mit vielen unglaublichen (und leicht übertriebenen) Geschichten für die Redaktion der „Oxford Times“.
Hinter den Kulissen
Interessant ist, dass der Vorname „Agnus“ im Film selbst nicht explizit genannt wird. Er taucht auch nicht im Filmkurier oder Filmbildband auf, sondern erschließt sich aus den Untertiteln. Phonetisch klingt der Name, wie Chris Howland ihn spricht, eher nach „Epheston“, aber die Schreibweise „Agnus“ hat sich etabliert.
Vergleich: Tuff-Tuffs fotografische Versuche und ihre Ergebnisse
Die Karriere von Agnus Tuff-Tuff als Fotograf im Wilden Westen war, gelinde gesagt, wenig erfolgreich. Hier ein Überblick über seine dokumentierten Versuche:
| Fotografisches Ziel | Situation | Ergebnis | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Fliehende Kiowas (1. Versuch) | Indianer auf der Flucht nach Überfall | Kein Foto | Zu schnell, keine Zeit für Aufnahme |
| Banditen an der Wand | Von Sam Hawkens in Schach gehalten | Kein brauchbares Foto | Blitz erschreckt Banditen, Szene zerstört |
| Fliehende Kiowas (2. Versuch) | Indianer auf der Flucht vor Apachen | Kein Foto | Wieder zu schnell, Tuff-Tuff irritiert |
| „Häuptling Hustender Büffel“ (Selbstporträt) | Tuff-Tuff verkleidet sich selbst | Kein brauchbares Foto | Magnesiumblitz explodiert, Szene zerstört |
Wie die Tabelle zeigt, war Agnus Tuff-Tuff ein Meister der verpassten Gelegenheiten und unfreiwilligen Komik. Seine Versuche, die raue Wirklichkeit des Westens mit den Mitteln der damaligen Zivilisation (und seiner eigenen Ungeschicklichkeit) einzufangen, scheiterten grandios.
Häufig gestellte Fragen zu Agnus Tuff-Tuff
War Agnus Tuff-Tuff eine historische Figur?
Nein, Agnus Tuff-Tuff ist eine reine Erfindung für den Film „Winnetou I“. Er stammt nicht aus den Originalromanen von Karl May, sondern wurde von den Drehbuchautoren hinzugefügt, um eine zusätzliche humoristische Ebene und einen Kontrast zu den ernsteren Handlungssträngen zu schaffen.
Trat Agnus Tuff-Tuff auch in anderen Winnetou-Filmen auf?
Laut den uns vorliegenden Informationen trat Agnus Tuff-Tuff ausschließlich im Film „Winnetou I“ auf. Chris Howland, sein Darsteller, wirkte jedoch später bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg mit.

Hat Chris Howland, der Darsteller, auch bei den Karl-May-Spielen mitgewirkt?
Ja, der Schauspieler Chris Howland, der Agnus Tuff-Tuff verkörperte, trat laut den uns vorliegenden Informationen im Jahr 1980 bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg auf. Er spielte dort eine andere Rolle, aber die Verbindung zur Welt der Karl-May-Adaptionen blieb bestehen.
Woher kommt der Name „Tuff-Tuff“?
Der genaue Ursprung des Namens oder Spitznamens „Tuff-Tuff“ wird im Film oder den uns vorliegenden Informationen nicht erklärt. Er könnte lautmalerisch sein oder einfach als humorvoller, einprägsamer Name für die Figur gewählt worden sein.
Was passierte mit Agnus Tuff-Tuff am Ende von Winnetou I?
Nach dem Vorfall mit der explodierenden Magnesiumfackel, bei dem er sich selbst fotografieren wollte, verschwindet Agnus Tuff-Tuff aus der Handlung. Es wird im Film nicht explizit gezeigt, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass er nach all den Strapazen und erfolglosen Versuchen, brauchbare Fotos zu machen, den Wilden Westen verlassen hat und nach Großbritannien zurückgekehrt ist.
Fazit
Agnus Tuff-Tuff mag kein Held im klassischen Sinne sein, doch er ist eine liebenswerte und memorable Figur in „Winnetou I“. Er repräsentiert auf humorvolle Weise den Zusammenprall der Zivilisation mit der Wildnis und die Schwierigkeiten, die moderne Technik und Lebensweise in einer ungezähmten Umgebung haben können. Seine ständigen Misserfolge beim Fotografieren und seine skurrilen Begegnungen mit den Bewohnern des Westens sorgen für viele Lacher und machen ihn zu einem unvergesslichen Teil des Winnetou-Universums, auch wenn er nur in einem einzigen Film auftrat. Chris Howlands Darstellung trug maßgeblich zum Kultstatus dieser komischen Figur bei, die beweist, dass auch im Wilden Westen Platz für britischen Humor und fotografisches Ungeschick war.
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