Die HTC One-Serie war lange Zeit ein Synonym für hochwertige Verarbeitung und innovative Features im Android-Markt. Nach dem gefeierten HTC One (M7) und seinem soliden Nachfolger, dem HTC One (M8), waren die Erwartungen an das HTC One M9, das Anfang 2015 erschien, entsprechend hoch. Doch das, was folgte, war für viele eine herbe Enttäuschung. Statt einer Weiterentwicklung sahen Kritiker in dem M9 oft nur eine minimale Evolution des Vorgängers, die in entscheidenden Bereichen sogar Rückschritte machte.

Das HTC One (M7): Ein Pionier seiner Zeit
Um die Enttäuschung über das M9 zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück auf seinen Ursprung. Das HTC One (Codename M7) wurde im März 2013 angekündigt und kam am 15. März 2013 in den Handel. Es setzte Maßstäbe mit seinem Unibody-Gehäuse aus eloxiertem Aluminium – ein echtes Premium-Gefühl. Angetrieben wurde es von einem 1,7 GHz Qualcomm Snapdragon 600 Quad-Core-Prozessor mit 2 GB RAM. Das 4,7 Zoll große Display bot eine Full-HD-Auflösung (1920 × 1080 Pixel) und war durch Gorilla Glass 2 geschützt. Als Betriebssystem lief Android 4.1.2 mit der HTC Sense 5.0 Oberfläche, wobei Updates bis zu Android 5.0.2 „Lollipop“ verfügbar waren.
Ein besonderes Merkmal des M7 war seine Kamera. HTC verfolgte hier einen unkonventionellen Ansatz mit der sogenannten UltraPixel-Kamera. Sie löste zwar nur mit 4,1 Megapixeln auf, verfügte aber über größere Pixel auf dem Sensor, was die Lichtaufnahme verbessern und so vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen zu besseren Ergebnissen führen sollte. Die rückwärtige Kamera besaß zudem einen zweiachsigen Bildstabilisator (OIS) und konnte Full-HD-Videos aufnehmen, sogar HDR-Videos mit 60 fps. Die Frontkamera hatte 2,1 Megapixel und ermöglichte ebenfalls Full-HD-Videoaufnahmen.
Das Design des M7 war wegweisend, mit schmalen Rändern (ca. 4 mm an den Seiten, 9 mm an der dicksten Stelle) und clever integrierten Polycarbonat-Fugen für die Antennen. Allerdings gab es keine Möglichkeit zur Speichererweiterung und der Akku war nicht wechselbar. Eine Besonderheit war der Ein-/Ausschalter, der gleichzeitig als lernbare Infrarot-Fernbedienung diente. Das Telefon unterstützte zudem LTE-Frequenzen, die in Deutschland relevant waren.
Es gab verschiedene Modellvarianten des M7, darunter Mini- und Max-Versionen mit anderer Ausstattung, eine Developer Edition mit offenem Bootloader und 64 GB Speicher (in den USA), eine Google Play Edition mit Stock-Android (in den USA), sowie chinesische und japanische Varianten, die teils über Dual-SIM, microSD-Schacht und/oder abnehmbare Rückseiten verfügten.

Das HTC One M9: Ein Nachfolger unter Kritik
Nach dem HTC One (M8), das im März 2014 vorgestellt wurde, folgte das HTC One M9 im Frühjahr 2015. Äußerlich ähnelte es stark dem M8, was bei einigen Beobachtern auf wenig Begeisterung stieß. Vlad Savov von The Verge bezeichnete das M9 sogar als „die schönste Enttäuschung der Welt“ (the world’s most beautiful disappointment), da es nur eine Evolution des M8 mit begrenzten Designänderungen darstellte.
Die umstrittene Kamera des M9
Einer der Hauptkritikpunkte am M9 war die rückwärtige Kamera. HTC wechselte von der 4,1 MP UltraPixel-Kamera der Vorgänger zu einem höher auflösenden 20-Megapixel-Sensor. Doch mehr Megapixel bedeuteten hier nicht automatisch bessere Bilder. Kritiker bemängelten die niedrige Bildqualität, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen, wo die kleineren Pixel im Vergleich zu den UltraPixeln der Vorgänger weniger Licht einfingen. Details gingen oft durch starke Rauschunterdrückung verloren.
Die Kamera des M9 hatte zudem eine engere Blende als die des M7 und M8 und verzichtete auf den optischen Bildstabilisator (OIS), den das M7 noch besaß (im M8 wegen der Duo Camera weggelassen). Dies trug zu Problemen bei schlechtem Licht und Videoaufnahmen bei. Die Autofokusgeschwindigkeit und die allgemeine Aufnahmeverzögerung wurden als deutlicher Rückschritt im Vergleich zum M8 empfunden. Selbst bei Tageslichtaufnahmen gab es Inkonsistenzen, und die Nachtaufnahmen wurden von einigen Rezensenten als „schrecklich“ (horribly) bezeichnet, da kaum Details erkennbar waren. Die Videoaufnahme zeigte ebenfalls mangelnde Details und Probleme mit Kamerawacklern, was auf das Fehlen einer effektiven Stabilisierung hindeutete.
Die Frontkamera des M9 nutzte hingegen weiterhin einen UltraPixel-Sensor und wurde für Selfies als gut bewertet.
Leistung und Akkulaufzeit: Heiße Debatten
Das M9 war eines der ersten Geräte, das mit dem damals neuen Qualcomm Snapdragon 810 Prozessor ausgestattet war. Dieser Chip versprach hohe Leistung, kämpfte aber Berichten zufolge mit Hitzeproblemen. Dies führte beim M9 zu aggressivem Thermal Throttling, also der Reduzierung der Leistung, um Überhitzung zu vermeiden. Tester stellten fest, dass die schnellen Kerne des Prozessors kaum ihre maximale Geschwindigkeit erreichten und die Leistung oft auf das Niveau des M8 oder sogar darunter fiel.

Die Hitzeentwicklung war ebenfalls ein Problem; das Telefon konnte beim Surfen im Web bereits Handtemperaturen von 30 bis 40 Grad Celsius erreichen. Ron Amadeo von Ars Technica stellte fest, dass das M9 „keine Chance gegen die härter denn je gewordene Konkurrenz“ habe, auch wegen der Leistungsdrosselung.
Die Akkulaufzeit war ein weiterer Schwachpunkt. Trotz eines im Vergleich zum M8 größeren Akkus zeigten Tests eine besorgniserregende Verschlechterung. Die Laufzeit wurde als „enttäuschend mittelmäßig“ beschrieben und lag in einigen Tests deutlich unter der des M8. Die Mobilität des M9 war dadurch eingeschränkt. Obwohl das Gerät Quick Charge 2.0 unterstützte, lag dem Lieferumfang nur ein langsames 5V, 1.5A Ladegerät bei, das diese Technologie nicht nutzte.
Display und Sound: Gemischte Gefühle
Auch das Display des M9 stieß auf Kritik. Tester bemängelten schlechtere Blickwinkel und eine dramatische Reduzierung der Farbgenauigkeit im Vergleich zu M7 und M8. Die Farbdarstellung wurde als ungenau beschrieben, was die Nutzung des M9 für Aufgaben, bei denen Farbgenauigkeit wichtig ist, erschwerte. Insgesamt wurde die Displayqualität als Rückschritt bewertet.
Die Lautsprecher, ein Markenzeichen der HTC One-Serie (BoomSound), zeigten laut Engadget ebenfalls Rückschritte im Vergleich zum M8. Das M8 lieferte oft einen lauteren und klareren Klang, während das M9 zwar eine bessere Kanaltrennung bot, aber insgesamt leiser wirkte.
M9 vs. M8/M7: Der direkte Vergleich
Zahlreiche Tests zogen einen direkten Vergleich zwischen dem M9 und seinen Vorgängern. Die Quintessenz war oft, dass das M9 bestenfalls ein „Side-Grade“ zum M8 darstellte. Es brachte keine wirklich überzeugenden Neuerungen mit, die das M7 oder M8 nicht schon boten. In vielen Schlüsselbereichen – Kameraqualität, Leistung unter Last, Akkulaufzeit, Displayqualität, Lautsprecher – wurde das M9 als schlechter oder inkonsistent im Vergleich zum M8 empfunden.

Angesichts dessen und des oft höheren Preises des M9 im Vergleich zum zu diesem Zeitpunkt günstigeren M8, fiel es vielen Testern schwer, das M9 zu empfehlen.
Fazit: Eine verpasste Chance
Das HTC One M9 bleibt in Erinnerung als ein Smartphone, das hohe Erwartungen nicht erfüllen konnte. Trotz der gewohnt hochwertigen Verarbeitung und eines schnellen neuen Prozessors machten deutliche Schwächen bei der Kamera, Probleme mit der Prozessorleistung durch Überhitzung, eine enttäuschende Akkulaufzeit und ein im Vergleich schlechteres Display das Gerät zu einem schwierigen Verkaufskandidaten.
Das M9 zeigte, dass die bloße Hinzufügung neuer, schnellerer Komponenten oder eine höhere Megapixelzahl bei der Kamera nicht ausreicht, wenn die Integration und Optimierung mangelhaft sind. Es war ein Beispiel dafür, wie ein Hersteller durch Rückschritte in entscheidenden Bereichen das Vertrauen von Kritikern und Kunden verspielen kann, insbesondere in einem hart umkämpften Markt.
Es ist klar, dass das HTC One M9, obwohl äußerlich attraktiv, den Standard, den seine Vorgänger gesetzt hatten, nicht halten konnte und im Vergleich zur Konkurrenz des Jahres 2015 ins Hintertreffen geriet.
Häufig gestellte Fragen
Hier beantworten wir einige häufige Fragen zum HTC One M7 und M9:
- Wie alt ist das HTC One M9?
Das HTC One M9 wurde Anfang 2015 veröffentlicht. Es ist somit (Stand Ende 2023) etwa 8 Jahre alt. - Wie alt ist das HTC One (M7)?
Das HTC One (M7) wurde im März 2013 veröffentlicht. Es ist somit (Stand Ende 2023) etwa 10 Jahre alt. - Was sind die Kameraspezifikationen des HTC One M7?
Die Hauptkamera des M7 ist eine 4,1 Megapixel UltraPixel-Kamera mit einem zweiachsigen optischen Bildstabilisator (OIS). Sie kann Full-HD-Videos aufnehmen und unterstützt HDR-Videoaufnahmen mit 60 fps. Die Frontkamera hat 2,1 Megapixel. - Ist das HTC One M9 4G-fähig?
Ja, das HTC One M9, das 2015 als High-End-Smartphone auf den Markt kam, unterstützte selbstverständlich die damals aktuellen Mobilfunkstandards, einschließlich 4G/LTE.
Vergleichstabelle: HTC One M7, M8, M9
| Merkmal | HTC One (M7) | HTC One (M8) | HTC One M9 |
|---|---|---|---|
| Veröffentlichung | März 2013 | März 2014 | Anfang 2015 |
| Displaygröße & Auflösung | 4,7 Zoll, 1920x1080 | 5,0 Zoll, 1920x1080 | 5,0 Zoll, 1920x1080 |
| Prozessor | Snapdragon 600 | Snapdragon 801 | Snapdragon 810 |
| RAM | 2 GB | 2 GB | 3 GB |
| Speicher (intern) | 32/64 GB (nicht erweiterbar) | 16/32 GB (erweiterbar via microSD) | 32 GB (erweiterbar via microSD) |
| Hauptkamera | 4.1 MP UltraPixel, OIS | 4 MP UltraPixel + Tiefensensor (Duo Camera), kein OIS | 20 MP, kein OIS |
| Frontkamera | 2.1 MP | 5 MP | 4 MP UltraPixel |
| Akku | 2300 mAh | 2600 mAh | 2840 mAh |
| Besonderheiten M7 | Erstes Alu-Unibody, UltraPixel, OIS, IR-Blaster | Duo Camera, Motion Launch, BoomSound verbessert, erweiterbarer Speicher | Snapdragon 810 (mit Throttling), 20MP Kamera (umstritten), BoomSound mit Dolby Audio |
| Kritikpunkte M9 (laut Quellen) | Kameraqualität, Thermal Throttling/Leistung, Akkulaufzeit, Displayqualität, Lautsprecher (im Vergleich zum M8) | ||
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