Die AVM FRITZ!Box 7390 ist ein Modell, das in der Geschichte der Heimnetzwerkgeräte in Deutschland eine bedeutende Rolle gespielt hat. Sie war zu ihrer Zeit ein hochmodernes Gerät, das viele Haushalte mit schnellem Internet, vielfältigen Telefoniefunktionen und einem zuverlässigen WLAN-Netzwerk versorgte. Doch was genau konnte die 7390 und welche Bedeutung hat sie heute noch?

Im Jahr 2010 dominierte die FRITZ!Box-Familie den deutschen DSL-Endgerätemarkt mit über 68 % Marktanteil. Die FRITZ!Boxen wurden in der Fachpresse mehrfach für ihre Benutzerfreundlichkeit, Leistungsfähigkeit und ihren Funktionsumfang ausgezeichnet. Die FRITZ!Box 7390 war ein zentrales Modell dieser erfolgreichen Ära und markierte einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der AVM-Router.
Was konnte die FRITZ!Box 7390 alles?
Die FRITZ!Box 7390 war ein Multitalent für das digitale Zuhause und bot eine breite Palette an Funktionen, die weit über die reine Internetverbindung hinausgingen:
Internetverbindung: DSL und VDSL
Als Nachfolgerin vieler reiner DSL-Modelle war die 7390 eine der ersten FRITZ!Boxen, die nicht nur ADSL, sondern auch VDSL unterstützte. Dies ermöglichte deutlich höhere Download- und Upload-Geschwindigkeiten, was sie für Nutzer mit entsprechend ausgebauten Leitungen attraktiv machte. Sie diente als Modem und Router in einem Gerät.

Heimnetzwerk: Gigabit-LAN und WLAN
Für die Vernetzung von Computern, Druckern und anderen Geräten im Heimnetzwerk verfügte die 7390 über mehrere LAN-Anschlüsse. Besonders hervorzuheben ist, dass sie erstmals Gigabit-Netzwerkleitungen unterstützte. Dies war ein großer Fortschritt gegenüber den vorherigen Modellen mit 100-Mbit/s-Ports und ermöglichte schnellen Datentransfer innerhalb des lokalen Netzwerks.
Auch drahtlos war die 7390 gut ausgestattet. Sie unterstützte den WLAN-Standard 802.11n und bot sowohl das 2,4-GHz- als auch das 5-GHz-Band (Dualband-WLAN). Dies sorgte für flexible Verbindungsmöglichkeiten und potenziell höhere WLAN-Geschwindigkeiten als reine 2,4-GHz-Router ihrer Zeit.
Telefonie: IP, ISDN und Analog
Wie die Namensgebung „FRITZ!Box Fon WLAN“ andeutet, war die Telefonie eine Kernfunktion der 7390. Sie integrierte eine vollwertige Telefonanlage, an die sowohl moderne IP-Telefone als auch vorhandene ISDN- und analoge Telefone angeschlossen werden konnten. Dies war besonders praktisch für Haushalte, die von ISDN auf IP-basierte Anschlüsse umstellten und ihre alte Hardware weiterverwenden wollten.
Die 7390 verfügte zudem über eine integrierte DECT-Basisstation. Damit konnten bis zu sechs schnurlose DECT-Telefone (wie die FRITZ!Fons von AVM) direkt an der Box angemeldet werden, ohne eine separate Basisstation zu benötigen. Dies ermöglichte komfortable Funktionen wie interne Gespräche, Anruflisten und die Nutzung von Telefonbüchern über die FRITZ!Box-Oberfläche.
USB-Funktionen: Speicher und Drucker im Netzwerk
Über die vorhandenen USB-Anschlüsse (in der Regel zwei Stück) bot die FRITZ!Box 7390 zusätzliche Funktionen. Sie konnte als einfacher Medienserver (FRITZ!NAS) fungieren, indem man eine externe Festplatte oder einen USB-Stick anschloss und so Dateien im Heimnetzwerk zugänglich machte. Auch die Nutzung eines USB-Druckers als Netzwerkdrucker war möglich.
Betriebssystem: FRITZ!OS
Die Firmware der FRITZ!Boxen basiert auf Linux. Anfang 2012 taufte AVM seine Firmware auf den Namen FRITZ!OS. Obwohl die 7390 ursprünglich mit einer früheren Firmware ausgeliefert wurde, erhielt sie später Updates auf FRITZ!OS-Versionen (bis zu einer bestimmten Version), die ihr neue Funktionen und Verbesserungen brachten. FRITZ!OS war und ist bekannt für seine benutzerfreundliche Weboberfläche und den großen Funktionsumfang, von Kindersicherung über VPN bis hin zu Smarthome-Integration (wenn auch in frühen Versionen noch eingeschränkt).
Wie alt ist die FRITZ!Box 7390?
Die FRITZ!Box Fon WLAN 7390 wurde erstmals auf der CeBIT 2009 von AVM vorgestellt. Damit ist sie, Stand heute (2024), etwa 15 Jahre alt. Sie war ein Nachfolger von Modellen wie der populären 7170 und ihrerzeit das Spitzenmodell für DSL/VDSL-Anschlüsse.

Position in der Modellgeschichte
Die 7390 war die erste AVM FRITZ!Box für den Endkundenmarkt, die VDSL und Gigabit-LAN unterstützte, abgesehen von einigen OEM-Modellen. Sie nutzte einen neuen Chipsatz (Ikanos Fusiv Vx180) im Vergleich zu älteren Modellen. Sie stand in einer Reihe von Innovationen, die AVM in den Markt brachte, bevor neuere Modelle wie die 7490 (mit schnellerem WLAN ac) und später die 7590 (mit VDSL Supervectoring und schnellerem WLAN ac Wave 2) erschienen.
Details zu Anschlüssen und Kompatibilität
Ein charakteristisches Merkmal vieler FRITZ!Boxen dieser Ära, einschließlich der 7390, war die kombinierte DSL-/Telefon-Buchse. AVM lieferte ein spezielles Y-Kabel mit, um die Box sowohl mit einem DSL-Anschluss als auch mit einem ISDN-NTBA oder einem analogen Amtsanschluss verbinden zu können.
Belegung der Kombibuchse
Die RJ45-Buchse (8P8C) an der FRITZ!Box hatte eine spezifische Pin-Belegung für die verschiedenen Dienste:
- Pin 1: ISDN 1a
- Pin 2: ISDN 1b
- Pin 3: analog La
- Pin 4: DSL
- Pin 5: DSL
- Pin 6: analog Lb
- Pin 7: ISDN 2a
- Pin 8: ISDN 2b
Das Y-Kabel teilte dies auf: Der graue DSL-Zweig nutzte Pin 4 und 5 für DSL. Der schwarze Telefonzweig nutzte Pin 1, 8 (analog) und Pin 3, 6 sowie 4, 5 (ISDN). Für analoge Anschlüsse in Deutschland wurde ein Adapter auf TAE mitgeliefert. Dieses spezielle Kabel war oft notwendig, um die FRITZ!Box korrekt an die jeweilige Anschlussart anzuschließen.
Software, Sicherheit und alternative Firmware
Das Betriebssystem FRITZ!OS wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Die 7390 profitierte von vielen Updates, die Funktionen hinzufügten und die Stabilität verbesserten. Allerdings gab es auch Herausforderungen.
Sicherheitslücken
Anfang 2014 wurden Sicherheitslücken bekannt, die auch die FRITZ!Box 7390 betrafen und die Kaperung der Telefonie oder sogar den vollen Zugriff auf das Gerät ermöglichten. AVM reagierte damals schnell mit Firmware-Updates, um diese Lücken zu schließen. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, Router-Firmware stets aktuell zu halten, auch wenn für ältere Modelle irgendwann keine Updates mehr bereitgestellt werden.
OEM-Versionen
Die 7390 wurde auch von verschiedenen Internetanbietern (wie 1&1, EWE TEL, Kabel Deutschland für deren DSL-Angebote) als OEM-Version vertrieben, oft unter eigenem Namen oder mit leicht angepasster Firmware (Branding). Technisch waren diese Geräte meist identisch mit dem Original von AVM, konnten aber Einschränkungen bezüglich der Nutzbarkeit an Anschlüssen anderer Anbieter aufweisen.
Alternative Firmware (Freetz & Co.)
In der Ära der 7390 waren modifizierte Firmware-Versionen wie der Danisahne-Mod und später Freetz bei technisch versierten Nutzern beliebt. Da Teile der AVM-Firmware unter der GPL-Lizenz stehen, war es möglich, diese zu modifizieren und zusätzliche Funktionen zu integrieren oder nicht benötigte zu entfernen. Allerdings hat AVM mit neueren FRITZ!OS-Versionen (ab ca. 2015/2016) die Installation von unsignierter Firmware und den Zugriff auf das System (z.B. Telnet) aus Sicherheitsgründen stark erschwert, was die Nutzung alternativer Firmware auf der 7390 mit neueren FRITZ!OS-Versionen praktisch unmöglich macht.
Vergleich: 7390 damals und heute
Um die Leistungsfähigkeit der 7390 einzuordnen, lohnt ein Blick auf ihre Spezifikationen im Vergleich zu anderen Modellen ihrer Zeit und heute.

| Merkmal | FRITZ!Box Fon WLAN 7170 (ca. 2005) | FRITZ!Box Fon WLAN 7390 (2009) | FRITZ!Box 7590 (ca. 2017) |
|---|---|---|---|
| DSL-Standard | ADSL2+ | ADSL2+, VDSL | VDSL2 inkl. Supervectoring 35b |
| WLAN-Standard | 802.11g, b (bis 54 MBit/s) | 802.11n (Dualband, bis 300 MBit/s pro Band) | 802.11ac Wave 2, n, g, b, a (bis 1733 + 800 MBit/s) |
| LAN-Ports | 4 x 100 MBit/s | 4 x Gigabit (1000 MBit/s) | 4 x Gigabit (1000 MBit/s) |
| USB-Version | USB 1.1 | USB 2.0 | USB 3.0 |
| Telefonie | IP, ISDN, Analog, DECT (ab späterer Version) | IP, ISDN, Analog, DECT | IP, Analog, DECT (ISDN S0 Bus nur noch als intern) |
| Smarthome | Nein | Ansätze (z.B. DECT ULE) | Umfangreich (DECT ULE, Funk) |
Die Tabelle zeigt deutlich den Sprung, den die 7390 in Bezug auf VDSL-Unterstützung und Gigabit-LAN machte. Im Vergleich zu modernen Routern wie der 7590 sind jedoch die Unterschiede bei den WLAN-Geschwindigkeiten und der Unterstützung neuester DSL-Standards (Supervectoring) offensichtlich.
Ist die FRITZ!Box 7390 heute noch gut?
Die Frage, ob die 7390 heute noch eine gute Wahl ist, muss differenziert beantwortet werden. Zu ihrer Zeit war sie ein Top-Gerät und ihrer Konkurrenz oft voraus.
Für moderne Internetanschlüsse mit hohen VDSL-Geschwindigkeiten (z.B. VDSL 100 oder Supervectoring 250) ist die 7390 in der Regel nicht mehr geeignet. Sie unterstützt die neuesten Standards nicht und ihr Prozessor könnte bei hohen Datendurchsätzen an seine Grenzen stoßen. Auch das WLAN nach 802.11n ist für heutige Bedürfnisse (viele Geräte, Streaming, Online-Gaming) oft zu langsam und das 5-GHz-Band der 7390 ist nicht so leistungsfähig wie bei neueren Modellen mit 802.11ac (Wi-Fi 5) oder 802.11ax (Wi-Fi 6).
Zudem erhält die FRITZ!Box 7390 seit Langem keine offiziellen Firmware-Updates von AVM mehr. Dies bedeutet, dass potenzielle neue Sicherheitslücken nicht mehr geschlossen werden, was ein erhebliches Risiko darstellen kann, insbesondere wenn die Box direkt mit dem Internet verbunden ist.
Für sehr langsame DSL-Anschlüsse (z.B. DSL 6 oder 16 MBit/s) oder als reiner DECT-Server oder Telefonanlage hinter einem anderen Router (im IP-Client-Modus) könnte eine 7390 eventuell noch genutzt werden. Aber selbst dann ist die fehlende Sicherheitswartung ein starkes Argument gegen ihren Einsatz.
Häufig gestellte Fragen zur FRITZ!Box 7390
Wie alt ist die FRITZ!Box 7390?
Die FRITZ!Box 7390 wurde im Jahr 2009 vorgestellt und ist somit etwa 15 Jahre alt (Stand 2024).
Unterstützt die FRITZ!Box 7390 VDSL?
Ja, die FRITZ!Box 7390 war eine der ersten FRITZ!Boxen für den Endkundenmarkt, die VDSL unterstützte.

Kann die FRITZ!Box 7390 Supervectoring?
Nein, die FRITZ!Box 7390 unterstützt kein VDSL Supervectoring (VDSL 35b).
Welchen WLAN-Standard unterstützt die 7390?
Die 7390 unterstützt WLAN nach den Standards 802.11b, g und n im 2,4 GHz und 5 GHz Band.
Bietet die FRITZ!Box 7390 eine Telefonanlage?
Ja, sie verfügt über eine integrierte Telefonanlage für IP-, ISDN- und Analog-Telefone sowie eine DECT-Basisstation.
Erhält die FRITZ!Box 7390 noch Sicherheitsupdates?
Nein, AVM hat die Unterstützung und Bereitstellung von Firmware-Updates für die FRITZ!Box 7390 eingestellt. Daher werden keine neuen Sicherheitslücken mehr geschlossen.
Ist die FRITZ!Box 7390 noch sicher im Betrieb?
Aufgrund der fehlenden Sicherheitsupdates wird vom Einsatz der FRITZ!Box 7390 als primärer Internetrouter abgeraten. Es besteht das Risiko, dass bekannte oder zukünftige Sicherheitslücken ausgenutzt werden könnten.
Fazit
Die FRITZ!Box 7390 war zu ihrer Zeit (ab 2009) ein bahnbrechendes Gerät von AVM, das VDSL und Gigabit-LAN in den Massenmarkt brachte und die vielfältigen Funktionen integrierte, für die FRITZ!Boxen bekannt sind: schnelles Internet, flexibles WLAN, eine umfassende Telefonanlage und nützliche Netzwerkfunktionen über USB. Sie trug maßgeblich zum Erfolg und Ruf von AVM bei.
Heute ist die 7390 technisch veraltet. Für moderne, schnelle Internetanschlüsse ist sie nicht mehr geeignet, und das Fehlen aktueller Sicherheitsupdates macht ihren Einsatz als Hauptrouter riskant. Sie bleibt ein Stück Technikgeschichte und ein Beispiel für die Innovationskraft von AVM, sollte aber in den meisten Haushalten durch ein aktuelleres Modell ersetzt werden, um von höherer Leistung, besseren Funktionen und vor allem von der notwendigen Sicherheit zu profitieren.
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