Wenn wir in den Nachrichten von Flutwellen hören, die ganze Landstriche verwüsten, von Erdbeben, die Städte in Schutt und Asche legen, oder von Kriegen, die Völker zerreißen, dann wird uns schmerzlich bewusst, wie zerbrechlich das Leben ist und wie tief das Leid in der Welt verwurzelt ist. Auch persönliche Schicksalsschläge wie schwere Krankheiten, Einsamkeit oder der Verlust geliebter Menschen lassen uns oft ratlos zurück. Angesichts dieser Not rufen viele Menschen, vielleicht auch Sie, die alte Bitte aus: „Erlöse uns von dem Bösen!“ Wissenschaft, Politik, Medizin und Hilfsorganisationen leisten wertvolle Arbeit, um Leid zu lindern und Probleme zu lösen. Doch sie stoßen immer wieder an ihre Grenzen. Es bleiben die drängenden Fragen: Warum gibt es Leid? Warum gelingt es uns Menschen nicht, wirklich in Frieden und Liebe miteinander zu leben? In dieser tiefen menschlichen Sehnsucht nach Befreiung und Heilung liegt die Antwort auf die Frage, warum Jesus Christus in die Welt kam und uns erlöst hat.

Die Geschichte der Menschheit ist auch eine Geschichte des Suchens nach Erlösung. Schon im Alten Testament erfahren wir von Gottes Handeln, das darauf abzielt, die Menschen zu retten und ihnen beizustehen. Das Volk Israel erlebte Gottes rettende Macht in der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten – ein zentrales Ereignis, das bis heute gefeiert wird. Gott führte sein Volk durch das Rote Meer und schloss einen Bund mit ihnen am Sinai. Immer wieder wird in den Schriften des Alten Testaments betont: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich heraufgeführt hat aus Ägypten.“ Auch die Heimkehr aus der Gefangenschaft im babylonischen Exil war eine tiefgreifende Erfahrung der göttlichen Befreiung. Doch diese äußeren Rettungen waren nicht alles. Schon damals wurde erkannt, dass die Not der Menschen oft ihren Ursprung im eigenen Herzen hat. Die Menschen versündigen sich gegeneinander und vor Gott, laden Schuld auf sich. Sünde und Schuld wurden als die eigentliche Last erkannt, unter der die Menschen leiden und die zu Unglück führt. Gott versprach eine innere Reinigung, eine Befreiung und Erneuerung des Herzens (Hesekiel 11,19; 36,26f.). Das Alte Testament zeigt: Gott lässt die Menschen in ihren Nöten nicht allein, er greift ein, aber die tiefste Not, die Sünde, bedarf einer umfassenderen Lösung.

Die Ankunft des Erlösers
Genau hier setzt das Neue Testament an und stellt Jesus Christus in den Mittelpunkt. Er wird als der Sohn Gottes präsentiert, dessen Ankunft das Anbrechen des Reiches Gottes bedeutet. Gott sendet seinen Sohn, um die Welt zu retten und zu erlösen. Aber warum genau? Der tiefste Grund für Jesu Kommen ist die unendliche Liebe Gottes zu allen seinen Kindern. Wie Nephi es ausdrückt: „Er tut nichts, was nicht der Welt zum Nutzen ist; denn er liebt die Welt, so dass er sogar sein eigenes Leben niederlegt, damit er alle Menschen zu sich ziehen kann.“ Diese Liebe trieb Jesus, der als Einziger frei von Sünde und vollkommen war, dazu, sich selbst als Opfer für die Sünden der Menschheit anzubieten. Er kam als das Lamm Gottes „ohne Fehl und Makel“, um für unsere Sünden zu sühnen.
Jesus demonstrierte die beginnende Erlösung bereits während seines Lebens durch seine Taten. Er befreite Menschen von Krankheiten, die sie oft auch gesellschaftlich isolierten. Er holte Ausgestoßene und am Rande Stehende zurück in die Gemeinschaft. Er linderte Leid und beendete Einsamkeit. Doch das Wichtigste war seine Fähigkeit und Autorität, Sünden zu vergeben. Indem er Sünden vergab, versöhnte er die Menschen nicht nur untereinander, sondern vor allem mit Gott. Er ging das Kernproblem des menschlichen Leidens an: die Trennung von Gott durch die Sünde.
Das Kreuz und die Auferstehung: Der Höhepunkt der Erlösung
Jesus nahm seine Botschaft und seinen Auftrag so ernst, dass er bereit war, dafür den schlimmsten Preis zu zahlen: den Tod am Kreuz. Das Kreuz war zu seiner Zeit das Zeichen der Schande, des Scheiterns und des grausamen Endes. Indem Jesus diesen Weg ging, teilte er die tiefsten und schmerzlichsten Erfahrungen der Menschen – Leid, Verrat, Verlassenheit, Tod. Dadurch wurde unmissverständlich klar: Gott geht in allen Situationen des Lebens und des Todes mit, selbst dort, wo wir keinen Sinn mehr sehen können. Das Kreuz wurde so vom Symbol der Schande zum universellen Zeichen der Erlösung und der Hoffnung. Es dokumentiert den Glauben, dass Jesu Opfer wirksam ist und dass Gott selbst im Tod präsent ist.
Der Tod am Kreuz war jedoch nicht das Ende. Die Auferstehung Jesu an Ostern ist der entscheidende Sieg. Sie überwindet den Tod und bestätigt die Wirksamkeit seines Opfers. Wie Paulus schreibt: „Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Durch Jesu Auferstehung wurden die Bande des zeitlichen Todes gelöst, sodass alle Menschen auferweckt werden. Er gewann den Sieg über das Grab. Der „Stachel des Todes“ wurde verschlungen.
Sühne und Beispiel: Zwei Seiten der Erlösung
Jesus kam also in erster Linie als sühnender Erlöser, der starb, um uns Unsterblichkeit zu bringen. Die Auferstehung ist ein Geschenk an jeden Menschen, unabhängig von seinen Verdiensten. Jeder wird auferweckt und erhält einen unsterblichen Körper. Aber Jesus kam nicht nur, um Unsterblichkeit zu schenken, sondern auch ewiges Leben. Ewiges Leben – das ist das Leben in der vollkommenen Gegenwart Gottes des Vaters und seines Sohnes. Dieses Geschenk ist denen vorbehalten, die ihren Glauben und ihre Liebe zu Christus zeigen, indem sie seine Gebote befolgen und heilige Bündnisse eingehen und halten. „Wer meine Gebote hat und sie hält“, sagt Jesus, „der ist es, der mich liebt.“ Nur durch das Eingehen und Halten dieser Bündnisse können wir „an der göttlichen Natur Anteil erhalten“ und den „verderblichen Begierden“ entfliehen, die in der Welt herrschen.
Neben der Sühne für unsere Sünden und der Überwindung des Todes kam Jesus auch, um uns ein Beispiel zu geben. Er ist der Maßstab, an dem wir unser Leben messen sollen. Er verkörpert das gesamte göttliche Potenzial des Menschen. Er ruft uns auf, so zu werden „wie ich bin“, vollkommen zu werden „wie ich oder wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“. Jede seiner Taten geschah aus Liebe. Er lehrte uns, für die Kranken, Armen und Bedrängten zu sorgen, für unsere Feinde zu beten und Mitgefühl für alle Kinder Gottes zu haben, denn Gott „sieht nicht auf die Person“. Bei ihm gibt es keine Barrieren aufgrund von Herkunft, Geschlecht oder Status. Er lehrte ewige Wahrheiten anhand alltäglicher Beispiele, wie der Geschichte vom barmherzigen Samariter oder der Witwe, die ihre letzten beiden Münzen gab – und betonte dabei, dass es auf die Absicht und den guten Willen ankommt, nicht auf die Menge. Er liebte Kinder und lehrte, dass wir wie sie werden müssen – „fügsam, sanftmütig, demütig, geduldig, voll von Liebe und willig, sich allem zu fügen“. Er forderte uns auf, einander in zeitlicher und geistiger Hinsicht zu helfen, denn wenn wir den „Geringsten“ helfen, helfen wir ihm.
Erlösung: Ein Geschenk und ein bleibender Auftrag
Die Erlösung durch Jesus Christus ist ein unermessliches Geschenk, das uns den Weg zu Gott öffnet, unsere Schuld sühnt und den Tod überwindet. Doch ein Blick auf die Welt zeigt, dass diese Erlösung in ihrer ganzen Fülle noch aussteht. Wir erleben weiterhin Leid, Streit, Krieg und menschliches Versagen. Sünde und Schuld bleiben Begleiter auf unserem Weg. Dies verdeutlicht, dass mit der empfangenen Erlösung auch ein bleibender Auftrag verbunden ist. In der Nachfolge Jesu sind wir aufgerufen, fortlaufend an einer erlösten Welt mitzuarbeiten. Dies geschieht nicht, um uns die Erlösung zu verdienen – sie ist ein Geschenk –, sondern als Ausdruck unseres Glaubens und unserer Dankbarkeit.
Christen versuchen, in ihrer Haltung und ihrem Verhalten Jesus Christus ähnlich zu werden und dadurch dem „Reich Gottes“ den Weg zu bereiten. Sie arbeiten daran mit, indem sie sich für ihre Mitmenschen einsetzen, die Schöpfung pflegen und bewahren, Kultur und Wissenschaft unterstützen und kreative Technik entwickeln, die das Leben erleichtert. Doch sie erfahren auch das Scheitern, das Misslingen von Gemeinschaft und die Fortdauer von Problemen. Diese Spannung zwischen dem „schon jetzt“ der Erlösung und dem „noch nicht“ der vollendeten Erlösung ist Teil des christlichen Lebens. Darum betet die christliche Gemeinde unablässig um das Kommen des Reiches Gottes und die Vollendung der Erlösung.

Leben als erlöster Mensch
Was bedeutet es nun, persönlich Erlösung zu erfahren und als erlöster Mensch zu leben? Es bedeutet, sich wie in dem Gedicht beschrieben, „herausrufen lassen aus den gräbern meines lebens“, aufzustehen und die „grabkammern meiner eigenen kleinen engen vorstellungswelt verlassen“. Es bedeutet, „zurücklassen was einengt und leben behindert“, sich neu auszurichten und sich „allen toden zum trotz ins leben rufen lassen“. Es ist ein Prozess des Erkennens und Erkanntwerdens, ein „befreit aufbrechen“ und der neu geschenkten Hoffnung entgegengehen.
Es ist eine geistige Neugeburt, eine „mächtige Wandlung“ im Herzen, die uns bereit macht, „sein Abbild in unseren Gesichtsausdruck“ aufzunehmen. Seinen Namen auf uns zu nehmen bedeutet, bereit zu sein, zu tun, was immer er von uns verlangt. Der Preis für ein christliches Leben ist, alles zu geben, nichts zurückzuhalten und alle unsere Sünden abzulegen, um ihn wirklich zu erkennen. Wenn wir aus Trägheit, Gleichgültigkeit oder Bosheit versagen, „kreuzigen“ wir ihn in gewissem Sinne erneut. Wenn wir uns aber beständig bemühen, unser Bestes zu geben, andere zu lieben und ihnen zu dienen, Egoismus durch Liebe zu überwinden, das Wohl anderer über unser eigenes zu stellen, die Lasten des anderen zu tragen, mit den Trauernden zu trauern, die Trost brauchen, zu trösten und „allzeit und in allem... als Zeugen Gottes auftreten“, dann ehren wir ihn. Wir empfangen von seiner Macht und werden mehr und mehr wie er, „heller und heller“, bis zum „vollkommenen Tag“.
Häufig gestellte Fragen zur Erlösung
Was bedeutet Erlösung im christlichen Sinne?
Erlösung bedeutet Befreiung von der Macht der Sünde, der Schuld und des Todes durch das Opfer Jesu Christi. Sie beinhaltet die Versöhnung mit Gott und die Möglichkeit, ewiges Leben zu erlangen.
Warum war das Opfer Jesu am Kreuz notwendig?
Nach christlichem Verständnis trennt Sünde die Menschen von Gott. Da alle Menschen gesündigt haben, bedurfte es einer Sühne, um diese Trennung zu überwinden. Jesus, der sündlos war, bot sich als vollkommenes Opfer an, um die Schuld der Menschheit zu sühnen und den Weg zurück zu Gott zu öffnen.
Ist die Erlösung für jeden Menschen bestimmt?
Die Gabe der Unsterblichkeit (Auferstehung nach dem Tod) ist ein Geschenk an alle Menschen durch Jesus Christus. Die Gabe des ewigen Lebens (Leben in Gottes Gegenwart) steht denen offen, die Jesus Christus annehmen, an ihn glauben und seine Gebote befolgen.
Was bedeutet es, ein „erlöster Mensch“ zu sein?
Es bedeutet, dass man die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus angenommen hat, von der Macht der Sünde befreit ist und eine neue Beziehung zu Gott hat. Es ist auch ein fortlaufender Prozess des Werdens, bei dem man versucht, Jesus in Haltung und Handeln nachzufolgen und an der Verbesserung der Welt mitzuarbeiten.
Wie unterscheidet sich Unsterblichkeit von ewigem Leben?
| Merkmal | Unsterblichkeit | Ewiges Leben |
|---|---|---|
| Wer erhält es? | Alle Menschen | Diejenigen, die an Jesus Christus glauben und seine Gebote halten |
| Was bedeutet es? | Leben nach dem Tod in einem auferstandenen Körper; Überwindung des physischen Todes | Leben in der Gegenwart und Herrlichkeit Gottes des Vaters und Jesu Christi; Vollkommenheit und Glückseligkeit |
| Grundlage | Jesu Auferstehung | Jesu Sühnopfer und persönliche Glaube, Gehorsam und Bündnistreue |
| Charakter | Geschenk an alle | Bedingtes Geschenk für Gläubige und Gehorsame |
Die Taten und Lehren Jesu waren so umfassend, dass, wie der Apostel Johannes sagte, die ganze Welt die Bücher nicht fassen könnte, wenn man alles aufschreiben wollte. Doch die zentrale Botschaft bleibt klar: Jesus Christus kam in die Welt aus grenzenloser Liebe. Er kam, um für unsere Sünden zu sühnen, den Tod zu überwinden und uns den Weg zu Gott und zum ewigen Leben zu öffnen. Er kam auch, um uns ein vollkommenes Beispiel zu geben, wie wir leben sollen. Dieses Geschenk der Erlösung fordert uns auf, ihm nachzufolgen und an der Verwirklichung seines Reiches mitzuarbeiten. Wir dürfen dankbar sein, dass er vor zwei Jahrtausenden kam und auch heute noch unser Erlöser und Beispiel ist. Und wir blicken voll Hoffnung auf seine verheißene Rückkehr in Herrlichkeit, um sein Volk endgültig zu befreien.
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