Die Unterwasserwelt birgt unzählige Geheimnisse und faszinierende Lebewesen. Eines der begehrtesten und gleichzeitig am schwersten zu findenden ist zweifellos der Fuchshai. Bekannt für seinen außergewöhnlich langen Schwanz, der fast die Hälfte seiner Gesamtlänge ausmachen kann, gleitet dieser elegante Jäger meist in den Weiten des offenen Ozeans. Viele Taucher träumen davon, einmal in ihrem Leben einem Fuchshai zu begegnen. Doch wo hat man die besten Chancen, diesen scheuen Bewohner der Tiefe zu sehen?

Während Fuchshaie generell als pelagische Arten gelten, die weite Wanderungen unternehmen und selten in Küstennähe anzutreffen sind, gibt es einen Ort auf der Welt, der eine bemerkenswerte Ausnahme darstellt und Tauchern die fast tägliche Begegnung mit diesen Tieren ermöglicht: die kleine philippinische Insel Malapascua.
Warum Malapascua der weltweit einzige Hotspot für Fuchshaie ist
Malapascua, gelegen an der Nordspitze von Cebu auf den Philippinen, hat sich in der Taucherwelt einen Namen gemacht, der untrennbar mit dem Fuchshai verbunden ist. Der Grund dafür liegt an zwei spezifischen Unterwasserformationen in der Nähe der Insel: dem Monad Shoal und dem Kimud Shoal. Diese 'Shoals' sind Unterwasserplateaus oder -hügel, die aus der Tiefe aufsteigen und eine besondere Anziehungskraft auf Fuchshaie ausüben.

Jeden Morgen, typischerweise in den frühen Stunden zwischen 6 und 9 Uhr, steigen die Fuchshaie von den tieferen Regionen, in denen sie jagen, zu diesen Shoals auf. Der Zweck ihres Besuchs ist nicht die Jagd, sondern etwas viel Friedlicheres und für Taucher Spektakuläreres: Sie suchen sogenannte Reinigungsstationen auf.
Reinigungsstationen sind spezielle Bereiche an Riffen oder Unterwasserformationen, an denen kleinere Fische, wie die Mond-Lippfische (Moon Wrasse) und Blaue Putzerlippfische (Blue Wrasse), größere Meeresbewohner von Parasiten und abgestorbener Haut befreien. Für die Fuchshaie sind Monad Shoal und Kimud Shoal wichtige Anlaufstellen für diese morgendliche Körperpflege. Das Faszinierende daran ist, dass die Haie während dieses Prozesses bemerkenswert ruhig und oft sogar still in der Wassersäule verharren, was Tauchern die seltene Gelegenheit gibt, sie aus nächster Nähe zu beobachten. Es ist eine symbiotische Beziehung – die Putzerfische erhalten eine Mahlzeit, und die Haie werden von lästigen Parasiten befreit.
Der Fuchshai: Ein Porträt des Langschwänzigen Jägers
Um die Begegnung mit einem Fuchshai wirklich wertzuschätzen, lohnt es sich, mehr über diese einzigartigen Tiere zu erfahren. Fuchshaie (Gattung Alopias) gehören zur Ordnung der Makrelenhaiartigen (Lamniformes). Ihr markantestes Merkmal ist, wie bereits erwähnt, ihr stark verlängerter oberer Schwanzlappen, der ihnen auch ihren Namen gibt, da er an den buschigen Schwanz eines Fuchses erinnert.
Arten von Fuchshaien
Es gibt drei anerkannte Arten von Fuchshaien, die sich in Größe, Farbe und Verbreitung unterscheiden:
- Gemeiner Fuchshai (Alopias vulpinus): Dies ist die größte Art. Sie kann eine beeindruckende Länge von über 6 Metern (oder 20 Fuß) erreichen und über 500 Kilogramm wiegen. Ihre Oberseite ist typischerweise dunkelgrün gefärbt. Sie sind oft auf den Kontinentalschelfen im Nordpazifik, unter anderem vor Nordamerika und Asien, zu finden.
- Großaugen-Fuchshai (Alopias superciliosus): Diese Art ist die zweitgrößte und erreicht Längen von bis zu 5 Metern (16 Fuß). Ihre Färbung auf der Oberseite ist eher bräunlich. Sie sind häufiger im Zentral- und Westpazifik anzutreffen. Ihre großen Augen deuten darauf hin, dass sie auch in tieferen oder dämmrigen Bereichen jagen.
- Pelagischer Fuchshai (Alopias pelagicus): Dies ist die kleinste Art der drei, mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 3 Metern (10 Fuß). Ihre Oberseite hat meist eine bläuliche Färbung. Wie der Name schon sagt, leben sie vorwiegend pelagisch, also im offenen Meer, sind aber auch in Küstennähe zu finden. Die Fuchshaie, die man in Malapascua sieht, gehören überwiegend zu dieser Art.
Jagdverhalten und Nahrung
Fuchshaie sind aktive Jäger, die sich hauptsächlich von Schwarmfischen wie Makrelen und Heringen, aber auch von Tintenfischen, Kraken und Krebstieren ernähren. Ihr langer Schwanz ist nicht nur zur Fortbewegung da; sie setzen ihn auf spektakuläre Weise bei der Jagd ein. Sie benutzen den Schwanz, um Fischschwärme zusammenzutreiben und dann mit kräftigen Schlägen Fische zu betäuben, bevor sie sie fressen. Gelegentlich wurden Fuchshaie auch dabei beobachtet, wie sie aus dem Wasser springen ('breaching'), möglicherweise um Seevögel zu jagen.
Habitat und Verbreitung
Obwohl Fuchshaie hauptsächlich im offenen Ozean in moderaten bis tiefen Gewässern leben, suchen sie auch küstennahe Zonen auf, insbesondere zur Jagd oder eben – wie in Malapascua – zur Reinigung. Ihre weltweite Verbreitung erstreckt sich über gemäßigte und tropische Ozeane.
Das Taucherlebnis in Malapascua: Begegnungen in der Tiefe
Der Tauchgang zu den Fuchshaien in Malapascua ist ein ganz besonderes Ritual. Da die Haie die Reinigungsstationen nur in den frühen Morgenstunden besuchen, beginnen die Tauchausflüge zum Monad Shoal oder Kimud Shoal typischerweise noch vor Sonnenaufgang. Das frühe Aufstehen lohnt sich jedoch allemal, denn die Chance, diese eleganten Tiere in der Dämmerung aus der Tiefe aufsteigen zu sehen, ist ein unvergessliches Erlebnis.
Der Tauchplatz Monad Shoal ist das berühmteste Ziel für Fuchshai-Taucher. Es handelt sich um ein versunkenes Plateau, dessen Oberkante sich in einer Tiefe von etwa 16 bis 32 Metern befindet. An den Seiten fällt das Plateau steil auf über 200 Meter ab. Die Reinigungsstationen befinden sich auf dem flacheren Teil des Plateaus. Taucher positionieren sich meist an einer Kante oder einem bestimmten Punkt auf dem Plateau und warten geduldig, oft im Knien oder Liegen auf dem Grund, bis die Fuchshaie aus der Tiefe aufsteigen.
Die Fuchshaie in Malapascua, hauptsächlich Pelagische Fuchshaie, sind von Natur aus eher scheu und Einzelgänger. Sie reagieren empfindlich auf Lärm, schnelle Bewegungen und vor allem auf aufsteigende Luftblasen. Um eine gute Chance auf eine nahe Begegnung zu haben und die Haie nicht zu verscheuchen, ist es entscheidend, sich so ruhig wie möglich zu verhalten. Taucher werden angehalten, ruhig zu atmen, sich langsam zu bewegen und auf das Blasen von unnötigen Luftblasen zu verzichten. Geduld und Stille sind hier der Schlüssel zum Erfolg.
Aufgrund der erforderlichen Tiefe des Tauchgangs (typischerweise zwischen 20 und 30 Metern, um die Haie auf dem Plateau zu sehen) und der oft längeren Grundzeit beim Warten auf die Haie, wird für Fuchshai-Tauchgänge in Malapascua häufig die Verwendung von Nitrox empfohlen. Nitrox ist ein Atemgas mit einem höheren Sauerstoffanteil als normale Luft, das die Stickstoffaufnahme im Körper reduziert und somit die Nullzeit verlängert und das Risiko der Dekompressionskrankheit verringert. Dies ermöglicht es Tauchern, länger in der relevanten Tiefe zu bleiben und ihre Chancen auf eine Sichtung zu maximieren.
Neben Monad Shoal gibt es auch Kimud Shoal, einen weiteren Tauchplatz in der Nähe, der ebenfalls für Fuchshai-Sichtungen bekannt ist, wenn auch vielleicht nicht mit der gleichen täglichen Zuverlässigkeit wie Monad Shoal.
Mehr als nur Fuchshaie: Die Vielfalt Malapascuas
Obwohl die Fuchshaie zweifellos die Hauptattraktion sind, hat das Tauchen rund um Malapascua noch weit mehr zu bieten. Die Insel und ihre umliegenden Tauchplätze bieten eine unglaubliche Vielfalt, die Taucher jeder Erfahrungsstufe und mit unterschiedlichsten Interessen begeistert.

- Riffe und Steilwände: Es gibt wunderschöne, farbenprächtige Korallengärten und dramatische Steilwände, die eine Fülle von Rifffischen und Wirbellosen beherbergen.
- Wracktauchen: Für Liebhaber der Geschichte und des Abenteuers gibt es mehrere interessante Wracks in erreichbarer Nähe, die künstliche Riffe bilden und eine Heimat für eine Vielzahl von Meereslebewesen sind.
- Muck Diving: In den sandigeren oder schlammigeren Gebieten rund um Malapascua findet man fantastische Muck-Diving-Spots. Hier kann man stundenlang nach seltenen und bizarren Makro-Kreaturen suchen, wie Anglerfische, Seepferdchen, verschiedene Arten von Garnelen und Krabben sowie eine unglaubliche Vielfalt an Nacktschnecken (Nudibranchs).
- Gato Island: Ein besonders beliebter Tauchplatz ist Gato Island, ein kleines Meeresschutzgebiet in der Nähe von Malapascua. Gato Island ist berühmt für seinen Unterwassertunnel, den man durchtauchen kann und in dem oft Weißspitzen-Riffhaie schlafen. Rund um Gato Island gibt es ebenfalls eine reiche Makrofauna und die Chance auf Begegnungen mit größeren Fischen.
- Mandarinfische: Ein weiteres Highlight ist der abendliche Tauchgang zur Beobachtung der Paarung der farbenprächtigen Mandarinfische – ein faszinierendes Naturschauspiel.
- Weitere Großfische: Neben Fuchshaien und Weißspitzenhaien werden in Malapascua gelegentlich auch andere größere Haie und Rochen gesichtet. Es gab sogar Berichte über Sichtungen von Tigerhaien in letzter Zeit.
Diese Vielfalt macht Malapascua zu einem Ziel, das nicht nur für einen kurzen Besuch wegen der Fuchshaie, sondern auch für längere Tauchreisen von einer Woche oder mehr attraktiv ist. Ob Sie Anfänger sind, der seine ersten Tiefen erkundet, oder ein erfahrener technischer Taucher, der die steilen Abhänge erkunden möchte, ob Sie ein Fan von Makroaufnahmen sind oder die Begegnung mit Großfischen suchen – Malapascua bietet Tauchgänge für jeden Geschmack.
Anreise nach Malapascua
Die Anreise nach Malapascua erfordert etwas Zeit, ist aber gut machbar. Der erste Schritt ist ein internationaler Flug zum Mactan-Cebu International Airport (CEB) in Cebu City auf den Philippinen.
Von Cebu City aus müssen Sie zum Hafen von Maya im Norden der Insel Cebu gelangen. Dies ist der Abfahrtspunkt für die Boote nach Malapascua. Sie haben zwei Hauptoptionen für diese Strecke:
- Bus: Vom North Bus Terminal in Cebu City fahren regelmäßig Busse nach Maya. Die Fahrt dauert je nach Verkehr etwa 4 bis 5 Stunden. Es gibt klimatisierte und nicht-klimatisierte Busse.
- Privat-Van oder Taxi: Eine schnellere und komfortablere Option ist die Anmietung eines privaten Vans oder Taxis. Dies dauert typischerweise etwa 3 bis 4 Stunden, ist aber entsprechend teurer.
Sobald Sie in Maya am Hafen angekommen sind, nehmen Sie ein motorisiertes Auslegerboot, eine sogenannte 'Banca', zur Insel Malapascua. Die Bootsfahrt dauert etwa 30 Minuten. Beachten Sie, dass bei sehr niedrigem Wasserstand die Boote möglicherweise nicht direkt am Hauptstrand von Malapascua anlegen können und kleinere Boote eingesetzt werden, um Passagiere und Gepäck zum Ufer zu bringen.
Häufig gestellte Fragen zu Fuchshaien in Malapascua
Hier beantworten wir einige der gängigsten Fragen, die Taucher bezüglich der Fuchshaie in Malapascua haben:
Wo genau sehe ich die Fuchshaie in Malapascua?
Die Fuchshaie werden fast täglich am Monad Shoal gesichtet, einem versunkenen Plateau etwa 30-40 Minuten Bootsfahrt von Malapascua entfernt. Seltener werden sie auch am nahe gelegenen Kimud Shoal gesehen.
Wann ist die beste Zeit, um Fuchshaie zu sehen?
Die Fuchshaie kommen in den frühen Morgenstunden, typischerweise zwischen 6:00 und 9:00 Uhr, zu den Reinigungsstationen auf dem Monad Shoal. Tauchausflüge starten daher sehr früh.
In welcher Tiefe werden die Fuchshaie gesichtet?
Die Fuchshaie besuchen die Reinigungsstationen auf dem Monad Shoal, dessen Oberkante in einer Tiefe von etwa 16 bis 32 Metern liegt. Die meisten Sichtungen erfolgen in diesem Tiefenbereich, während die Haie von den Putzerfischen gereinigt werden.
Sind Fuchshaie für Taucher gefährlich?
Nein, Fuchshaie gelten als nicht gefährlich für Menschen. Sie sind von Natur aus scheu und meiden normalerweise die Nähe von Tauchern. Es gab keine bekannten unprovozierten Angriffe von Fuchshaien auf Menschen.
Wie verhalte ich mich bei einer Fuchshai-Begegnung?
Das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben. Vermeiden Sie schnelle Bewegungen und blasen Sie keine unnötigen Luftblasen aus. Bleiben Sie, wenn möglich, an einer Stelle (oft wird auf dem Sandboden gekniet oder gelegen) und beobachten Sie die Haie aus der Distanz. Respektieren Sie den notwendigen Abstand, um die Tiere nicht zu stören oder zu verscheuchen.
Brauche ich eine spezielle Zertifizierung, um mit Fuchshaien zu tauchen?
Da die Tauchgänge zum Monad Shoal in Tiefen von über 18 Metern stattfinden, benötigen Sie mindestens eine Advanced Open Water Diver Zertifizierung oder eine äquivalente Brevetierung. Aufgrund der Tiefe und Tauchzeit wird oft auch ein Nitrox-Brevet empfohlen.
Gibt es eine Saison für Fuchshaie in Malapascua?
Das Besondere an Malapascua ist, dass Fuchshaie das ganze Jahr über gesichtet werden können, da sie die Reinigungsstationen täglich besuchen. Es gibt keine spezifische Saison, in der sie nur auftreten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Malapascua ein einzigartiges Reiseziel für Taucher ist, die von einer Begegnung mit dem eleganten Fuchshai träumen. Die Zuverlässigkeit der Sichtungen am Monad Shoal in den frühen Morgenstunden, kombiniert mit der unglaublichen Vielfalt anderer Taucherlebnisse, macht die Insel zu einem Muss auf der Bucket List vieler Unterwasser-Enthusiasten. Planen Sie Ihre Reise, packen Sie Ihre Ausrüstung und machen Sie sich bereit für ein unvergessliches Abenteuer in den Gewässern der Philippinen.
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