Die Einwanderung in die Vereinigten Staaten hat die Demografie und Kultur des Landes maßgeblich beeinflusst. Seit der Gründung des Staates suchten Millionen Menschen aus religiösen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen ein neues Leben in Amerika, während andere, insbesondere afrikanischer Herkunft, zwangsweise angesiedelt wurden. Diese fortwährende Bewegung von Menschen hat die USA zu dem gemacht, was sie heute sind: ein Land geprägt von Vielfalt und den Geschichten unzähliger Einwanderer.

Frühe Siedler und koloniale Einwanderung
Nach der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch Christoph Kolumbus begann die Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents durch Europäer. Die ersten bedeutenden Einwanderer stammten aus dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden. Die Besiedlung erfolgte hauptsächlich aus drei Richtungen:
- Aus dem Vereinigten Königreich und Irland an die Ostküste.
- Aus Frankreich in das heutige Kanada und entlang des Mississippi River.
- Aus Spanien in den Süden und Südwesten des Kontinents.
Diese frühe Phase legte den Grundstein für die spätere Entwicklung der Kolonien und beeinflusste Sprache, Kultur und soziale Strukturen in den jeweiligen Regionen maßgeblich.
Einwanderung von 1776 bis 1849
Zum Ende des 18. Jahrhunderts, kurz nach der Staatsgründung, machten Deutsche bereits etwa 9 Prozent der amerikanischen Bevölkerung aus. Diese Zahl wuchs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erheblich an, als etwa 500.000 Deutsche nach Amerika auswanderten. Viele von ihnen suchten Zuflucht nach der gescheiterten Revolution von 1848 und wurden als 'Forty-Eighters' bekannt. Auch Organisationen wie die Gießener Auswanderungsgesellschaft und der Mainzer Adelsverein förderten diese Migration.
Eine weitere immense Welle von Einwanderern in dieser Zeit waren die Iren. Zwischen 1845 und 1849 führte die Große Hungersnot in Irland dazu, dass Millionen Iren nach Amerika flohen, um dem Hunger und der Not in ihrer Heimat zu entkommen. Diese Einwanderungswellen veränderten die demografische Zusammensetzung der jungen Nation erheblich.
Die große Einwanderungswelle (1820–1924)
Der Höhepunkt der Immigration wurde zwischen 1892 und 1924 erreicht. Ab 1820 begann das neu gegründete Department of Immigration Statistic mit der zentralen Erfassung und Archivierung von Einwanderungsdaten. Informationen über Herkunft, Zahl, Niederlassungsort und Beschäftigung der Einwanderer wurden systematisch gesammelt.
Besonders bekannt wurde Ellis Island in New York, das von 1892 bis 1954 als zentrale Anlaufstelle für Millionen Einwanderer diente. Für viele war Ellis Island das erste, was sie von Amerika sahen, der Ort, an dem über ihre Zukunft entschieden wurde. Für Einwanderer, die zwischen 1892 und 1924 über Ellis Island einreisten, sind heute viele Daten online einsehbar.
Mehrere Ereignisse und Entwicklungen beeinflussten den Zuwanderungsfluss in dieser Periode maßgeblich:
- Die Große Hungersnot in Irland (1845–1849).
- Die Revolutionen von 1848 in Deutschland und anderen europäischen Ländern.
- Der Homestead Act von 1862, der Einwanderern Land versprach.
- Die Industrialisierung in den USA, die Arbeitsplätze schuf.
- Wirtschaftliche Schwierigkeiten und politische Unruhen in Europa.
- Verbesserungen im Überseetransport durch Dampfschiffe.
Zwischen 1850 und 1930 immigrierten schätzungsweise 5 Millionen Deutsche. Zwischen 1876 und 1910 verließen rund 3 Millionen Menschen Österreich-Ungarn in Richtung USA, oft über die großen deutschen Reedereien Norddeutscher Lloyd (Bremen) und Hamburg-Amerika-Linie (Hamburg) oder über Triest mit der Austro-Americana. Französische Kanadier wanderten zwischen 1840 und 1930 zu 900.000 ins Land und siedelten sich vorwiegend in Neuengland an. Zwischen 1910 und 1920 immigrierten über 2 Millionen Italiener.
Restriktive Einwanderungspolitik
Die offene Einwanderungspolitik begann sich Ende des 19. Jahrhunderts zu ändern. 1882 wurde der Chinese Exclusion Act verabschiedet, der chinesische Arbeiter von der Einwanderung ausschloss. Dieses diskriminierende Gesetz wurde erst 1943 aufgehoben. Danach galt für chinesische Immigranten bis 1965 die Quotenregelung von 1924, die nur 105 chinesische Neuimmigranten pro Jahr erlaubte.
1921 wurde die Einwanderung erstmals einer Quotenregelung unterworfen (Emergency Quota Act). Drei Jahre später folgte der Immigration Act von 1924. Diese Gesetze sollten die Einwanderung aus Süd- und Osteuropa zugunsten der Einwanderung aus Nord- und Westeuropa eindämmen und den „weißen“ Charakter der Bevölkerung sichern. Die Zahl der Neueinwanderer pro Land wurde auf drei Prozent des Anteils an der Bevölkerung von 1890 begrenzt, was die Zusammensetzung der Einwanderer drastisch beeinflusste.
Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland (1933–1945) wurden etwa 220.000 Europäer, die meisten mit jüdischem Hintergrund, als Flüchtlinge in den USA registriert. Jedoch wurden die Visaanträge von mehreren hunderttausend weiteren Europäern mit jüdischem und anderem kulturellen Hintergrund abgewiesen.
Wandel nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere in den ersten Nachkriegsjahren, hatten viele Menschen in Europa den Wunsch, in die USA auszuwandern, da ihre Heimatländer oft zerstört waren und unter Hunger, Not und Wohnungsmangel litten.
Eine entscheidende Änderung trat 1965 in Kraft, als das rassistische Quotensystem von 1924 aufgehoben wurde. Von nun an wurden die Reihenfolge der Antragstellung, die Herkunft nach Weltregion und Fragen der Familienzusammenführung berücksichtigt. Seit 1978 gilt eine weltweit einheitliche Quote für die Einwanderung in die USA.

Die Aufhebung des Quotensystems führte zu einer dramatischen Veränderung der Zusammensetzung der Einwandernden. Waren 1970 noch 62 % der im Ausland geborenen Bewohner Europäer, sank dieser Anteil bis 2000 auf 15 %. Die Zahl der Einwanderer stieg stark an: von 2,5 Millionen in den 1950er Jahren auf über 10 Millionen in den 1990er Jahren.
Aufgrund dieser veränderten Migrationsmuster wurden die Hispanics zur größten ethnischen Minderheit der USA. Ihre Zahl stieg allein zwischen 1990 und 2000 um 61 %. Die Einwanderung in den 1990er Jahren übertraf in absoluten Zahlen sogar die Masseneinwanderung Ende des 19. Jahrhunderts. Allerdings war der relative Anteil der im Ausland geborenen Bewohner Anfang des 20. Jahrhunderts höher (15 % im Jahr 1910) als im Jahr 2000 (ca. 10 %).
Rechtliche Rahmenbedingungen und aktuelle Situation
Das geltende Einwanderungsrecht wurde im Wesentlichen durch den Immigration Reform and Control Act (IRCA) von 1986 und den Illegal Immigration Reform and Immigrant Responsibility Act (IIRIRA) von 1996 geschaffen.
Illegal Eingewanderte waren in den USA schon immer weitgehend von staatlicher Fürsorge ausgeschlossen. Der Personal Responsibility and Work Opportunity Reconciliation Act (PRWORA) von 1996 schloss weitere Einwanderergruppen aus. Staatliche Mittel stehen demnach nur „qualifizierten“ Einwanderern zu, wozu Flüchtlinge, Asylbewerber und Inhaber einer Green Card zählen. Illegale Einwanderer, Touristen, Studenten und bestimmte kurzzeitige Arbeitsmigranten gehören nicht dazu. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie Notfall-Medicaid, Schulverpflegung und kurzfristige Katastrophenhilfe.
Der Real ID Act von 2005 wirkte sich ebenfalls auf Einwanderer aus, indem er die Anforderungen an Dokumente verschärfte, die zur Ausstellung eines Führerscheines oder zur Beantragung von politischem Asyl vorgelegt werden müssen. Dies führte am 1. Mai 2006 zu Demonstrationen von Hunderttausenden illegaler Einwanderer und US-Bürger, die unter dem Motto „Tag ohne Einwanderer“ auf ihre wirtschaftliche Bedeutung aufmerksam machten.
In den folgenden Jahren scheiterten mehrere Gesetzesvorlagen zur Einwanderungsreform im Kongress. Unter Präsident Donald Trump wurden Abschiebungsmaßnahmen verschärft und das DACA-Programm, das bestimmte illegal als Kinder eingewanderte Personen schützte, beendet. Die Regierung Biden kündigte 2023 eine Verschärfung des Asylrechts an der Grenze zu Mexiko an, um illegale Einreisen zu verhindern und Asylanträge über eine App zu steuern.
Flüchtlinge und Asylbewerber
Die Vereinigten Staaten unterscheiden zwischen Flüchtlingen (refugees) und Asylbewerbern (asylum seekers). Flüchtlinge reisen in der Regel über das Resettlement-Programm des UNHCR oder nach persönlicher Anerkennung ein und durchlaufen ein strenges Screening-Verfahren. Der Kongress legt jährliche Obergrenzen für die Aufnahme von Flüchtlingen fest, die im Laufe der Zeit stark variierten (z.B. 231.700 im Jahr 1980, 50.000 im Jahr 2017). Das Office of Refugee Resettlement (ORR) unterstützt Flüchtlinge bei ihrem Start in den USA.
Asylbewerber stellen ihren Antrag auf US-Gebiet oder an der Grenze. Im Gegensatz zum Flüchtlingsprogramm unterliegt die Gewährung von Asyl keiner Obergrenze. Asylbewerber können eine Arbeitserlaubnis beantragen, wenn 150 Tage nach Antragstellung noch keine Entscheidung getroffen wurde. Wer Asyl erhält, darf arbeiten.
Illegale Einwanderung
Illegal Eingewanderte machen schätzungsweise 3,5 % der Gesamtbevölkerung und 5 % der Erwerbstätigen in den USA aus. Zahlreiche von ihnen zahlen Sozialversicherungsbeiträge, oft über falsche Sozialversicherungsnummern, ohne dadurch ein Anrecht auf Leistungen zu erwerben. Diese Beiträge landen im Earnings Suspense File (ESF). Schätzungen zufolge zahlten illegale Einwanderer und ihre Arbeitgeber im Jahr 2010 insgesamt 13 Milliarden US-Dollar auf diese Weise ein.
Minderjährige, die sich illegal in den USA aufhalten, haben laut Rechtsprechung Anspruch auf eine Schulbildung in der öffentlichen Schule.
Spezifische Einwanderungsgruppen
Zu den großen europäischen Einwanderergruppen zählen traditionell die Deutschen, Iren und Italiener.
Die meisten Einwanderungen aus der Schweiz fanden in der 2ish Hälfte des 19. Jahrhunderts statt, oft aus wirtschaftlichen Gründen, da die Schweiz damals als eines der ärmsten Länder Europas galt.

| Jahr | Anzahl Schweizer Einwanderer |
|---|---|
| bis 1820 | 25.000 |
| 1820–1860 | 40.000 |
| 1860–1880 | 50.000 |
| 1880–1890 | 82.000 |
| 1890–1920 | 90.000 |
Frühe Schweizer Einwanderer bis 1820 zog es vor allem nach Pennsylvania und North/South Carolina. Im 19. Jahrhundert waren der Mittlere Westen und die Pazifikküste beliebte Ziele. Italienischsprachige Schweizer bevorzugten Kalifornien. Es wurden auch Schweizer Siedlungen gegründet, wie New Glarus in Wisconsin oder New Bern in North Carolina.
Die Mehrheit der schwedischen Einwanderer kam Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, meist über New York in den Mittleren Westen. Im Jahr 1900 war Chicago nach Stockholm die Stadt mit der größten Anzahl schwedischer Einwohner weltweit. Viele ließen sich in Minnesota, Michigan und Wisconsin als Farmer nieder.
Beim US Census 2000 gaben über eine Million Menschen an, griechischer Abstammung zu sein. Sie konzentrierten sich vorwiegend in New York, Chicago und Florida.
| Jahr | Anzahl griechischer Einwanderer |
|---|---|
| 1890–1917 | 450.000 |
| 1918–1924 | 70.000 |
| 1925–1945 | 30.000 |
| 1946–1982 | 211.000 |
Zwangseinwanderung: Afrikanische Sklaverei
Die Mehrheit der afrikanischen Sklaven wurde noch vor der Unabhängigkeit der USA (1776) ins Land gebracht. Schätzungen zufolge wurden vor 1776 etwa 300.000 Sklaven in die englischen Kolonien verschifft. Zwischen dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und dem Sezessionskrieg folgten weitere 100.000. In den Südstaaten, wo die Sklaverei eng mit der Wirtschaft verbunden war, wuchs die Zahl der Sklaven bis zum Ende des Sezessionskrieges im Jahr 1865 auf etwa vier Millionen an.
Statistische Einblicke
Das Office of Immigration Statistics veröffentlicht jährlich das Yearbook of Immigration Statistics mit Daten seit 1820. Laut US Census Bureau war 2013 etwa jeder zehnte der über 317 Millionen US-Bürger in einem der 20 Haupteinwandererstaaten geboren.
Häufig gestellte Fragen
Wer waren die ersten historischen Einwanderer in den USA?
Die ersten bedeutenden historischen Einwanderer stammten aus dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden, die Kolonien an der Ostküste gründeten.
Wann gab es die größten Einwanderungswellen?
Die größte Masseneinwanderung in absoluten Zahlen fand in den 1990er Jahren statt, aber relativ zur Gesamtbevölkerung war der Anteil der im Ausland Geborenen um 1910 am höchsten.
Welche bedeutenden Gesetze beeinflussten die Einwanderung?
Wichtige Gesetze waren der Chinese Exclusion Act von 1882, der Immigration Act von 1924 mit seinen Quoten, der Immigration and Nationality Act von 1965, der das Quotensystem abschaffte, sowie IRCA (1986) und IIRIRA (1996).
Sind illegale Einwanderer vollständig von staatlicher Unterstützung ausgeschlossen?
Weitgehend ja, gemäß PRWORA von 1996, aber es gibt Ausnahmen wie Notfall-Medicaid, Schulverpflegung für Kinder und kurzfristige Katastrophenhilfe. Viele zahlen Steuern, ohne Anspruch auf Sozialleistungen zu erwerben.
Was ist der Unterschied zwischen einem Flüchtling und einem Asylbewerber in den USA?
Flüchtlinge werden in der Regel vor der Einreise nach Prüfung ihres Status aufgenommen (oft über das UNHCR), während Asylbewerber ihren Antrag stellen, nachdem sie bereits auf US-Gebiet oder an der Grenze angekommen sind.
Die Geschichte der Einwanderung in die USA ist eine komplexe Erzählung von Hoffnung, Zwang, wirtschaftlichen Chancen und sich wandelnden politischen Rahmenbedingungen. Sie hat das Land fundamental geprägt und bleibt bis heute ein zentrales Thema der amerikanischen Gesellschaft.
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