Was bedeutet das indische Hakenkreuz?

Das Hakenkreuz: Eine tausendjährige Geschichte

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Wenn wir heute das Hakenkreuz sehen, denken die meisten unweigerlich an die Gräueltaten des Nationalsozialismus. Es ist zum Symbol für Hass, Gewalt und Völkermord geworden. Doch das Hakenkreuz, oder Swastika, hat eine Geschichte, die Tausende von Jahren zurückreicht und in vielen Kulturen der Welt eine ganz andere, oft positive Bedeutung hatte. Von einem alten Heilszeichen bis zur schrecklichen Vereinnahmung durch das Dritte Reich – die Entwicklung dieses Symbols ist komplex und vielschichtig.

Das Wort „Swastika“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet in etwa „Glücksbringer“ oder „das zum Gutsein Gehörige“. Es setzt sich aus den Silben „su“ (gut) und „asti“ (es ist) zusammen. Dieses altindische Wort wurde im 19. Jahrhundert in den europäischen Sprachgebrauch übernommen, um das Symbol zu beschreiben, das Archäologen und Ethnologen in verschiedenen Kulturen entdeckten. Im Deutschen setzte sich jedoch im 18. Jahrhundert die Bezeichnung „Hakenkreuz“ durch, die ein heraldisches Zeichen beschrieb, das der Swastika ähnelte.

Was ist der Ursprung des Hakenkreuzes?
Ursprünglich war das Hakenkreuz, ein rechtsdrehendes Kreuz mit geknickten Balken, ein Heilszeichen, vermutlich ein Sonnensymbol. Seit etwa 4000 Jahren ist es besonders in Europa und Asien verbreitet. Noch heute sind beispielsweise viele buddhistische Tempel in Asien mit Hakenkreuzen versehen.

Ursprünge und weltweite Verbreitung

Die ältesten bekannten Funde des Swastika-Symbols sind erstaunlich alt. Eine späte paläolithische Figur eines Vogels aus Mammut-Elfenbein, gefunden in Mesyn, Ukraine, trägt ein Muster aus verbundenen Swastiken und wird auf etwa 10.000 v. Chr. datiert. Dies deutet auf eine prähistorische Verwendung des Symbols hin. In den Bergen des Iran gibt es über 7.000 Jahre alte Swastika-Inschriften auf Steinmauern. Auch auf Keramik aus der neolithischen Vinča-Kultur (6. Jahrtausend v. Chr.) in Südosteuropa wurden Swastiken gefunden.

Besonders weit verbreitet war das Symbol seit etwa 4000 Jahren in Europa und Asien. In der Indus-Kultur im heutigen Pakistan erschien die Swastika ab etwa 3000 v. Chr. auf Siegeln. Später fand sie sich in Bronze- und Eisenzeitkulturen rund um das Schwarze und Kaspische Meer. Im Zoroastrismus Persiens war sie ein Symbol der sich drehenden Sonne oder der fortwährenden Schöpfung. Auf mesopotamischen Münzen war sie eines der häufigsten Symbole.

Auch in Europa gab es prähistorische und antike Funde. Der „Swastikastein“ auf Ilkley Moor in England trägt eine Swastika-ähnliche Figur, die auf die späte Bronzezeit datiert wird. In der Minoischen Kultur auf Kreta, der griechischen Vasenmalerei, der Villanovakultur und bei den Etruskern fanden sich Swastika-Motive. Im Römischen Reich war die Swastika oft Teil komplexer Mäander-Ornamente in Mosaiken, Fresken und Stuck. Sie symbolisierte oft die fortwährende Bewegung, ähnlich einem Wind- oder Wasserrad.

In Nordamerika verwendeten indigene Völker wie die Hopi, Navajo und Tlingit die Swastika in ihrer Kunst und Ikonographie. Bei den Navajo war das Symbol, „tsin náálwołí“ genannt, ein Zeichen für Menschheit und Leben und wurde in Heilungsritualen verwendet. Bei den Hopi repräsentierte es den wandernden Hopi-Clan. Auch in Afrika, etwa in Äthiopien oder bei den Ashanti in Ghana, finden sich Swastika-ähnliche Muster.

Die Swastika in asiatischen Religionen

In den indischen Religionen – Hinduismus, Buddhismus und Jainismus – ist die Swastika bis heute ein zutiefst spirituelles und heiliges Symbol. Sie wird als Glücks-, Heils- und Wohlstandszeichen verwendet.

Sind Hakenkreuze japanisch?
Das Hakenkreuz wurde als Standardzeichen ins Chinesische übernommen, „卍“ (Pinyin: wàn), und fand so Eingang in verschiedene andere ostasiatische Sprachen, darunter auch in die chinesische Schrift. Im Japanischen heißt das Symbol „卍“ (Hepburn: manji) oder „卍字“ (manji) .
  • Hinduismus: Die Swastika ist neben dem Om das wichtigste Symbol. Die rechtsgewinkelte Form (Swastika) gilt als glückverheißend und symbolisiert die Bewegung der Sonne, Glück, Wohlstand und das Chakra Vishnus. Sie wird bei religiösen Zeremonien, Hochzeiten und Festen verwendet und findet sich an Eingängen von Häusern und Tempeln. Die seltenere linksgewinkelte Form (Sauvastika) wird dem weiblichen Aspekt der Gottheit zugeordnet und kann in tantrischen Traditionen Kali symbolisieren oder für Nacht und Niedergang stehen, obwohl sie auch hier nicht ausschließlich negativ konnotiert ist. Die vier Arme können für die vier Veden oder die vier Ziele des Lebens stehen.
  • Buddhismus: Im Buddhismus symbolisiert die Swastika die glückverheißenden Fußabdrücke Buddhas oder die Buddha-Natur selbst. Die linksgewinkelte Form (Sauwastika) ist häufig auf der Brust, den Füßen oder Handflächen von Buddha-Bildnissen zu finden. Sie repräsentiert den ewigen Kreislauf (Samsara) und ist ein anikonisches Symbol für den Buddha in vielen Teilen Asiens. In Ostasien, besonders in China und Japan, ist die Swastika (wan oder manji) ein Symbol für Glück, Fülle, Wohlstand und langes Leben. Sie wird oft als Zeichen für Unendlichkeit oder „zehntausend“ verwendet und ist ein häufiges Ornament in Tempeln und auf Alltagsgegenständen.
  • Jainismus: Für Jains ist die Swastika ein zentrales Symbol, das Samsara und die vier möglichen Existenzstufen der Seele (Himmel, Hölle, Mensch, Pflanze/Tier) repräsentiert, bevor Moksha (Erlösung) erreicht wird. Sie ist auch das Symbol des siebten Tirthankara und eines der acht glückverheißenden Symbole (aṣṭamaṅgala).
  • Bön-Religion: In der tibetischen Bön-Religion ist die linksgewinkelte Swastika, Yungdrung genannt, ein heiliges Symbol, das Festigkeit, Ausdauer und Beständigkeit symbolisiert.

In vielen asiatischen Ländern, wie Indien, Nepal, Sri Lanka, Bhutan, Thailand und Kambodscha, ist die Swastika weiterhin ein alltägliches Symbol des Glücks und der Spiritualität, das auf Tempeln, Gebäuden, Fahrzeugen und Kleidung zu sehen ist.

Wiederentdeckung und Aneignung im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert weckten archäologische Funde, insbesondere die von Heinrich Schliemann in Troja, das Interesse europäischer Gelehrter an der Swastika. Schliemann fand zahlreiche Objekte mit Swastika-Motiven und verband sie fälschlicherweise mit einer angeblichen „arischen Rasse“. Beeinflusst von antisemitischen Theorien der Zeit, wie denen von Émile Burnouf, interpretierte er die Swastika als Symbol der „arischen Vorfahren“ und stellte eine Verbindung zu Funden in Deutschland her.

Diese fehlgeleitete Interpretation wurde von der aufkommenden völkischen Bewegung in Deutschland aufgegriffen. Autoren wie Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels vereinnahmten die Swastika als Symbol einer vermeintlichen „arischen Rasse“ und deuteten sie antisemitisch. Sie wurde Teil von esoterischen, okkulten und rassistischen Ideologien, die eine nordische Herkunft der „Arier“ und ihrer Symbole behaupteten. Das Symbol wurde in der deutschen Turnerbewegung und von verschiedenen völkischen Organisationen als Zeichen des „Deutschtums“ und der „arischen Reinheit“ verwendet.

Das Hakenkreuz und der Nationalsozialismus

Adolf Hitler stieß wahrscheinlich schon in seiner Jugend auf das Hakenkreuz, etwa im Stift Lambach, wo es im Wappen eines Abtes zu finden war. Er kannte auch die antisemitische Deutung aus völkischen Kreisen. Im Jahr 1920 wählte die neu gegründete Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) das Hakenkreuz als ihr Parteisymbol. Hitler selbst entwarf die Parteifahne: ein schwarzes, um 45 Grad gedrehtes Hakenkreuz auf einem weißen Kreis auf rotem Grund.

Hitler erklärte die Symbolik der Fahne in seinem Buch „Mein Kampf“: „Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen“. Das Hakenkreuz wurde somit zum zentralen Symbol der nationalsozialistischen Ideologie, des Rassismus und des Antisemitismus.

1933 wurde die Hakenkreuzfahne neben der schwarz-weiß-roten Fahne zur Reichsflagge erklärt. Im Jahr 1935, mit den Nürnberger Gesetzen, wurde sie zur alleinigen Nationalflagge des Deutschen Reiches. Das Hakenkreuz war allgegenwärtig in der NS-Propaganda, bei Massenveranstaltungen, auf Gebäuden, Uniformen und Alltagsgegenständen. Es wurde zum visuellen Ausdruck der totalitären Herrschaft und des Terrors.

Was bedeutet das verkehrte Hakenkreuz?
Das umgedrehte Hakenkreuz (nach links gerichtete Swastika) heißt auch Sauwastika. Es steht für den Sonnenuntergang, Unheil und Tod und ist der Göttin Kali gewidmet. … findet sich das Symbol auf Brust, Händen oder Füßen von Buddha -Statuen und in Tempeln.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des NS-Regimes wurde das Hakenkreuz im Jahr 1945 in Deutschland und vielen anderen Ländern verboten. Dieses Verbot gilt bis heute und soll die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts verhindern. Trotz des Verbots wird das Hakenkreuz weiterhin von Neonazis und rechtsextremen Gruppen weltweit als provokatives Symbol verwendet.

Das verkehrte Hakenkreuz und andere moderne Verwendungen

Die Frage nach der Bedeutung des „verkehrten Hakenkreuzes“ bezieht sich oft auf die linksgerichtete Swastika (卍), auch Sauvastika genannt. Wie bereits erwähnt, hat diese Form in vielen asiatischen Religionen wie dem Buddhismus und Jainismus eine eigene, positive Bedeutung, die sich von der rechtsgerichteten Swastika unterscheidet, aber ebenfalls auf Glück und Spiritualität verweist. Es ist wichtig zu betonen, dass die linksgerichtete Swastika in diesen Kontexten keine Verbindung zum Nationalsozialismus hat.

Vor der Vereinnahmung durch die Nazis war die Swastika im Westen ein beliebtes Glückssymbol. Sie wurde für Ornamente, in der Architektur, als Firmenlogo (z.B. Carlsberg, Eimskip), auf Produkten (z.B. Coca-Cola Schlüsselanhänger), in Sportteams und von Pfadfindern verwendet. Diese Verwendungen hörten nach 1933 bzw. 1945 weitgehend auf, um jede Assoziation mit dem NS-Regime zu vermeiden.

In einigen modernen Kontexten wird versucht, die ursprüngliche, positive Bedeutung der Swastika hervorzuheben und sie vom Nazi-Symbol zu differenzieren. Beispiele sind bestimmte Neopaganismus-Bewegungen, die die Swastika als altes Sonnensymbol sehen, oder die Falun Gong Bewegung. Auch Künstler haben das Hakenkreuz verwendet, oft um den Nationalsozialismus zu kritisieren oder seine Auswirkungen darzustellen.

In Asien wird die Swastika weiterhin im religiösen und kulturellen Kontext verwendet, ohne die negative Konnotation, die sie im Westen durch die NS-Geschichte erhalten hat. Dies führt manchmal zu Missverständnissen, wenn westliche Touristen auf das Symbol in asiatischen Tempeln oder auf Karten stoßen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das Hakenkreuz ein japanisches Symbol?
Nein, das Hakenkreuz (oder Swastika) ist kein ursprünglich japanisches Symbol. Es wurde mit dem Buddhismus aus Indien nach China und von dort nach Japan gebracht. In Japan wird es Manji genannt und ist ein wichtiges buddhistisches Symbol für Glück und Unendlichkeit. Es ist auch ein Kartensymbol für buddhistische Tempel.

Was ist der Ursprung des Hakenkreuzes?
Ursprünglich war das Hakenkreuz, ein rechtsdrehendes Kreuz mit geknickten Balken, ein Heilszeichen, vermutlich ein Sonnensymbol. Seit etwa 4000 Jahren ist es besonders in Europa und Asien verbreitet. Noch heute sind beispielsweise viele buddhistische Tempel in Asien mit Hakenkreuzen versehen.

Was bedeutet das indische Hakenkreuz?
In Indien (Hinduismus, Buddhismus, Jainismus) ist die Swastika ein sehr altes und heiliges Symbol für Glück, Wohlstand, Spiritualität und den ewigen Kreislauf. Die rechtsgewinkelte Form (Swastika) symbolisiert oft die Sonne und Glück, die linksgewinkelte Form (Sauvastika) kann unterschiedliche Bedeutungen haben, ist aber ebenfalls ein religiöses Symbol und nicht negativ konnotiert im Sinne des Nazi-Symbols.

Was bedeutet das verkehrte Hakenkreuz?
Das „verkehrte Hakenkreuz“ bezieht sich oft auf die linksgerichtete Swastika (卍), auch Sauvastika genannt. In vielen asiatischen Religionen hat es eigene spirituelle Bedeutungen, oft im Zusammenhang mit dem Komplementären zur rechtsgerichteten Swastika. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Form in ihrem traditionellen Kontext keine Verbindung zum Nationalsozialismus hat.

Warum wählten die Nationalsozialisten das Hakenkreuz?
Die Nationalsozialisten wählten das Hakenkreuz, weil es in völkischen und nationalistischen Kreisen Deutschlands bereits als Symbol einer angeblichen „arischen Rasse“ und des „Deutschtums“ verbreitet und antisemitisch gedeutet wurde. Hitler sah darin ein wirksames Propagandasymbol, das die „Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen“ repräsentierte.

Ist das Zeigen des Hakenkreuzes heute legal?
In Deutschland und vielen anderen Ländern ist das öffentliche Zeigen des Hakenkreuzes als Symbol einer verfassungswidrigen Organisation (der NSDAP) verboten. Ausnahmen gibt es für Zwecke der staatsbürgerlichen Aufklärung, Kunst, Wissenschaft, Forschung, Lehre oder Berichterstattung über historische Ereignisse.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Geschichte des Hakenkreuzes ein komplexes Beispiel dafür ist, wie ein altes, weltweit verbreitetes Symbol mit vielfältigen positiven Bedeutungen durch eine ideologische Vereinnahmung für immer mit den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte verbunden wurde. Es erinnert uns daran, wie Symbole ihre Bedeutung verändern können und wie wichtig es ist, ihre Geschichte und ihre unterschiedlichen Kontexte zu verstehen.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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