Das Fotografieren mit Zoomobjektiven bietet eine enorme Flexibilität. Sie erlauben es Ihnen, den Bildausschnitt und damit die Perspektive ganz nach Ihren Vorstellungen zu gestalten. Ob Sie ein weit entferntes Motiv nah heranholen oder möglichst viel von der Umgebung einfangen möchten – das Zoomobjektiv macht es möglich. Doch hinter der einfachen Geste des Zoomens steckt mehr, nämlich das Konzept der Brennweite und wie diese den Bildwinkel bestimmt.

Was ist Brennweite und Bildwinkel?
Wenn Sie mit Ihrer Kamera zoomen, verändern Sie im Grunde den sogenannten Bildwinkel. Ein großer Bildwinkel bedeutet, dass viel von der Szene auf das Foto passt, während ein kleiner Bildwinkel nur einen kleinen Ausschnitt zeigt, aber das Motiv größer erscheinen lässt. In der Fotografie spricht man dabei meist nicht direkt vom Bildwinkel, sondern von der Brennweite. Die Brennweite ist eine optische Eigenschaft des Objektivs und entscheidet darüber, wie groß der Bildwinkel ist und somit, ob ein Objektiv eine Weitwinkel- oder Telewirkung hat.
Stellen Sie sich ein Zoomobjektiv mit einem Brennweitenbereich von 28 bis 85 Millimeter vor. Mit diesem Objektiv können Sie stufenlos verschiedene Bildwinkel einstellen, die typischen Brennweitenklassen entsprechen: von Weitwinkel über Normalbrennweite bis hin zum leichten Tele. Bei einer Kleinbildkamera (Vollformat) deckt dieser Bereich Bildwinkel von etwa 75 bis 28 Grad ab.
Zoomobjektive für Kameras mit Wechselobjektiven
Für Kameras, bei denen Sie die Objektive wechseln können, wie zum Beispiel Spiegelreflexkameras (DSLRs) oder spiegellose Systemkameras, gibt es eine große Vielfalt an Zoomobjektiven. Diese lassen sich grob in verschiedene Kategorien einteilen:
- Weitwinkelzooms: Diese Objektive haben typischerweise sehr kurze Brennweiten, zum Beispiel von 10 bis 20 Millimeter. Sie zeichnen sich durch einen sehr großen Bildwinkel aus und eignen sich hervorragend für Landschaftsaufnahmen, Architektur oder Innenräume, da sie viel Umgebung einfangen. Dramatische Perspektiven mit stark betontem Vordergrund sind hier möglich.
- Telezooms: Im Gegensatz dazu haben Telezooms längere Brennweiten, etwa von 70 bis 200 Millimeter oder sogar noch mehr (z.B. 100-400mm). Sie haben einen kleinen Bildwinkel und holen weit entfernte Motive nah heran. Sie sind die Wahl für Porträts (insbesondere im oberen Bereich des leichten Tele), Sportfotografie und Tierfotografie. Sie können auch die Kulisse hinter dem Motiv optisch verdichten.
- Superzooms oder Reisezooms: Diese Objektive versuchen, die Vorteile von Weitwinkel und Tele in einem einzigen Objektiv zu vereinen. Sie decken einen sehr großen Brennweitenbereich ab, zum Beispiel von 28 bis 200 Millimeter. Das macht sie sehr praktisch für Reisen, da man nicht ständig das Objektiv wechseln muss. Man kann sowohl Landschaften als auch Porträts oder leicht entfernte Motive fotografieren.
Das Zoomen selbst erfolgt bei den meisten dieser Objektive mechanisch durch Drehen oder Schieben eines Rings am Objektiv. Einige wenige Modelle bieten einen sogenannten Power Zoom oder Motorzoom, der ein sehr flüssiges Zoomen ermöglicht, was besonders für Videoaufnahmen nützlich ist.
Nachteile von Zoomobjektiven
Auch wenn Zoomobjektive sehr vielseitig sind, haben sie doch einige Nachteile im Vergleich zu Objektiven mit fester Brennweite, den sogenannten Festbrennweiten:
- Bildqualität: Oft ist die Bildqualität, insbesondere in den Randbereichen oder bei extremen Brennweiten, nicht ganz so hoch wie bei vergleichbaren Festbrennweiten, die auf einen einzigen Bildwinkel optimiert sind.
- Lichtstärke: Zoomobjektive sind häufig weniger lichtstark als Festbrennweiten. Das bedeutet, dass sie bei wenig Licht längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Empfindlichkeiten erfordern, was die Bildqualität beeinträchtigen kann (z.B. durch Rauschen).
- Größe und Gewicht: Besonders Superzooms und Telezooms können recht groß und schwer sein, was sie weniger handlich macht.
Die Rolle der Sensorgröße
Ein ganz entscheidender Faktor, der den tatsächlichen Bildwinkel für eine gegebene Brennweite beeinflusst, ist die Sensorgröße der Kamera. Die oben genannten Brennweitenbereiche und Bildwinkel beziehen sich oft auf das Kleinbildformat (auch Vollformat genannt) mit einer Sensorgröße von etwa 36x24 Millimeter, was historisch bedingt dem 35-Millimeter-Film entspricht.
Viele Digitalkameras verwenden jedoch kleinere Sensoren. Weit verbreitet sind zum Beispiel APS-C-Sensoren, die je nach Hersteller etwa 1,5- oder 1,6-mal kleiner sind als Vollformatsensoren. Kameras mit Micro Four Thirds-Sensoren haben sogar Sensoren, die etwa zweimal kleiner sind.
Warum ist das wichtig? Eine bestimmte Brennweite erzeugt an einem kleineren Sensor einen engeren Bildwinkel als an einem größeren Sensor. Man spricht hier auch vom Crop-Faktor (Crop = Beschnitt), der angibt, um wie viel der Sensor kleiner ist als Vollformat. Multipliziert man die physikalische Brennweite mit dem Crop-Faktor, erhält man die sogenannte Kleinbild-äquivalente Brennweite, die den Bildwinkel simuliert, den man mit dieser Brennweite an einer Vollformatkamera hätte.
Ein Beispiel: Ein 28-Millimeter-Objektiv an einer Vollformatkamera ist ein Weitwinkel (ca. 75 Grad Bildwinkel). Dasselbe 28-Millimeter-Objektiv an einer APS-C-Kamera mit Crop-Faktor 1,6 hat einen Kleinbild-äquivalenten Bildwinkel, der einer Brennweite von 28mm * 1,6 = 44,8mm an Vollformat entspricht. Das ist dann eher eine Normalbrennweite (ca. 47 Grad) als ein Weitwinkel.
Um an einer APS-C-Kamera denselben Weitwinkel-Bildwinkel wie ein 28mm-Objektiv an Vollformat zu erhalten, bräuchten Sie eine Brennweite von etwa 28mm / 1,6 = 17,5mm. Um einen vergleichbaren Bildwinkel wie ein 28-85mm Standardzoom an Vollformat zu haben, bräuchten Sie an APS-C ein Objektiv mit einem Bereich von etwa 17,5mm bis 53mm (85mm / 1,6). Aus diesem Grund sind Objektive für Kameras mit kleineren Sensoren bei gleicher Kleinbild-äquivalenter Brennweite oft kleiner und leichter.
Brennweite-Zoom-Tabelle: Welche Brennweite für was?
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, welche Brennweiten typischerweise für bestimmte Bildwinkel und Einsatzzwecke stehen, unter Berücksichtigung verschiedener Sensorgrößen (Kleinbild/Vollformat, APS-C und Micro Four Thirds). Die angegebenen Brennweiten für APS-C und Micro Four Thirds sind ungefähre Kleinbild-Äquivalente oder die tatsächlichen Brennweiten, die einen vergleichbaren Bildwinkel liefern.
| Brennweitenklasse | Brennweite Kleinbild (KB, Vollformat) | Bildwinkel in Grad (ca. KB) | Brennweite APS-C (ca. Äquivalent KB) | Brennweite (Micro) Four Thirds (ca. Äquivalent KB) | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|---|
| Super-Weitwinkel | 14mm - 20mm | > 90 | ~ 9mm - 13mm | ~ 7mm - 10mm | Landschaft (dramatisch), Architektur (extrem), Innenräume |
| Weitwinkel | 24mm - 35mm | 84 - 63 | ~ 15mm - 23mm | ~ 12mm - 17mm | Landschaft, Reportage, Street Photography, Gruppenporträts |
| Normalbrennweite | 40mm - 58mm | 57 - 41 | ~ 25mm - 35mm | ~ 20mm - 29mm | Sieht dem menschlichen Sehen ähnlich, Allrounder, Porträts, Street Photography |
| Leichtes Tele / Porträt-Tele | 70mm - 105mm | 34 - 23 | ~ 45mm - 70mm | ~ 35mm - 52mm | Porträts (angenehme Perspektive), Details, leicht entfernte Motive |
| Tele | 135mm - 300mm | 18 - 8 | ~ 90mm - 200mm | ~ 68mm - 150mm | Sport, Tierfotografie, Details aus der Ferne, Landschaftsdetails |
| Super-Tele | > 300mm | < 8 | > 200mm | > 150mm | Tierfotografie (scheue Tiere), Sport (weit entfernt), Astrofotografie (teilweise) |
Beachten Sie, dass die Brennweiten für APS-C und Micro Four Thirds in der Tabelle die *tatsächlichen* Brennweiten sind, die einen ähnlichen Bildwinkel wie die Kleinbild-Brennweite erzeugen. Oft wird bei Kameras mit kleineren Sensoren aber auch die Kleinbild-äquivalente Brennweite angegeben, damit man den Bildwinkel besser einschätzen kann.
Zoomen mit Kompaktkameras und Handys
Nicht nur Kameras mit Wechselobjektiven bieten Zoom. Viele Kompaktkameras haben fest eingebaute Zoomobjektive, oft mit sehr großen Brennweitenbereichen (sogenannte Superzoom-Kompakte). Hier kann die Brennweite von einem weiten Weitwinkel (z.B. 24mm KB-äquivalent) bis zu einem sehr starken Tele (z.B. 1440mm KB-äquivalent) reichen. Diese Kameras nutzen oft sehr kleine Sensoren, was trotz des großen Zoombereichs kompakte Objektivgrößen ermöglicht. Allerdings kann die Bildqualität, insbesondere im Telebereich und bei wenig Licht, aufgrund des kleinen Sensors und der komplexen Objektivkonstruktion eingeschränkt sein (weniger Schärfe, mehr Bildrauschen, Verzeichnung).
Moderne Smartphones haben in der Regel keine optischen Zoomobjektive im klassischen Sinne, die stufenlos die Brennweite verändern. Stattdessen verfügen Top-Modelle über mehrere Kameras mit jeweils fester Brennweite, die unterschiedlichen Bildwinkeln entsprechen (z.B. Ultra-Weitwinkel, Weitwinkel als Hauptkamera, Tele). Die Kamera-App schaltet dann zwischen diesen festen Objektiven um. Die „Hauptkamera“ bietet dabei oft die beste Bildqualität, da Sensor und Objektiv hier meist am hochwertigsten sind.
Vorsicht vor Digitalzoom
Sowohl bei Kompaktkameras als auch bei Handys gibt es oft die Möglichkeit des Digitalzoom. Dies ist kein optischer Zoom, der die Brennweite verändert. Stattdessen wird einfach ein kleinerer Bereich des Bildsensors ausgelesen und dieser Ausschnitt digital vergrößert (hochgerechnet). Das Ergebnis ist vergleichbar damit, dass man ein normales Foto am Computer stark beschneidet und dann vergrößert: Die Details werden unscharf und pixelig. Die Bildqualität leidet massiv. Nutzen Sie Digitalzoom nur im Notfall und erwarten Sie keine guten Ergebnisse. Es ist fast immer besser, das Bild später am Computer zuzuschneiden, da Sie dort mehr Kontrolle über den Prozess haben.
Was, wenn die Tele-Brennweite nicht reicht?
Sie möchten ein weit entferntes Tier fotografieren, aber Ihr Teleobjektiv holt es nicht nah genug heran? Bevor Sie über eine teure Neuanschaffung nachdenken, versuchen Sie es mit Zuschneiden (Cropping) in der Bildbearbeitung. Indem Sie die Ränder des Fotos wegschneiden, vergrößern Sie den mittleren Bildbereich optisch. Das ist im Grunde dasselbe, was der Digitalzoom macht, aber Sie haben die volle Kontrolle über den Ausschnitt und die Qualität. Moderne Kameras haben so viele Megapixel, dass auch nach einem deutlichen Zuschnitt oft noch genügend Pixel für einen guten Druck übrig bleiben. Für extreme Weitwinkelaufnahmen gibt es diesen Trick allerdings nicht – um sehr viel Umgebung einzufangen, brauchen Sie tatsächlich ein Objektiv mit kurzer Brennweite.
Welche Brennweite wurde verwendet? Exif-Daten helfen
Möchten Sie wissen, mit welcher Brennweite ein bestimmtes digitales Foto aufgenommen wurde? Die meisten Digitalkameras speichern diese Information automatisch in den sogenannten Exif-Daten (Metadaten) der Bilddatei. Diese Daten können mit vielen Bildbearbeitungsprogrammen oder sogar Bordmitteln des Betriebssystems ausgelesen werden.
So finden Sie die Brennweite oft:
- Unter Windows: Rechtsklick auf die Bilddatei im Datei-Explorer, dann 'Eigenschaften' -> 'Details'. Dort finden Sie unter den Kamera-Informationen die 'Brennweite' (oft wird hier schon das Kleinbild-Äquivalent angezeigt).
- In Bildprogrammen: Programme wie Adobe Photoshop, Lightroom, Photoshop Elements oder auch kostenlose Alternativen wie XnView MP bieten oft ein Informationsfenster oder eine Metadaten-Ansicht, in der alle technischen Daten der Aufnahme, einschließlich der verwendeten Brennweite, angezeigt werden. Suchen Sie nach Menüpunkten wie 'Datei-Informationen', 'Metadaten' oder einem Info-Bedienfeld.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen optischem und digitalem Zoom?
Optischer Zoom verändert die Brennweite des Objektivs und damit den Bildwinkel. Das Motiv wird tatsächlich 'näher' geholt, ohne Qualitätsverlust (abgesehen von den systembedingten Nachteilen von Zooms). Digitalzoom ist nur eine nachträgliche Vergrößerung eines Bildausschnitts durch Software, was immer zu Qualitätsverlust führt.
Ändert die Sensorgröße die Brennweite?
Nein, die physikalische Brennweite des Objektivs bleibt gleich. Die Sensorgröße beeinflusst aber, welcher Teil des Bildkreises des Objektivs genutzt wird und damit den tatsächlichen Bildwinkel. Eine Brennweite von 50mm ist immer 50mm, aber sie wirkt an einem kleineren Sensor wie ein Tele im Vergleich zu einem größeren Sensor (engerer Bildwinkel).
Welche Brennweite ist am vielseitigsten?
Oft wird eine Normalbrennweite (um 50mm an Kleinbild/Vollformat) als vielseitig angesehen, da sie dem menschlichen Sehen am nächsten kommt. Bei Zoomobjektiven sind Standardzooms (z.B. 24-70mm oder 24-105mm an KB) oder Reisezooms (z.B. 28-200mm an KB) sehr vielseitig, da sie viele Situationen abdecken.
Warum sind Festbrennweiten oft besser als Zooms?
Festbrennweiten sind optisch einfacher aufgebaut, da sie nur für einen einzigen Bildwinkel optimiert werden müssen. Dadurch können sie oft eine höhere Schärfe, bessere Lichtstärke und weniger Bildfehler aufweisen als Zoomobjektive.
Fazit
Das Verständnis von Brennweite, Bildwinkel und wie sie durch Sensorgröße und Objektivtyp beeinflusst werden, ist entscheidend, um die gewünschte Bildwirkung zu erzielen. Egal, ob Sie mit einer Kamera mit Wechselobjektiven, einer Kompaktkamera oder einem Smartphone fotografieren, die Wahl der richtigen Brennweite oder des richtigen Bildwinkels für Ihr Motiv ist der Schlüssel zu ausdrucksstarken Fotos. Nutzen Sie das Wissen über Brennweiten, um bewusst zu entscheiden, wie viel oder wie wenig Ihrer Umgebung Sie zeigen möchten und wie nah Sie Ihr Motiv 'heranholen'.
Experimentieren Sie mit verschiedenen Brennweiten, um zu sehen, wie sich die Perspektive und die Darstellung des Raumes verändern. So entwickeln Sie schnell ein Gefühl dafür, welche Brennweite am besten zu Ihrer Bildidee passt.
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