Glänzende oder ölige Haut auf Fotos kann ein ansonsten perfektes Porträt ruinieren. Besonders unter bestimmten Lichtbedingungen oder bei natürlicher Hautbeschaffenheit können Stirn, Nase oder Wangenpartien stark reflektieren und unschöne Glanzlichter erzeugen. Glücklicherweise bietet Adobe Photoshop leistungsstarke Werkzeuge, um dieses Problem zu beheben. In diesem Artikel zeigen wir dir eine einfache und schnelle Methode, um Hautpartien zu mattieren, die für Anfänger gut geeignet ist und beeindruckende Ergebnisse liefert.

Diese Technik nutzt die Kraft der Luminanzmaskierung (hier über Fülloptionen angewendet), um die Mattierungsschicht nur dort sichtbar zu machen, wo das Licht am hellsten ist – also genau auf den glänzenden Stellen. So kannst du gezielt eingreifen, ohne die Textur der Haut zu beeinträchtigen.

Vorbereitung: Das Foto in Photoshop öffnen
Der erste Schritt ist denkbar einfach: Öffne das Foto, das du bearbeiten möchtest, in Adobe Photoshop. Wähle dazu im Menü 'Datei' > 'Öffnen...' und navigiere zu deiner Bilddatei. Für das beste Ergebnis mit dieser speziellen Technik ist es wichtig, dass dein Foto bereits korrekt belichtet ist. Die Luminanzmaskierung funktioniert am besten, wenn die hellen (glänzenden) Bereiche klar definiert und nicht überbelichtet sind.
Schritt 1: Eine neue Ebene erstellen
Um nicht-destruktiv zu arbeiten und die ursprünglichen Bildinformationen zu erhalten, erstellen wir eine neue leere Ebene über deiner Hintergrundebene. Klicke dazu im Ebenen-Bedienfeld auf das Symbol 'Neue Ebene erstellen' (sieht aus wie ein Quadrat mit einem Pluszeichen darin) oder gehe im Menü auf 'Ebene' > 'Neu' > 'Ebene...'. Du kannst dieser Ebene einen aussagekräftigen Namen geben, zum Beispiel "Mattierung" oder "Hautfarbe", um den Überblick zu behalten. Dies hilft dir später, die Bearbeitung nachzuvollziehen oder anzupassen.
Schritt 2: Die passende Hautfarbe aufnehmen
Nun benötigen wir eine Farbe, mit der wir die glänzenden Stellen übermalen können. Diese Farbe sollte dem natürlichen Hautton in der Nähe der glänzenden Bereiche entsprechen. Wähle das Pipetten-Werkzeug (Hotkey: I) aus der Werkzeugleiste. Oben in der Optionsleiste des Pipetten-Werkzeugs findest du die Einstellung für die 'Mustergröße'. Standardmäßig ist diese oft auf 'Punktaufnahme' eingestellt. Für Hauttöne ist es besser, einen Durchschnittswert aus einem kleinen Bereich zu nehmen. Stelle die Mustergröße auf einen Wert wie '3x3 Durchschnitt', '5x5 Durchschnitt' oder bei sehr hochauflösenden Bildern sogar '101x101 Durchschnitt' ein. Dies glättet kleine Farbvariationen und gibt dir einen repräsentativeren Hautton.
Klicke nun mit dem Pipetten-Werkzeug auf eine Stelle auf der Haut, die sich *direkt neben* einer glänzenden Stelle befindet, aber selbst nicht glänzt oder eine andere unerwünschte Verfärbung aufweist. Achte darauf, eine Stelle mit einem normalen, gesunden Hautton zu wählen. Die aufgenommene Farbe wird nun deine Vordergrundfarbe in der Werkzeugleiste.
Schritt 3: Die glänzenden Stellen übermalen
Wähle als Nächstes das Pinsel-Werkzeug (Hotkey: B) aus der Werkzeugleiste. Stelle sicher, dass der Modus in der Optionsleiste oben auf 'Normal' und die Deckkraft auf '100%' eingestellt sind. Klicke mit der rechten Maustaste auf dein Bild, um die Pinselauswahl zu öffnen. Wähle einen großen, weichen oder halbharten Pinsel. Die genaue Größe hängt von der Auflösung deines Fotos und der Größe der zu bearbeitenden Bereiche ab. Beginne mit einer Größe, die etwas größer ist als die glänzenden Stellen, die du abdecken möchtest.
Male nun mit diesem Pinsel und der zuvor aufgenommenen Hautfarbe direkt über die glänzenden Bereiche auf deiner neuen Ebene "Mattierung". Keine Sorge, wenn es jetzt so aussieht, als würdest du Farbe auf das Gesicht auftragen. Das ist genau das, was wir tun. Der nächste Schritt wird diese Farbe intelligent mit dem darunterliegenden Bild verrechnen.
Schritt 4: Die Farbe mit Luminanzmaskierung einblenden
Jetzt kommt der entscheidende Schritt, der die Magie bewirkt: Wir nutzen die Fülloptionen, um die übermalte Farbe nur in den hellsten Bereichen der darunterliegenden Ebene (also den glänzenden Stellen) sichtbar zu machen. Mache einen Doppelklick auf die Ebene "Mattierung" im Ebenen-Bedienfeld (oder Rechtsklick > 'Fülloptionen...'), um den Dialog 'Ebenenstil' zu öffnen.
Im Bereich 'Erweiterte Füllmethoden' findest du ganz unten den Abschnitt 'Füllen wenn'. Hier gibt es zwei Schieberegler: 'Diese Ebene' und 'Darunterliegende Ebene'. Wir arbeiten mit dem Schieberegler 'Darunterliegende Ebene'. Dieser Regler steuert, basierend auf der Helligkeit der darunterliegenden Pixel, wo die aktuelle Ebene (unsere "Mattierung") sichtbar ist.
Der linke Schieberegler (Schwarz) repräsentiert die dunklen Pixel der darunterliegenden Ebene, der rechte Schieberegler (Weiß) die hellen Pixel. Ziehe den linken (schwarzen) Schieberegler des Bereichs 'Darunterliegende Ebene' langsam nach rechts. Du wirst sehen, wie die Farbe auf deiner "Mattierung"-Ebene in den dunkleren Bereichen des Gesichts verschwindet und nur in den helleren Bereichen sichtbar bleibt. Ziehe ihn so weit nach rechts, bis die Farbe hauptsächlich nur noch auf den zuvor glänzenden Stellen erscheint.
Um den Übergang weicher zu gestalten und harte Kanten zu vermeiden, halten wir nun die Alt- (Windows) bzw. Option-Taste (Mac) gedrückt und klicken auf den rechten Teil des gerade verschobenen schwarzen Schiebereglers. Dieser teilt sich in zwei Hälften. Ziehe die rechte Hälfte des geteilten Schiebereglers weiter nach rechts. Dies fächert den Übergang auf und sorgt dafür, dass die Mattierung sanfter in die umgebenden Hautbereiche übergeht. Experimentiere mit der Position der beiden Hälften, bis der Übergang natürlich aussieht.
Klicke auf 'OK', um den Dialog 'Ebenenstil' zu schließen.
Diese Methode der Luminanzmaskierung mittels Fülloptionen ist sehr mächtig, da sie dynamisch auf die Helligkeit der darunterliegenden Ebene reagiert. Im Gegensatz zu einer statischen Ebenenmaske passt sie sich an, falls du später noch Anpassungen an der darunterliegenden Ebene vornimmst (was wir aber in diesem Tutorial nicht tun).
Schritt 5: Die Deckkraft anpassen
Nachdem die Farbe nun nur noch auf den glänzenden Stellen sichtbar ist, kann die Wirkung immer noch zu stark sein und unnatürlich aussehen. Der letzte Schritt ist, die Deckkraft der Ebene "Mattierung" zu reduzieren. Wähle die Ebene "Mattierung" im Ebenen-Bedienfeld aus und reduziere den Wert für die 'Deckkraft' oben im Bedienfeld. Ein Wert zwischen 30% und 70% liefert oft ein natürliches Ergebnis, aber das hängt stark vom jeweiligen Bild ab. Passe die Deckkraft an, bis die glänzenden Stellen sichtbar reduziert, aber die Haut immer noch natürlich aussieht und nicht wie eine Farbschicht wirkt.
Warum funktioniert das?
Diese Technik funktioniert, weil glänzende Hautpartien im Grunde genommen sehr helle Reflexionen sind. Indem wir eine Hautfarbe auf einer separaten Ebene auftragen und diese Ebene dann so einstellen, dass sie nur in den hellsten Bereichen der darunterliegenden Ebene sichtbar ist (mithilfe der Luminanzmaskierung über die Fülloptionen), überlagern wir gezielt diese hellen Reflexionen mit einem passenden Hautton. Die Textur der Haut wird dabei nicht verändert, da wir lediglich die Farbe und Helligkeit in den hellsten Bereichen anpassen.
Tipps für bessere Ergebnisse
- Sorgfältige Farbauswahl: Nimm dir Zeit, um mit der Pipette einen wirklich passenden Hautton aus einer nicht-glänzenden, nahegelegenen Stelle aufzunehmen. Eine falsche Farbe kann das Ergebnis schnell unnatürlich aussehen lassen.
- Mehrere Pinselstriche: Bei größeren oder komplexeren glänzenden Bereichen kann es hilfreich sein, mit dem Pinselwerkzeug mehrere separate Striche oder Bereiche zu malen, anstatt alles auf einmal zu übermalen.
- Feinabstimmung der Fülloptionen: Die genaue Position der geteilten Schieberegler bei den Fülloptionen ist entscheidend für einen weichen Übergang. Zoome in das Bild hinein, während du die Regler anpasst, um das Ergebnis genau zu beurteilen.
- Deckkraft schrittweise reduzieren: Taste dich bei der Reduzierung der Deckkraft langsam an das gewünschte Ergebnis heran. Weniger ist oft mehr, um einen natürlichen Look zu erzielen.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Ist diese Technik für Anfänger geeignet?
Ja, absolut. Obwohl der Schritt mit den Fülloptionen auf den ersten Blick komplex aussehen mag, ist er nachvollziehbar und erfordert keine fortgeschrittenen Kenntnisse in Photoshop. Die grundlegenden Werkzeuge (Pipette, Pinsel) sind einfach zu bedienen.
Verändert diese Methode die Textur der Haut?
Nein, das ist einer der Vorteile dieser Technik. Sie passt lediglich die Farbe und Helligkeit der glänzenden Bereiche an, ohne die feine Hauttextur zu glätten oder zu verändern. Techniken wie die Frequenztrennung werden verwendet, um Textur und Farbe/Ton separat zu bearbeiten.
Kann ich diese Technik auch für andere glänzende Oberflächen verwenden?
Prinzipiell ja, die Luminanzmaskierung kann für viele Zwecke eingesetzt werden, um Anpassungen basierend auf Helligkeit vorzunehmen. Für Haut ist die Kombination mit dem Übermalen in Hautfarbe besonders effektiv, um Glanz zu reduzieren.
Was mache ich, wenn der Hautton im Gesicht sehr unterschiedlich ist?
In solchen Fällen musst du eventuell für verschiedene Bereiche unterschiedliche Hauttöne aufnehmen und diese entweder auf derselben Ebene oder auf separaten Ebenen anwenden. Achte darauf, dass die gewählte Farbe immer dem Hautton *neben* dem glänzenden Bereich entspricht.
Warum ist eine korrekte Belichtung des Fotos wichtig?
Die Luminanzmaskierung über die Fülloptionen basiert auf der Helligkeit der Pixel. Wenn das Foto überbelichtet ist, sind die glänzenden Bereiche möglicherweise so hell, dass keine Details mehr vorhanden sind, oder die Übergänge sind zu abrupt. Eine gute Belichtung stellt sicher, dass die Luminanzinformationen für die Maskierung nutzbar sind.
Alternativen: Photoshop Aktionen
Wenn du häufiger Haut mattieren musst oder einen noch schnelleren Workflow suchst, gibt es auch vorgefertigte Photoshop-Aktionen. Diese Aktionen automatisieren oft die Schritte und können sehr effektive Ergebnisse liefern, manchmal sogar mit intelligenteren Methoden zur Erkennung von Hautbereichen und Glanzlichtern. Viele professionelle Retuscheure nutzen Aktionen, um Zeit zu sparen, insbesondere bei der Bearbeitung großer Mengen von Porträts. Einige Aktionen bieten spezielle "Ultra Mattifier"-Funktionen, die oft sehr zuverlässig arbeiten.
Fazit
Das Mattieren glänzender Hautpartien in Photoshop muss nicht kompliziert sein. Mit der hier beschriebenen Technik, die Pipette, Pinsel und die intelligenten Fülloptionen nutzt, kannst du schnell und effektiv störende Glanzlichter reduzieren und deinen Porträts ein professionelleres Aussehen verleihen. Es ist eine schnelle, nicht-destruktive Methode, die dir viel Kontrolle über das Endergebnis gibt und auch für Einsteiger leicht zu erlernen ist. Probiere es aus und sieh den Unterschied!
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