Die Frage, ob das neuere Modell eines Smartphones auch immer das deutlich bessere ist, beschäftigt viele Technik-Enthusiasten. Im Falle des Übergangs vom iPhone X zum iPhone XS stellte sich diese Frage insbesondere bei der Kamera – einem der wichtigsten Kriterien für viele Nutzer. Beide Modelle verfügten über ein duales Kamerasystem, doch Apple versprach mit dem XS spürbare Verbesserungen. Schauen wir uns die Details an und finden heraus, wie groß der Sprung tatsächlich war.

Das Kamerasystem: Auf dem Papier ähnlich, in der Praxis anders?
Auf den ersten Blick scheinen die Kameraspezifikationen des iPhone X und des iPhone XS identisch zu sein. Beide Modelle sind mit einem Dual-Kamerasystem ausgestattet, das aus einem 12-Megapixel-Weitwinkelobjektiv und einem 12-Megapixel-Teleobjektiv besteht. Beide verfügen über optische Bildstabilisierung (OIS) für beide Linsen, Autofokus und einen Quad-LED True Tone Blitz.

Die Auflösung der aufgenommenen Bilder ist bei beiden Geräten identisch und beträgt 4000 x 3000 Pixel. Auch grundlegende Aufnahmemodi wie HDR (beim X) bzw. Smart HDR (beim XS) und Panorama sind vorhanden, ebenso wie der beliebte Porträtmodus. Videos können in verschiedenen Auflösungen und Bildraten aufgenommen werden.
Doch die wahren Unterschiede liegen oft im Detail und in der dahinterstehenden Technologie. Beim iPhone XS hat Apple den Hauptsensor überarbeitet. Während das Teleobjektiv unverändert blieb (mit einer Pixelgröße von 1,0 µm), erhielt der Weitwinkelsensor des iPhone XS größere Pixel (1,4 µm gegenüber 1,22 µm beim iPhone X) und doppelt so viele Fokuspixel. Größere Pixel sind in der Lage, mehr Licht einzufangen, was sich insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen positiv auswirken kann. Mehr Fokuspixel verbessern die Geschwindigkeit und Präzision des Autofokus.
Der Einfluss des Prozessors und des ISP
Der vielleicht größte Unterschied zwischen den Kameras der beiden iPhones liegt nicht nur in den Sensoren selbst, sondern maßgeblich in der dahinterliegenden Bildverarbeitung, die vom Prozessor und dem integrierten Bildsignalprozessor (ISP) gesteuert wird. Das iPhone X wurde vom A11 Bionic Chip angetrieben, während das iPhone XS den neueren und leistungsstärkeren A12 Bionic Chip nutzte. Der A12 Bionic war nicht nur insgesamt schneller, sondern verfügte auch über einen verbesserten ISP und eine leistungsfähigere Neural Engine (NPU), die für maschinelles Lernen und KI-Aufgaben zuständig ist.
Dieser verbesserte ISP im iPhone XS ermöglichte neue Funktionen und eine intelligentere Bildverarbeitung. Eine Schlüsselneuerung war das sogenannte Smart HDR. Im Gegensatz zum einfacheren HDR des iPhone X, das typischerweise drei Bilder mit unterschiedlicher Belichtung kombinierte, nahm Smart HDR mehrere Einzelbilder (einen 4-Frame-Buffer für null Auslöseverzögerung), Interframes und eine Langzeitbelichtung auf. All diese Aufnahmen wurden dann mithilfe der Rechenleistung des A12 Bionic und der Neural Engine zu einem einzigen Bild zusammengefügt. Das Ergebnis war ein Foto mit einem deutlich verbesserten Dynamikbereich, bei dem sowohl sehr helle als auch sehr dunkle Bereiche mehr Details zeigten und die Farben natürlicher wirkten.
Die verbesserte Rechenleistung wirkte sich auch auf den Porträtmodus aus. Obwohl das iPhone X bereits einen Porträtmodus bot, konnte das iPhone XS die Tiefeninformationen besser verarbeiten. Es war nun sogar möglich, die Tiefenschärfe (den Bokeh-Effekt) nach der Aufnahme im Nachhinein anzupassen – eine Funktion, die zum Zeitpunkt der Einführung als fortschrittlich galt (auch wenn andere Hersteller sie bereits implementiert hatten). Die verbesserte Tiefenkartierung wurde nun primär über den Hauptsensor und die NPU realisiert, was die Notwendigkeit des zweiten Sensors für die Tiefenmessung in einigen Szenarien reduzierte.
Verbesserungen bei Video und Selfies
Auch bei der Videoaufnahme und der Frontkamera gab es spürbare Fortschritte. Das iPhone XS führte die Stereo-Aufnahme für Videos ein. Dies war nicht nur einfaches Stereo, sondern Apple bezeichnete es als „breiteres Stereo“, das ein räumlicheres und immersiveres Klangerlebnis bieten sollte, insbesondere beim Abspielen mit Kopfhörern.
Die Selfie-Kamera blieb zwar bei der Auflösung (7MP, f/2.2) identisch mit der des iPhone X, profitierte aber ebenfalls vom schnelleren ISP des A12 Bionic. Dies führte zu einer verbesserten Geschwindigkeit und möglicherweise auch zu einer besseren Bildqualität, insbesondere bei schwierigen Lichtverhältnissen. Neu war auch die Möglichkeit, mit der Frontkamera 1080p-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufzunehmen, inklusive verbesserter Videostabilisierung.
Bildqualität im direkten Vergleich
Die technischen Spezifikationen sind das eine, die tatsächliche Bildqualität das andere. Erste Tests und Vergleiche nach der Veröffentlichung des iPhone XS zeigten, dass die versprochenen Verbesserungen nicht nur Marketing waren, sondern sich tatsächlich in den aufgenommenen Fotos niederschlugen.

Bei Tageslicht waren die Unterschiede zum iPhone X oft subtil, aber erkennbar. Fotos des iPhone XS zeigten tendenziell weniger Bildrauschen, waren manchmal etwas schärfer und litten seltener unter dem „Ölgemälde-Effekt“, den man bei einigen iPhone X Fotos in Bereichen mit feinen Details oder gleichmäßigen Flächen beobachten konnte. Der Dynamikbereich war dank Smart HDR sichtbar besser, was sich besonders in Szenen mit hohem Kontrast bemerkbar machte. Himmel behielten mehr Zeichnung, Schattenbereiche wurden aufgehellt, ohne unnatürlich zu wirken.
Der Teleobjektiv-Sensor war wie erwähnt identisch, aber auch hier konnte die verbesserte Bildverarbeitung des A12 Bionic zu leicht besseren Ergebnissen führen. Allerdings nutzte das iPhone XS, genau wie das iPhone X, bei schlechten Lichtverhältnissen oft nicht das optische Teleobjektiv, sondern vergrößerte digital das Bild des Hauptsensors. Dies führte zu einem Qualitätsverlust bei schlechtem Licht, wenn man den zweifachen Zoom nutzte.
Die spürbarsten Verbesserungen zeigte das iPhone XS bei schlechten Lichtverhältnissen. Dank der größeren Pixel des Hauptsensors und der intelligenten Multi-Frame-Verarbeitung durch Smart HDR und den ISP konnte das iPhone XS deutlich detailliertere und rauschärmere Bilder aufnehmen als das iPhone X. Die Belichtung war gleichmäßiger und die Farben wirkten satter.
Im Vergleich zu anderen Flaggschiffen der Zeit, wie dem Google Pixel 2 XL, zeigte sich, dass Apple mit dem iPhone XS im Bereich der computational photography aufholte, aber Google, das bereits länger auf diese Technik setzte, in einigen Aspekten (insbesondere bei sehr komplexen HDR-Szenen oder sehr wenig Licht) noch die Nase vorn hatte. Dennoch war der Sprung vom iPhone X zum XS in Bezug auf die Low-Light-Performance signifikant.
Leistung: Mehr als nur die Kamera
Auch wenn der Fokus auf der Kamera liegt, darf man die allgemeine Leistungssteigerung nicht außer Acht lassen, da sie indirekt auch die Kameraerfahrung beeinflusst (schnellere Verarbeitung, reaktionsschnellere App). Der Wechsel vom A11 Bionic im iPhone X zum A12 Bionic im iPhone XS war ein deutlicher Leistungssprung.
Der A12 Bionic war der erste Chip, der im 7-nm-Verfahren gefertigt wurde, was zu höherer Effizienz und Leistung führte. Die CPU-Kerne waren schneller, und die GPU (Grafikeinheit) verfügte über einen zusätzlichen Kern (4 statt 3), was sich besonders bei grafikintensiven Anwendungen und Spielen bemerkbar machte. Benchmark-Ergebnisse wie Antutu, GeekBench und 3DMark bestätigten die deutliche Überlegenheit des A12 Bionic.
Zusätzlich erhielt das iPhone XS 1 GB mehr Arbeitsspeicher (4 GB RAM statt 3 GB beim iPhone X). Mehr RAM ermöglicht besseres Multitasking und hält mehr Apps gleichzeitig im Speicher, was das Wechseln zwischen ihnen beschleunigt.
Diese gesteigerte Leistung des A12 Bionic und der zusätzliche RAM trugen auch zur verbesserten Kameraleistung bei. Die komplexe Bildverarbeitung von Smart HDR, die Echtzeit-Anpassung der Tiefenschärfe (später per Software-Update) und die schnelle Verarbeitung von Videos erforderte erhebliche Rechenleistung, die der A12 Bionic problemlos bereitstellte.

Weitere Unterschiede
Neben Kamera und Leistung gab es noch weitere Unterschiede:
- Wasserdichtigkeit: Das iPhone XS bot eine verbesserte Wasserdichtigkeit (IP68) im Vergleich zum iPhone X (IP67). IP68 bedeutet Schutz gegen dauerhaftes Untertauchen (bis zu 2 Meter Tiefe für 30 Minuten), während IP67 Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen (bis zu 1 Meter Tiefe für 30 Minuten) bietet.
- Speicheroptionen: Das iPhone XS führte eine neue Speicheroption mit 512 GB ein, zusätzlich zu den bereits vom iPhone X bekannten 64 GB und 256 GB.
- Dual-SIM: Beide Modelle unterstützten Dual-SIM, aber das iPhone XS war das erste Modell, das dies über eine physische Nano-SIM und eine eSIM (eingebettete SIM) ermöglichte. Das iPhone X bot in einigen Regionen eine Dual-SIM-Variante mit zwei physischen SIM-Slots, aber die eSIM-Technologie war beim XS breiter verfügbar.
- Display: Das Display war in Größe (5,8 Zoll), Auflösung (1125 x 2436 Pixel) und Technologie (Super Retina OLED) identisch. Die Anzeigequalität war bei beiden Geräten hervorragend.
- Akku: Die Akkukapazität des iPhone XS war mit 2658 mAh marginal geringer als die des iPhone X (2716 mAh). Durch den effizienteren A12 Chip konnte die tatsächliche Akkulaufzeit in einigen Nutzungsszenarien jedoch leicht verbessert sein. Beide unterstützten kabelloses Laden und Schnellladen.
Vergleichstabelle: iPhone X vs iPhone XS
| Spezifikation | iPhone X | iPhone XS |
|---|---|---|
| Prozessor | A11 Bionic | A12 Bionic |
| RAM | 3GB | 4GB |
| Hauptkamera (Weitwinkel) | 12MP, f/1.8, 1.22µm Pixel | 12MP, f/1.8, 1.4µm Pixel |
| Teleobjektivkamera | 12MP, f/2.4, OIS | 12MP, f/2.4, OIS |
| Bildverarbeitung | HDR | Smart HDR, verbesserter ISP |
| Videofunktion | Standard Stereo | Breiteres Stereo |
| Wasserdichtigkeit | IP67 | IP68 |
| Dual-SIM | Nano-SIM + (reg. Nano-SIM) | Nano-SIM + eSIM |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die Kamera des iPhone XS deutlich besser als die des iPhone X?
Ja, das iPhone XS bietet spürbare Verbesserungen bei der Kameraqualität im Vergleich zum iPhone X, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen und Szenen mit hohem Kontrast dank des neuen Sensors mit größeren Pixeln und der fortschrittlicheren Bildverarbeitung durch Smart HDR und den A12 Bionic Chip.
Lohnt sich ein Upgrade vom iPhone X zum iPhone XS nur wegen der Kamera?
Wenn Fotografie bei schlechtem Licht oder ein besserer Dynamikbereich sehr wichtig sind, kann sich das Upgrade lohnen. Allerdings waren die Unterschiede bei gutem Licht weniger dramatisch. Die Entscheidung hängt auch von anderen Faktoren ab, wie der allgemeinen Leistungssteigerung und der verbesserten Wasserdichtigkeit des XS.
Kann das iPhone XS Tiefenschärfe im Porträtmodus nachträglich anpassen?
Ja, das iPhone XS ermöglichte die Anpassung des Bokeh-Effekts nach der Aufnahme im Porträtmodus. Spätere Software-Updates erweiterten diese Funktion sogar.
Welchen Einfluss hat der A12 Bionic Chip auf die Kamera?
Der A12 Bionic Chip ist entscheidend für die verbesserte Kameraleistung des iPhone XS. Sein fortschrittlicher Bildsignalprozessor (ISP) und die Neural Engine ermöglichen Funktionen wie Smart HDR, eine schnellere Bildverarbeitung und verbesserte Porträtmodi.
Unterstützen beide iPhones die gleichen iOS-Updates?
Mit der Zeit wird das ältere Modell (iPhone X) keine Unterstützung mehr für die neuesten iOS-Versionen erhalten, während das iPhone XS länger mit Updates versorgt wird. Dies kann sich auf die Verfügbarkeit neuer Kamerafunktionen auswirken, die an die Software gebunden sind.
Fazit
Das iPhone XS mag auf den ersten Blick seinem Vorgänger, dem iPhone X, sehr ähnlich sehen, doch unter der Haube gab es wichtige Weiterentwicklungen. Insbesondere im Bereich der Kamera hat Apple mit dem iPhone XS einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Der neue Sensor mit größeren Pixeln in Kombination mit der leistungsstärkeren Bildverarbeitung durch den A12 Bionic Chip und Smart HDR führte zu einer verbesserten Bildqualität, besonders bei schwierigen Lichtverhältnissen und in Szenen mit hohem Kontrast. Auch die Videoaufnahmen profitierten von der Einführung des breiteren Stereo-Sounds.
Während das iPhone X bereits eine ausgezeichnete Kamera besaß, setzte das iPhone XS neue Maßstäbe, die es zu einem der führenden Kamera-Smartphones seiner Zeit machten. Für Nutzer, denen die Foto- und Videoqualität besonders wichtig ist, stellte das iPhone XS eine lohnende Verbesserung dar. Auch die allgemeine Leistungssteigerung und die verbesserte Wasserdichtigkeit waren Pluspunkte des neueren Modells.
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